Hallo,
Ich habe eine Frage für die Feinmechaniker unter uns. Ich habe ein Zeiss Standard GFL mit ein Tisch der sich etwas schwer bewegen lasst. Ich habe probiert zu schmieren mit Kriegöl, aber das hat wenig geholfen. Im Gegenteil, immer wen ich nur eins der Triebknöpfe gebrauche geht den Tisch sehr stramm und lauft er fest. Wenn ich beide Triebknöpfe gebrauche geht alles weich. Was ist los? Für ein Paar Tipps wurde ich dankbar sein. Beste Grüsse,
Rolf
Hallo Rolf,
hättest Du ´mal ein Foto von dem Tisch ?
Gruß !
JB
Hallo Jürgen,
Aber natürlich habe ich ein Foto von dem Tisch:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/203918_63609969.jpg) (http://s818.photobucket.com/user/rhamfopflor/media/PB019200_zpsrikgabyk.jpg.html)
Um genau zu sein, es ist ein Zeiss-Winkel Tisch. Beste Grüsse,
Rolf
HalloRolf,
o.k., das ist die ältere Version dieses Tisches;das ist insofern wichtig, als bei diesem älteren Typ die Führungen für die y-Bewegung (vor und zurück) nicht auf Rollenlagern, sondern einfachen Schwalbenleisten beruht. Und ich denke, diese Bewegungsrichtung ist diejenige, die ein Problem ist. Linke und rechter Triebknopf sind nicht gekoppelt; deshalb führt bereits ein geringes Spiel ind er Führung (slack of movement) zu einem Verkanten und damit festklemmen der Tischpaltte. Im Prinzipmuss der ganze Tisch zerlegt und neu gefettet werden. Außerdem muss man versuchen die lose Führung in den Griff zu bekommen, was bei diesem Typ schwieriger ist, als bei dem neueren, rollengelagerten. Es gibt sicher hier im Forum mechnisch besser bewanderte und geübte als mich; solltest Du aber niemanden finden, melde Dich bei mir über PN oder Email (ist offen).
Gruß !
JB
Hallo Jürgen,
Vielen Dank für dein Antwort. Geschmiert hatte ich mit Kriegöl das Molybdän Sulfid enthält (trocken Schmiermittel) und Graphit. Ich frage mich ob das die Sache hat verärgert. Ein dickes Fett oder Öl wurde warscheinlich besser gewesen sein. Na ja, dan mal probieren den Tisch zu zerlegen :'(. Beste Grüsse,
Rolf
Hallo Rolf,
ich gehe davon aus, dass das Problem durch verharzte Schmierstoffe zustand kommt. Sobald die Führungen richtig Kontakt bekommen, bremst die Klebwirkung der verharzten Oberflächen. Die verharzten Schmierstoffe lassen sich nach meiner Erfahrung von außen nicht vollständig auswaschen. Dein Kriechöl hat die Harz-Pampe evtl. oberflächlich angelöst, und so zu einer Verschlechterung geführt.
Zum Schmieren würde ich für die Führungen Öl probieren, denn die Fläche ist relativ groß, da würde Fett vermutlich zu stark bremsen. Die Dämpfung des Triebs sollte eher aus gefetteten Drehknöpfen kommen, und der Tisch sich leichtgängig bewegen.
Beim Zerlegen solltest Du bedenken, dass bei Kreuztischen teilweise Linksgewinde-Schrauben an den Drehknöpfen verbaut sind. Ob das hier der Fall ist, weiß ich nicht.
Ich habe auch so einen Tisch mit ähnlichen Beschwerden, der noch auf die Aufarbeitung wartet. Wenn Du gar nicht weiter kommst, kann ich mir den demnächst mal vornehmen.
Viele Grüße,
Bob
Hallo Bob,
Danke für deine Tipps.
@ Jürgen
Zitatdeshalb führt bereits ein geringes Spiel ind er Führung (slack of movement) zu einem Verkanten und damit festklemmen der Tischpaltte.
Also, eigentlich müssten diese Tische mit grossere Präzision gebaut werden, da wurde kein Spiel toleriert oder? So stelle ich mich das ebenfalls vor: hochqwalifizierten Feinmechaniker in die 50er jaren die das besser könnten denn später oder Heute. Geld spielte noch keine Rolle, was einen Zeit.................Oder ist das etwas romantisiert? :). Beste Grüsse,
Rolf
Hallo,
Was hätte ich da geschrieben:
ZitatIch habe probiert zu schmieren mit Kriegöl
Kriegöl, ist das Öl das man in dem Krieg gebraucht? ;D Beste Grüsse,
Rolf
Zitat von: rhamvossen in November 03, 2016, 13:22:12 NACHMITTAGS(...) Kriegöl, ist das Öl das man in dem Krieg gebraucht? (...)
