Hallo Technikkenner,
an einem Kondensor muss die Frontlinse einiges mitgemacht haben. Sie sieht aus wie eine gut genutzte Eislauffläche:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/165276_36586244.jpg)
Gibt es eine Möglichkeit, die Linse neu plan zu schleifen oder zu polieren?
Evtl. sogar im do it yourself - Verfahren?
Freundliche Grüße
Peter
Moin,
Das sieht ja wirklich übel aus. Unter dem Stichwort micromesh findet man Schleifgewebe mit einer Feinheit des Korns von 12000. Das wurde entwickelt, um Kratzer in militärischen Pilotenkanzeln herauszupolieren. Ich nutze es, um Mikrofossilien nach dem Einschluss in Eis abzuschleifen, um innere Strukturen schrittweise freizulegen. Dieses Schleifmaterial ist auch für solche Probleme wie verkratzte Linsenoberflächen gut geeignet. Es bleibt nur der Hauch einer Trübung auf der Oberfläche nach. Eine etwaige Vergütung ist natürlich weg. Im Do it yourself -Schleifen von astronomischen Spiegeln gibt es gleichfallls solch hochwertiges Schleifmaterial, was weiterhelfen kann.
Grüsse sendet
CMB
Einen Hauch Immersionsöl drauf, fertich.
Moin,
Mit dem Immersionsöl kann es auch funktionieren... Aber wahrscheinlich sind die dicken Kratzer zu tief.
... Versuch macht klug...
Grüsse sendet
CMB
> Aber wahrscheinlich sind die dicken Kratzer zu tief
Die Astronomen schleifen spiegel selbst, es gibt ohne große Probleme Schleif- und Poliermittel.
Aaaber:
- Die Fläche der Kondensorlinse ist sehr klein. Ohne eine Vorrichtung, nur aus der Hand, wird das schwierig. Die zu schleifenden Spiegel liegen typischerweise zwischen 4 und 20 Zoll im Durchmesser
- Es ist sehr schwierig, eine Planfläche zu schleifen. Nicht nur im Bastelkeller, auch für die Industrie. Bei Kugelflächen bedeutet eine winzige Änderung des Radius nix, da ist eben die Brennweite eben ein klein wenig anders. Aber eiene Brennweite Unendlich braucht nur wenig Abweichungen für eine prozentual große Brennweitenänderung
- Ich weiß nicht, ob Kondensoren vergütet sind. Diese Vergütung ist wohl nur noch in Resten vorhanden, sie wäre dan ganz weg.
Wenn das reine Öl nicht hilft, würde ich ein Deckglas aufkitten. Für einen Kondensor ist diese Änderung der Apertur sicher zu verschmerzen. Im ersten Versuch kann man das Gläschen mit Öl aufkleben und ausprobieren, ob man die Kratzer ausfüllen kann. Kleben in diesem Fall wohl besser mit einem Material, was man wieder lösen kann, wie Kandabalsam.
Hallo Herr Reil,
bei einer totalzerkratzten Objektivlinse habe ich mir mit einem Tröpfchen verdünnten Caedax geholfen.
Groß Putzen ist da zwar nicht mehr drinn, aber die Abbildungsqualität hat sich sprunghaft verbessert.
Herzliche Grüße
Herbert
Liebe Mithelfer,
vielen Dank für die Ratschläge. Nach sehr zeit- und muskelintensiven Bemühungen habe ich mit Lackpolitur schon etwas an Verbesserung herausgeholt.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/165294_1954867.jpg)
Jetzt ist das Teil unterwegs zu einer Fachwerkstatt. Ich hoffe, die "geben der Linse den Rest".
Freundliche Grüße
Peter
Hallo Peter,
Meinen Teleskopspiegel hatte Ich damals mit Schleifpulvern von Merck geschliffen. Statt Autopolitur könnte auch Stahlfix Classic helfen. Der Weg zu einer Fachwerkstatt ist natürlich der beste Weg. Aber deine Arbeit hat schon Früchte getragen. :)
Liebe Grüße Jorrit.
Äh.....
habt Ihrs schon mal mit Zahnpasta versucht?
Auch ein seehr feines Korn.
Grüße
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
ich hoffe doch sehr, dass die Zahnpastaschleifkörner nicht die Moos-Härte 7 haben, die mindestens nötig ist, um Glas zu schleifen.
