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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Peter V. in Februar 25, 2015, 21:17:40 NACHMITTAGS

Titel: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Peter V. in Februar 25, 2015, 21:17:40 NACHMITTAGS
Hallo,

an den sehr schönen Anschliffpräparaten von Holger Adelmann zeigt sich eindrucksvoll der Unterschied zwischen Auflicht-Hellfeld und Auflicht-Dunkefeld. Deshlab zeige ich einmal entsprechende Bilder. Leitz Ortholux II, AL-HD-Kondensor.

AL-Hellfeld:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/167096_24286620.jpg) (http://s260.photobucket.com/user/liebelken/media/liebelken053/Anschliff_1_zpsqoyhhubj.jpg.html)

AL Dunkelfeld:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/167096_19156105.jpg) (http://s260.photobucket.com/user/liebelken/media/liebelken053/Anschliff_1D_zps9xm53d0p.jpg.html)

AL-Hellfeld:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/167096_56718381.jpg) (http://s260.photobucket.com/user/liebelken/media/liebelken053/Anschliff_2H_zpsnbfubydd.jpg.html)

AL-Dunkelfeld:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/167096_2190341.jpg) (http://s260.photobucket.com/user/liebelken/media/liebelken053/Anachliff_2D_zpsmyawvlwq.jpg.html)

Herzliche Grüße
Peter


Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Klaus Herrmann in Februar 25, 2015, 21:58:29 NACHMITTAGS
Lieber Peter,

da fehlt jetzt noch Auflicht-Pol und Auflicht Dic.

Mach mal da werden unsere Augen Augen machen! :D
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Lupus in Februar 26, 2015, 08:16:03 VORMITTAG
Hallo,

als mineralogischer Laie: welchen Ursprung haben denn die Farben des Präparates genauer, die offensichtlich nur durch den flacheren Lichteinfall entstehen?

Das zweite Objekt scheint ja ein Fake zu sein, da ist klar Nord- und Südamerika zu erkennen. Sogar Grönland, die Hudson Bay und die großen Antillen sind auszumachen - da hat Peter einfach einen alten Globus abfotografiert. Leider schon ziemlich zerkratzt wie man bei dem Bild mit der eingeschalteten Innenbeleuchtung sieht  ;D

Hubert
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Peter V. in Februar 26, 2015, 08:21:29 VORMITTAG
Och, Manno, Hubert...

ZitatLeider schon ziemlich zerkratzt wie man bei dem Bild mit der eingeschalteten Innenbeleuchtung sieht  Grinsend

...da habe ich mir so eine Mühe gegeben und Du verrätst meinen Trick!  >:(  :'(  :'(

Mit einer starken Lupe betrachtet geben die "farbigen" Bilder die Realität wieder.

@Klaus: Heute Abend probiere ich mal Pol und AL-DIK.

Herzliche Grüße
Peter



Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: olaf.med in Februar 26, 2015, 08:49:39 VORMITTAG
Hallo Hubert,

die Farben entstehen durch die sogenannten Innenreflexe an undefinierten Flächen innerhalb der Probe. Beim Auflicht Hellfeld gibt das Bild im Wesentlichen die Reflektion an der polierten Oberfläche des Schliffes wieder und die Komponenten, die aus dem Inneren der Kristalle stammen, und die nur eine sehr viel geringere Intensität haben, werden unterdrückt. Im Auflicht Dunkelfeld werden alle senkrecht reflektierten Komponenten eliminiert und man sieht die Innenreflexe sehr deutlich. Somit gibt die Farbe im Dunkelfeld diejenige des Kristalls im durchfallenden Licht wieder.

@ Klaus,

Du hast bei Deiner Aufzählung noch die Ölimmersion und den Immersionskontrast vergessen! Beides sieht man hier: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=9850.0

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Auflicht-Hellfeld und -Dunkelfeld – Vergleich
Beitrag von: TPL in Februar 26, 2015, 08:51:18 VORMITTAG
Zitat von: Peter V. in Februar 26, 2015, 08:21:29 VORMITTAG(...) Mit einer starken Lupe betrachtet geben die "farbigen" Bilder die Realität wieder. (...)

