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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Baldrian in Dezember 06, 2016, 00:44:45 VORMITTAG

Titel: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 06, 2016, 00:44:45 VORMITTAG
In diesem Jahr habe ich mich mit etlichen älteren Mikroskopen beschäftigt. Zunächst vor allem mit Leitz und später mehr mit Zeiss neben Einzelgängern von Olympus, Unitron, Euromex etc.

Mir fiel auf, dass Zeiss West Optiken relativ oft von Delamination betroffen waren, insbesondere die Okulare vom Zeiss Standard. Bei einigen Leitz Mikroskopen habe ich niemals Derartiges festgestellt. Ebenfalls nicht bei einigen Mikroskopen von Carl Zeiss Jena.

Auch bemerkte ich einmal, dass die Delamination bei Optiken von einem Zeiss Standard Mikroskope spontan auftrat. Das geschah bei einem Mikroskop, das von DHL bei Frost im sehr kalten Zustand geliefert wurde, gleich nach dem Auspacken im geheizten Zimmer bei zwei Okularen und einer Linsengruppe an einem Binokular. Ich konnte zusehen, wie die Delamination ausgehend vom Rand unregelmäßig wenige Millimeter in Richtung Zentrum stattfand. Offenbar war die Verkittung dem temperaturbedingten Schrumpfungs- und Ausdehnungsprozess nicht gewachsen.

Ist das von mir wahrgenommene überdurchschnittliche Auftreten der Delamination bei Optiken von Zeiss West eher dem Zufall zuzuschreiben oder sind sie tatsächlich mehr davon betroffen als jene von anderen Herstellern?

Tom

Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Dr. Jekyll in Dezember 06, 2016, 07:30:23 VORMITTAG
Moin Tom,

Die häufigen Delaminationen bei der Zeiss Optik sind ein bekanntes Phänomen und hängen offenbar mit dem verwendeten Linsenkitt zusammen.
Es gibt Delaminationen die die Optik völlig unbrauchbar werden lässt. Es gibt aber auch Fälle in denen der Schaden keine Beeinträchtigungen bei der Verwendung bedeuten. Z. B. bei den DIC-Kondensatoren sind häufig die Prismen delaminiert, wobei oft keine spürbare Verschlechterung des Bildes zu bemerken ist.

Gruß
Harald
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Dezember 06, 2016, 08:02:56 VORMITTAG
Hallo Tom,

einen Hauptgrund für Delamination bei (Zeiss) Optiken hast Du gerade beschrieben: starke Temperaturschwankungen verursachen Spannungen.
Meines Wissens verwendete Zeiss West früher für das Verkitten der Linsen Caedax, vielleicht reagiert der besonders sensibel auf Spannungen zwischen
den einzelnen Gläsern.
Eine Reparatur der Delamination von älteren Zeiss Okularen mittels Xylol und Caedax ist allerdings kein großes Problem.

Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Dr. Jekyll in Dezember 06, 2016, 08:59:30 VORMITTAG
Hallo Herbert,

Zeiss hat wohl verschiedene Verkittungsmaterialien verwendet. Die Reparatur der Okulare ist leider nicht immer möglich, da Kleber dabei waren die sich nicht lösen lassen.

Beste Grüße
Harald
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Peter V. in Dezember 06, 2016, 10:25:34 VORMITTAG
Hallo,

ich habe gerade ein paar angesammelte "KPL"-.Briefbeschwerer an zwei Foristen versandt. Einer ist sich sicher, ein gute Verfahren für die "Re-Lamination" gefunden zu haben, ein weiterer versucht sich ebenfalls daran. Scheint zur Zeit ein "heißes Thema" zu sein. Ich hoffe, dass einer von beiden kein so großes Staatgeheimnis aus seiner Methode macht und seine Ergebnisse auch im Forum zeigt und das Verfahren vorstellt.

Leider geben ja nicht alle erfolgreichen Re-Laminatoren (http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=10084.msg71969#msg71969) ihre "Geheimrezepte" preis...

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 06, 2016, 12:07:13 NACHMITTAGS
Zitat von: Herbert Dietrich in Dezember 06, 2016, 08:02:56 VORMITTAG...
Eine Reparatur der Delamination von älteren Zeiss Okularen mittels Xylol und Caedax ist allerdings kein großes Problem. ...

Hallo Herbert, hast du dazu nähere Infos? Meine eigenen Gedanken dazu gehen eher in Richtung Glaskleber wie Uhu Glas oder Epoxydharz.

Tom
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 06, 2016, 12:08:54 NACHMITTAGS
Es wundert mich, dass das Zeiss Standard so beliebt ist, wenn in dem System Delaminationen so oft auftreten. Habt ihr das bei den Carl Zeiss Jena Mirkoskopen auch festgestellt? Ich konnte dort noch nichts Ähnliches entdecken.

Tom   
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: the_playstation in Dezember 06, 2016, 12:11:14 NACHMITTAGS
Hallo.

Der Grund bei Temeraturwechseln können sein:
1.) Unelastisches Kitmaterial oder Kitmaterial, wo die Weichmacher entwichen sind.
2.) Keine plane Kitfläche und daher unterschiedliche Ausdehnungen der beiden verkitteten Linsen.
3.) Die Verwendung von thermisch nicht stabilen Glassorten. Bei Teleskopen nutzt man Glassorten, die sich möglichst nicht oder nur gering ausdehnen oder zusammenziehen.
4.) Die Nutzung verschiedener Glassorten und damit unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten.
5.) Eine ungleichmässige Erwärmung oder Abkühlung der aussenliegenden Linsen im gegensatz zu den innenliegenden Linsen, die besser geschützt sind.
6.) Eine nicht spannungsfreie Montage
...

Edit:
CZW Standard Mikroskope sind beliebt, weil es nicht nur auf Delaminationen ankommt.
Ausbaufähigkeit.
Verfügbarkeit von Teilen.
Haptik/ Ergonomie (z.B. Gängigkeit des Fein- und Grobtriebes)
Preis/Leistungs-Verhältnis
Verharzte Triebe?
...
Man muß alle Vor- und Nachteile berücksichtigen. Die CZJ Optiken sind super. Aber ich würde ein CZW Stativ einem CZJ Stativ vorziehen weil der Trieb sehr angenehm ist.

Liebe Grüße Jorrit.
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Dezember 06, 2016, 13:45:08 NACHMITTAGS
Hallo Peter, Hallo Tom,

wie heißt es so schön: wer lesen kann ist eindeutig im Vorteil.

Mein Geheimnis habe ich schon mehrmals im Forum beschrieben, aber das ist wohl zu einfach, da man keine Linsen trennen muss.

Okular aufschrauben, delaminiertes Linsenpaar einige Stunden bis Tage in Xylol legen(in einem Salznäpfchen o.ä.)
wenn das Xylol den Luftspalt vollständig ausfüllt träufle ich etwas mit Xylol verdünntes Caedax rings um die Trennrille der Linsen.
setze das Ganze in einem zweiten Salznäpfchen Xyloldämpfen aus, damit das Caedax langsam in den Luftspalt einziehen kann.
Anschließend überschüssiges Caedax mit etwas Xylol entfernen, Linsen säubern. Fertig.

