Liebe Pflanzenfreunde,
die Gewöhnliche Kratzdistel findet man an Wegen und auf Schuttplätzen ebenso wie auf Weiden, an Ufern und an ganz lichten Waldstellen. Sie braucht nährstoffreichen, vor allem an Stickstoffsalzen reichen Boden. Diese Pflanze zeigt Nitratreichtum an.
Cirsium vulgare ist verbreitet in ganz Europa, der Türkei, dem Kaukasus, dem Norden des Irans, Westsibirien (bis zum Jenissei), Zentralasien und Nordwest-Afrika und ist in Nordamerika, Zentralamerika und Australien.
Die Gewöhnliche Kratzdistel ist eine einjährige Pflanze und erreicht eine Wuchshöhe von 50 bis 350 Zentimetern. Die Laubblätter sind wechselständig, die Blattform ist oval bis lanzettlich. Die Blätter sind doppelt fiederspaltig und am Stängel herablaufend. Die Blattoberseite ist stachelig-steifhaarig, die Unterseite kurzhaarig bis weißfilzig. Alle Fiederabschnitte sind dornig gezähnt und laufen in einem langen gelben Dorn aus.
01 Habitus von Cirsium vulgare
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/199325_46010136.jpg) (http://www.directupload.net)
Bildquelle: H.-J_Koch
Für Landwirte überall in Europa ist die Distel ein verhasstes Unkraut, das trotz der Bekämpfung durch Herbizide noch immer eine erhebliche und zuweilen fatale Rolle spielt.
Die Distel besitzt tiefgehende Pfahlwurzeln, die vom Pflug nicht völlig erfasst und vernichtet werden können und ihre Samen überleben im Boden bis zu 20 Jahre.
Ein anderer Versuch des Menschen, in die Natur einzugreifen, scheint von Erfolg gekrönt: In Spanien sollen zwei Biomasse-Elektrizitätswerke jährlich 100.000 Disteln verbrennen und so rund 90 Gigawatt Strom produzieren. Verwendet wird dafür eine gentechnisch veränderte, besonders widerstandsfähige Distelart, Cynara cardunculus, die bis zu drei Meter hoch wird.
Quelle: (Marie-Therese Gudenus, DER STANDARD, Printausgabe vom 2./3.2003)
Die Gewöhnliche Kratzdistel hat besonders große Blütenkörbchen und ist für Insekten eine wichtige Nahrungsquelle. Der Nektar in den langen Blütenröhren kann nur von langrüsseligen Insekten erreicht werden, wie von dem Zitronenfalter und dem Kleinen Heufalter.
Bild 02 Blütenkopf der "Gewöhnlichen Kratzdistel"
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Bildquelle: H.-J_Koch
Die Blütenkörbe haben einen Durchmesser von bis zu 4 Zentimetern. Während der Blüte ist der Korb in der Höhe der Blüten fast doppelt so breit wie der oberste Teil der Korbhülle. Die Korbhülle hat keinen Wollfilz. Die Blüten sind purpurfarben. Blütezeit ist von Juli bis Oktober. Die Achänenfrüchte haben eine abgeflacht-zylindrische Form. Der Pappus besteht aus langen, federartig behaarten Strahlen.
Cirsium vulgare wurde bereits von dem italienischen Botaniker Gaetano Savi (* 13. Juni 1769 in Florenz; † 28. April 1844) beschrieben und benannt, aber erst 1836 von Michele Tenore (* 11. Mai 1780 in Neapel; † 19. Juli 1861) in die heute gültige Systematik eingeordnet.
Systematik:
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Carduoideae
Tribus: Cynareae
Gattung: Kratzdisteln (Cirsium)
Art: Gewöhnliche Kratzdistel
Wissenschaftlicher Name: Cirsium vulgare
Volkstümliche Bezeichnung: Lanzett-Kratzdistel
Englischer Name: boar thistle
Bild 03 Blattrosette der Gewöhnlichen Kratzdistel
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Bildquelle: H.-J_Koch
Die im zweiten Jahr gebildete Blattrosette ist sehr regelmäßig aufgebaut.
