Hallo,
seit einiger Zeit habe ich Euglena spirogyra in Kultur. Da dieser Flagellat in der Dimension größer (ca. 125µ) und in der Bewegung langsamer als sein Verwandter Euglena gracilis ist, eignet es sich wunderbar für eine ausgedehnte Fotositzung ;).
Vor kurzem habe ich mir mein erstes Phasenkontrastobjektiv zugelegt. Zur Darstellung des Flagellum ist diese Kontrast-Art perfekt:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/188996_35931636.jpg)
20x, 1,6x Optovar, Phasenkontrast, Blitz
Ich empfand es als eine echte Herausforderung das Flagellum auch im Dunkelfeld darzustellen, ohne dass es zur beliebten Überstrahlung anderer Zellbereiche kommt. Übrigens habe ich die Flagellaten zweimal zentrifugiert und jeweils in neues, sauberes Medium gesetzt um die hohe Bakteriendichte (welche im Phasenkontrast und Dunkelfeld extrem stören würden) zu minimieren.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/188996_6310903.jpg)
40x, 1,6x Optovar, Dunkelfeld, Blitz
Im DIC zeigen sich sehr schön verschiedene Zellbestandteile: Augenfleck, Chloroplasten, Paramylon-Körper (2 Stück pro Zelle)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/188996_15555179.jpg)
40x, 1,6x Optovar, Bildausschnitt, DIC, Blitz
Plakativ bei dem schraubigen Augenflagellat sind die Hörnerleisten.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/188996_28894415.jpg)
40x, 1,6x Optovar, Bildausschnitt, DIC, Blitz
Doch in dem letzten Bild zeigt sich eine "Besonderheit" in meiner Kultur: nicht alle Euglena haben Höckerleisten. In dem vorherigen Bild hat der mittige Flagellat diese Leisten, doch die äußeren Flagellaten weißen diese nicht auf. Sonderbar. Dann fand ich diesen Flagellat in der Probe:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/188996_25180291.jpg)
63x, 1,6x Optovar, Bildausschnitt, DIC, Blitz
Hier sind die Höcker nur teilweise ausgebildet und auf der freiliegenden Zellwand ist die streifige Struktur zu sehen wie bei den anderen Individuen. Schon öfters konnte ich verschiedenen älteren Kulturen von diversen Einzellern feststellen, dass sich Variationen bildeten und stellenweise dominierten. Ich habe diese Stämme dann immer entsorgt. Mal schauen wie es bei den Euglena weitergeht.
Zum Schluss habe ich noch drei Videos von den Augenflagellaten auf meine homepage gestellt. Im Video mit dem Phasenkontrast ist der Geißelschlag gut zu sehen (trotz massiver Video-Komprimierung, wodurch viele Feinheiten untergehen), im Dunkelfeldvideo ist dieser Geißelschlag nur sehr schwer zu beobachten.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/188996_59371287.jpg) (http://www.lebendkulturen.de/index.php/galerie-videos/video-euglena-spirogyra)
Viel Spass beim Anschauen.
Gerald
Hallo Gerald.
Wow. Sehr schöne Bilder ohne Fremdanteile. Da zeigt sich, wie vorteilhaft eine Zucht und eine gute Aufbereitung der Probe ist.
Danke fürs Zeigen. :)
Liebe Grüße Jorrit.
Hallo Gerald
Tolle Aufnahmen - machen Lust die Kultur auch mal zu versuchen.
Könnte man Euglena spirogyra zu Deinen üblichen Konditionen bekommen ??
Kultivierst Du ihn wie bei gracilis beschrieben ??
Oder hab ich Chancen den hier im fränkischen auch zu finden??
es grüßt ein interesseirter Martin
Edit: Angebot inzwischen auf Deiner Seite gefunden und bestellt........
Hallo Gerald,
einfach nur Klasse!
Freundliche Grüße
Peter
hallo Gerald,
da sind dir wirklich sehr schöne Aufnahmen gelungen!
Vielleicht für Tümpler nicht ganz uninteressant zu erwähnen ist, dass es zwei ähnliche Arten gibt, nämlich Lepocinclis spirogyroides (die von dir hier gezeigte mit quaderförmigen Höckern) und L. fusca, die aber pyramidenförmige Höcker hat.
http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/Kennkarten%20Algen/01_e-algae/Euglenophyceae/e-source/Lepocinclis%20fusca.html
An dem dort gezeigten Exemplar kann man ebenfalls beobachten, dass diese Höckerleisten Lücken haben können.
beste Grüße
Michael Plewka
Hallo Gerald,
tolle Impressionen, vielen Dank. Ich finde, Deine schnörkellosen Darstellungen stellen die Ästhetik der Objekte immer wunderbar unaufdringlich in den Mittelpunkt. Ich freue mich auf Fortsetzungen ...
Ist das Objektiv 40x eigentlich eine Ölimmersion oder ein Trockenobjektiv?
Viele Grüße
Ole
Hallo zusammen,
vielen Dank für die positive Resonanz.
@ Martin: Kultur ist gleich wie bei Euglena gracilis mit Erdabkochungsextrat + Käse. Auch in Erd-Wasser-Kultur gedeihen die Euglena gut: 250ml Volvic + 1 Teelöffel Erdgemisch (Buchen-Eichen-Wald) ca. 45 min kochen. Abkühlen lassen. Ein Stück Hartkäse (Erbsengröße) zugeben und beimpfen / hell stellen. Die Teilungsrate bei E. spirogyra ist nicht so hoch wie bei E. gracilis: erst nach ca. 14 Tagen erkennt man Schwaden im Licht stehen. Dafür halten die Kulturansätze länger.