Lieber Peter,

nichts für ungut, aber die weniger gesättigten Reflexionsfarben des AL-Hellfeldkontrasts mit konfokaler Beleuchtung sind ebenso real wie die 'Eigenfarben' im AL-Dunkelfeldkontrasts mit (hier: allseitig) schiefer Beleuchtung ;).

@ Hubert: die Eigenfarben bei schiefer Beleuchtung erscheinen uns gewohnter, da Vieles, was wir im Alltag betrachten vom Prinzip her dem Auflicht-Dunkelfeldkontrast entspricht.

Herzliche Grüße
Thomas
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Peter V. in Februar 26, 2015, 10:26:29 VORMITTAG
Lieber Thomas,

damit hast Du natürlich völlig Recht! Das habe ich etwas zu voreilig und nicht vollständig durchdacht formuliert und die "Realität" einfach mit dem gleichgesetzt, was unserer üblichen alltäglichen Betrachtungsweise und Erfahrung entspricht.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Lupus in Februar 26, 2015, 11:05:34 VORMITTAG
Hallo,

eigentlich aber doch im ersten Augeblick erstaunlich, dass durch den reflektierten Anteil des Lichtes an der polierten Oberfläche im Hellfeld der Anteil des im Kristall gestreuten Lichtes so vollständig unterdrückt wird dass man keinerlei Farben erkennt ......   "weniger gesättigt" ist da leicht untertrieben  ;)

Hubert
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: olaf.med in Februar 26, 2015, 11:46:45 VORMITTAG
Lieber Hubert,

das ist einfach eine Frage der Energiebilanz. Beim senkrechten Auflicht wird zwischen ca. 4% (transparente Körper mit einem Brechungsindex von ca. 1,5) und 96% (Silberspiegel) der eingestrahlten Intensität reflektiert. Der Rest geht in die Probe und wird dort z.T. absorbiert (bei gefärbten Substanzen und vor allem bei opaken Substanzen wie z.B. Metallen), aber auch an internen Grenzflächen gestreut, gebrochen und reflektiert. Nur ein sehr geringer Teil dieses Lichts kommt als "Innnenreflex" zur Beobachtung. Entfernt man aber den primär reflektierten Anteil, wie beim Auflicht Dunkelfeld, wird der Rest bildbestimmend.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Lupus in Februar 26, 2015, 14:19:47 NACHMITTAGS
Hallo Olaf,

die grundlegenden optischen Gesetzte sind mir schon klar. Es geht mir mehr um die konkreten Kristalleigenschaften oder aus was auch immer das Anschliffpräparat bestanden hat.

Wenn z.B. nur 5% bei senkrechtem Einfall auf eine polierte transparente Fläche reflektiert wird, geht der Rest von 95% ins Material. Und dadurch wird auch der Streulichtanteil größer. Im Vergleich dazu geht bei flachem Einfall (Dunkelfeld) deutlich weniger in das Material und dadurch tritt auch weniger (farbiges) Streulicht auf. Natürlich überwiegt bei senkrechtem Einfall der direkt reflektierte Anteil bei weitem. Meine Verwunderung bezog sich darauf, dass bei Dunkelfeldbeleuchtung gar kein farbiges Streulicht erkennbar ist. Kann ja nur bedeuten dass das Material intern sehr streulichtarm ist - obwohl es auf den Fotos im ersten Augenblick nicht so wirkt. Oder dass es deutlich ins metallische gehende Reflexionseigenschaften hat oder einen sehr hohen Brechungsindex. Genau das wäre eigentlich die Frage.
Aber die Auflichtbeleuchtung hat ja auch bei Hellfeld einen relativ flach einfallenden Beleuchtungsanteil und damit höhere Reflexion als die 4-5%, der müsste schließlich auch von der verwendeten Objektivvergrößerung abhängen.

Hubert
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: olaf.med in Februar 26, 2015, 15:29:02 NACHMITTAGS
Lieber Hubert,

ZitatAber die Auflichtbeleuchtung hat ja auch bei Hellfeld einen relativ flach einfallenden Beleuchtungsanteil

eigentlich nicht! Den Strahlengang erkennt man hier. Die Beleuchtung erfolgt streng senkrecht und - zumindest für schwach vergrößernde Objektive - mit geringer Apertur.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/167148_8683236.jpg)

ZitatKann ja nur bedeuten dass das Material intern sehr streulichtarm ist

Das muss auch nicht sein. Es wird ja nur der winzige Teil des eingestrahlten Lichts gesehen, der durch Streuung, Reflektion etc. gerade in die Apertur des Objektivs fällt.

