Hallo,
diese massiven Brocken aus kleinen Steinchen, Diatomeenschalen etc. sind tatsächlich Gehäuse der Amöbe Difflugia.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/183233_63255637.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/183233_27931403.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/183233_48953616.jpg)
Zum Glück kann die Beute dieser Amöben nicht sehen - ansonsten wäre das Auftauchen dieser panzerartigen Amöben schon recht beängstigend. Mehr Bilder von Diffluginas sind hier: http://penard.de/Amoebozoa/Tubulinea/Difflugina/
Wie immer ist dies eine Teamarbeit von Steffen und mir.
Herzliche Grüße,
Eckhard
Hallo Eckhard,
hochinteressant und toll präpariert. Weißt Du von irgendwelchen Mechanismen, die es der Amöbe erlauben, selektiv Diatomeenschalen und kleine Sandkörnchen in ihren Panzer einzulagern, oder denkst Du, es wird ungerichtet Material eines bestimmten Größenspektrums, das gerade verfügbar ist, aggregiert?
Vielen Dank und schöne Grüße
Ole
Hallo Eckhard,
diese Auflösung ist schon Wahnsinn. Im zweiten Bild schaut das verarbeitete Gesteinsbruchstück auf 8 Uhr an der Öffnung aus wie von einem Steinmetz zurechtgeschlagen.
Danke für´s Zeigen.
Viele Grüße
Gerald
Hallo Eckhard,
sehr schöne und sehr interessante Bilder!
ZitatIm zweiten Bild schaut das verarbeitete Gesteinsbruchstück auf 8 Uhr an der Öffnung aus wie von einem Steinmetz zurechtgeschlagen.
Das ist der für Quarz typische "muschelige Bruch". Quarzkörner dieser Größenklasse (2-63 µm; Schluff/Silt) zeigen dieses Merkmal relativ häufig, da sie - anders als Körner der Sand-Größenklasse (63-2000 µm) - beim Transport nicht gerundet werden.
ZitatWeißt Du von irgendwelchen Mechanismen, die es der Amöbe erlauben, selektiv Diatomeenschalen und kleine Sandkörnchen in ihren Panzer einzulagern, oder denkst Du, es wird ungerichtet Material eines bestimmten Größenspektrums, das gerade verfügbar ist, aggregiert?
Zumindest können einige agglutinierende Foraminiferen ganz selektiv Körner bestimmter Konrgrößenklassen
und Zusammensetzungen "ankleben". Manche reichern z.B. Schwerminerale (Zirkon, Rutil, Turmalin) in ihren Schalen an. Wie das ein Einzeller anstellt? Keine Ahnung, aber höchst interessant...
Viele Grüße
Thomas
Hallo Ole,
ZitatWeißt Du von irgendwelchen Mechanismen, die es der Amöbe erlauben, selektiv Diatomeenschalen und kleine Sandkörnchen in ihren Panzer einzulagern, oder denkst Du, es wird ungerichtet Material eines bestimmten Größenspektrums, das gerade verfügbar ist, aggregiert?
erstaunlicherweise kann die Amöbe dies selbst selektieren. Für die Apertur werden z.B. kleine Teile genommen als für das restliche Gehäuse. Grundsätzlich scheint zu gelten, dass nur Teile, die durch die Apertur passen, zum Gehäusebau verwendet werden (siehe Referenz).
Der Prozess des Schalenbaus ist ziemlich unerforscht, was auch an der Schwierigkeit, dies exakt zu beobachten, liegt. Das ändert sich allerdings in den nächsten Jahren. Schalenamöben sensu lato sind die einzigen Einzeller, die Fossilien bilden. Bei manchen Arten ist die Grösse innerhalb eines gewissen Bereichs variabel und von der Menge des Nahrungsangebots abhängig (wenig Nahrung = kleine Schale und kleine Mundöffnung). Andere Arten brauchen ein minimale Feuchtigkeitsmenge etc etc. So kann man durch die Analyse der Verteilung und der Grösse einiger spezieller Arten in unterschiedlichen Schichten Aussagen zum historischen Klima etc. machen. Daher kommt ein neues Interesse an Schalenamöben aus der Bodenökologie und Klimaforschung. Als eine der Schwachstellen der Nutzung von Schalenamöben für Bodenökologie und Klimaforschung ist das mangelnde Wissen über die Entstehung der Schale identifiziert.
Herzliche Grüße
Eckhard
Referenz: Armynot du Chatelet E., Noiriel C., Delaine M.: 3D morphological and mineralogical characterisation of testate amoebae. Microscopy and Microanalysis, 19, 1511-1522 (2013).
