Mikro-Forum

Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Robert Götz in Juli 26, 2009, 13:32:03 NACHMITTAGS

Titel: Aus für Okulare?
Beitrag von: Robert Götz in Juli 26, 2009, 13:32:03 NACHMITTAGS

Hier wird ein recht interessantes Mikroskop vorgestellt.

http://www.youtube.com/watch?v=dlppWP1hWrU

Was wird sowas kosten?
Wird es in Zukunft keine Okulare mehr geben?

Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Nomarski in Juli 26, 2009, 13:53:38 NACHMITTAGS
Hallo,

wie ist diese Frage zu verstehen?
Den Film habe ich mir angeschaut.

Gruß
B.W.
Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: peter-h in Juli 26, 2009, 14:33:28 NACHMITTAGS
Nettes Spielzeug fürs Vorschulalter  ;D

Ich behalte meine Okulare !

Gruß
P.H.
Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Nomarski in Juli 26, 2009, 14:43:16 NACHMITTAGS
Ich kaufe mir noch ein paar Okulare dazu, die werden dann nämlich günstiger.  ;)  ;D

Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Alfred Schaller in Juli 26, 2009, 14:47:55 NACHMITTAGS
Schönes Spielzeug - man beachte auch den im Video gezeigten Arbeitsabstand. Solche "okularfreien" Mikroskope gibt es schon mehrere, z.B. bei Olympus und Keyence.
Ich mus auch immer beim Begriff "Digitalmikroskop" schmunzeln: Vielleicht kann man damit keine Gegenstände aus unserer "analogen" Welt, sondern nur bites und bytes betrachten?
Viel Spaß an der großen Neuheit
Alfred Schaller
Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Robert Götz in Juli 26, 2009, 14:53:34 NACHMITTAGS

Mich hätte vor allem der Preis interessiert, der wird auf den Seiten der Anbieter leider nicht genannt.
Für ein Spielzeug dürfte es wohl zu teuer sein.
Dass die Okulare überflüssig werden, war natürlich nicht ernst gemeint. Aber wer weiß? Wer hätte sich vor ein paar
Jahrzehnten LCD-Sucher bei Fotoapparaten vorstellen können?

Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Juli 26, 2009, 15:13:17 NACHMITTAGS
Hallo in die Runde!

So eindeutig als Spielzeug sollte man die Sache wohl doch nicht abtun - selbst Leica hat ein "okularloses" Mikroskop im Programm: http://www.leica-microsystems.com/website/products.nsf?open&path=/website/products.nsf/(allids)/6c551e8807f1ca5ac12574560026bd8a. Hier auf "Light Microscopes" und dann nach unten zum Leica DMD108.
Als ich einmal dieses Gerät von einem Leica-Vertreter vorgeführt bekam, witzelte ich, dass er wohl den Tubus im Auto vergessen habe. Den Witz hate er schon gehört, war aber sicher, dass genau dies die Zukunft der Mikroskopie sei, gerade im Bereich Pathologie. Nun kenne ich keinen Kollegen, der tatsächlich damit in der Routinediagnostik arbeitet, ich habe das Mikroskop aber bereits als Diskussionsmikroskop gekoppelt an einen Beamer im Einsatz gesehen. Ferner wurde es schon in Kombination mit einem automatisierten Präparatescanner für Tissue Microarrays angeboten.

Vielleicht bin ich zu konservativ, aber mir kommt so ein Teil (erstmal) nicht auf den Schreibtisch. Kann denn das Gerät wirklich die volle Auflösung nutzen, und kommt die denn dann auch so bei mir auf der Netzhaut an? Die Sehgewohnheiten müssen doch ganz anders sein, wenn man vor dem Bildschirm sitzt, oder? Auf der anderen Seite: Nach 6, 7 oder 8 Stunden nur vor dem Mikroskop qualmt einem schon mal ganz gehörig der Kopf, und der Nacken fühlt sich manchmal wie ein Brett an. Genau darauf soll das Gerät die Antwort sein. Wer weiß - vielleicht bin ich tatsächlich zu konservativ?