ZitatOder dass es deutlich ins metallische gehende Reflexionseigenschaften hat oder einen sehr hohen Brechungsindex. Genau das wäre eigentlich die Frage.

Ohne das Präparat von Peter wirklich zu kennen wage ich hier eine Diagnose. Die Phasen sind alle transparent (mit Ausnahme der gelb gefärbten winzigen Kristalle in der oberen rechten und unteren rechten Bildecke, die wahrscheinlich Chalkopyrit (Kupferkies, CuFeS2) sind.

Die mit G bezeichneten Bereiche sind "Gangart", also Begleiter der Erzminerale mit niedrigen Brechungsindex. Hier möglicherweise Karbonate, da man innerhalb dieser Bereiche verschiedene Grautöne durch Bireflexion sieht. Der Brechungsindex liegt wohl zwischen 1,5 und 1,7. Man sieht im Dunkelfeld durch diese farblosen Kristalle hindurch auf das was darunter liegt.

Die mit ZnS bezeichneten Bereiche sind wohl Sphalerit (Zinkblende, ZnS) mit einem Brechungsindex um 2,4 und einem Reflektionsvermögen um 17%. Hier sieht man braune Innenreflexe, die Eigenfarbe des Sphalerits.

Die im Dunkelfeld stark aufleuchtenden gelben und beigen Bereiche sind feinkörnige Verwachsungen und gestörte Bereiche, in denen massenhaft Innenreflexe auftreten und für die hohe Intensität sorgen.


(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/167148_55201310.jpg)

Herzliche GRüße,

Olaf




Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Lupus in Februar 26, 2015, 16:23:50 NACHMITTAGS
Hallo Olaf,

herzlichen Dank für die ergänzenden Infos zum Präparat!

Bei stärker vergrößernden Objektiven kann man den flacheren Einfallswinkel des Hellfeld-Auflichtes m.E. nicht mehr vernachlässigen, da ja die Beleuchtung etwa die gleiche n.A. wie das Objektiv hat. Aber ich gebe zu dass das sicherlich erst bei relativ hohen Vergrößerungen relevant ist und nur eine akademische Diskussion. Das gleiche gilt aber auch für die Erfassung des Streulichtes, bei höheren Vergrößerungen ist der erfasste Raumwinkel nicht mehr winzig. Bei einem 40x/0.65 z.B. wird etwa 11.5% des Raumwinkels erfasst.

Hubert
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Udo.N in März 09, 2015, 10:08:58 VORMITTAG
Hallo Hubert,
sorry, aber habe die Diskussion erst heute gelesen. Olaf hat ja alles schon erklärt.
Die hellen Innenreflexe bei Sphalerit und der Gangart sind typisch für Minerale mit niedrigem Reflexionsvermögen, da das Licht tief in den Kristall eindringen kann (es gibt aber Ausnahmen). Die Farbe des Sphalerits hängt dabei ab von: 1. der Anzahl der Störflächen und -punkte im Kristall und der Kristalllgröße (je kleiner und "kaputter" ein Korn, desto mehr und heller die Innenreflexe), und 2. vom Eisengehalt des ZnS (es können bis zu Zehner % FeS in der Zinkblende vorkommen; es gilt: je mehr Eisen, desto dunkler (rotbraun bis braun) die Reflexe und desto weniger an der Zahl). So zeigt ein völlig klarer eisenreicher Sphaleritkristall fast keine Innenreflexe.
Gruß
Udo

Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Reinhard in März 09, 2015, 15:00:36 NACHMITTAGS
Hallo Peter,

eine interessante Gegenüberstellung.
Sehe ich das richtig, daß diese Präparate nicht für Durchlicht gedacht sind?

viele Grüße
Reinhard
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Klaus Herrmann in März 09, 2015, 15:03:40 NACHMITTAGS
Hallo Reinhard,

ZitatSehe ich das richtig, daß diese Präparate nicht für Durchlicht gedacht sind?

Absolut, das sind reine Auflichtpräparate!
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Reinhard in März 09, 2015, 16:16:19 NACHMITTAGS
Hallo,

wäre zumindest für mich mal interessant zu sehen, wie ein gleichartiges Präparat im DF-Auflicht und im Durchlicht aussähe.