Bild 04 Schnittstellen, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
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Bildquelle: H.-J_Koch
Spross Blattstiel, Querschnitt, Schnittdicke: 25 Mikrometer
Bild 05 Ungefärbter Schnitt, Leitbündel, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
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Leitbündel (Faszikel) sind für den Ferntransport von Wasser, gelösten Stoffen und organischen Substanzen (Assimilaten, hauptsächlich Zucker) im Spross, im Blatt sowie in der Wurzel von höheren Pflanzen (Gefäßpflanzen) verantwortlich.
Bild 06 Ungefärbter Schnitt, Leitbündel, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
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Bild 07 Vergrößerung, ungefärbter Schnitt, Abschlussgewebe, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
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3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Arbeitsablauf :
1. Schnitte liegen in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 8 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca. 15 Sekunden !!!.
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest.
7. Nachfärbung Astrablaulösung 1 Minuten, 30 Sekunden.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 4 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol ( 99,9 % ).
10. Als letzte Stufe vor dem Eindecken Xylol einsetzen.
11. Einschluss in Entellan
Ergebnis:
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Fotos: Nikon D5500
Bild 08 Übersicht, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
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Bild 09 Übersicht mit schwarzem Hintergrund, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
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Bild 10 Vergrößerung aus der Übersicht mit Beschriftung, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/199325_20794505.jpg) (http://www.directupload.net)
MP = Markparenchym, PXY = Protoxylem, XY = Xylem, PH = Phloem, SK = Sklerenchym, RP = Rindenparenchym, CU = Cuticula, EP = Epidermis, T = Trichom
Bild 11 Leitbündel, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/199325_63337519.jpg) (http://www.directupload.net)
Bild 12 Leitbündel, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/199325_31616068.jpg) (http://www.directupload.net)
Bild 13 Leitbündel, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/199325_13436935.jpg) (http://www.directupload.net)
Bild 14 Trichom, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/199325_682299.jpg) (http://www.directupload.net)
Bild 15 Geschlossenes Leitbündel mit Beschriftung, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/199325_30703455.jpg) (http://www.directupload.net)
SK = Sklerenchym, PH = Phloem, XY = Xylem, PXY = Protoxylem, RP = Rindenparenchym
Rechts neben dem "H" ist eine Siebplatte angeschnitten, neben den Siebröhren erkennt man die schmal-rechteckigen Geleitzellen.
Da die Kraztdistel eine Dicotyle (Zweikeimblättrige Pflanze) ist, müsste es sich hier um ein offenes Leitbündel handeln, aber ich kann kein Kambium entdecken.
Möglicherweise ist das Dickenwachstum einfach abgeschlossen
Bild 16 Leitbüdeltypen
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/199325_39478227.jpg) (http://www.directupload.net)
Ist ein Kambrium zwischen Phloem und Xylem, nennt man das Leitbündel ,,offen" (bei vielen Dikotylen) - Zweikeimblättrige Pflanzen.
Fehlt das Kambium, nennt man es ,,geschlossen" (bei Monokotylen) - Einkeimblättrige Pflanzen.
Bild 17 Vergrößerung, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/199325_31689767.jpg) (http://www.directupload.net)
Bild 18 Drei Leitbündel, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/199325_16753379.jpg) (http://www.directupload.net)
Bild 19 Dunkelfeld, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/199325_15704571.jpg) (http://www.directupload.net)
Bild 20 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/199325_35617073.jpg) (http://www.directupload.net)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10
Bild 21 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Gewöhnliche Kratzdistel Cirsium vulgare
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/199325_59264426.jpg) (http://www.directupload.net)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10
Danke an Detlef Kramer für seine Erklärung zu den Leitbündeln.
Quellenangaben und verwendete Literatur:
Aichele/Schwegler ,,Der Kosmos-Pflanzenführer", ISBN 3-86047-394-8
Dietmar Aichele ,,Was blüht denn da ?", 1991
Rita Lüder ,,Grundkurs Pflanzenbestimmung", ISBN 3-494-01418-3
,,Was blüht denn da ?", ISBB 978-3-440-11379-0
,,Der neue Kosmos Tier- und Pflanzenführer", ISBN 3-440-07286-X
Mit freundlichem Gruß
Hans-Jürgen
Recht hast du Heinrich: deshalb ja auch das Sprichwort "keine Rose ohne Stachel" :D