Damit mein Zimmer nicht nach Xylol duftet, verschließe ich das Ganze in ein größeres Twist- off Glas.

Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Peter V. in Dezember 06, 2016, 13:46:40 NACHMITTAGS
Hallo Herbert,

Hast Du mal auf den Link in meinem Post geklickt?

DU warst doch gar nicht gemeint!!  :D

Aber wenn Du Dich schon meldest: Hast Du gewisse "Langzeiterfahrungen" mit Deiner Methode?

Wenn man die Beschreibung in meinem Post liest, dass 5-jährige Forschung dazu notwendig war, kann man sich ja kaum vorstellen, dass es so einfach sein soll.

Hast Du denn nur leicht randdelaminierte Okulare derart behandelt oder auch derartige Katastrophenxemplare?  (http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=15983.msg204350#msg204350)



Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Dezember 06, 2016, 18:46:34 NACHMITTAGS
Hallo Peter,

ich habe mich auch gar nicht auf den Schlips getreten gefühlt, da ich ja schon einige Male meine "Weisheit" kundgetan hatte.

Also das erst gezeigte Okular dürfte mit meiner Methode zu retten sein, bei dem zweiten vermute ich, dass bereits ein Bastler sich daran versucht hat.
Wenn sich hier die Verklebung mit Xylol oder sonstigen Chemikalien lösen lässt, kann man vielleicht auch dieses noch retten.
Ich habe bestimmt schon einige Dutzend Okulare repariert, ich kann gar nicht mehr sagen, wann ich damit anfing, bestimmt schon vier, fünf Jahre.
Bis jetzt hat noch niemand reklamiert. Der Vorteil meiner Methode, sollte sich nach einigen Jahren doch nochmal eine Delamination zeigen, so lässt sich
die Methode problemlos wiederholen. Bei Glaskleber usw. wäre ich da skeptisch.

Ich habe schon einigen Foristen Okulare repariert, vielleicht erinnert sich der eine oder andere daran und kann seine Erfahrung kundtun.

Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 06, 2016, 23:17:33 NACHMITTAGS
Herbert, danke für die Beschreibung. Bei Gelegenheit werde ich deine interessante Anleitung ausprobieren. Ich bin gespannt.

Seltsam finde ich, dass Xylol dazu geeignet ist, da man damit ja das Immersionsöl abwischt. Ist das nicht riskant, wenn es an den Kitt zwischen Linsen kommt?

Tom
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Dezember 07, 2016, 08:38:49 VORMITTAG
Hallo Tom,

wenn der Kitt Caedax oder ein anderer Canadabalsam ist, wird er durch das Xylol angelöst. Das beabsichtige ich ja auch.
Der nun zugegebenen Caedax verdrängt das Xylol, bzw. vermischt sich etwas mit diesem. Dadurch verbindet sich das neue Caedax nahtlos mit der bisherigen Verklebung.
Kürzlich habe ich ein Eile, das Xylol zu kurz einwirken lassen, Ergebnis: man konnte fotografisch die Nahtstellen alt-neu darstellen, mit bloßem Auge fiel das nicht auf.

Wie sind denn Deine Erfahrungen mit Glaskleber, Epoxidharz usw.?

Du wischst mit Xylol Immersionöl ab!!! Doch hoffentlich nur vom Deckglas bei einem Dauerpräparat. Oder?

Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 07, 2016, 10:51:31 VORMITTAG
Hallo Herbert, ich habe bisher noch keine eigenen Versuche gemacht, sondern lediglich im Internet recherchiert, um die richtigen Inspirationen zu finden. Hat das von dir verwendete Caedax eine genaue Produktbezeichnung? Woher beziehst du es?

Xylol und Immersionsöl. Ich verwende Immersionsöl nur selten, aber wenn, dann gebe ich einige Tropfen Xylol auf ein Papiertaschentuch und säubere damit das Objektiv.

Tom     
   
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Dezember 07, 2016, 11:37:53 VORMITTAG
Hallo Tom,

Caedax ist nicht mehr im Handel erhältlich, ich habe gehört (?), dass glasklarer Kanadabalsam (zur Zeit bei ebay) auch gehen soll.

Xylol zum säubern des Objektiv's ??? Du schreibst selbst:
Seltsam finde ich, dass Xylol dazu geeignet ist, da man damit ja das Immersionsöl abwischt. Ist das nicht riskant, wenn es an den Kitt zwischen Linsen kommt?


Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 07, 2016, 17:33:12 NACHMITTAGS
Deswegen hatte ich mich gewundert, dass du mit Xylol Kittschäden reparierst. Wäre Isopropanol besser geeignet, um Immersionsöl vom Objektiv zu wischen?

Tom
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Peter V. in Dezember 07, 2016, 17:34:46 NACHMITTAGS
Hallo,

Zitat von: Baldrian in Dezember 07, 2016, 17:33:12 NACHMITTAGS
Deswegen hatte ich mich gewundert, dass du mit Xylol Kittschäden reparierst. Wäre Isopropanol besser geeignet, um Immersionsöl vom Objektiv zu wischen?

Tom


weder noch! Das Mittel der Wahl ist IMMER Wundbenzin aus der Apotheke!

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 07, 2016, 19:18:38 NACHMITTAGS
Dann muss ich mir mal welches besorgen. Allerdings beobachte ich nur selten mit dem 100x Objektiv, da wird eine kleine Menge reichen.

Tom
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 08, 2016, 09:32:14 VORMITTAG
Gestern habe ich einen Klecks Kanadabalsam in ca. der Vierfachen Menge Xylol aufgelöst und die verkittete Linsengruppe aus einem Zeiss CPL 10x/18 eingelegt. Als Behälter nahm ich dazu ein altes Filmdöschen aus Alu. Nach zwei Stunden holte ich die Linsengruppe heraus, reinigte sie mit reinem Xylol. Von der kräftigen Delaminierung am Rand war nichts zu sehen. Heute morgen war der Zustand unverändert. Mal sehen, wie lange das hält. Es wäre ja super, wenn das in manchen Fällen wirklich so einfach geht und eine dauerhafte Heilung möglich ist. Abwarten ...   

Herbert, danke  für deine Inspiration! 

Bei dauerhaftem Erfolg wäre dann die Hauptfrage, wie man die Linsen aus den Fassungen bekommt ohne Schaden anzurichten.  Manchmal ist das ja leicht, aber in anderen Fällen legt man sich die Karten.

Tom   
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Dezember 08, 2016, 12:32:58 NACHMITTAGS
Hallo Tom,

siehste, wer wagt gewinnt.
Ich persönlich ziehe es vor, zuerst die Linsengruppe ein Xylol zu baden, ich möchte einfach sicher gehen, dass der Balsam an der Grenze der Delamination
etwas angelöst wird. in Manchen Fällen sieht man sonst nach dem Aushärten die Grenzen als feine Linien. Muss aber nicht sein.

Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 08, 2016, 13:37:41 NACHMITTAGS
Herbert, ich werde dein Verfahren übernehmen, aber beim Fund eines winzigen Rest eingedickten Kanadabalsams konnte ich den Drang zu einem Experiment nicht unterdrücken und das Ergebnis ist sehr ermutigend. Selbst der Blick durch das Zeiss CPL 10x/18 hat sich verbessert, weil der Rand nicht mehr so farbig ist. Möglicherweise hat eine Randdelamination, die beim Blick in das Okular noch gar nicht zu stören scheint, diesbezüglich eine ungünstige Wirkung.

Jetzt knobel ich gerade, wie eine Linsengruppe aus einer Fassung zu bekommen ist. Es fehlt das richtige Werkzeug und man möchte die guten Stücke kosmetisch ja auch nicht verderben. Fragen um Fragen ...   

Tom
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: reblaus in Dezember 08, 2016, 14:07:52 NACHMITTAGS
Hallo Tom -

was meinst Du mit "Rand nicht mehr so farbig"?.
Eingentlich sollte der farbig sein (blauorange) - es ist schließlich ein Kompensationsokular!

Gruß

Rolf
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 08, 2016, 15:47:31 NACHMITTAGS
Mit all meinen Zeiss KPL oder CPL 10x/18 Okularen sehe ich ein schmalen rötlichen Rand der zu Gelb übergeht, um dann ein großes homogen beleuchtetes Feld zu zeigen. Beim Okular ohne jegliche Delamination ist der farbige Rand geichmäßiger und schmaler als ein einem Okular, das diesbezüglich Mängel aufwies.       

Tom
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Klaus Schloter in Dezember 08, 2016, 15:49:54 NACHMITTAGS
Hallo Ihr "Relaminierer",
ich warne vor der Verwendung von Kanadabalsam statt Caedax,Kanadabalsam vergilbt.
Kürzlich hatte ich einen Zeiss Binokulartubus aus früher Fertigung in Händen, bei dem das Bild eines Okulartubus gelbstichig war. Nach Öffnung zeigte sich,dass die Verkittung des Hauptprismas vergilbt war.Ich nehme an,das es sich um vergilbtes Kanadabalsam handelte.
Gruß
Klaus
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 08, 2016, 16:00:48 NACHMITTAGS
Herbert hat ja auch Caedax empfohlen. Meine ersten Expermente mit Kanadabalsam kamen zustande, weil noch ein kleiner Rest da war, während Caedax fehlte. Aber danke für deinen Hinweis auf das Vergilben, Klaus. Das sollte man vermeiden.

Tom
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Dezember 08, 2016, 16:24:51 NACHMITTAGS
Hallo Klaus,

vermutlich vergilbt der glasklare, synthetische Kanadabalsam kaum mehr im Gegensatz zum natürlichen Kanadabalsam.

Hallo Safari,

mit Sicherheit hat Zeiss so ab den 80er Jahren andere Linsenkitte verwendet, es wäre nun interessant zu erfahren, ob auch diese späteren Optiken delaminieren.

Hallo Tom,
wo liegt das Problem um die Linsen-Gruppe aus der Fassung zu bekommen, mach doch mal ein Foto des Okulares, am besten auch von der Problemstelle.

Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: reblaus in Dezember 08, 2016, 16:41:58 NACHMITTAGS
Hallo Herbert -

zu meinem Bedauern kann ich bestätigen, dass auch die Unendlichobjektive ab den 80ern delaminieren. Man findet zwar prozentual weniger als bei den Endlichen, aber das mag mit dem geringeren Durchschnittsalter der Kandidaten zusammenhängen.

Viele Grüße

Rolf
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 08, 2016, 19:44:11 NACHMITTAGS
Zitat von: Herbert Dietrich in Dezember 08, 2016, 16:24:51 NACHMITTAGS
Hallo Tom,
wo liegt das Problem um die Linsen-Gruppe aus der Fassung zu bekommen, mach doch mal ein Foto des Okulares, am besten auch von der Problemstelle.

Die Linsen gehörten nicht zu einem Okular, sondern zu einem anderen optischen Gerät. Aber das Thema ist bereits erledigt. Ich habe meine Mischung etwas stärker mit Xylol verdünnt und nach einigen Stunden hat das Zeug trotz der Metallfassung seine Wirkung entfaltet. Die Linsen sind total klar ohne Anzeigen der schillernden Delaminierung. Nun bin ich gespannt, ob sie so bleiben und hoffe, dass demnächst Caedax eintrifft, um einige weitere Patienten zu kurieren.

Ein anderes Forumsmitglied, das sich nicht an diesem Strang beteiligt, hat zwei weitere Optiken von mir behandelt, die demnächst eintreffen. Es ist wirklich gut, dass dieses Thema hier so hilfreiche Infos bringt.      

Tom    
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: rhamvossen in Dezember 08, 2016, 22:17:41 NACHMITTAGS
Hallo Herbert,

ZitatIch habe schon einigen Foristen Okulare repariert, vielleicht erinnert sich der eine oder andere daran und kann seine Erfahrung kundtun.

Die Cpl Okulare die du für mich relaminiert hast (wann war das, vor sechs Monaten?) sehen immer noch perfekt aus. Diese Okulare waren schwer delaminiert, das hat Herbert auf professionelle Weise repariert. Beste Grüsse,

Rolf
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 08, 2016, 23:26:24 NACHMITTAGS
Bei Optiken, die mehrere Jahrzehnte alt sind? Ich glaube nicht, dass Zeiss daran Interesse haben könnte.

Tom
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: cabo in Dezember 09, 2016, 08:46:25 VORMITTAG
Schönen guten Morgen,

nicht ganz on-topic aber fast und würde mich sehr interessieren:

Hat jemand schon mal von einer Olympus Optik gehört, die delaminiert wäre? Also auch die Optiken vor der LB-Serie mit kürzerer Abgleichlänge (von den seltsamen "Kristallen" in den DPlan Apos hab ich schon gelesen).


Gruß

Christian
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: the_playstation in Dezember 09, 2016, 10:15:40 VORMITTAG
Hallo.

Wie sieht es mit den Vergütungen, Beschichtungen der Linsen aus? Werden die nicht durch das Xylol angelöst / abgelöst / zerstört?

Liebe Grüße Jorrit.
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Dezember 09, 2016, 10:44:34 VORMITTAG
Hallo Rolf,

das freut mich, dass die Okulare immer noch perfekt sind, das war im Oktober 2015.
Ich glaube die halten wieder einige Jahrzehnte  :D
Hallo Safari,

Du schreibst: Warum macht Zeiss das nicht als Service kostenlos für seine Kunden?
vermutlich wollen die mir keine Konkurrenz machen und Caedax haben die auch keinen mehr   ;)

Hallo Jorrit,

das wäre doch eine dankbare Aufgabe für Dich, zu überprüfen, ob die Vergütung angegriffen wird.