ZitatMeist wird Kalziumkarbonat, Kreide, Meersalz oder Kieselsäure als Putzkörper verwendet.
Zitat aus: http://zahnweissinfo.com/zahnpasta-inhaltsstoffe/
Na, ja, mit der Kieselgur könnte es vielleicht klappen, aber ein Poliermittel, bei dem ich weiß was genau drin ist wäre mir trotzdem lieber.
Beste Grüße
Gerd
ZitatÄh.....
habt Ihrs schon mal mit Zahnpasta versucht?
Auch ein seehr feines Korn.
Hallo Wolfgang,
Hab´ich und viele andere Mittelchen auch. Polieren allgemein und im Besonderen von Glas auf gewohnte Oberfläche ist eine interessante, fesselnde, zeitraubende und überaus erkenntnisreiche und ungeheuer frustrierende/beglückende Tätigkeit. ;D Jedenfalls ist das meine Erfahrung.
Gruß - EFH
> schon mal mit Zahnpasta versucht?
Zahnpasta greift Glas nicht an. Im Gegenteil: Es ist eine Geheimwaffe gegen trübe, beschlagene Linsen. Damit poliert werden sie wieder klar. Ajona geht am besten.
Hatte auch mal so ein Problem mit einer Glasoberfläche
Für Glas eignet sich (meine Meinung) am besten Ceroxid als Poliermittel
Gruss Robert
Hallo,
bevor der Faden zu sehr in "Wie poliere ich am besten eine Glasoberfläche ?" abdriftet, hätte ich noch eine Frage zu den Auswirkungen
an einer Kondensorfrontlinse.
Waren denn die Auswirkungen der zerkratzten Kondensorfrontlinse auf die Bildqualität so gravierend ?
Also bei einer Objektivfrontlinse abbildungsseitig kann ich mir das vorstellen, aber beleuchtungsseitig ?
Peter, könntest du bitte mal ein Bild einstellen wo man das sieht ?
Und war die Bildqualität nach der Politur dann zufriedenstellend ?
Offensichtlich nicht, sonst würdest du ihn ja nicht wegschicken.
viele Grüsse
Wilfried
Hallo Wilfried,
die oben gemachten Bilder waren durchs Okular mit dem 4er Objektiv auf die Kondensorlinse scharf gestellt.
Im mikroskopischen Bild machten sich die Kratzer beim abgeblendeten 4er Objektiv deutlich bemerkbar. Es gab keinen homogenen Hintergrund. Daraufhin hatte ich nach der Ursache gesucht und diese auch gefunden.
Meine Polierversuche hatten eine Verbesserung gebracht, aber keine Zufriedenstellung.
Wenn ich das Teil zurück habe, werde ich berichten.
Freundliche Grüße
Peter
Hallo erstmal,
den Spaß kenne ich von der "normalen" Verschmutzung her.
Also einfach den Kondensor tiefer gedreht, und weg ist der Spuk (Köhler allerdings auch :-) )
Grüße
Wolfgang
Darf ich auch meine Erfahrung mitteilen?:
Ich habe öfter Theodoliten und Sextanten resteuriert. Wohlmeinende Hausfrauen hatten es mit Silberputzmitteln geschafft, die Gravur fast wegzuputzen. Zahnpasta ist viel sanfter.
Gruß Peter aus Lorsch
Zitat von: Peter Reil in Februar 04, 2015, 15:37:12 NACHMITTAGS
Im mikroskopischen Bild machten sich die Kratzer beim abgeblendeten 4er Objektiv deutlich bemerkbar. Es gab keinen homogenen Hintergrund. Daraufhin hatte ich nach der Ursache gesucht und diese auch gefunden.
Kann man fragen: Ist das bei kritischer Beleuchtung, oder auch bei einer Köhler-Beleuchtung?
mfg
Frieder
Hallo Frieder,
das war kritische Beleuchtung, aber auch bei Köhler ist es so.
Es hilft nur, den Kondensor abzusenken, aber das geht eben auf Kosten der Qualität des Bildes.
Freundliche Grüße
Peter
Hallo,
die planpolierte Linse ist zurück.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/166551_13057740.jpg)
Ich denke das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Blende ist voll zugezogen, der kleine Krümel ist ein Staubkorn, das ich draufmachen musste, um überhaupt auf die nun absolut kratzerfreie Oberfläche scharf stellen zu können. Ich bin sehr zufrieden.
