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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: rheinweib in Juni 13, 2016, 18:11:05 NACHMITTAGS

Titel: Videostitching vs. klassisches stacken
Beitrag von: rheinweib in Juni 13, 2016, 18:11:05 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,
ich hab mir mal ein "bisschen" Arbeit gemacht, und das gründlich ausgetestet.
Diese Objektive kamen zum Einsatz.

CZJ 3,2/0,10 Semiplan
CZJ 6,3/0,16 Semiplan
Nikon E-Plan 10/0,25
Nikon M-Plan 20/0,4 ELDW


(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/197385_28199335.jpg)
Das ist ein klassischer Stack aus 25 Einzelbildern mit dem 3,2er Semiplan.
Um diesen Bildausschnitt zu bekommen, müsste man mit dem 20er Nikon 16 Videostapel anfertigen.


(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/197385_61010542.jpg)
So sähe ein klassischer Stack mit dem 3,2er Semiplan gezoomt aus.......nicht besonders gut aufgelöst.


Für alle folgenden Gitterbilder habe ich jedesmal das fertige Videostitchbild genommen, der Bildausschnitt ist ja der selbe.


(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/197385_61119830.jpg)
Klassisch gestackt, müsste man mit dem 6,3er Semiplan zwei (plus ein bisschen) Stapel anfertigen.
Pro Stapel waren es um die 40 Einzelbilder.


(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/197385_66037790.jpg)
Das wäre ein Zoom mit dem 6,3er....schon besser, aber es wären schon fast doppelt so viele Bilder nötig, wie mit dem 3,2er


(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/197385_18910566.jpg)
Klassisch gestackt käme man mit dem 10er Nikon auf (übern Daumen) 6 Einzelstapel á ca.55 Einzelbilder (über 300)


(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/197385_45669118.jpg)
Reingezoomt in das 10er Bild. Kann man lassen, ist gut aufgelöst, allerdings bräuchte man deutlich über 300 Einzelbilder!


(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/197385_41844398.jpg)
Das ist der Videostitch aus 16 Einzelsegmenten mit dem 20er M-Plan.


(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/197385_3949738.jpg)
Hier die Zoomansicht aus dem Videostitch. Das 10er E-Plan und das 20er M-Plan-Bild ist in etwa gleich gut aufgelöst.


Mein Fazit: Da mache ich, wenns ein XXL-Bild werden soll, lieber Videostacks, das dauert zwar etwas länger, aber nicht,
weil es mehr Arbeit macht, sondern, weil ich auf die vielen Stapel warten muss. Und der GROSSE Vorteil bei der Methode
ist, das die Kameramechanik ungemein geschont wird. Ich bin also nicht spontan wahnsinnig geworden  ;D, sondern tue
meiner Kamera damit etwas gutes.

Ich hoffe, Ihr habt bei meinen Test den Durchblick  :D


LG
Heike
Titel: Re: Videostitching vs. klassisches stacken
Beitrag von: Heribert Cypionka in Juni 14, 2016, 09:33:34 VORMITTAG
Liebe Heike,

ganz herzlichen Dank für diesen aufwendigen Vergleich! Das ist genau, was ich wissen wollte. Und was ich schon immer wusste ;): Es muss nicht immer RAW sein, wenn man gut beleuchtet...

Hochaufgelöste Grüße

Heribert Cypionka
Titel: Re: Videostitching vs. klassisches stacken
Beitrag von: rheinweib in Juni 14, 2016, 16:51:38 NACHMITTAGS
Gerne geschehen, lieber Heribert  :)

LG
Heike
Titel: Re: Videostitching vs. klassisches stacken
Beitrag von: Kurt Wirz in Juni 15, 2016, 12:33:15 NACHMITTAGS
Hallo Heike
Wenn du mit dem Carl Zeiss Jena Semiplan 3.2/0.10 160/- fotografierst, erreichst du eine Auflösung von etwa 340LP/mm.
Wenn du mit dem Nikon E Plan 10/0.25 160/- (Spitz silber Rest schwarz) fotografierst, erreichst du eine Auflösung von etwa 900LP/mm.
Beim Videofilmen mit der Canon 70D die bei gleichem Bildausschnitt, das Full HD 1.080p Format hat, das sind es 1920x1080 Pixel, da hast du eine Auflösung die etwa ein Drittel (2.85) der Bildbreite des Fotoformates von 5472x3648 beträgt. Entsprechend sinkt rein rechnerisch, beim Videofilmen im Vergleich zum Fotografieren die Auflösung um den Faktor 2.85. Das bedeutet, dass die Auflösung beim Videofilmen mit dem Nikon E Plan 10/0.25 160/- von 900LP/mm um den Faktor 2.85 auf 315LP/mm sinkt. Ebenfalls ist zu beachten, dass die Farbunterabtastung beim 1.080p Format, 4:2:2 beträgt und somit in horizontaler Richtung nur halb so gross ist wie in vertikaler.
Nichtsdestotrotz hast du in der Praxis eine sichtbar höhere Auflösung, was wieder mal zeigt, dass Theorie und Praxis bei oberflächlicher Betrachtung nicht immer gleich ist.
Das Prinzip deiner Erstellung eines höher aufgelösten Bildes ist aber gut!
Jedoch würde ich das 4K Format vorziehen, denn dieses reduziert die Auflösung nicht, verkleinert lediglich den Bildausschnitt um den Faktor 1.45.
In den letzten Tagen habe ich entsprechende Messungen mit der Nikon D500 und ihrem Videoformat 4K (3840x2160), das fast keine Auflösungsreduktion mit sich bringt angefertigt

Kurt
Titel: Re: Videostitching vs. klassisches stacken
Beitrag von: Rawfoto in Juni 16, 2016, 10:41:18 VORMITTAG
Hallo Kurt

Auch ich beschäftige mich mit der D500 und 4k, hast Du Deine Versuche mit einem externen Recorder gemach?
Nur dann bekommt man ja die volle 4k Qualität auf den Rechner ...

Leider unterstützt Apple die D500 in Final Cut Studio Pro noch nicht, wird laut Support bis August dauern ...

@Heike, bei meinen Versuchen sind die 4k Stacks den RAW Stacks unterlegen, dabei spreche ich nicht vom fehlenden Grün und Blau im Farbraum des sRGBs. Wie Kurt richtig schreibt fehlt Auflösung, jetzt testest Du aber gar nicht im 4k ...

Liebe Grüsse

Gerhard
Titel: Re: Videostitching vs. klassisches stacken
Beitrag von: Kurt Wirz in Juni 16, 2016, 14:33:02 NACHMITTAGS
Hallo Gerhard
Ich zeichne nur kurze Sequenzen auf, maximal 1 Minute. Dabei werden die Daten als MOV Datei an den Computer übertragen.
Ob die Qualität beim Speichern in der Kamera schlechter ist, bezweifle ich. Das Format ist H.264/MPEG-4 Advanced Video Coding. Die Einzelbilder (max. 30 Stk. pro Sekunde) besitzen so, oder so, eine reelle Auflösung von 3840x2160 bei einer Farbtiefe von 8Bit.
Natürlich ist die Bildqualität im Vergleich zu RAW schlechter. Beim Filmen kann nicht mit einer extrem kurzen Abbrennzeit geblitzt werden, jedoch dauert das Anfertigen eins Stacks weniger lang wie eine Minute, klassisches Stacken kann 30-100 Mal länger dauern.
Es sind deshalb ganz spezielle Situationen, bei welchen das Videostacken zum Einsatz kommt.

Kurt