.... glaubten meine Mitbewohnerinnen (Reiterinnen) beim Anblick dieses Rädertiers zu erkennen ;-)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/183413_59863213.jpg)
Obwohl der Kopf dieser Habrotrocha flaviformis möglicherweise an einen Pferdekopf erinnert, haben Pferd und Rädertier natürlich morphologisch relativ wenig gemeinsam.
Interessant ist H. flaviformis aus einem anderen Grund. Zwar bauen auch andere Rädertiere ein Gehäuse (z.B. H. pusilla oder Floscularia ringens, Bilder siehe hier:
http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Habrotrocha%20pusilla%20textris.html
und hier:
http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Floscularia%20ringens.html),
jedoch ist mir keine Rädertierart bekannt, die ein Gehäuse ,,spinnt". Hier ein Tier im Gehäuse:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/183413_9490050.jpg)
In der Literatur ist zu lesen, dass H.f. aus bestimmten Drüsen ein Sekret mittels des Rüssels absondert, das am Substrat angeheftet wird und dann als Faden über den Körper gespannt wird.
Zwar konnte ich diesen Prozess (noch) nicht beobachten, aber zumindest die Drüsen (mit einem Asterisk markiert) habe ich gefunden:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/183413_24399080.jpg)
Es stellt sich nun die Frage, ob diese dem Retrocerebralorgan homolog sind. Leider gibt es hierzu noch keine Antwort.
weitere Bilder zu dem Viech gibt es hier:
http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Habrotrocha%20flaviformis.html
Beste Grüße
Michael Plewka
Zitat von: Michael Plewka in Dezember 04, 2015, 19:16:13 NACHMITTAGS
...
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/183415_49571903.jpg)
In der Literatur ist zu lesen, dass H.f. aus bestimmten Drüsen ein Sekret mittels des Rüssels absondert, das am Substrat angeheftet wird und dann als Faden über den Körper gespannt wird.
Lieber Michael
das ist ja der Hammer, sagenhaft was Du immer findest!!
Vielen Dank für den tollen Beitrag!
Viele Mikrogrüße
Bernhard
Lieber Michael,
ich schließe mich an, unglaubliches "Viech"!
Vielen Dank für diesen Einblick.
lg
anne
Hallo Anne, hallo Bernhard,
vielen Dank für die netten Kommentare!
beste Grüße
Michael Plewka
Hallo Michael,
toll, wieder was von Dir hier zu sehen und zu lesen.
Die Fäden, die das Tier einspinnen, sind ja auffallend gelblich-orange gefärbt. Kann man mit der Ölimmersion noch nähere Einzelheiten erkennen, ist das Material von Bakterienzellen besiedelt? Zu den beiden langen Drüsen, die noch hinter dem Kauer liegen, kann ich mir vorstellen, dass die den Subcerebraldrüsen entsprechen. Ich erinnere mich an Funde einer Itura-Art, bei denen ganz ähnlich geformte Drüsen - auch mit so einem verdickten Basalabschnitt und langen, dünnen Ausführgängen - vorkommen. In der Literatur heißt es dort, dies seien die Subcerebraldrüsen.
Vielen Dank und schöne Grüße
Ole
Lieber Michael,
für mich ist das Pony zwar eher eine Giraffe oder ein Kamel, aber dennoch: Ein interessanter und schöner Beitrag! Danke!
Herzliche Grüße
Peter
Hallo Michael,
ein super Beitrag von Dir! Ich nehme an, dass Du diesen tollen Fund nicht in einer frisch pipettierten Probe gefunden hast, sondern in einem Mikroaquarium oder auf einem eingehängten Glas. Da ich hier gerade selber ein paar Experimente zur "Anzüchtung" auf Deckgläsern mache, würde mich interessieren, unter welchen Bedingungen das Vieh den Gehäusebau begonnen hat.
Martin
Hallo zusammen,
nochmals vielen Dank für das Feedback....
@ Ole:
zwar erinnern die Fäden möglicherweise in gewisser Weise an Fäden von Eisenbakterien wie z.B. Leptothrix ochracea, aber an den Fäden von H. flaviformis sind mir weder Bakterien noch eine besondere Struktur aufgefallen.
Hier noch ein Bildauschnitt aus obigem Bild (100% crop):
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/183643_22226817.jpg)
Dass die o.a. Drüsen den Subcerebraldrüsen homolog sind, vermute ich auch, leider kann ich es aber nicht beweisen. Wahrscheinlich lässt sich das nur mit Immunofluoreszenz herausfinden, wofür mir aber die entsprechenden Mittel fehlen.
@ Martin:
mit deiner Vermutung (keine frisch pipettierte Probe) liegst du natürlich richtig; es ist aber einmal mehr lediglich ein Zufallsfund.
