Liebe Experten,
mit meinem Bino-Tubus und einem 1x Objektiv mit Blende habe ich mir eine Auflichtmikro gebaut
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/160213_50221410.jpg)
Meine Frage: Im Beyer-Rieseberg, 3. Aufl. S. 350f wird eine Möglichkeit zur Stereobetrachtung angegeben.
Man soll die beiden Okulare jeweils innen zur Hälfte abdecken. Dann kann man in Stereo betrachten.
Das habe ich gemacht, aber ein Stereo-Effekt hat sich nicht eingestellt. Ich habe, wie im Bild zu sehen, einen Kristall als Objekt gewählt.
Ich bitte um die Meinung der Fachleute
Vielen Dank im Voraus
Peter aus Lorsch
Hallo Peter,
wenn das auf dem Foto in etwa der Arbeitsabstand ist, in dem Du ein scharfes Bild hast, ist der Unterschied der beiden Bilder zu gering, da der Winkel zu spitz ist. Du erreichst ja durch das Abdecken der Hälften in den Okularen, dass Du jeweils einmal den linken einmal den rechten Teil des Strahlenganges durch das Objektiv nutzt. Stereomikroskope, die auch mit einem Objektiv auskommen, haben da nicht umsonst so große Objektive. Einen interessanten Beitrag zur 3-D-Mikroskopie mit "normalen" Durchlichtmikroskopen findest Du hier (http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=13119.msg98827#msg98827)
Beste Grüße
Gerd
Guten Abend Gerd,
jetzt ärgere ich mich aber, daß ich nicht selbst darauf gekommen bin!
Das bedeutet doch, daß ich mir ein gebrauchtes Fotoobjektiv besorge, dann müßte es gehen.
Welche Brennweite schlägst Du vor?
Die Adaption wäre für meine kleine Drehbank kein Problem.
Also vielen Dank für das Privatissimum
Grußü Peter aus Lorsch
Hallo Peter,
entschuldige bitte, daß ich mich einmische.
Sehr gut funktioniert bei meinem MBS-10 auch ein Objektiv aus einem Kleinbild-Diaprojektor Adox 1:2,8/100mm
Liebe Grüße,
Johann
Zitat von: Wutsdorff in November 18, 2014, 22:26:40 NACHMITTAGS
Das bedeutet doch, daß ich mir ein gebrauchtes Fotoobjektiv besorge, dann müßte es gehen.
Moin,
ich möchte da kein Spielverderber sein, aber ob da nun das gezeigte (Leitz 1fach-Objektiv, wenn ich mich nicht irre) Mikroskop-Objektiv verbaut ist, oder dieses durch ein im Durchmesser größeres Foto-Objektiv ersetzt wird - es wird sich wenig ändern.
Der Halbbild-Abstand (die Stereo-Basis) wird im gezeigten Fall durch den Durchmesser des Strahlengangs im Binotubus beschränkt. Stereomikroskope (hier: vom Galilei-Typ) haben jedoch zwei getrennte Strahlengänge, die aus den äußeren Bereichen des großen Hauptobjektivs entnommen werden. Der Abstand dieser (auch mechanisch getrennten) Strahlengänge bei den alten ZEISS STEMIs, OPMIs und Epitechnoskopen betrug 22 mm. Die modernen Geräte sind zur Erziehlung höherer n.A. mit noch größeren Abständen versehen. Bei gegebenem Arbeitsabstand ist es aber dieser Abstand, der die 3D-Wirkung ergibt. Bei 100mm AA ergeben sich beim ZEISS STEMI damit 2x ca. 7° Abweichung von der neutralen Senkrechten, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.
Dieser Winkel ergibt eine deutliche Stereo-Wirkung, ist zum Arbeiten ideal, zur Dokumentation und späteren Projektion(!) aber stark einschränkend in Bezug auf die so abbildbare Tiefenzone. Will ich bei einer Projektion die 70 Minuten-Regel einhalten, so muss die sichtbare Tiefenzone - egal ob scharf oder nicht - auf ca. 2mm eingeschränkt werden, da sonst Bildzerfall eintritt-
Im gezeigten Fall ist wohl die einzige Möglichkeit, die Stereo-Wirkung für den Betrachter zu optimieren, eine Verringrung des Arbeitsabstandes bzw. Wahl eines kürzerbrennweitigen Objektivs, da damit die Vergrößerung der Stereo-Basis einher geht, leider auch eine Verringerung der Schärfentiefe. Abblenden des Objektivs ist aus dem gleichen Grund kontraproduktiv.
Wer sich über die Nutzung des normalen monobjektiven Mikroskops zur 3d-Betrachtung informieren möchte, dem seien vor Allem die Mikrokosmos-Beiträge von Herrn Dr. Wolf(f?), Würzburg empfohlen. Man kann übrigens recht gut mit der Polfiltertrennung arbeiten und vermeidet damit den lästigen Schlüsselloch-Effekt, der bei der Anbringung von Halbblenden entstehen kann, weil man diese ja idealerweise genau dahin setzt, wo man eigentlich sein Auge haben möchte: in die Austrittspupillenhöhe. Probleme kann es mit Polfiltern aber leicht geben bei der Betrachtung von doppelbrechenden Strukturen, weil die Doppelbrechung in den beiden Kanälen oft unterschiedlich ist und bei der Betrachtung irritieren kann.
Empfohlen seien außerdem die Ausführungen von Herrn Göke im Mikrokosmos und in seinem Buch über die "Moderne(n) Methoden der Lichtmikroskopie"
Ich hoffe geholfen zu haben
Freundliche Grüße
Wolfgang
p.s.: Wer einen Schreibfehler findet, der darf ihn gerne behalten!