Hallo rundum,
hier ein paar Bilder zu einer merkwürdigen zweistufigen Kristallisation:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/196232_34826792.jpg) (http://s306.photobucket.com/user/Ernsthippe/media/Phenidon_zpsefz8wyth.jpg.html)
Der Fotoentwickler Phenidon bildet nach Schmelze unterm Deckglas schöne Fächerkristalle in großen Flächen, Ausschnitte: A,B. Außerdem gibt es verstreut rundliche "Tropfen", die manchmal noch radiale Nadeln tragen: C. Bald werden einige von ihnen von einem bräunlichen Wuchs anderer Kristalle überzogen: D,E,H. Dieser zeigt daher auch dunklere Polarisationsfarben: F. Der Überwuchs bildet sich auch auf den großen Fächerfeldern vom Rand her, aber auch spontan isoliert: F,G. Zur Verdeutlichung noch ein unpolarisiertes Bild: H. Von einem 7 Jahre alten Präparat weiß ich, daß nach längerer Zeit alles überwachsen ist.
Bilder A-G mit Hilfsobjekt 1230nm, dieses und der Polarisator unabhängig drehbar.
An unsere Kundigen: Was bewirkt einen solchen Vorgang?
Lieber Ernst,
danke für die schönen Bilder! Du hattest sie ja schon in unserem Telefonat beschrieben. Ich vermute 2 Vorgänge:
1. eine verzögerte Kristallisation (unterkühlte Schmelze), das kann dauern..
2. das Phenidon ist als Entwickler ein Reduktionsmittel, wenn auch nicht so stark wie Hydrochinon. Dabei wird der Reduktor natürlich oxidiert. Das kann auch schon der Luftsauerstoff bewirken. Die Oxidationsprodukte sind in diesem Fall immer wilde Gemische, die höher molekular sind und braun bis schwarz erscheinen. Hydrochinon z. B. erhält man selten schneeweiß, d. h. ohne Oxidationsprodukte.
Lieber Klaus,
danke für Deine Hinweise! Punkt 2 kann ich mir vorstellen. Punkt 1 aber doch unwahrscheinlich, dann müssten bei der Schmelze ja 2 unterschiedliche Substanzen entstehen, deren eine sofort, die andere verzögert kristallisiert. Letzteres habe ich bei anderen Stoffen bisher nur allein gesehen.
Lieber Ernst,
da war ich doch nicht ganz präzise beim Lesen und demzufolge beim Antworten. Schmelze kristallisiert wenn ich jetzt richtig verstehe sofort und gibt die schönen fächerförmigen Kristalle. Das braune Zeug entsteht langsam, aber immer auf schon vorhandenen Kristallflächen?
Dann gilt das unter Punkt 2 geschriebene: die Oxidation schreitet sehr langsam voran. Das ist dann die braune Substanz (Oxidationsprodukt) die meiner Vermutung nach ein Gemisch aus polymeren Oxidationsprodukten ist. Hat dann immer noch die äußere Gestalt des Ursprungskristalls ist aber was Neues (sehr schön in Bild D zu sehen). Kennt man auch in der Mineralogie z. B. Azuritkristalle, die sich komplett in Malachit umgewandelt haben.
Ich wette Olaf hat dazu ein traumhaftes Bild zur Hand!
Lieber Klaus,
ja, die sekundären Kristalle entstehen nur auf den primären, auch mittendrin. Ganz klar ist mir nicht, wo sie dann den Sauerstoff herbekommen...
Schönen Feiertag noch!
hallo Ernst
zu einer Oxidation in einer allgemeineren Betrachtungsweise bedarf es nicht anwesenden Sauerstoff.
Die Oxidation ist eine chemische Reaktion, bei der ein Atom, Ion oder Molekül Elektronen abgibt und das kann irgendeine dazu fähige in der Substanz unter dem Deckglas sein.
Zur Pseudomorphose ein Bild aus Wikipedia: ich habe es so verstanden, dass es gemeinfrei ist. Schön ist es auf jeden Fall:
https://de.wikipedia.org/wiki/Pseudomorphose#/media/File:Azurite-Malachite-173855.jpg
Es zeigt exemplarisch schön, dass der blaue Azurit in den grünen Malachit umgewandelt ist. Die Morphologie des ursprünglichen Kristalls bleibt erhalten, obwohl der Malachit aus feinen Nadeln besteht.
Danke nochmal, Klaus und Knipser!
Da ich (trotz Steinsammlung in meiner Jugend) von Mineralien kaum was verstehe, habe ich mich an den Ansichten erfreut.
Lieber Ernst,
Zitathabe ich mich an den Ansichten erfreut.
Kann man in diesem Fall auch wirklich. Schöner als ein blauer Diamant und zudem deutlich preiswerter - obwohl diese Stufe sicher nicht billig wäre!