Herzliche Grüße
Herbert

Herzliche Grüße
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: A. Büschlen in Dezember 09, 2016, 11:25:07 VORMITTAG
Hallo Christian,

du fragst nach Delaminationen  bei Olympus Optiken. Das ist mir nicht bekannt, aber Nikon baute auch Objektive mit <45mm Abgleichlänge. Bei Nikon Objektiven aus dieser Zeit konnte ich auch Schneekristall-ähnliche Gebilde in den Linsen(oder auf deren Obefläche?) feststellen.

Gruss Arnold
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: piu58 in Dezember 09, 2016, 12:04:09 NACHMITTAGS
> Beschichtungen der Linsen aus? Werden die nicht durch das Xylol angelöst

Sehr wahrscheinlich nicht. Das sind mineralische Schichten. Zuerst (in den 40ern und 50ern) wurde Magnesiumfluorit benutzt. Was es jetzt ist, weiß ich nicht. Aber gewiss keine organische Substanzen. Die lassen sich schlecht sputtern.
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: the_playstation in Dezember 09, 2016, 22:20:50 NACHMITTAGS
Zitat von: Herbert Dietrich in Dezember 09, 2016, 10:44:34 VORMITTAG
Hallo Jorrit,

das wäre doch eine dankbare Aufgabe für Dich, zu überprüfen, ob die Vergütung angegriffen wird.

Herzliche Grüße
Herbert

Ich habe keine delaminierten Okulare oder Objektive. Nur ein am Rand delaminiertes Nomarski-DIK-Prisma. Aber das ist mir etwas zu teuer für irgendwelche Tests irgendeiner Art. ;)

Liebe Grüße Jorrit.
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Dr. Jekyll in Dezember 09, 2016, 22:54:29 NACHMITTAGS
Hallo Jorrit,

Ich habe zwei Zeiss DIK Revolver bei denen Delamination zu sehen ist. Diese Delaminationen beeinflussen das mikroskopische Bild in keiner Weise. Deshalb würde ich hier auch keine Experimente wagen. Bei den Okularen verhält sich das deutlich anders, da stören die Delaminationen erheblich.
Auch ich habe schon etliche Okulare erfolgreich wieder reanimiert. Dazu verwende ich allerdings Canadabalsam. Einige Reparaturen sind liegen schon etliche Jahre zurück, Vergilbung konnte ich bislang keine feststellen.
Ich gehe übrigens etwas anders als Herbert vor. Die alte Verkittung entferne ich mechanisch aus der Furche zwischen den Verkitteten Linsen. Danach lasse ich den Canadabalsam in diese Rille laufen. Nach spätestens einer Woche ist die Delamination nicht mehr fest zu stellen.

Beste Grüße
Harald
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: cabo in Dezember 10, 2016, 00:57:50 VORMITTAG
Zitat von: A. Büschlen in Dezember 09, 2016, 11:25:07 VORMITTAG
du fragst nach Delaminationen  bei Olympus Optiken. Das ist mir nicht bekannt

Danke Arnold für deine Antwort.

Da zahlt man doch zwar immer noch nicht gerne die im Vergleich hohen Preise für die Olympus Objektive, aber dann doch schon ein bisschen "gerner".

Vielleicht hat ja noch der ein oder andere Erfahrungen zu diesem Thema, einen eigenen Thread möchte ich nicht dazu aufmachen. Ich hoffe das off-topic geht in Ordnung.

Gruß

Christian
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: JB in Dezember 10, 2016, 01:32:14 VORMITTAG
Zitat von: cabo in Dezember 09, 2016, 08:46:25 VORMITTAG
Hat jemand schon mal von einer Olympus Optik gehört, die delaminiert wäre? Also auch die Optiken vor der LB-Serie mit kürzerer Abgleichlänge (von den seltsamen "Kristallen" in den DPlan Apos hab ich schon gelesen).

Hallo Christian,

Ein Olympus SPlan Apo mit Kristallbildung habe ich auch. Jeder Hersteller hat so seine Eigenheiten. Bei Nikon CF-Objektiven gibt es manchmal dicke Staubschichten im Inneren (da ist die Schutzfederung nach innen nicht so gut abgedichtet wie bei Zeiss); Lomo delaminiert auch ganz gut; bei Lomo und Olympus ist regelmaessig der Korrekturring verharzt, was mir bei Zeiss noch nicht begegnet ist; bei Leitz 160 mm blaettert manchmal die schwarze Beschichtung innen ab und rieselt auf die Linsenflaechen; bei Olympus LB und UIS-Immersionsobjektiven ist die Frontlinse ungewohnlich oft von innen veroelt   (https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/205852_43171494.jpg) (http://www.sherv.net/)

Ein stark delaminiertes Objektiv kann unbrauchbar sein, besonders fuer den Besitzer ist das bitter. Fuer den Kaeufer kann das eine tolle Gelegenheit sein, wenn leicht delaminierte - und trotzdem voll alltagstaugliche - Planapos von Zeiss zu kleinen Preisen zu bekommen sind.

Noch eine Beobachtung: Ich habe eine zeitlang nach einem bestimmten Zeiss-Planapo gesucht und mehrere Exemplare durchprobiert. Entweder war das Objektiv delaminiert oder die Frontlinse war zerkratzt/totgeputzt/gesplittert. Einwandfreie Frontlinsen gab es, gefuehlt, immer nur an delaminierten Objektiven    (https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/205852_25200800.jpg) (http://www.sherv.net/)

Beste Gruesse,

Jon
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 10, 2016, 12:57:12 NACHMITTAGS
Bei den Zeiss Okularen tritt die Delamination an der äußeren, zum Auge gerichteten Linsengruppe auf. Sie ist bei einigen Typen relativ leicht und ohne Spezialwerkzeug herauszubekommen. Von einem Forummitglied habe ich ein schön repariertes Okular zurückerhalten und selber drei weitere Linsengruppen repariert. Einmal mit Kanadabalsam und Xylol und zwei mit Caedax mit Xylol. Derzeit beobachte ich genau, ob sich Änderungen ergeben, doch bislang sieht alles Topp aus.

Der Umgang mit den flüchtigen und teilweise giftigen Stoffen ist bei mir während der aktuell kalten Tage auf dem Balkon möglich. Aber im Zimmer und/oder bei höheren Temperaturen sollte man solche Experimente nicht machen.

Bei den Objektiven teile ich zumindest gefühlt Jons Beobachtung. Entweder delaminiert und völlig intakte Frontlinse oder nicht delaminiert und Frontlinse mit Blessuren. Der Blick durch ein gutes 20x Stereomikroskop auf die Objektivlinsen ist das sehr aufschlussreich.

Doch stelle ich zudem fest, dass Delamination oder eine als solche interpretierte Färbung praktisch nicht immer eine Bedeutung hat. Beim Vergleich zweier Zeiss PH 40x Neofluare sieht die Linsenfassung unterschiedlich aus und beim Blick von vorne in das Objektiv interpretiere ich eines als delaminiert. (Ich bräuchte eine einfache Mikroskopkamera, um so etwas ohne großen Aufwand zu fotografieren.)  Aber von der Rückseite kann man das nicht sehen. Zudem empfinde ich die Abbildungsqualität am Mikroskop völlig gleich.

