Hallo Freunde alter Leitz-Objektive und -Mikroskope,
Mir ist ein wunderschönes, altes Leitz Objektiv für die Tubuslänge 170 mm mit der Bezeichnung P1, 3,2:1 A 0,12 ,,zugeflogen". Ich habe allerdings keine Ahnung, zu welchem Mikroskop dieses Objektiv gehört.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/166408_10778996.jpg) (http://s1368.photobucket.com/user/Carlos125/media/P1030739_zps8748be4b.jpg.html)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/166408_15292788.jpg) (http://s1368.photobucket.com/user/Carlos125/media/P1030738_zpsdf18a57f.jpg.html)
Die Apertur von 0,12 ist für ein 3,2:1 Objektiv mit einem freien Arbeitsabstand von 35 mm (von mir gemessen) außergewöhnlich hoch. Daher wohl eine auffällig große Frontlinse und die aufwendige Bauart.
Da als Tubuslänge 170 mm angegeben ist, hielt ich es für passend für meine Ortholux- Mikroskope. Leider kann der Tisch des Ortholux nur mit Tricks stark genug abgesenkt werden, um einen freien Arbeitsabstand von 35 mm einzustellen. Mit einem Periplan-Okular liefert das Objektiv dann jedoch ein recht gutes Bild.
In einer Tabelle alter Leitz Objektive für die Tubuslänge 170 mm habe ich ein 3,2:1 A 0,12 mit einem freien Arbeitsabstand von 35 mm gefunden, allerdings ohne den Zusatz P1. Für dieses Objektiv ist für die Verwendung eines Huygens-Okular empfohlen. Daher meine Fragen an die Leitz-Experten des Forums:
Was bedeutet die Bezeichnung P1?
Zu welchen Mikroskopen passt das Objektiv?
Für welche Verwendung war es gedacht?
Liefert ein Huygens-Okular ein besseres Bild als ein Periplan?
Mit freundlichen Grüßen Carlos
Hallo Carlos,
die Gravur P1 ist m. E. nicht original von Leitz, sondern wurde vom Besitzer nachträglich angebracht. Vielleicht ein Institut?
Wolfgang (Ortholux) kann sicher mehr sagen.
Hallo,
Der lange Arbeitsabstand weist schon darauf hin, dass dieses Objektiv mit den anderen nicht abgeglichen war. Das 2,5 und das 3,2 waren beide nicht abgeglichen ("Alle Objektive ab 3.5/0.10 sind am Revolver abgeglichen"). Bei der Pol-Version dieses Objektivs findet sich der Zusatz "nicht fuer SM-Pol", vermutlich, weil das SM als kleines Stativ keinen ausreichenden Tischhub hatte.
Beste Gruesse, Jon
Die Abgleichlänge 67mm (Arbeitsabstand+Objektivlänge bis Gewinderand) gab es aber auch bei anderen niedrig vergrößernden Leitz-Objektiven . P steht für polarisationsgeeigent und mit 1 waren die 3,2 mit 1h die 3,5er bezeichnet. Hatte auch schon so eines, also dürfte die Gravur original sein. Mit der Abgleichlänge kommen nicht nur das Sm-Pol (1,8cm Hub) nicht klar sondern auch noch einge andere Bautypen.
Hallo,
Herzlichen Dank für eure spontanen Antworten,
Hallo Klaus ,
Ja, das Objektiv stammt aus einem Forschungsinstitut, bei dem ich mal beschäftigt war. Es gehörte zu den Objektiven, die ich zusammen mit einem alten, heruntergekommenen Ortholux mit Pol-tubus aber ohne Pol-Tisch sondern mit Kreuztisch vor langer Zeit erworben habe. Ob ein Pol-Tisch die Abgleichlänge von 67 mm zulässt, weiß ich nicht. Die P1 Signatur ist aber offensichtlich von Leitz.
Hallo Jon,
Ja, das Objektiv ist am O-Revolver mit keinen anderen Objektiven abgeglichen. Dies trifft aber auch auf mein 170/- 3,5 A 0,1 zu. Hier ist der freie Arbeitsabstand zwar auch relativ groß, allerdings deutlich kleiner als beim 3,2:1. Die Abgleichlänge ist wegen der kurzen Bauweise selbst deutlich kleiner als die meiner Objektive mit kleiner (<40 mm) Abgleichlänge.
Hallo Stefan,
Ja, P1 für polarisationsgeeignet ergibt Sinn. Bleibt die Frage, ob es am Pol-Tisch eines Ortholux einsetzbar ist, oder ob ein anderes Leitz Stativ verwendet wurde.
Mit freundlichen Grüßen Carlos
Lieber Carlos,
der (Pol-)Tisch des Ortholux lässt sich problemlos so weit absenken, so daß das Objektiv dort einsetzbar ist. Auch etliche Hufeisenstative, Panphot oder das Laborlux gestatten den Einsatz dieses Objektivs. Beim Ortholux muß man aufpassen, daß der Tisch so tief in der Schwalbenschwanzführung montiert ist, daß der Tischträger nicht unten in den Beleuchtungsstrahlengang ragt.
Stefan hat recht, was die Gravur anbelangt. Sie ist definitiv original.
Viele Grüße
Wolfgang
Hallo,
jetzt habe ich in meinen Kisten gekramt, und auch das 3,2/0,12 gefunden. Aber das P für Pol-geeignet steht vor der Maßstabszahl. Gab also offensichtlich Varianten.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/166441_59863213.jpg) (http://s106.photobucket.com/user/microklaus/media/Mikropraeparate%202012/Micropaeparate_2013/IMG_3402_zpsd13bbcb2.jpg.html)
Zitat von: ortholux in Februar 16, 2015, 23:45:59 NACHMITTAGS
Stefan hat recht, was die Gravur anbelangt. Sie ist definitiv original.
Sehr seltsam, die Gravur ist assymetrisch angebracht und auf der Rueckseite. Ein ungewoehnlicher Platz um den Hinweis auf die Pol-Mikroskopie zu verstecken.
Jon
Hallo zusammen,
Danke für die Infos zum Objektiv. Jetzt weiß ich mehr. Bleibt noch die Frage, ob ein Huygens Okular mit dem Objektiv ein besseres Bild liefert als ein Periplan.
Meine Überlegungen gehen dahin, das Objektiv wegen des außergewöhnlich großen, freien Arbeitsabstands und der zusätzlich hohen Apertur für Auflichtaufnahmen zu nutzen. Zum Einen sollte die Ausleuchtung wegen des großen Arbeitsabstands wesentlich erleichtert sei, zum Anderen sollte die relativ hohe Apertur eine gute Auflösung zeigen. Mache ich da einen Gedankenfehler?
Gruß Carlos
Hallo,
Ja, das Bild sollte mit nicht-kompensierendem Okular besser sein. Diese Objektive sind fast CVD-frei. Loveland (1970) schreibt, dass "kommerzielle" (gemeint sind wohl damals uebliche) Huygensche Okulare eine CVD von -0.25 % haben; Achromate mit geringer Vergroesserung (2-10fach, CVD zwischen 0 und 0.25 %) wurden mit Huygenschen Okularen verwendet. Man koennte es sogar mal mit direkter Projektion des Zwischenbildes auf den Sensor versuchen.
Loveland (1970): Photomicrography.