hallo zusammen,
ein früherer Beitrag von Carsten hier:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=26619.0
hat mich dazu angeregt, über eine Begegnung mit dem Ciliaten Holophrya zu berichten.
Holophrya ist ein überaus häufiger Ciliat in Tümpelproben. Er ist -je nach Ernährungszustand- von länglich-ovaler bis kugeliger Gestalt mit einem durch eine Reuse am Vorderpol charakterisierten Mund.
Hier ein Übersichtsbild:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/201070_7174347.jpg)
Der Cilienbesatz besteht aus einigen zig parallel angeordneten Reihen , die am Vorderrand durch die adoralen Oganellen, mehrere Reihen besonderer Cilien (,,Bürste") unterbrochen sind. Lage und Länge der adoralen Organellen sind arttypisch:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/201070_54410185.jpg)
Hier noch ein weiterer Blick auf die Cilien der Mundregion:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/201070_32539254.jpg)
Hier ein Bilick auf die scheinbar relativ kleine Mundöffnung, die von den Reusenstäben umrahmt wird:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/201070_54980288.jpg)
Dieses ändert sch in dem Moment, wo Holophrya eine Beute wahrnimmt. Zufälligerweise stieß ich in einem Präparat auf ein Viech, das gerade ein Euchlanis-Rädertier attackiert hatte. Leider habe ich den Anfang dieses Massakers nicht mitbekommen, da ich zuvor bereits etwas anderes in dem Präparat untersucht hatte. Das erste Bild hier zeigt den bereits verschlungenen roten Augenfleck des Rädertiers im Ciliaten:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/201070_58193893.jpg)
Anschließend wurde das Rädertier weiter ausgesaugt. Dabei drang Holophrya immer tiefer in den Panzer des Rädertiers ein:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/201070_1479501.jpg)
Das folgende Bild zeigt, wie groß dabei die Mundöffnung geöffnet werden kann. Es war wirklich makaber anzusehen, wie schnell das Gewebe des Rädertiers eingeschlürft wurde. Da kommt kein Science-fiction-Film mit. Es ist mir nicht klar, wie dieser Sog erzeugt wird, da der Zellmund im Innern nicht mit Cilien besetzt ist:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/201070_66577575.jpg)
Innerhalb von 15 min. waren die gesamten Weichteile des Rädertiers von dem Ciliaten aufgenommen. Dann gesellte sich ein weiterer Ciliat hinzu:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/201070_43200870.jpg)
Leider war für diesen nicht mehr sehr viel Nahrung übrig. Wie man auf dem letzen Bild sehen kann, wurde allerdings der gesamte Fuß verspeist:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/201070_64990969.jpg)
Und die Moral von der Geschicht´: wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss essen, was übrig bleibt ;-)
Viel Spaß beim Anschauen der Bilder
beste Grüße
Michael Plewka
Hallo Michael.
Der Detailreichtum ist enorm und die Cilien und den Mund hast Du perfekt abgelichtet bekommen. War das eine zufällige Probe oder hast Du beim Masaker mit der Pipette etwas nachgeholfen?
Tümpeln ist wirklich sehr spannend! Du zeigst das in Perfektion.
Liebe Grüße Jorrit.
Hallo Michael,
unglaublich wie ein Einzeller einen Mehrzeller - der auch noch gepanzert ist - einfach so ausschlürft.
Sehr schöne Dokumentation!!!!!!
Die Bilder zeigen mir wieder mal deutlich, dass ohne DIK und Blitz, das Fotografieren von Ciliaten eigentlich keinen Sinn macht.
Grüsse
Christian
Lieber Michael,
absolut phantastische Bilder, vielen Dank für Deine Mühe des Einstellens ins Forum.