Gruß
Reinhard
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Klaus Herrmann in März 09, 2015, 16:21:23 NACHMITTAGS
Hallo,

Zitatwäre zumindest für mich mal interessant zu sehen, wie ein gleichartiges Präparat im DF-Auflicht und im Durchlicht aussähe.

AL-DF hat er ja 2 Bilder gezeigt. Und das das selbe Präparat im Durchlicht ist definitiv rabenschwarz!. Durch den ca 2 cm dicken Probenkörper geht kein Licht der Welt durch!
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Reinhard in März 09, 2015, 19:26:25 NACHMITTAGS
Hallo Klaus,

das ist mir schon klar; aber wie sähe dieses Präparat aus, wenn man es nun noch von der anderen Seite bis auf Durchlichtdicke schleifen würde?

Gruß
Reinhard
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Klaus Herrmann in März 09, 2015, 19:44:10 NACHMITTAGS
Hallo Reinhard,

Zitatbis auf Durchlichtdicke schleifen würde?

na gut, das wäre aber nicht mehr so richtig gleichartig, sondern schon ziemlich andersartig! Ich würde auf jeden Fall vor dem Schleifen erst mal eine dünne Scheibe absägen.
Aber wie es aussehen würde? Das muss man erst mal herstellen und dann anschauen. Man wird auf jeden Fall ein transparentes Präparat erhalten. Die Zinkblende ist jetzt schon durchsichtig, weil rötlich, die Gangart wird es sicher auch sein.

Nun hat Peter endlich mal was zu tun! ;D


Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: TPL in März 09, 2015, 19:57:48 NACHMITTAGS
Zitat von: Reinhard in März 09, 2015, 19:26:25 NACHMITTAGS(...)aber wie sähe dieses Präparat aus, wenn man es nun noch von der anderen Seite bis auf Durchlichtdicke schleifen würde?

Hallo Reinhard,
was meinst Du mit "von der anderen Seite"? Schleift man eine Probe mit Gangart (üblicherweise transparenten Oxiden, Silikaten oder Karbonaten) und (üblicherweise opaken) Erzmineralen auf Durchlichtdicke, erhält man.... tadddaaa: einen Dünnschliff ;D. Das werden die Erzmikroskopiker aber schön bleiben lassen, denn zum einen ist es ein oftmals ziemlich nutzloser, zusätzlicher Aufwand und außerdem gibt es ohne die "Lichtfalle" des Anschliff-Präparates manchmal störende Reflexe von der Gangart, die den Erzmikroskopiker wenig interessiert. Ist außerdem der Dünnschliff nicht absolut planparalell, müsste er, ähnlich den Anschliff-Präparaten auf einer Schliffpresse eben gerichtet werden. Dabei gibt es dann aber schonmal Bruch. Alles in allem finden die Erzmikroskopiker, die ich kenne, Dünnschliffe lästig ;).

Gruß, Thomas
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: reblaus in März 09, 2015, 21:17:27 NACHMITTAGS
Hallo Reinhard -

probier's doch aus! Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, hast du ja einen Dünnschliff und auch Auflicht. Mit dem Dunkelfeld wirst du wohl nicht viel sehen (da stört vielleicht auch das Deckglas), aber wenn du normales Auflicht polarisierst wird's bunter!

Viele Grüße

Rolf
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Reinhard in März 09, 2015, 22:31:27 NACHMITTAGS
Hallo,

einen schönen Gesteinsdünnschliff habe ich ja, aber würde der im Auflicht ein ähnliches Bild ergeben, wie wenn man einen einseitigen Anschliff mit Auflicht betrachten würde; das heißt, wie würden die Auflichtbilder von Peter hier ganz oben aussehen, wenn man sie anschließend "dünnschleifen" und dann in Durchlicht bzw. Auflicht betrachtete?