Da es vielleicht für Tümpler von Interesse sein könnte, hier eine etwas detailliertere Beschreibung:
Die Probe stammt von einem toten Baum im NSG Schwalm-Nette. Hier ein Bild:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/183643_60682705.jpg)
Da ich seit langem auf der Suche nach einer Rädertierart bin, die sich vorzugsweise ,,In den rostfarbenen Pilzflecken an alten feuchten, verfaulenden Zäunen" (DONNER) aufhalten soll, habe ich von dem Material auf dem Baumstamm mal einfach eine etwa haselnussgroße Menge abgekratzt. Diese wurde in einer etwa fingerhutgroßen Menge Wasser (Volvic) suspendiert. Ich verwende das Wasser sparsam, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass manche Bdelloide regelrecht ,,ertrinken" können.
Bei der Beobachtung des Materials fallen zunächst die vielen Pilzhyphen, aber auch Cluster von aerophytischen Grünalgen auf.
Natürlich war es klar, dass sich die ,,gewünschte" Rädertierart nicht auffinden ließ, dafür aber zunächst 3 andere mir bis dahin noch nie begegnete bdelloide Arten, von denen ich zwei bestimmen konnte (Macrotrachela festinans und Macrotrachela petulans); die dritte ist aber derart ,,exotisch", dass sie m.W. in der Literatur noch nicht beschrieben ist. Klar ist, dass es sich um die Gattung Scepanotrocha handelt. Hier ein Bild:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/183643_46367191.jpg)
Weitere Bilder hier:
http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Scepanotrocha%20sp%20nov.html
Ich habe nun versucht, dieses einzige Exemplar in einer Feuchten Kammer auf dem Objektträger zu kultivieren. (Mittlerweile kann ich auf diese Weise einige Rädertiere für mehr als einen Monat am Leben erhalten). Leider ließ sich diese Scepanotrocha nach einigen Tagen nicht mehr wiederfinden (kontrahiert?), während die anderen Arten teilweise durchaus munter waren. Nach ca. 1 Woche habe ich dann zufällig das o.a. Netz von H. flaviformis sowie ein weiteres entdeckt, wobei die Tiere dort kontrahiert sind und lediglich die schlagenden Wimpernflammen auf Lebensaktivität hinweisen. Daneben fand ich zwei weitere aktive, d.h. auch mal rädernde Viecher, die sich aber in der Färbung des Magens und der Vitellarien und der Größe der Drüsen unterscheiden. Bei einem der beiden Tiere ist kein kein Netz zu erkennen ; hier konnte ich auch keine Drüsen finden).
Bisher kann ich also leider keine weiteren Details (z.B. Bedingungen oder benötigte Zeit) zum Gehäusebau angeben. Vielleicht gelingt es mir ja, die Viecher noch weiter zu beobachten, was in der Weihnachtszeit nicht so einfach ist.....
soweit erst mal
beste Grüße
Michael Plewka
Hallo Michael,
besten Dank für die Ergänzungen - wenn ich Dich richtig verstehe, bleiben die Tiere in einer feuchten Kammer für mehrere Wochen auch unter dem Deckglas am Leben? Stützt Du das Deckglas hierfür definiert ab, so dass die Schichtdicke konstant bleibt?
Viele Grüße
Ole
Hallo Michael,
vielen Dank für diese Ergänzungen. Bin ja selbst auch immer auf der Jagd nach selten gefundenen Arten, deshalb ist das mit dem "Pilzfundort" sehr interessant. Ich habe den Donner als pdf hier und habe gerade mal geschaut, welches Rädertier Donner da beschreibt. Ist es Macrotrachela fungicola? Nach diesem orangen Pilz werde ich mal Ausschau halten und mein Glück versuchen. Ein paar mehr Petrischalen sind noch drin!
Bis bald!
Martin
hallo nochmal,
@Ole:
Da ich anfangs nicht weiß, welche Viecher mich in der Probe in welcher Orientierung erwarten, bleibt das Deckglas (DG) unfixiert. Je nach Objekt und dessen Orientierung kann ich dann evtl. Wasser absaugen, bis (hoffentlich) die optisch optimale Schichtdicke erreicht ist. Das ist gerade bei den Bdelloiden vielfach unmöglich, da sie dann das Rädern einstellen. Also muss mehr Wasser unter dem DG verbleiben. Da geht dann nur ein LD Objektiv mit entsprechend geringerer Auflösung (siehe das erste Bild dieses Beitrags). Deshalb kann ich das DG nicht abstützen.
Bevor das Präparat in die Feuchte Kammer kommt, setzte ich wieder etas Volvic zu, bis das DG ,,schwimmt". Bei der nächsten Beobachtung wird dann evtl. wieder etwas Wasser abgesaugt usw.
@ Martin:
der Belag auf sich zersetzendem Totholz ist auf jeden Fall ein interessantes Kleinbiotop, auch für Protisten-Fans! Und ja: es geht/ ging mir um M. fungicola....
beste Grüße
Michael Plewka