Liebe Pflanzenfreunde,
das ausdauernde Kraut findet sich zerstreut bis häufig auf feuchten Wiesen, buschigen Hängen, in Ufergebüschen, Auen, Gräben und an Ufern vom Flachland bis in die subalpine Höhenstufe. Seine Heimat ist die gemäßigte Zone Eurasiens. Die Blütezeit ist von Mai bis September.
Bild 01 Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
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Foto: H.-J_Koch
Therapeutische Verwendung findet der Wurzelstock mit dem Wurzelwerk (Radix valerianae).
Bild 02 Baldrianwurzel, getrocknet
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Author: 3268zauber
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Man gewinnt die Droge heute ausschließlich von Kulturformen, meist im zweiten, manchmal schon im ersten Vegetationsjahr; immer im Herbst. Nach gründlichem Waschen wird das Ernte Gut bei künstlicher Wärme bis zu 45 ° C getrocknet. Erst durch das Trocknen erhält die Droge ihren typischen, würzigen Geruch; sie schmeckt anfangs süßlich, später bitter.
Die sprichwörtliche Anziehungskraft auf Katzen geht auf den spezifischen Duft der getrockneten Wurzeln zurück.
Auch den alten griechischen und römischen Ärzten war die Heilwirkung des Baldrians wohl bekannt. Hildegard von Bingen und auch Paracelsus nutzen seine Heilkraft. Im 15. Jahrhundert wurde Baldrian wohl auch als Aphrodisiakum verwendet. In einer Handschrift aus dem Schloss Wolfsthurn bei Sterzing steht zu lesen: "Wilter (willst Du) gute freundschaft machen under manne und under weibe, so nym valerianum und stosz die czu pulver und gib ins czu trinken in Wein". Baldrian wurde auch gegen Seuchen und die Pest eingesetzt.
Ein angelsächsischer Spruch besagt: "Trinkt Baldrian, so kommt ihr alle davon".
Der Legende nach, ritt die nordische Göttin Herta mit einem Hirsch durch den Wald und zähmte die wilden Tiere mit einer Baldrian – Gerte.
Die Verwendung als Beruhigungsmittel war damals unbekannt und ist eine Erkenntnis jüngerer Zeit. Baldrian wirkt nervenberuhigend, krampflösend und reguliert die Herztätigkeit bei nervösen Herzbeschwerden.
Baldrianwurzeln werden innerlich in Form von Kaltwasserauszügen, Tinkturen (Baldriantropfen) und Fertigpräparaten als wirksames Beruhigungsmittel bei Erregungszuständen, Schlaflosigkeit, nervöser Erschöpfung und Herzklopfen verordnet. Der Anbau von Baldrian wird vor allem in Deutschland, Belgien und den osteuropäischen Ländern, besonders in der Sowjetunion, betrieben.
Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl: Gehalt etwa 0,3 bis 0,7 %. Zusammengesetzt aus einer Vielzahl von Komponenten. Je nach Herkunft der Droge zudem recht große Unterschiede im quantitativem Gehalt der einzelnen Bestandtele. Als Hauptkomponenten des Öls gelten allgemein die Sesquiterpene Valeranon, Cryptofauronol, Valerenal und die Monoterpene Camphen, Bornylacetat und Bornylisovalerianat. Als weitere bedeutungsvolle Inhaltsstoffe gelten die Valepotriate (Valeriana-Epoxy-Triester), welche zur Stoffgruppe der 10C-Iridoide zählen. Auch bei den Valepotriaten bestehen je nach Herkunft der Droge große Unterschiede in der Zusammensetzung. Als Hauptkomponenten dieser Stoffgruppe gelten jedoch Valtrat und Isovaltrat und als weitere wichtige Substanzen Didrovaltrat und IVHD-Valtrat. Ebenfalls in beachtlicher Menge anzutreffen und in Fertigpräparaten sogar dominierend sind Abbauprodukte der Valepotriate vom Typ des Baldrinals. Weiterhin nichtflüchtige Sesquiterpene mit Valerensäure (Leitsubstanz für die HPLC-Gehaltsbestimmung entsprechend Ph. Eur.) und Acetoxyvalerensäure als wichtigsten Vertretern. Alkaloide: Nur in sehr geringen Mengen vorkommende monoterpenoide Pyridinalkaloide, darunter das Actinidin (Gehalt 0,01-0,1 %), und das nichtterpenoide Naphthyridylmethylketon. Für die positive Reaktion mit Dragendorffs-Reagenz sind ferner Lignane verantwortlich, die aus diesem Grund früher für Alkaloide gehalten wurden. Der Gesamtgehalt beträgt ca. 0,5 %, wichtigste Substanz dieses Strukturtyps ist Pinoresinol-4,4'-di-O-ß-glucosid, weitere Komponenten sind Derivate des Olivils, Massoniresinols und Berchemols.