viele geschliffene Grüße
Reinhard
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: olaf.med in März 09, 2015, 22:47:51 NACHMITTAGS
Lieber Rolf,

ganz grundsätzlich geht das, was man als richtige Auflichtmikroskopie bezeichnet niemals mit einem abgedeckten Dünnschliff, sondern nur mit polierten Schliffen. Leider gibt es diese vermaledeite Sprachverwirrung, dass auch  die Beobachtung mit schräger Beleuchtung vielfach als "Auflichtmikroskopie " bezeichnet wird. Die Auflichtmikroskopie sensu stricto benötigt einen senkrechten Lichteinfall und, wie gesagt, polierte Oberflächen.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: reblaus in März 09, 2015, 22:50:52 NACHMITTAGS
Hallo Reinhard -

Olaf war schneller - aber ich bestehe auf meinem unveränderten Text:

als Laie auf diesem Gebiet wage ich mich mal mit der ungeschliffenen Formulierung vor: Die normale senkrechte Hellfeld-Aufsicht von deinem Dünnschliff sieht trotz Deckglas ähnlich aus wie der Anschliff von Olafs Brocken. Aber die Welt der Mineralien ist natürlich unendlich.

Viele Grüße

Rolf

Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: TPL in März 09, 2015, 23:58:03 NACHMITTAGS
...jetzt gerät aber Einiges durcheinander.

Ein Dünnschliff muss nicht zwingend abgedeckt sein. Ich habe bis vor kurzem an einer Stätte gewirkt, an der im Jahr rund 1500 Dünnschliffe hergestellt werden – ohne Deckglas! Ist aber ein Deckglas auf dem Dünnschliff, dann funktionieren die Auflichtmikroskopie sensu stricto (siehe Olafs Beitrag) nicht, denn man beobachtet dann die Reflektion des Deckglases mit ein paar "Artefakten" durch die – unnötigerweise – darunter verborgenen Probe.

Reinhard, um Deine Frage zu beantworten musst Du einfach nur das Deckgläschen und die Kitt-Schicht Deines Dünnschliffs abschleifen und die Probenoberfläche polieren – eigentlich ein Klacks ;).

Schöne Grüße
Thomas
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: reblaus in März 10, 2015, 09:46:48 VORMITTAG
Lieber Olaf, lieber Thomas -

sensu strictu ist das mit Deckglas natürlich keine Auflichtmikroskopie der Schlifffläche - aber deren Reflektion (das "Artefakt") ist sicher zehnmal stärker als die der Glasoberfläche, deshalb kann man als Amateur und homo ludens trotzdem den Anblick der Schliffläche genießen und mit dem Bild im polarisierten Durchlicht vergleichen - zumindest geht das bei mir ganz gut.

Und natürlich ist mir auch klar, dass die polierte Schlifffläche ohne Harz und Deckglas völlig anders aussieht und dass stärkere Epi-Objektive ein Deckglas ohnehin nicht mögen.

Viele Grüße

Rolf
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: olaf.med in März 10, 2015, 10:00:27 VORMITTAG
Lieber Rolf,

Zitatden Anblick der Schliffläche genießen und mit dem Bild im polarisierten Durchlicht vergleichen - zumindest geht das bei mir ganz gut.

Das erstaunt mich sehr! Benutzt Du wirklich senkrechte Beleuchtung oder schräges Auflicht. Bei senkrechter Beleuchtung sollte die Glasreflektion Dein Bild so verschleiern, dass Du wirklich keine Freude daran hast. Außerdem ist ja die Schliffoberfläche unter Deinem Deckglas noch rauh und daher sehr wenig reflektierend, was den Effekt nochmals drastisch mindert.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: Peter V. in März 10, 2015, 22:22:27 NACHMITTAGS
Hallo,

ich vermute, dass hier immer noch etwas Verwirrung besteht, die ich einmal mit der Erklärung eines Laien, der glaubt, es etwas verstanden zu haben, aufdröseln möchte:

Im Gegensatz zum Dünnschliff, der im Durchlicht untersucht wird, weil die dünn geschliffenen Minerale lichtdruchlässig sind, dient der Anschliff der Untersuchung von Mineralen (oder anderweitigen Stoffen), die nicht lichtdurchlässig, also opak sind. Die Untersuchung erfolgt daher im Auflicht. Typischerweise sind dies metallische Erzminerale, die eben auch bei noch so dünnem Schliff nicht transparent würden.

Die Herstellung eines solchen Anschliffs ist in diesem Link (https://www.youtube.com/watch?v=UmH5QcT7Vnk), den ich schon oft gepostet habe, sehr schön dargestellt.