Auch scheinen sich minimale 'Krater' in der Frontlinse nicht bemerkbar zu machen. Der Effekt einer Randdelaminierung beim Okular ist stärker.

Tom
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Peter V. in Dezember 10, 2016, 17:50:49 NACHMITTAGS
Hallo,

ich habe gerade von einem Member, das sich bisher im Forum noch nicht geäußert hat, 2 metallgefasste KPLs einwandfrei relaminiert zurück erhalten. ich habe sie mit Datum der Relamination gekennzeichnet.
Wie er es gemacht hat, weiß ich (noch) nicht, ich denke, er wird sich hier auch später noch einmal melden.
Ein weiteres Pärchen ist noch unterwegs zu einem weiteren potenziellen Relaminator, der sich der Sache "anatomisch" angenommen und das entsprechende Linsenglied zerlegt hat (alleridngs nicht in unserem Forum aktiv ist).
Das Linsenglied besteht - das sei allen zu Warnung gesagt - überraschenderweise aus drei(!) Linsen, weist aber nur eine äußerlich sichtbare Verkittungsstelle auf, da die dritte (bikonvexe) Linse komplett in der Konkavität der oberen und unteren jeweils konvex-konkaven-Linse liegt. Etwa so wie ein Dotter im Ei. Es ist also fraglich, ob der Versuch der Relamination hier mit zufriedenstellendem optischen Ergebnis ohne spezielle Monatge- und Justagewerkzeuge glücken wird und sie dann noch ein einwandfreies Bild liefern. Das Hatte ja auch Professor Kauer in seinem Delaminations-Beitrag diffus angedeutet, leider auf eine nachvollziehbare Erklärung verzichet.
Nun denn: Versuch macht kluch. Das aber zunächst also Warnung, falls jemand an die vollständige Trennung denkt.

Ich bin echt erstaunt, dass das derzeit ein solche "Hot Topic" geworden ist.


Herzliche Grüße
Peter

Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 10, 2016, 18:17:23 NACHMITTAGS
Zitat von: Peter V. in Dezember 10, 2016, 17:50:49 NACHMITTAGS
Ich bin echt erstaunt, dass das derzeit ein solche "Hot Topic" geworden ist. ...

Mich eigentlich nicht, weil die bisherigen Threads irgendwie untergegangen sind. Wahrscheinlich haben viele mittlerweile solche optischen Leichen im Keller und es ist äußerst befriedigend, dass man einige wieder reaktiveren kann, ohne dass dies überhaupt zu sehen ist. Zumindest freue ich mich über drei reaktivierte Zeiss KPL / CPL 10x/18 Okulare.  

Außerdem ist Winter und während andere Plätzchen backen, nutzen andere die dunkle Zeit für solche Experimente.    

Im Internet gibt es Beschreibungen der Versuche anderer, die dazu die Linsengruppen zerlegten. Aber hier gelingt einigen die Reparatur ohne ein Trennen der Linsen, was sehr vorteilhaft ist. Offenbar ist die Gesundung nachhaltig. Herbert hat sein Verfahren gut beschrieben. Jetzt ist der Erfahrungsaustausch gefragt, damit man sich der besten Kombi aus Lösungsmittel (bislang Xylol) und dem Kitt nähert. Caedax ist nur noch antiquarisch zu bekommen und soll giftig sein. Ein anderer Forist verwendet eine Substanz, die mit UV Licht gehärtet wird. Aber lassen wir ihn sein Verfahren irgendwann selbst vorstellen. Übrigens ist auch Uhu Glas mit UV-Licht auszuhärten und braucht dafür seine Zeit. Es würde mich nicht wundern, wenn das Zeug geeignet ist. Für genaue Infos müsste jemand mal Uhu Glas mit entsprechenden Meßverfahren testen.  Vielleicht hat hier jemand die Fähigkeit und die Technik.

Tom            
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Dezember 10, 2016, 21:43:21 NACHMITTAGS
Hallo Tom,

ich habe gehört, dass die Produktion von Caedax eingestellt wurde, da zu seiner Herstellung Weichmacher verwendet wurden. Entweder wurde dessen Verwendung verboten,
oder die Produktion wurde zugunsten eines anderen Produktes eingestellt.

Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: ImperatorRex in Dezember 10, 2016, 22:30:17 NACHMITTAGS
Hallo Herbert,
ja Du hast recht, Caedax enthielt wohl als Weichmacher PCB, dessen Verwendung ist ja mitlerweile verboten.

viele Grüße
Jochen
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Mark in Dezember 11, 2016, 05:25:42 VORMITTAG
Hallo zusammen,
also gut, ich oute mich als Re-animator / Re-laminator von Peter und Tom's Okularen,
bzw. bei Tom war noch eine LOMO-Telanlinse bei :

vorher
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/205902_2411757.jpg) (http://s605.photobucket.com/user/Mark19721/media/IMG_2771.jpg.html)

nachher
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/205902_14949213.jpg) (http://s605.photobucket.com/user/Mark19721/media/IMG_2779.jpg.html)

hier an den KPL kann man denke ich ganz gut sehen, was Peter erwähnt hatte mit der dritten Linse -
das linke Okular ist bis zur Grenzfläche delaminiert :

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/205902_8937978.jpg) (http://s605.photobucket.com/user/Mark19721/media/Delamination%20makroskopisch.png.html)

da ich noch keine KPL komplett getrennt habe, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ob das die Grenzfläche ist, die Delam. hört dort aber so abrupt und symmetrisch auf,
daß das hinkommen müßte ... zur dritten Linsen weiter unten eine Entdeckung von gerade eben :D

noch was zu diesen Okularen im allg., sie haben sich im Laufe der Zeit ja ziemlich stark verändert, abgesehen davon, daß sie delaminieren, auch noch äußerlich.

hier die Sorten, die ich kenne, bzw. schon hatte :

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/205902_31773181.jpg) (http://s605.photobucket.com/user/Mark19721/media/KPL-inReihe.png.html)

ich vermute, die Reihenfolge - von links nach rechts hin älter werdend - stimmt so !?
es gibt meiner bescheidenen Erfahrung nach (nicht mehr als 40-50 gesehen) nur eine Sorte, die
mir bisher gänzlich unbeschadet zweimal begegnet ist : das ganz rechts mit dem älteren Logo, es fällt auch durch
seine sonst massive Ausführung aus dem Rahmen :

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/205902_30912784.jpg) (http://s605.photobucket.com/user/Mark19721/media/Klotz.png.html)

die Hälfte an Gewicht verloren, zeigt diese neuere (neueste ?)Bauform eine untere Hülse aus matt beschichtetem Aluminium (Eloxal ? Pulverbeschichtung ?), der gesamte obere Teil ist
irgendein Kunstharz. Nicht lösemittelbeständig. Ich hatte mehrere solcher Exemplare, bei denen
das Hülse und Kopfteil verbindende Gewinde verklebt war. In einem Falle an genau zwei Stellen, in den anderen Fällen nicht überprüft.
Loctite o.ä. als Verbindung dieses Kunststoffes mit dem Alu ist so bombenfest, daß man sich schwertut, die Hülse unbeschadet aufzukriegen.
Das Gewinde im Kopfteil ist in den Kunststoff geschnitten, der Kleber wird den Kunststoff anlösen und nach Aushärten nutzt da nur noch
eine neue Hülse.
Ich habe ein Paar, bei denen eines nicht aufzukriegen ist, das andere geht ganz normal. Ob die wirklich zusammengehören  !?!?
Vielleicht könnt ihr mal gucken, wies bei euren ist.

