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Foren => Bestimmungshilfe => Thema gestartet von: Carsten Wieczorrek in November 30, 2015, 22:48:40 NACHMITTAGS

Titel: Fossile Algen?
Beitrag von: Carsten Wieczorrek in November 30, 2015, 22:48:40 NACHMITTAGS
Hallo und guten Abend.

Vor vielen Jahren habe ich aus Jordanien einen fossilreichen Stein als Mitbringsel für mich selber gekauft.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/183179_62703914.jpg)

Der Fundort ist unbekannt. Ob der überhaupt aus Jordanien ist, kann ich auch nicht beschwören. Jedenfalls habe ich ein kleines Stück davon in konz. Salzsäure aufgelöst und wollte mir mal ansehen, was da so übrig bleibt. Schon mit bloßem Auge waren zahlreiche glizernde, sehr dünne "Nadeln" im reflektierten Licht zu sehen. Diese Probe habe ich mal mikroskopiert. Hier drei Bilder in aufsteigender Vergrößerung:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/183179_3103865.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/183179_5456238.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/183179_44204140.jpg)


Erinnert mich irgendwie an bandförmige Kieselalgen. Kann das hinkommen?
Danke für Eure Mühen,

Carsten
Titel: Re: Fossile Algen?
Beitrag von: TPL in Dezember 01, 2015, 10:19:00 VORMITTAG
Hallo Carsten,

Dein Handstück sieht nach einem Muschel-Schnecken-Schill ("Lumachelle" mit Nerinea sp.) aus. Der bildet sich typischerweise im hochenergetischen Milieu oberhalb der Sturmwellenbasis auf dem Schelf. Dort wäre es relativ unwahrscheinlich, dass bandförmige/koloniale Kieselalgen erhalten bleiben, wenn sie denn überhaupt im gleichen Milieu gelebt haben, oder nach dem Absterben zusammengespült wurden.

Einen besseren Tipp für die kieseligen Stäbchen habe ich allerdings auch nicht.

Viele Grüße
Thomas
Titel: Re: Fossile Algen?
Beitrag von: Klaus Henkel in Dezember 01, 2015, 12:09:20 NACHMITTAGS
Zitat von: TPL in Dezember 01, 2015, 10:19:00 VORMITTAG

Dein Handstück sieht nach einem Muschel-Schnecken-Schill ("Lumachelle" mit Nerinea sp.) aus. Der bildet sich typischerweise im hochenergetischen Milieu oberhalb der Sturmwellenbasis auf dem Schelf. Dort wäre es relativ unwahrscheinlich, dass bandförmige/koloniale Kieselalgen erhalten bleiben, wenn sie denn überhaupt im gleichen Milieu gelebt haben, oder nach dem Absterben zusammengespült wurden.

Thomas

Ähnliche Strukturen habe ich im bay. Altmühltal an den "Tintenstrichfelsen" nahe Dollnstein gesehen. Die Tintenstriche sind aus Blaualgenbewuchs an den weißen Kalkfelsen. Sie sind versintert. Ähnliche versinterte Blaualgen (und auch Grünalgen und Moose) bilden die sog. Steinernen Rinnen, z. B. der "wachsende Stein von Usterling, nahe Landau an der Isar. Solche spektakulären Rinnen aus verkalkten und versinterten Mikropflanzen, vor allem aus Algen und Moosen, kann man hinter den Wasserfällen von Urach in der Schwäb. Alb sehen.

Vielleicht sind meine Spontan-Vermutungen zu weit hergeholt. Aber die Fotos mit zu weit geschlossener Aperturblende sind zu genaueren Bestimmungsversuchen nicht besonders geeignet.

Grüße
KH
Titel: Re: Fossile Algen?
Beitrag von: TPL in Dezember 01, 2015, 13:06:05 NACHMITTAGS
Lieber Herr Henkel,

ein guter Hinweis, auf den ich - dank Tunnelblick - mal wieder nicht gekommen bin: die Hauptmasse des Handstücks ist zwar absolut sicher im marinen Milieu abgelagert worden (was Kalksinter-Bildungen ausschließt), aber wer weiß schon, was mit diesem Brocken nach Ablagerung (im Meer), Heraushebung und Verwitterung (an Land) geschehen ist?