Beste Rolf,
ich habe breit geschmunzelt, auch schon darüber, dass das "Kriegöl" die Sache "verärgert" (heel erger!, maar op duits: verschlechtert) hat. Ich wäre froh, mein Niederländisch wäre so gut wie Dein Deutsch. Die unglaublich ähnlichen "falschen Freunde" machen unsere beiden Sprachen interessant.
Zur Sache: eine Kriechöl-Behandlung von außen – ohne folgende Demontage, Reinigung und Ersatz des Schmiermittels – ist immer nur ein Provisorium. Ich habe das, genau bei diesem Tisch, auch gemacht, um an manche Schrauben überhaupt erst 'ranzukommen. Aber auf Dauer helfen nur die Maßnahmen, die Bob beschreibt: Ersatz des ursprünglichen, untauglich gewordenen Schmiermittels durch ein Neues. Anders als erwähnt glaube ich, dass es auch ein geeignetes, niedrig-viskoses Fett tun würde, denn zumindest bei hohen Außentemperaturen wäre ein ganz leichtflüssiges Öl zu leicht (und würde mehr schaden als die Kriechöl-Restöl-Pampe).
Zeiss hat eine ganze Reihe unterschiedlich viskoser Fette verwendet. Darüber können aber Andere (Stephan Hiller, Georg Abele, und viele Andere mehr) deutlich kompetenter Auskunft geben.
Viel Erfolg aus dem abendlich gerade unter 30°C abgekühlten Kinshasa
Thomas
Wenn das Lösungsmittel die alte Pampe anlöst, kann man auf einer Seite ein Papiertuch dranhalten, und auf der anderen Seite Lösungsmittel zugeben, dann wird viel von der Pampe rausgezogen, so á la Dünnschichtchromatografie. Wenn man dann Öl zugibt, läuft das erstmal wieder gut. Meine Langzeiterfahrungen mit dieser Methode sind aber nicht so gut. Ein fein zu bedienender Trieb wird mit der Zeit oft wieder zu schwergängig. Aber zum Demontieren reicht es. Wenn der Tisch keinen Sturzschaden hat und keine 1.000.000 km auf der Uhr, dann wird er wieder laufen wie neu.
Hallo Rolf,
mit 5 Schrauben bist Du (fast) am Ziel.
- die vier mit 1 gekennzeichneten Schrauben ausdrehen,
- Abdeckblech abnehmen,
- die obere Tischplatte dann so verschieben, dass das Loch in der Prismenführungsschiene über dem Kopf der Begrenzungsschraube steht (ungefähr bei 2) und diese Schraube ebenfalls ausdrehen
- die Tischplatte dann nach hinten abziehen
Für eine provisorische Reinigung sollte Alkohol und anschließend etwas Fett reichen. Die Schneckenwelle für die seitliche Verstellung kannst Du ebenfalls reinigen.
Gruß
Frank
Ach so: Bitte nicht die Schrauben für die Zahnstangen lösen. Häufig wurden diese mit dünnen Alustreifen so angepasst, dass eine spielarme Verstellung möglich ist. Die Streifen könnten beschädigt werden.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/204004_9898044.jpg) (http://www.pic-upload.de/view-32044903/PB019200_zpsrikgabyk.jpg.html)
Hallo Thomas,
Zitatmaar op duits: verschlechtert
Ich hätte also das Niederländische Wort schreiben können (ohne ch) > verslechtert.
ZitatIch wäre froh, mein Niederländisch wäre so gut wie Dein Deutsch
Aber deine Lingala sprache ist ungezweifeld besser als meine ;). Ach, mein Deutsch ist eher mittelmäsig für jemand der aufgewachsen ist in der Nähe von die Stadt Venlo.
@ Bob und Frank:
Vielen Dank für die Tipps. Frank, ich werde probieren was du geschrieben hast. Beste Grüsse,
Rolf
Hallo Rolf,
hast Du Deinen Tisch wieder hinbekommen?
Ich bin gerade dabei, meinen zu überholen, und könnte Dir bei Bedarf weitere Hinweise geben.
Viele Grüße,
Bob
Hallo Bob,
ZitatIch bin gerade dabei, meinen zu überholen, und könnte Dir bei Bedarf weitere Hinweise geben.
wenn du davon eine ordentliche Fotodok gemacht hast dann wäre es sehr lobenswert, wenn du diese hier einstellst :)
Hallo Rolf, wenn du den Tisch noch nicht zerlegt hast, versuche doch vorher etwas anderes. Besorge die einen verschließbaren Behälter, auf dessen Boden du den Tisch legen kannst. Dann fülle soviel Waschbenzin ein, das der Tisch bedeckt ist und verschließe den Behälter, damit das Benzin nicht verdunstet. Lass ihn einen Tag stehen. Man kann zwischendurch den Behälter öffnen und die beweglichen Teile etwas verstellen. Manchmal löst sich dabei alles so gut, dass ein Zerlegen gar nicht nötig ist. Bei mir hat so etwas in 80% der Fälle gut geklappt.