Herzliche Grüße
Peter




Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: olaf.med in März 11, 2015, 09:28:39 VORMITTAG
Lieber Peter,

natürlich hast Du im Prinzip völlig recht, wobei es aber auch eine gewisse Überschneidung gibt. Mit der Auflichtmikroskopie kann man auch durchaus transparente Phasen untersuchen (und tut dies auch). Dies ist besonders wichtig bei feinstkörnigen Verwachsungen wie sie z.B. bei Ingenieurkeramiken (künstliche Hüftgelenke, Turbinenschaufeln etc.....) auftreten. Hier hilft die Dünnschlifftechnik nicht weiter, da es bei der erheblichen Schichtdicke im Vergleich zur Kristallgröße immer Überlagerungen und damit eine Summenoptik ergibt. Im Auflicht jedoch sieht man die polierte Oberfläche und kann damit die Gefüge erkennen.

Wichtig ist vor allem, dass die Auflichtmikroskopie sensu stricto mit senkrecht einfallendem Licht arbeitet. Leider wird der Begriff hier leider in der Regel für seitlich schräg einfallende Beleuchtung benutzt. Ein Auflichtmikroskop ist auch nicht das oft so bezeichnete "Binokular", sondern ein sehr anspruchsvolles hochtechnologisches Gerät. Ein solchs mit dem eingezeichneten Strahlengang sieht man weiter vorne in diesem Thread.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: reblaus in März 11, 2015, 11:42:40 VORMITTAG
Lieber Olaf -

meine unqualifizierten Äußerungen nehme ich hiermit dem Ausdruck des Bedauerns zurück und du durftest dich zurecht wundern   ;D -

Als ich zu nächtlicher Stunde versuchen wollte Peters Impressionen am ungeeigneten Objekt nachzuvollziehen hatte ganz schlicht meinen Auflichtreflektorschieber aus der D-Stellung herausgezogen und statt in die beabsichtigte H-Stellung in die DIC-Stellung gebracht. Zwischen gekreuzten Polfiltern gab es dann ein recht ordentliches Bild in graubraunen Tönen, die sich auch beim Drehen des Tisches nicht änderten. Deshalb hatte ich nicht an polarisiertes Licht gedacht - das noch über dem Objektiv steckende DIC-Schieberchen in Neutralstellung hatten meine umschleierten Augen übersehen.

Das fiel mir jetzt erst auf  als ich versucht habe ein Foto davon zu machen. H-Stellung unter Deckglas liefert - wie du vorausgesagt hast - nur ein zwar scharfes aber seeeehr zartes Bild. Dunkelfeld liefert natürlich gar nichts, außer ein paar äußerst zarten Innenreflexen, wahrscheinlich durch schräges Auflicht von Objektivfassungskanten oder so. Zwischen gekreuzten Polarisatoren bekommen ich ein ordentliches Bild und wenn ich das DIC-Schieberchen entferne durch Doppelbrechung zarte Farberscheinungen, die sich beim Drehen des Tisches dann auch ändern.

Trotzdem habe ich eine Frage: Es ist mir klar, dass das polarisierte und vom Deckglas senkrecht reflektierte Auflicht vom Analysator blockiert wird, sodass man "in die Tiefe" blicken kann. Was man da zu sehen kriegt, ist nur Licht, dessen Polarisationsebene durch Präparatstrukturen gedreht wurde. Wenn man Farben sieht, kommen diese durch Doppelbrechung zustande und ändern sich mit der Stellung des Präparates. Inwieweit ist das mit dem Auflicht-Dunkelfeld im unpolarisierten Licht ohne Deckglas in Peters Foto vergleichbar? Gehe ich recht in der Annahme, dass man hier die Eigenfarben der Kristalle sieht, die sich beim Drehen des Präparates nicht ändern?

Viele Grüße

Rolf


Titel: Re: Auflicht Hellfeld und Dunkelfeld - Vergleich
Beitrag von: olaf.med in März 11, 2015, 14:33:44 NACHMITTAGS
Lieber Rolf,

ZitatGehe ich recht in der Annahme, dass man hier die Eigenfarben der Kristalle sieht, die sich beim Drehen des Präparates nicht ändern?

Ganz genauso isses :D

Herzliche Grüße,

Olaf