Der botanische Name des Baldrians ist Valeriana officinalis. Valeriana ist der mittelalterliche Name der Pflanze, möglicherweise abgeleitet vom lateinischen valere für kräftig - gesund sein. Der Artname officinalis, bedeutet so viel wie anerkannte Arzneipflanze.
Bild 03 Illustration, Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
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Quelle: Flora von Deutschland Österreich und der Schweiz (1885)
© Kurt Stueber, 2007, www.BioLib.de
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Systematik:
Ordnung: Kardenartige (Dipsacales)
Familie: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
Unterfamilie: Baldriangewächse (Valerianoideae)
Gattung: Baldriane
Wissenschaftlicher Name: Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
Synonyme: Valeriana baltica PLEIJEL, Valeriana exaltata J. C. MIKAN, Valeriana palustris KREYER.
Volkstümliche Bezeichnung: Hexenkraut, Katzenkraut, Augenwurzel, Brachkraut, Krampfwurzel, Windwurzel, Mondwurzel, Waldspeik, Rattenwurzel, Denmarkwurzel, Bullerian, Dreifuß, Marienwurzel, Ollerjan, Viehkraut, Wendwurzel oder Tollerjan.
Englischer Name: (garden) valerian, common valerian
Die Baldriangewächse (Valerianaceae) waren eine Pflanzenfamilie der Kardenartigen (Dipsacales) mit 17 Gattungen und 300 bis 400 Arten. Sie wurde von August Johann Georg Carl Batsch erstbeschrieben und ging später in den Geißblattgewächsen (Caprifoliaceae) auf.
Der Echte Baldrian ist an seinem hohen Wuchs (30 – 170 cm) und an seinen unpaarig gefiederten Blättern zu erkennen. Blätter mit 3 bis 12 Paaren elliptisch-lanzettlicher, ganzrandiger bis unregelmäßig gezähnter Fiederblättchen. Untere Stängelblätter lang gestielt, obere fast sitzend, Grundblätter zur Blütezeit hinfällig. Stängel gefurcht und hohl, gerieft, mit unterschiedlicher Behaarung. Blüten zahlreich, stark duftend, sehr klein, mit 2 bis 8 mm langen, dorsiventralen, verwachsenen, mehr oder weniger hellrosa gefärbten Kronblättern und aus der Kronröhre herausragenden Staubblättern und Griffel. Blüten in sehr dichten Scheindolden, bei denen es sich bei exakter Betrachtung um einen reich verzweigten Pleiothyrsus handelt. Frucht zusammengedrückt, etwa 2-4 mm lang, mit 3 parallelen, hervortretenden Nerven, mit Pappus. Wurzelstock mit zahlreichen kleinen, hellbraun gefärbten, langen Wurzeln, zuweilen auch mit Ausläufern.
Der Haarkranz (Pappus) ist hygroskopisch und fällt später von den Nussfrüchten ab. Sie werden dann durch das Wasser weiter verbreitet.
Junger Spross, Querschnitt, 25 µm
3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)Arbeitsablauf :
1. Schnitte liegen in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 8 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca. 15 Sekunden !!!.
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest.