bisher ließen sich alle Delam. beheben, ich habe allerdings auch mit unterschiedlichen Lösemitteln-/-gemischen experimentiert.
Man kann das Xylol gut und gerne durch harmloses Ethylacetat ersetzen, das ist sogar günstiger, weil leichter flüchtig.
Aceton geht auch, ist aber wassermischbar und enthält dann auch nach einiger Zeit ordentliche Mengen. Optimal ist
in jedem Fall Dichlormethan, dafür braucht man aber einen Abzug und muß geübt und schnell arbeiten, extrem hoher Dampfdruck und giftig.
Verschwindet sofort, bzw. komplett ohne Rückstand, dadurch weniger aufwändig beim "Nachhärten"

Gerade eben das schwere ältere KPL mal aufgeschraubt; es ist ein Einzelstück mit leicht zerkratzter Augenlinse :

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/205902_59464609.jpg) (http://s605.photobucket.com/user/Mark19721/media/IMG_2800.jpg.html)

... dritte Linse, weniger geheimnisvoll versteckt, warum hat mans geändert ? kleinere Linse = billiger ? Ersparnis ?
Habe ich hier im Forum von einem der Mediziner gekauft, vielleicht liest er mit und weiß, woher das kommt/kam und ob es einen Bruder/Schwester hat, der
noch lebt.


Noch kurz zum Verfahren selber : es ist nichts anderes als das, was Herbert tut,ich habe die Salznäpfchen durch Petrischalen ersetzt und bade die Linsen immer liegend
auf der glatten Seite, nicht stehend, auch wenn die Delam. nur an einer Stelle ist (damit die Versiegelung rundrum ist nachher, s.u.). In der Regel reichen 2-3 Stunden, man
sieht dann irgendwann keine Delam. mehr und kann das Linsentriplett rausnehmen. Dann den neuen Linsenkitt mit Spritze in die Ritze und Lösemittel
verdampfen lassen. Wenig, dafür öfter applizieren. Dann kommt es unter die UV-Lampe / LED bei ca. 385nm -->
Nichia UV-LED, die zweitgrößte, 3.6V@ 1A, aus 10cm Entfernung für 30sek bestrahlt, das Polymer härtet aus, Lösemittel bleibt übrig, am besten dann nachtrocknen unter
100W Halogenheizung. Überschüsse / Flecken mit QTip und Lösemittel wegputzen. Linsenflächen nur mit Benzin / Petrolether / Hexan etc. reinigen.

Als Linsenkitt kommt NOA63 in Frage, und zwar ist es ideal, weil : hohe UV-Transmission, wie Caedax (--> www.mikroskopie-ph.de, Peter Höbel hat sehr schön die verschiedenen
Eindeckmittel gemessen) Caedax sticht heraus, das UV/VIS-Spektrum des NOA63 sieht fast genauso aus, der Brechungsindex ist ebenfalls ähnlich bei 1.55 rum.
Das Zeug hat honigartige Konsistenz und zur Reparatur eines Pärchens KPL braucht man nicht mehr als 1 Tropfen NOA und einen Tropfen Lösemittel. Also
hält eine Flasche mit ca. 60g ungefähr mindestens bis es vergammelt ist ... Verfalldatum ca. ein Jahr. Ich fülle es in 1mL Spritzen ab und friere alles ein. Wenn Wasser drankommt, trübt es
sich und wird unbrauchbar. Man kann mit diesem Zeug alles Glas kleben, Risse flicken, Polarisatorfolie an Glas laminieren (NOA68), DIK-Prismen versiegeln :D :D <-- wer traut sich ?
Das UV Härten ist nur scheinbar ein  Nachteil, das Zeug hat eine Topfzeit von bis zu 24h, wenn man die Sonne nicht dranläßt, man kann also
nachträglich noch gut justieren, verschieben etc.

Das NOA ist im Falle von NOA63 elastomerartig nach Aushärten , die ausgehärtete Schicht bleibt mit z.B. dem Fingernagel verformbar. Deswegen rundrum um die
Linse applizieren, das ist dann gummiartig flexibel und reißt nicht, selbst unter extremen Bedingungen (KPL in Gefrierschrank und dann auftauen im warmen Zimmer, dies im Wechsel).
NOA61 ist eher hart und spröde, soll polierbar sein :D ... noch nicht ausprobiert.

Chemisch sind die hier beschrieben (Thiourethanacrylate) : Ahmet Nebioglu, Joseph A. Leon, and Igor V. Khudyakov : New UV-Curable High Refractive Index Oligomers, Ind. Eng.
Chem. Res. 2008, 47, 2155-2159; DOI 10.1021/ie071443f
Die MSDS waren / sind eindeutig / deuten auf diese Strukturen hin, wer mehr Details will --> PN


so, wurde wieder kürzer, als ich dachte ;D
gute Nacht, schönes Rest-Wochenende

Grüße
Mark


Nachtrag :  NOA gibts hier : 

https://www.thorlabs.de/newgrouppage9.cfm?objectgroup_id=196

Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 11, 2016, 08:00:13 VORMITTAG
Zitat von: Mark in Dezember 11, 2016, 05:25:42 VORMITTAG
...  Man kann das Xylol gut und gerne durch harmloses Ethylacetat ersetzen

Hallo Mark, danke für deinen ausführlichen Bericht. Wenn Ethylacetat harmloser ist als Xylol, kann man es dann generell als Ersatz verwenden, beispielsweise zum Verdünnen von Einschlussmitteln?

Tom   
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Mark in Dezember 11, 2016, 08:23:56 VORMITTAG
Hallo Tom,

generell würde ich vorsichtshalber nein sagen, aber wenn man weiß, was
eingeschlossen werden soll und worin, kann man schon eher was sagen.
Ethylacetat löst zB auch mehr Wasser als Xylol, das kann zum Problem werden.
Ist das Einschlussmittel ein starker Wasserstoffbrückenbildner, "verfliegt" das Ethylacetat nicht so gut.
Es kann evtl. Gewebe extrem schrumpfen lassen, es kann auch zur Essigsäure gespalten werden, wenn Rückstände bleiben ...
es gibt bestimmt noch andere Dinge für und wider Ethylacetat.

Grüße
Mark

Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Dezember 11, 2016, 09:04:45 VORMITTAG
Hallo Mark,

vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht.
Ich bin sicher, dass nun viele Zeiss Okulare wieder zum Leben erweckt werden.
Ich wünsche Dir weiterhin eine glückliche Hand und erfolgreiche Reparaturen.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest
mit herzlichen Grüßen

Herbert
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: koestlfr in Dezember 11, 2016, 10:25:35 VORMITTAG
Liebe Mitleidende!