Allerdings ist das gekammerte, band- oder röhrenförmige Objekt nicht verkalkt, denn sonst hätte es die Salzsäure-Behandlung wohl nicht überstanden (Dolomit, der das überlebt, zerstört üblicherwiese die originalen biogenen Strukturen). Nicht ausgeschlossen, dass es ursprünglich einmal kalkig war und während der Diagenese oder der Verwitterung (wahrscheinlich) gegen SiO2 ausgetauscht (verkieselt) wurde. Mit einem Pol-Mikroskop ließe sich das leicht feststellen...

Carsten, hattest Du für Dein Auflösungsexperiment ein Stück von der Oberfläche genommen, oder aus dem Inneren des Handstücks?

Viele Grüße
Thomas
Titel: Re: Fossile Algen?
Beitrag von: Carsten Wieczorrek in Dezember 01, 2015, 22:39:04 NACHMITTAGS
Hallo,

@Thomas

ZitatCarsten, hattest Du für Dein Auflösungsexperiment ein Stück von der Oberfläche genommen, oder aus dem Inneren des Handstücks?

Das war ein etwa 10 Cent großes Stück, dass ich mit der Kneifzange vom Rand abgebrochen habe.

Carsten
Titel: Re: Fossile Algen?
Beitrag von: TPL in Dezember 02, 2015, 10:59:27 VORMITTAG
Zitat von: Carsten Wieczorrek in Dezember 01, 2015, 22:39:04 NACHMITTAGSDas war ein etwa 10 Cent großes Stück, dass ich mit der Kneifzange vom Rand abgebrochen habe.

Hallo Carsten,

dann wird es schwierig. Denn dann ist ja nicht gesagt, ob die abgebildeten mikroskopischen Lösungsrückstände irgend etwas mit der Bildung des übrigen Sedimentgesteins zu tun haben.
Wenn Du der Sache näher kommen möchtest, könnte es helfen, noch einmal zwei Auflösungsexperimente zu machen: ein Stück mit möglichst viel "Oberfläche" und eines mit möglichst wenig davon, sondenr aus dem Inneren des Handstücks. Tauchen die "Stäbchen" häufiger oder ausschließlich in der "Oberflächenprobe" auf, dann spräche das für eine (terrestrische) Verwitterungsbildung oder Reste einer Besiedlung lange nach der Entstehung des (marinen) Sedimentgesteins.

Viel Spaß beim Zerteilen und Auflösen Deiner Sammlungsbestände ;)
Thomas

Titel: Re: Fossile Algen?
Beitrag von: Carsten Wieczorrek in Dezember 02, 2015, 12:27:27 NACHMITTAGS
Hallo,

ist schon schwierig, ein Stück "aus dem inneren" einer dünnen Scheibe zu holen...


Carsten
Titel: Re: Fossile Algen?
Beitrag von: Klaus Herrmann in Dezember 02, 2015, 12:45:50 NACHMITTAGS
Hallo Carsten,

Zitatst schon schwierig, ein Stück "aus dem inneren" einer dünnen Scheibe zu holen...

alles unterhalb von 100 µ ist dünn! ;D
Titel: Re: Fossile Algen?
Beitrag von: Klaus Henkel in Dezember 02, 2015, 12:49:50 NACHMITTAGS
Zitat von: Klaus Herrmann in Dezember 02, 2015, 12:45:50 NACHMITTAGS
Hallo Carsten,

Zitatst schon schwierig, ein Stück "aus dem inneren" einer dünnen Scheibe zu holen...

alles unterhalb von 100 µ ist dünn! ;D

Ich bin nicht dick!

KH
Titel: Re: Fossile Algen?
Beitrag von: TPL in Dezember 02, 2015, 13:10:27 NACHMITTAGS
Zitat von: Carsten Wieczorrek in Dezember 02, 2015, 12:27:27 NACHMITTAGSist schon schwierig, ein Stück "aus dem inneren" einer dünnen Scheibe zu holen...

Hallo Carsten,

ich benutze dafür zwei Kneifzangen unterschiedlicher Größe. Damit lassen sich aus Kalken oder anderen Sedimentgesteinen auch Pröbchen von der Größe eines Streichholzkopfes nehmen - sogar mit halbwegs definierten Flächen und Facetten zur Befestigung auf (REM-) Probenträgern.

Viel Erfolg
Thomas