Die Linse ist nach Aussage des Fachmanns doch aus Kunststoff und nicht aus Glas.
Freundliche Grüße
Peter
Hallo Peter,
ZitatDie Linse ist nach Aussage des Fachmanns doch aus Kunststoff und nicht aus Glas.
??? Zu welches Mikroskop gehört der Kondensor? Beste Grüsse,
Rolf
Hallo Rolf,
es ist ein Phasenkontrastkondensor von Olympus für die neuere CH-Baureihe (z. B. für CH30).
Freundliche Grüße
Peter
Lieber Peter,
wo hast Du das machen lassen?
Herzliche Grüße
Peter
Hallo erstmal,
die Adresse gehört im Forum festgemacht!!
Eine saubere Leistung!
Grüße
Wolfgang
Hallo Peter,
Zitates ist ein Phasenkontrastkondensor von Olympus für die neuere CH-Baureihe
Da bin ich ein bischen enttäuscht, das hätte ich von Olympus nicht erwartet. Oder vielleicht doch, die spätere Olympus Mikroskope haben viel mehr Plastik dran. OK, der Kondensor ist natürlich kein Bildformendes Teil, aber dennoch, ich finde Kunststof ein bischen eine Billiglösung. Beste Grüsse,
Rolf
Hallo Rolf,
Kunststoff ist eine Billiglösung (Profitmaximierung)
Grüße
Wolfgang
Hallo Peter.
Wenn die Linse aus Plastik war, hätte man Sie aber auch selbst schleifen können.
Liebe Grüße Jorrit.
Hallo,
die Adresse gebe ich gerne weiter: www.optikpraxis.de
Ob die Linse aus Glas oder Kunststoff ist, ist mir schlicht egal. Mir geht es um die optische Leistung und wenn die mit Kunststoff genauso erreichbar ist, sehe ich darin kein Problem. Ob man deshalb gleich von einer "Billiglösung" sprechen kann?
Ich bin jedenfalls mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
Freundliche Grüße
Peter
PS: Hallo Jorrit,
Zitat
Wenn die Linse aus Plastik war, hätte man Sie aber auch selbst schleifen können.
Man vielleicht, ich konnte es nicht.
Hallo,
warum ist Kunststoff automatisch eine "Billiglösung", abgesehen davon dass sie oft tatsächlich billiger in der Fertigung ist? Zugegebenermaßen wäre wahrscheinlich die Fläche bei Glas nicht so zerkratzt gewesen (wobei die Frage ist warum ein Kondensor überhaupt so zerkratzten kann). Aber man kann auch aus Kunststoffen qualitativ hochwertige Produkte erzeugen, die auch noch bezahlbar sind, und manchmal sogar Dinge die mit konventionellen Materialien nicht möglich wären. Sogar im Optikbereich.
@Jorrit: Kunststoff ist nicht wirklich leichter schleif- und polierbar als Glas. Bei hohen Anforderungen an die Oberflächenqualität ist eher das Gegenteil der Fall ;)
Hubert
Zum Thema Glas vs. Kunststoff:
Ich denke, jedes Material hat seine Eigenschaften, div. Vorzüge und Nachteile. Z.B. wäre ein Forschungs-U-Boot mit Glasfenstern unmöglich, da Glas nicht sehr druckresitent ist. Je nach Zweck muß gewählt werden. Es gibt auch x Glas- und Kunststoffsorten und -Qualitäten.
Zur Bearbeitung: Auch hier gibt es sicherlich Vor- und Nachteile. Planschleifen ist aber mit Sicherheit sehr viel einfacher als eine komplexe Krümmung zu schleifen.
Liebe Grüße Jorrit.
Hallo,
Zitat@Jorrit: Kunststoff ist nicht wirklich leichter schleif- und polierbar als Glas.
Im Prinzip ist das genau so gut schleif- und polierbar. Wird in der Autoindustrie bei den Hochglanz-Lacken gemacht. Der Trick ist, bei -70 °C zu schleifen/polieren. Dazu wird das Objekt mit einem Schlauch mit "Kaltgas" aus einer Flasche flüssiger Luft bedampft. Dann schleift es sich wie Glas.