Ich möchte euch einmal Delamination bei Reichert zeigen:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/205907_66797754.jpg)

Das ist der Lichtaustritt im Fuss des UnivaR - das Grundproblem ist, ich weiss nicht wie man die Linsen ausbaut ... hat irgendwer eine Idee?

Liebe Grüße
Franz
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 11, 2016, 11:51:34 VORMITTAG
Hallo Franz, ich habe auch so ein Teil, wo man ohne Spezialwerkzeug und dem Wissen, in welche Richtung der Ring zu drehen ist, nicht an die Optik herankommt. Das Ding habe ich mit Fassung kurz mit Waschbenzin gereinigt und dann einen Tag in Xylol gelegt, in dem etwas Caedax aufgelöst war. Danach war die Delamination erstmal ganz weg und nach dem Verdampfen des Lösungsmittels nur noch teilweise vorhanden. Vielleicht bekommt man sie durch Wiederholung ganz weg. Aber mißlich ist es schon, wenn man die Linsen nicht mit vertretbaren Aufwand aus den Fassungen bekommt. Leider entfallen dann Marks und Herberts gezielte Vorgehensweisen.



Tom    
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: koestlfr in Dezember 11, 2016, 12:04:36 NACHMITTAGS
Hallo Tom!

Danke für deine Erfahrung!

Das Teil hat weder eine Kerbe noch dringt Xylol ein, es wirkt verklebt. Ich werde versuchen, das Teil so wie du, einen Tag oder länger, zusätzlich auch in stark verdünntem Cedax einzulegen.

Gottseidank ist es nur das Reserveteil und die Störung ist im DL nur marginal sichtbar, aber trotzdem unangenehm und vor Allem unschön!

Liebe Grüße
Franz
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Mark in Dezember 11, 2016, 15:03:25 NACHMITTAGS
Hallo Franz,

ah, da ist es ja ! :D
Das sieht schlimm aus, aber wozu Caedax beimischen zum initialen
Lösen ? Dadurch dringts ja nicht besser ein, eher schlechter. Würd ich lassen.
Ich habe einen hartnäckigen Reichert-Polarisator auch mit "Gewalt" rauslösen müssen, wenn Xylol nicht geht,
andere Lösemittel probieren. Kannst Du das machen ?Ich empfehle mal DMSO, evtl im Gemisch mit
Chloroform oder Dichlormethan, das ist so das wirksamste, was ich benutzt hatte, Die Fassung ist
Alu/Eloxiert, oder ? Sonst ist der Lack weg.
Das Ding unter Rückfluß erhitzen ?

wünsche DIr  Glück
Gruß nach Ö

Mark
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Dezember 11, 2016, 15:05:56 NACHMITTAGS
Hallo Tom, Hallo Franz,

Tom hat ja schon auf eine Lösungsmöglichkeit hingewiesen: einlegen in verdünnten Caedax. vermutlich dringt dadurch nur eine geringe Menge Caedax in den Spalt ein
und beim Verdunsten des Xylol ist die Delamination teilweise behoben.
Ich würde das eingedrungene Caedax einige Tage aushärten lassen (bei so 35-40°) und dann die Prozedur solange wiederholen bis die Delamination vollständig verschwunden ist.
Dem Gemisch mehr Caedax beifügen wäre auch ein Möglichkeit, aber nicht gerade materialsparend.

Hallo Franz,
so ein Kpl-Okular habe ich auch, da Lässt sich die Doppellinse, weder mit gutem Zureden, noch mit Xylol oder Wärme aus der Fassung bringen, es dringst nicht mal Xylol in den Spalt ein,
ich vermute, mit irgend einem Superkleber versucht zu reparieren und dabei gleich mit in die Fassung verklebt. Damit muss man leben.

Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: koestlfr in Dezember 11, 2016, 16:17:11 NACHMITTAGS
Hallo Mark! Hallo Herbert!

Ich habe geschrieben: "zusätzlich auch in stark verdünntem Cedax einzulegen", das heisst, mind. einen Tag nur mit Lösungsmittel und dann ein Cedax-Xylol-Gemisch.

Zu sehr erhitzen getraue ich mich nicht, das Teil wirkt sehr kompakt - ich fürchte einen Spamnnungsriss! Die Fassung ist Aluminium eloxiert und wirkt nicht wie nachträglich verfestigt. Es dringt absolut nichts ein.

Ich weiss nicht ob ich noch grober werden soll ... wie gesagt, im DL ist es nur ein leichter Schatten und nicht mehr!

Danke und liebe Grüße
Franz
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Dezember 11, 2016, 16:25:15 NACHMITTAGS
Hallo Franz,

Du schreibst: "wie gesagt, im DL ist es nur ein leichter Schatten und nicht mehr!"  und "es dringt absolut nichts ein."
Wenn Dir das Ding keine unruhigen Nächte beschert, dann würde ich das lassen. Alle Deine Versuche führen entweder zum Erfolg oder Du ruinierst das Teil.
Ich könnte damit leben. Ich bin auch nicht perfekt!


Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: koestlfr in Dezember 11, 2016, 17:12:48 NACHMITTAGS
Hallo Herbert!

Du hast es auf den Punkt gebracht - der Schaden sieht spektakulärer aus als er sich bei DL bemerkbar macht - ich habe die Delamination extrem fotografiert und es ist eigentlich nur ein Ersatzteil, der andere Lichtaustritt ist völlig in Ordnung und, um nachzuplappern - ich bin auch nicht perfekt ...

Liebe Grüße
Franz
Titel: Zeiss KPL-Okulare
Beitrag von: Udo Hammermeister in Dezember 11, 2016, 20:41:04 NACHMITTAGS
Hallo Mark,

Ich habe auch eins von den ganz alten Zeiss Kpl-Okularen (ganz rechts, 102g, mit sichtbarer 3er-Linse), nicht delaminiert! Diese fallen auch schon dadurch aus dem Rahmen, dass der Linsen-Durchmesser ein anderer ist (kleiner). Auch haben sie ein anderes Gewinde für die Ringmutter und eins für den Einsteckstutzen. Die spätere, mittlere Generation (ich nenn sie mal so), 89g, hatte dann ein gemeinsames Gewinde für Ringmutter und Einsteckstutzen. Bei der nächsten Generation (links, 46g, Aluminium, Hartkunststoff) übernahm der Einsteckstutzen gleichzeitig die Funktion der Ringmutter. Innerhalb der Generationen gibt es auch noch Varianten, insbesondere bei der Beschriftung und der Höhe des vorn überstehenden Rands (bis zu 6,3mm) was den Brillenträgern wieder unnötig Platz wegnahm.
Bei den letzten (schwarzer Schaft) waren die Gewinde auch teilweise stark verklebt, ich hab sie aber alle los bekommen.

Grüße Udo
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Mark in Dezember 12, 2016, 05:19:43 VORMITTAG
Hallo Udo,
schön zusammengefasst !wie hast Du die Gewinde aufbekommen ? Ich nehme an zerstörungsfrei
und kosmetisch noch vertretbar ? Werkzeug verwendet ?