7. Nachfärbung Astrablaulösung 1 Minuten, 30 Sekunden.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 4: 1 verwendet (blau + gelb = grün).
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol ( 99,9 % ).
10. Als letzte Stufe vor dem Eindecken Xylol einsetzen.
11. Einschluss in Entellan
Ergebnis :
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Fotos: Nikon D5000
Bild 04 Übersicht, Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/166857_9328778.jpg) (http://www.directupload.net)
Stängelquerschnitt mit kreisförmig angeordneten Leitbündeln
Je nachdem ob es sich um eine Monocotyledone oder Dicotyledone Pflanze handelt ist die Anordnung der Leitbündel innerhalb der Sprossachse verschieden.
Bei Monocotyledonen Pflanzen sind die Leitbündel zerstreut über den die gesamte Sprossachse verteilt. Monocotyledonen sind dabei einkeimblättrig.
Bei Dicotyledonen Pflanzen befinden sich die aktiven Leitbündel ringförmig nahe der Epidermis.
Der Echte Baldrian ist eine dicotyledone Pflanze.
Dikotyledonen besitzen zwei Keimblätter. Zu ihnen gehören viele Kulturpflanzen: wichtige Obst- und Gemüsesorten und andere Pflanzenarten. Beispiele sind Tabak, Tomate und Kartoffel sowie die Zuckerrübe und auch Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana). Sie sind ebenfalls bedeutend für die Landwirtschaft.
Bild 05 Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
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Bild 06 Vergrößerung aus der Übersicht, Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
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Bild 07 Leitbündel, Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
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Bild 08 Vergrößerung aus der Übersicht mit Beschriftung, Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/166857_21176298.jpg) (http://www.directupload.net)
CU = Cuticula, EP = Epidermis, RP = Rindenparenchym, PH = Phloem, XY = Xylem, T =
Trachee sklerifiziertes Mark
Bild 09 Dunkelfeld, Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
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Bild 10 Dunkelfeld, Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
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Bild 11 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/166857_41921117.jpg) (http://www.directupload.net)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10
Versuch einer Färbung mit Rohamin B - Acridingelb
Rhodamin B ist ein neutrales undissoziiertes Fluorochrom.
Summenformel: C28H31ClN2O3
Es ist ein geruchloses Pulver. Ich habe das Rhodamin B in Wasser gelöst; Farbe: rot bis violett. Rhodamin B ist wenig löslich in Wasser, evt. sollte man es in Ethanol oder Benzol lösen.
Acridingelb ist ein Acridin-Farbstoff, der in der Molekularbiologie als Fluoreszenzfarbstoff eingesetzt wird.
Summenformel: C15H15N3
Acridingelb ist ein braun-rotes kristallines Pulver, es ist ein basisch (kationisches) Fluorochrom.
Arbeitsablauf:Rhodamin B 1 % wässrig 10 Minuten
Auswaschen in Ethanol 20%
Acridingelb 1 % 10 Minuten
Auswaschen in Ethanol 20 %
Entwässern mit Ethanol 50 %, 70 %, Ethanol abs.
Xylol
Einschluss in Entellan
Bild 12 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/166857_7402089.jpg) (http://www.directupload.net)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10
Bild 13 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/166857_64658589.jpg) (http://www.directupload.net)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10
Literatur:
Wikipedia; Freie Enzyklopädie
,,Die große Enzyklopädie der Arzneipflanzen und Drogen", ISBN: 978-3-89996-508-7
,,Welche Heilpflanze ist das ?, ISBN: 978-3-440-10798-0
,,Der Kosmos Pflanzenführer", ISBN: 3-86047-394-8
Helmut Genaust ,, Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen" ISBN: 978-3-86820-149-9
Rita Lüder ,,Grundkurs Pflanzenbestimmung" ISBN: 3-494-01418-3
Schmeil ,,Leitfaden der Pflanzenkunde" 1950
,,Was blüht denn da" ISBN: 978-3-440-11379-0
Mit freundlichem Gruß
Hans-Jürgen