Hallo Ecki,
wirklich faszinierende Aufnahmen. Was sind das für kugelförmige Gebilde? Trachelomonas-Gehäuse?
Viele Grüße
Bernd
WOW!!!
Hallo Eckhard,
besten Dank für die Erläuterungen und den Literatur-Hinweis.
Viele Grüße
Ole
Hallo Ole,
ich hatte neulich nicht viel Zeit und habe schnell geantwortet, wie man auch an den Deutschfehlern im Text sieht :D Ein bisschen ist schon bekannt über den Schalenbau.
Eine zur Teilung bereite Difflugia sammelt ausreichend Kieselalgenschalen und kleine Quarzteilchen. Dann wird eine Plasmaausstülpung gebildet und die Bauteile werden darauf angeordnet, um eine möglichst exakte Kopie des Muttertiers zu erzeugen. Dabei wird der Bereich um die Mundöffnung artspezifisch sehr präzise gestaltet. Die Details der Region um die Mundöffnung, die allgemeine Form der Schale und die Grösse sind die bestimmungsrelevanten Eigenschaften. Die Bauteile, die eingefügt werden, sind mit einer Art verdünntem organischen Zement umhüllt. Die Plasmaausstülpung wird nun immer grösser, bis die zu diesem Zeitpunkt ganz weiche Schale komplett ist. Dann zieht sich der verdünnte Zement zusammen und härtet wie ein 2 Komponenten Kleber aus. Nachdem die neue Schale fertig ist, beginnt er eigentliche Teilungsprozess.
Ich muss am Wochenende mal suchen, ich habe irgendwo auch Detailaufnahmen des der Schale mit dem Zement.
Herzliche Grüße
Eckhard
Hallo Eckhard,
Das sind tolle Bilder, sehr plastisch. Ist der Gradient (die dunkele Ecke) absichtlich angebracht? Das erscheint mir ein bischen "unterbelichtet". Beste Grüsse,
Rolf
Hallo Rolf,
da ist ja nun wirklich nichts mit "Belichten" ;D
Die Bilder sind mit einem schräg in die Kammer ragenden Detektor aufgenommen. Der Elektronenstrahl trifft senkrecht auf die Probe. Die Sekundärelektronen werden in alle Richtungen abgestrahlt. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Detektor Elektronen fängt, ist auf der dem Detektor zugewandten Seite grösser. Dadurch erscheint diese Seite heller. Die Plastizität der Bilder kommt durch diesen Effekt zustande.
Bernd, ich weiß nicht, was die kugelförmigen Gebilde sind. An Trachelomonas glaube ich eher nicht, da sollte ein deutlicher Kragen zu sehen sein. Aber ich lege die Probe heute noch mal ins REM und schaue mir die Kugeln genauer an.
Herzliche Grüße
Eckhard
Hallo Eckhard,
Zitatda ist ja nun wirklich nichts mit "Belichten" Grinsend
Das ist mir natürlich klar, deshalb hätte ich auch die " ".
Was der Gradient angeht, zum Beispiel In diesem Betrag ist der Gradient in die REM Bilder nicht so prominent (das zweite REM Bild):
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=18376.0
Hat das auch mit der Grösse von das Objekt usw zu tun?
Beste Grüsse,
Rolf
Hallo,
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/183526_23960260.jpg)
Organischer Zement
Herzliche Grüße
Eckhard
PS: Rolf, das hängt nicht mit der Grösse zusammen, sondern ist ein Nebeneffekt der Präparation. Quarz und Kieselalgen sind chemisch sehr ähnlich aufgebaut. Da die Schalen nur gewaschen und getrocknet wurden habe wir kaum Kontrast gehabt und auf den "Schatten"-Trick zurückgegriffen. Allerdings mit dem Problem, dass es entweder zu helle oder zu dunkle Bereiche gibt.
Hallo Eckhard -
gewaschen und getrocknet - also ohne Sputtern?
Fragender Gruß
Rolf
Hallo Rolf,
Zitatgewaschen und getrocknet - also ohne Sputtern?
doch, natürlich auch besputtert.
Herzliche Grüße
Eckhard
Hallo Eckhard
Mehr als beeindruckende Bilder, danke das Du uns diese Einblicke ermoeglichst ...
Liebe Gruesse
Gerhard
Hallo Gerhard,
Danke für den Kommentar.
Herzliche Grüße
Eckhard