Grüße,
Florian
Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Nomarski in Juli 26, 2009, 15:35:48 NACHMITTAGS
Deswegen sollte man diesem Super-Nintendo wenigstens die Chance geben, seine Leistung mit einer
Diatomeen-Testplatte unter Beweis zu stellen.
Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Juli 26, 2009, 15:42:21 NACHMITTAGS
Hallo Bernd,

da bin ich sicher, dass die Auflösung reichen wird. Vielleicht ist die Kamera auch schnell genug im Bildaufbau ohne lästiges delay beim Verschieben des Präparates. Trotzdem guckt man eben auf ein "Bild" im Sinne einer sehr guten Digitalfotografie und nicht "wirklich" ins Mikroskop. Das ist das eigentliche Problem, das vielleicht gar keins ist...

Florian
Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Nomarski in Juli 26, 2009, 15:49:10 NACHMITTAGS
Hallo Florian,

ich habe natürlich auch schon mit einigem rumexperimentiert, aber bin immer noch zu dem Schluß gekommen,
daß die Betrachtung durch die Okulare den besten Bildeindruck vermittelt.
Aber es kommt immer darauf an, welchen Ansprüchen man gerecht werden will,
was den einen vom Hocker reist, ist für den anderen der größte Mumpitz wie man schon lesen konnte.

Viele Grüße
Bernd
Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Peter V. in Juli 26, 2009, 16:08:56 NACHMITTAGS
Hallo Florian,

ich glaube, die Beanpruchung der Augen beim Blick durch die Okulare ist geringer als beim ständigen Blick auf diese Design-Katastrophe! Das "Ding" wirkt wie amputiert! Da schaudert's mich und wahrscheinlich jeden anderen Mikroskopliebhaber.

Eigentlich ist das ja eine Art "Spaversion" eines richtigen Mikroskopes mit zusätzlich eingebauter Digitalkamera.
Ob das die Zunkunft der Pathologie ist - wer weß?! Schon möglich - wer hätte vor 15 Jahren gedacht, dass das klassische Röntgenbild auf Film aus der Dunkelkammer heute nahezu eine Rarität ist und bei sicher 90% aller Radiologen die Befundung digital aufgenommener Röntgenbilder aussschließlich am Monitor erfolgt?

Was die Ergnonmie betrifft, glaube ich persönlich nicht, daß es weniger anstregend ist, den ganzen Tag auf einen Moniotr zu schauen als in ein gut ausgerichtetes Mikroskop ( mit z.B. Ergotubus ). Aber das wirst Du sicher viel besser beurteilen können als ich.

Wie waren denn die Handhabung und die Bildqualität des Dir vorgeführten Leica Digitalmikroskops?

Herzliche Grüße
Peter

Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Eckhard F. H. in Juli 26, 2009, 16:12:38 NACHMITTAGS
Auch wenn ´Schirm´ dem Wort ´Bild´vorangestellt ist, bleibt es ein Bild. Reelle Abbildungen sind immer mit Verlust behaftet. Am Schirm sehe ich also ein Bild des Bildes. Die verlustärmste optische Information (im sichtbaren Bereich) ist immer noch die, die ohne reelles Zwischenbild erfolgt. Deshalb behalten meine Okulare ihre Funktion.
Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Juli 26, 2009, 18:27:31 NACHMITTAGS
Hallo Peter,

die Bildqualität war so, wie man es von einem guten Foto heute erwarten darf. Das Nachziehen beim Bildaufbau war - soweit ich das erinnere - spürbar aber kurz.
Das grundsätzliche Auflösungsproblem liegt wohl darin, dass ein z.B. mit der Numerischen Apertur von 1,4 aufgelöstes Objekt in z.B. 1024 x 768 Pixeln abgebildet wird. Da kann ich natürlich prinzipiell auch die Diatomeentestplatte auflösen, keine Frage. Aber trotzdem ist das, was ich sehe, natürlich schlechter (meint "pixeliger") aufgelöst, oder spinne ich da?

Herzliche Grüße,
Florian
Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Eckhard in Juli 26, 2009, 18:40:12 NACHMITTAGS
Hallo Florian,

schau mal hier:

http://www.zeiss.de/C12567BE00459794/Contents-Frame/CB53AA1D6403FFDDC12570650050924B

Herzliche Sonntagsgrüsse
Eckhard
Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Detlef Kramer in Juli 26, 2009, 18:51:08 NACHMITTAGS
Hallo,

ich habe mir das Filmchen schnell angeschaut. Also, ein Spielzeug ist das nicht. Aber, was ich noch klar stellen möchte, bezüglich des scheinbar großen Arbeitsabstandes: das Gerät ist ein inverses Mikroskop und die 4 Objektive sitzen unter dem Tisch. Was man da unter dem Bildschirm sieht, ist die Beleuchtungseinheit, wie das bei inversen Mikroskopen üblich ist.