ZitatEs ist mir nicht klar, wie dieser Sog erzeugt wird, da der Zellmund im Innern nicht mit Cilien besetzt ist
Vielleicht wie in diesem Beitrag in der Zeichentrickanimation gezeigt wird:
https://av.tib.eu/media/9423?0
Schöne Grüße
Jürgen
Hallo Christian,
ZitatDie Bilder zeigen mir wieder mal deutlich, dass ohne DIK und Blitz, das Fotografieren von Ciliaten eigentlich keinen Sinn macht
Ohne Blitz gelingen Ciliatenbilder eher selten, da gebe ich Dir recht, aber mit Hellfeld, Dunkelfeld oder schiefer Beleuchtung (denk' an die Beiträge von Martin Kreutz) geht es genauso gut. Beim DIK wird halt oft auf "dicke Hose" gemacht (außer bei Ole Riemann) , d.h. heißt die Konturen treten sehr stark hervor, die Schärfentiefe bleibt aber, so denke ich zumindest, wohl die selbe.
@ Michael Plewka:
Holophrya teres ? Beeindruckende Szenen! Bravo!
Viele Mikrogrüße
Heinrich
Lieber Michael,
eine tolle Beobachtung und wie immer bei Dir wundervoll präsentiert. Beneidenswert der Detailreichtum Deiner Bilder. Danke fürs Zeigen.
Herzliche Grüße
Regi
Hallo Michael,
mal wieder ein interessanter Beitrag von Dir mit Deinen hervorragenden Aufnahmen. Ich habe Holophrya sehr oft in meinen Proben, aber so etwas konnte ich noch nie beobachten. Sehr schön auch die Detailaufnahmen der Dorsalbürste und der Mundöffnung. Habe ich leider so noch nie hin bekommen! Da muss ich wohl noch was üben!
Schönen Abend!
Martin
hallo zusammen,
herzlichen Dank an alle Beteiligten für das Lob!
@ Jorrit:
Zitat....oder hast Du beim Masaker mit der Pipette etwas nachgeholfen?
Nein, das ganze hat sich zufällig in dieser Weise abgespielt. Ich war allerdings bereits ,,auf Öl", so dass es kein Zurück mehr gab: ich musste das 40er Objektiv benutzen, so dass der Bildausschnitt nicht ganz optimal war. Die ersten 4 Bilder sind allerdings von einem Viech aus einer anderen Probe.
@ Christian:
Zitat....keinen Sinn macht.
Die Sinnfrage bzw. -problematik kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Wenn es jedoch um die reine Dokumentation spannender naturwissenschaftlicher Phänomene geht, funktionieren andere Beleuchtungsverfahren genausogut; das sehe ich genauso wie Heinrich. Schöne Beispiele hierfür liefert der US-amerikanische Mikroskopie-Kollege Bill Porter, der mit seinen (technisch nicht besonders hochwertigen) Videos (einfach mal auf Youtube schauen) immer wieder schöne Einblicke in die Natur der Kleinlebewesen liefert.
@ Heinrich:
ZitatHolophrya teres ?
vermutlich ja. Von der Größe her stimmt es. Ich habe die ,,Ciliatenrevision" von Foissner benutzt, wo von vielen Holophrya-Arten die Rede ist , von denen viele Arten zur Drucklegung noch zu Prorodon gelistet wurden. Den neuen Stand der Literatur kenne ich leider nicht. Deshalb habe ich auf die Artbezeichnung verzichtet.
@ Jürgen:
vielen Dank für den Hinweis auf das Video. Das kannte ich ich noch nicht und habe es mir mehrfach angeschaut; die Aufnahmen sind wirklich genial. Es ist gut möglich, dass ein solcher Transportmechanismus auch bei Holophrya und anderen Ciliaten wirksam ist.
@ Martin:
ZitatDa muss ich wohl noch was üben!
.... sagt derjenige, der hier seit einem Jahrzehnt die besten Protistendokumentationen überhaupt liefert! Der Mann hat Humor !!!
Beste Grüße & ein schönes WE
Michael Plewka