Tom
Hallo Bob,
ich würde einen Objekttisch nie ölen. Der Tisch ist dann zu leichtgängig - schon kleinste Berührungen können zum verstellen im Spielbereich führen. Deutlich besser sind hochviskose Fette. Ich hab seit längerem beste Erfahrungen mit Osim ML-FTS5 gemacht. Das gibt es z.B. bei eBay unter:
http://www.ebay.de/itm/OSIM-Spezialfett-ML-FTS5-fur-Optomechanik-40g-/201643799065?hash=item2ef2e83219:g:xxsAAOxyTjNSgVqo
MfG
Holger
Hallo Holger,
dem kann ich nur zustimmen.
gerade der Tisch, um den es hier geht, braucht eine etwas "sofisticated" Schmierung. Die Gleitbahnen sollten möglichst widerstandsfrei gleiten, während die Achslagerung der Triebritzel bzw. der Triebschnecke und diese selbst mit zähem Fett mit Haftzusatz bedacht werden sollten.
Gruß !
JB
Hallo Bob, Tom,
Ich hab den Tisch nocht nicht zerlegt, noch kein Zeit gehabt. Danke für die Tipps.
@Holger und JB,
Dank für die Ergänzung. Beste Grüsse,
Rolf
Hallo zusammen,
ich habe gestern den Tisch fertig bekommen, es war aber ein langer Kampf. Fotodokumentation fällt leider aus, denn selbst wenn ich Wiederholungen und iterative Schleifen auslasse, wäre das zu umfangreich. Ich versuche aber hier, wesentliche Punkte zu beschreiben.
Aber halt, was war den das Problem? Der Tisch hatte einen ganz leichten Tranportschaden, einer der Knöpfe für links/rechts war ein paar Grad hochgebogen. Der war schnell wiede gerade gebogen, aber das Problem damit noch nicht gelöst. Dieser Tisch ist der absolute Overkill: Präziseste Führungen, engste Toleranzen und ein gewaltiges Gewicht, und das alles nur, um ein paar Schmutzpartikelchen auf einem Glasstückchen hin- und her zu bewegen. Leider ist er trotz der Masse relativ empfindlich auf mechanische Einwirkungen. Das Problem sind dabei die Führunden der Trapezspindel für die links-rechts-Bewegung. Die sind extem eng toleriert und jeweils etwa 30mm lang, so dass die kleinste Verbiegung zum Klemmen der Welle führt. Funktionieren würde es genau so gut, wenn die Länge die Führung kürzer wäre, und nicht so eng toleriert, aber was hat das diese µ-Schlosser bei Zeiss schon interessiert. Durch Ausbohren auf einen größeren Durchmesser auf etwa 20mm Länge und leichtes Aufweiten der Bohrung habe ich den Tisch letztendlich wieder schön zum Laufen gebracht. Die Führungsbuchsen haben 7mm Außen- und 4,5mm Innendurchmesser und lassen sich einihermaßen gut herausschrauben, wenn man ein Stück weiches Alu mit einer geschlitzten 7mm-Bohrung versieht, und dies als Spannhilfe im Schraubstock verwendet. Die Buchsen stellen sowohl innen als auch außen eine Lagerfläche dar, und dementsprechend sorgsam sollte man damit umgehen.
Ich vermute, dass dieses Problem aufgrund der empfindlichen Konstruktion öfter vorkommt.
Wie sieht nun der einfache Standardfall aus?
Das kleine Schräubchen, das man lösen muss, um den Tisch auseinander fahren zu kommen, wurde ja schon erwähnt. Die Führungen haben sehr große Flächen, so dass man ohne vollständiges Entfernen von verharztem Schmiermittel und Dreck wohl nicht gut zurecht kommen wird. Das reine Auseinanderfahren der Führungen ist aber auch kein Problem, nachdem man die Schraube entfent hat. Die Knöpfe und Führungsbuchsen... würde ich versuchen durch Einlegen und Bewegen in Waschbenzin oder Petroleum zu reinigen, und nur zerlegen, wenn das nicht ausreichend wirkt. Es sind eine Menge Teile und mühlelig zu zerlegen. Die Spindel bekommt man erst raus, wenn entweder eine der Führungsbuchsen herausschraubt, oder einen Klemmring löst, der dann aber immer noch fest sitzt.
Das Ding hat mich konstruktiv nicht so überzeugt. Ich habe schon etliche Kreuztische überholt, und dieser war der einzige, der solches Theater gemacht hat.
Viele Grüße,
Bob