Dass die Bilder, durch das Okular betrachtet schöner erscheinen, liegt an dem höheren Kontrastumfang des Auges; den erreicht heute noch kein Chip der Welt.

Trotzdem: in der Routine, wo es nicht um Schönheit und Erlebniswert, sondern um Informationsvermittlung geht, werden diese Geräte Zukunft haben.

Herzliche Grüße

Detlef Kramer
Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Juli 26, 2009, 19:06:47 NACHMITTAGS
Hallo Eckhard,

das ist ja interessant! Aber trifft das wirklich den Kern der Sache? Aus der Tabelle geht - wenn ich das richtig verstehe - ja zunächst nur hervor, dass man eine Kamera (wohl auch einen entsprechenden Monitor) mit, vor allem bei niedrigeren Vergrößerungen, relativ hoher Auflösung braucht. Hat die Kamera aber z.B. 4000 Pixel in einer Richtung, dann macht der Monitor anschließend doch aus jeweils 4 Pixeln eins, oder?

Wenn man digital die Auflösung eines normalen 100 ISO-Kleinbilddias erreichen möchte, dann sind wir doch prinzipiell eher bei der 16 Mio-Pixel- Hasselblad als bei der 1,2 Mio-Pixel Handykamera, so wurde mir zumindest gesagt. Das heißt doch im Klartext: Auch wenn das Mikroskop ein exzellentes Bild macht, dann habe ich 1. ein gröberes (pixelfusioniertes) Bild auf dem Monitor und 2. im Okular trotz der besten Digitalkamera mehr erkennbare Details des Objektes.
Wichtig finde ich noch 3.: Ich weiß, wie Dinge unter dem Mikroskop z.B. bei 100facher Vergrößerung aussehen. Ich habe mich darauf adaptiert, wie z.B. das Kernchromatin bei dem oder dem Tumor bei der oder der Vergrößerung aussieht, wann man Nukleolen sieht u.s.w. Bei Zytlogien ist das sogar noch wichtiger als im Schnittpräparat. Sicher auch eine Frage des Kontrastes, der Farbwiedergabe u.s.w. Diese Sicherheit hätte ich zunächst mit dem "Bildschirmmikroskop" nicht mehr, und ich glaube einfach nicht, dass effektiv die Vorteile überwiegen. Aber: Vielleicht liege ich da auch total daneben...

Grüße,
Florian
Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Eckhard F. H. in Juli 26, 2009, 19:45:55 NACHMITTAGS
Hallo Florian,
wahrscheinlich liegst Du nicht daneben. Aber meine Argumentation fußt auch nur auf Erfahrung. Jedenfalls habe ich  noch nie ein Bild von einem Objekt gesehen, das (bei gleicher Bewaffnung) mehr Details erkennen ließ als das Objekt selbst.
Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Juli 26, 2009, 20:15:32 NACHMITTAGS
Da sind wir uns einig!
Titel: Re: Aus für Okulare?
Beitrag von: liftboy in Juli 28, 2009, 10:54:41 VORMITTAG
Hallo erstmal,
nun will auch ich meinen Senf dazugeben!
Hat nicht etwa alles für seinen speziellen Zweck seine Berechtigung?
Ich für meinen Teil nutze ein Mikro mit Analogkamera für den "täglichen" Einsatz: d.h. grobe Übersicht, Kleinarbeiten, Beobachtung kleiner, schnellbeweglicher Lebewesen. Das ganze landet auf einem 22" Schirm. Das Bild ist groß genug und auch pixelfrei, weil analog! Die Augen werden im Alter halt auch nicht besser, und da ich die Brille beim Orginalmikro abnehme und und nachfokussiere, ist das zum Arbeiten unangenehm (Brille auf, Brille ab, Brille wieder auf, usw.)
Für die feinen Sachen habe ich das "gute" Teil mit Trino und 5Mp Digitalkamera.
Da sieht man aber dann schon deutlich den Unterschied zwischen Orginalbild und dem Digi-Foto (Bewegungen sind bei 5Mp tabu!)
Es bleibt also dabei:  live ist live!
Gruß
Wolfgang