@ Ole: das 40er ist ein Ölimmersionsobjektiv (40x Planapo / 1,0 Iris). Das Objektiv hat lange ein Schattendasein bei mir geführt. Es bringt nämlich erst bei einer absolut geringen Wasserschichtdicke ein hervorragendes Bild. Ist die Schichtdicke vom Präparat zu hoch ist das Bild total flau. Also man benötigt Geduld, bis die Schichtdicke optimal ist und dann hat man nur ein kleines Zeitfenster, bevor die Objekte deformiert und zerstört werden. Aber die Stärke ist die Iris-Blende, durch welche ein perfektes Dunkelfeld eingestellt werden kann.
Viele Grüße
Gerald
... danke, Gerald, für die Ergänzung. Das Objektiv Planapo 40/1,0 Öl gehört auch zu meinen Lieblingsobjektiven (in der 160 mm TL-Generation, ich kenne es nicht in Unendlich-Optik). Leider weiß ich von keinem DIK-Prisma, das mit diesem Objektiv wirklich gut funktioniert.
Viele Grüße
Ole
Hallo Gerald,
vielen Dank für diesen schönen Beitrag! Solche Kulturen haben schon etwas für sich. Ich finde diese Euglena zwar ebenfalls öfters, doch meistens befinden sie sich mitten im Dreck ... >:(
Herzliche Grüße
Angie
Hallo Gerald,
sehr schöne Bilder von E. spirogyra! Ich finde diese Art auch häufig, aber noch nie mit fehlenden "Höckern". Allerdings habe ich bei M. Gojdics "The genus Euglena" folgenden Eintrag unter E. spirogyra gefunden:
"Pellicle:yellowish in color, and bears rows (12-14 by one set of counts) of prominences that look bead-like. These are usually hemispherical, or they may appear very slightly pointed, or a little squarish. When they are fully developed, they occur in spiral rows, which closely follow one another. But that is a very variable condition, and individuals are frequently seen with gaps within the rows, or rows of beads lacking, or some rows more prominent than others, frequently alternating prominent and faint ones. Rarely an individual appears with only a single row. Lefevre (1931) reported similar variations, and Lefevre (1932c) noted
that this reduction occurs in var. minor in response to unfavorable food conditions, and the organisms in this cultures lost their beads entirely in two and one-half months, leaving simple striae on the pellicle."
Der letzte Satz weist darauf hin, dass ältere Kulturen nach 6-8 Wochen ihre Höcker verlieren können. Wie alt war Deine Kultur denn?
Schönen Abend!
Martin
Zitat von: Gerald in Februar 19, 2016, 12:09:45 NACHMITTAGS
Ein Stück Hartkäse (Erbsengröße) zugeben und beimpfen / hell stellen.
Hallo Gerald,
Bei welcher Temperatur sollte man kultivieren? Ich hatte E. spirogyra letzten Sommer, der ja sehr heiß war, massenhaft in einem Tümpel gefunden, der gefühlte 30 ° Wassertemperatur hatte (leider ist der später ausgetrocknet). Kann es sein, dass die es gerne etwas wärmer mögen, oder reicht Zimmertemperatur aus?
Grüße aus der Schweiz
Christian
Zitat von: Martin Kreutz in Februar 19, 2016, 21:03:49 NACHMITTAGS
Wie alt war Deine Kultur denn?
Hallo Martin,
vielen Dank für den wertvollen Hinweis. Diese Kultur war 13 Wochen alt. Ich habe am Wochenende einen Neuansatz (2 Wochen) durchmustert, doch leider auch hier waren viele Zellen ohne Höcker. Anscheinend erfolgt bei der Zellteilung keine Neubildung der Höcker. Leider bin ich nicht in der Lage die Euglena mit Höckern zu isolieren (und dann zu kultivieren). Wäre interessant wie stabil dann dieser Stamm wäre. Den Ansatz habe ich aus England erhalten, denn in Deutschland habe ich trotz lager Suche keinen Ansatz erhalten können. Vielleicht liest aber auch jemand mit, welcher E. spirogyra in Kultur hat und wo die Höcker einwandfrei ausgebildet sind.
Viele Grüße
Gerald
Zitat von: cabo in Februar 19, 2016, 23:18:03 NACHMITTAGS
Zitat von: Gerald in Februar 19, 2016, 12:09:45 NACHMITTAGS
Ein Stück Hartkäse (Erbsengröße) zugeben und beimpfen / hell stellen.
Hallo Gerald,
Bei welcher Temperatur sollte man kultivieren? Ich hatte E. spirogyra letzten Sommer, der ja sehr heiß war, massenhaft in einem Tümpel gefunden, der gefühlte 30 ° Wassertemperatur hatte (leider ist der später ausgetrocknet). Kann es sein, dass die es gerne etwas wärmer mögen, oder reicht Zimmertemperatur aus?
Grüße aus der Schweiz
Christian
Hallo Christian,
Zimmertemperatur reicht aus. Ein Austrocknen des Tümpel ist kein Problem, denn die Euglena überstehen die Trockenheit im Palmella-Stadium. Also eine Probe vom ausgetrockneten Tümpel nehmen und ansetzen.
Viele Grüße in die Schweiz
Gerald