Carsten
Hallo Carsten,
ZitatIm Prinzip ist das genau so gut schleif- und polierbar. Wird in der Autoindustrie bei den Hochglanz-Lacken gemacht.
es geht hier um optische Bauteile nicht um Autolack. Ich glaube nicht dass dort eine vergleichbare Ebenheit angestrebt wird, sonst wären Autos nicht bezahlbar. ;D
Hubert
Hallo.
Eben bzw plan ist einfach. Eine perfekte Parabolform ist wesentlich schwerer. Besonders wenn die Krümmung eine Abweichung von ca. 1/350000 mm von der Idealkrümmung haben soll.
Liebe Grüße Jorrit.
Hallo Jorrit,
ZitatEben bzw plan ist einfach. Eine perfekte Parabolform ist wesentlich schwerer. Besonders wenn die Krümmung eine Abweichung von ca. 1/350000 mm von der Idealkrümmung haben soll.
das ist doch ein vollkommen sinnentleerter Beitrag. >:(
Wer fertigt ein optisches Bauelement auf 1/100 Wellenlänge Oberflächengenauigkeit??? Das ist tatsächlich schwer. ;D Aber schwerer als was? Als eine perfekte Planfläche?
Außerdem ging es hier um einen Kondensor, nicht um einen astronomischen Parabolspiegel (den du vermutlich in die Diskussion bringen willst). Und Planflächen sind mit vergleichbarer Genauigkeit auch schwierig zu fertigen. Außer du vergleichst die Herstellung eines Parabolspiegels mit dem Herauspolieren von Kratzern aus einer Kunststoffplatte mit Hausmitteln wie altem Wolllappen und den Resten von Omas Silberputzpaste.
???
Da werden wieder einmal Äpfel und Birnen gemeinsam in die Diskussion geworfen.....
Hubert
Hallo Hubert.
Eine plane Fläche ist einfacher herzustellen, als eine exakte, z.B. nicht spherische Krümmung. Sowohl fertigungstechnisch als auch meßtechnisch.
Das hat Nichts mit Äpfel und Birnen zu tun. Auch bei einer Kondensorlinse mit einer planen und einer nicht planen Fläche.
Wer fertigt ein optisches Bauelement mit der Genauigkeit: Ich von/mit der Hand.
ZitatAber schwerer als was? Als eine perfekte Planfläche?
Ja. Zumindest mit gleicher Genauigkeit.
Liebe Grüße Jorrit.
Hallo Jorrit,
die Frage war rhetorisch gemeint, mir ging es nicht so sehr darum wer Lambda/100 fertigen kann, sondern wer es wirklich braucht. Natürlich gibt es spezielle Anwendungen wie Interferometer-Planspiegel oder z.B. in der Astronomie zur Maximierung des Kontrastes. Aber das hat doch alles nichts mit diesem Tread und dem Beleuchtungskondensor zu tun. Da geht es nicht mal um Lambda/2, und offensichtlich nur um die dem Objektträger zugewandte Planfläche.
Du kannst mir ja gelegentlich im Mikro Cafe erklären, wie du einen Lambda/100 Planspiegel so viel einfacher herstellst, mit einfacherer Messtechnik.
Hubert
Zitat von: Lupus in Februar 18, 2015, 21:15:17 NACHMITTAGS
Hallo,
warum ist Kunststoff automatisch eine "Billiglösung", abgesehen davon dass sie oft tatsächlich billiger in der Fertigung ist? Zugegebenermaßen wäre wahrscheinlich die Fläche bei Glas nicht so zerkratzt gewesen (wobei die Frage ist warum ein Kondensor überhaupt so zerkratzten kann)
Wenn man Erdproben mikroskopiert, und beim Nachwässern gegen Austrocknen Sandkörner nach unten spült, können diese beim Positionieren der Probe solche Riefen ziehen. Erwischt man dabei einen Quarzsand, dann kann er auch Glas verkratzen. Ich musste feststellen, daß ich auch geschafft habe einen Kratzer in meinen Kondensor zu bekommen, den Übeltäter (kleines Sandkorn) konnte ich noch dingfest machen.
PS:Ich bin auch nicht der Ansicht, daß Kunststoffe per se "Billig-Lösung" sind. Unter den Kunststoffen als technische Materialien gibt es solche mit ganz vorzüglichen Eigenschaften für viele Anwendungen, darunter auch solche mit nicht wirklich günstigen Preisen.