@all : hier ist Peters KPL mit der seltsam aussehenden Delamination. Es ist eins
von der Sorte, wie Du, Herbert sie beschreibst, da sind Ritzen, in die einfach kein Lösemittel eindringt.
Das sind wohl "Kavitäten", in die nix reinkann, weil die Luft/das Gas nicht rauskann.
Jedenfalls lag das Ding tagelang da und sah gleich aus. Also hab ich in besagtem Lösemittelgemisch
(DMSO / Chloroform ca 2:1) knapp 45min bei 115°C erhitzt. Daraufhin ist eine der äußeren Linsen abgefallen,
die mittlere, bikonvexe und die andere Außenlinse bleiben zusammen :

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/205953_18681607.jpg) (http://s605.photobucket.com/user/Mark19721/media/IMG_2803.png.html)
y Verkittung hat vom Rand aus nach innen Kitt verloren, hätte ich weiter erhitzt, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die auch auseinanderfallen.
Aber so kann sicher relaminiert werden. Kittreste (links zu sehen) noch entfernen, dann NOA in die Mitte einer Linse, andere Linse drauflegen (hier werde ich eine Hülse nehmen,
die eng anliegt , und das alles da drin durchführen, um nicht seitlich zu verkippen). Dann das NOA mit dem Fön / Rotlichtlampe / 100W Halogenheizung dünnflüssig erwärmen und ohne Druck
setzen lassen. Hatte man zu wenig NOA, kann man entweder nachlaminieren, oder von vorne beginnen. Luftblasen stören später das fotografische Bild (oder auch nicht)  ;D
Wer Vakuum hat, hat bei diesen ganzen Aktionen schon Vorteile, ggf. reicht schon eine einfache Infiltrationsspritze und eine Dose mit Deckel.

Ob da beim Verkitten die axiale Drehung sichtbare Unterschiede bewirkt, wird man sehen, ich werde mit einem sichtbaren Laserstrahl die optischen Achsen
der beiden Klunker aufeinander ausrichten (vor der Relamination) und die Position am Rand markieren oder irgendwie fixierbar machen. Mehr geht mit meinen Mitteln nicht.

Später kann man dann an einem anderen KPL mal schauen, wie der visuelle Bildeindruck ist, wenn man gar nichts oder auch maximal dejustiert, sollte
das überhaupt möglich sein. Ich glaube immer noch, daß wenigstens ein Dreier-Block aus zueinander jeweils rotationssymmetrischen Linsen besteht.

Peter, wenn das KPL nachher schielt  ::) kriegst Du von mir ein nagelneues, superleichtes mattschwarzes Ersatzteil, beim Sehfeld leg ich noch zwei drauf  ;D ;D
Dieses alte Blechteil hat eh ausgedient irgendwann mal, oder ?

diebische Grüße

Mark
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 12, 2016, 10:48:39 VORMITTAG
Zitat von: Mark in Dezember 12, 2016, 05:19:43 VORMITTAG
...  Peter, wenn das KPL nachher schielt  ::) kriegst Du von mir ein nagelneues, superleichtes mattschwarzes Ersatzteil ...

Hallo Mark, ich weiß ja nicht, wie deine Absprachen mit anderen aussehen, aber ich kann mir echt nicht vorstellen, dass jemand von dir Ersatz haben möchte, wenn die Reparatur eines unbrauchbaren Okulars nicht gelingt. Man muss dir dein Engagement und das Teilen deiner Erfahrunge hoch anrechnen und wenn am Ende der Experimente gute Verfahren mit verschiedenen Mitteln herauskommen, ist das doch super.

Dein Ansatz mit Mitteln, die mit UV Licht ausgehärtet werden, lässt vermuten, dass die Verbindung permanent ist, weil da keine Mischung aus Harz und Lösungsmitteln mehr die Verkittung stellt, die durch das Verdampfen des Lösungsmittels an Substanz verliert, versprödet und wieder abreissen kann.


Delaminiertes Objektiv

Neulich bekam ich ein Zeiss Mikroskop, dass bei Frost geliefert wurde und eiskalt bei mir eintraf. Bei der Inspektion der Objektive im Stereomikroskop konnte man eine große delaminierte zentrale Fläche in einem  Zeiss Neofluar 40 sehen. Da ich das Objektiv nicht aufbekam, stellte ich es vorgestern früh in ein Alu-Filmdöschen mit nur etwas Xylol und einem kleinen Tröpfchen Caedax. Die Flüssigkeit war alos nicht im Inneren des Objektivs, lediglich die Front stand in der ca. 3mm tiefen Flüssigkeit.    

Die Hoffnung stirb ja zuletzt und sie bestand darin, dass vielleicht etwas Lösungsmittel durch eine Kapillarwirkung die Fassungen und Gewinde überwindet, um an der richtigen Stellen ihre Wirkung zu entfalten. Okay, lasst uns nicht über die möglichen Nachteile dieses absurden Versuches nachdenken, es kann sich ja jeder vorstellen, dass das Mittel auch an einer falschen Stelle hätte landen können.

Nach einigen Stunden nahm ich das Objektiv heraus und reinigte es mit Waschbenzin. Es sah völlig unverändert aus. Die Delamination war noch vorhanden.

Gestern morgen gab es dann eine Überraschung. Die defekte Stelle wurde kleiner. Bis zum Abend war sie fast gänzlich verschwunden und heute morgen sah es topp aus. Ans Mikroskop geschraubt war die Leistung so gut, wie man sie vone einem Zeiss Neofluar 40 erwarten kann. Was diese Heilung bewirkte, ist mir unklar. Ev. die Zimmertemperatur kombiniert mit Xyloldämpfen. Ich bin gespannt, ob es in dem Zustand bleibt oder ob hier eine ständige Veränderung stattfindet. Schade, dass ich das nicht mit einem Bild pro Minute filmen konnte. Dann hätte man den Vorgang sehen können.

Tom
 
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Udo Hammermeister in Dezember 13, 2016, 22:41:45 NACHMITTAGS
Zitat von: Mark in Dezember 12, 2016, 05:19:43 VORMITTAG
wie hast Du die Gewinde aufbekommen ?
Hallo Mark,
Ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Sicherlich in Lösungsmittel einige Tage eingelegt, Isopropylalkohol ist unkritisch. Oder vielleicht auch Nitroverdünner, dann aber nur kurz ein paar Tropfen. Vielleicht hatte ich sie auch vorsichtig von außen erwärmt, unter gleichmäßigem langsamen drehen mit der Drehbank. Der Kunststoff scheint kein Thermoplast zu sein, ich will aber nichts versprechen.
Grüße Udo
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Udo Hammermeister in Dezember 13, 2016, 23:23:42 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

Vielen Dank für die vielen Hinweise, besonders an Herbert, wie man so etwas reparieren kann. Und dass es auch zerstörungsfrei geht, ohne die Linsen auseinander zu nehmen. Jetzt will ich es doch auch mal probieren. Eine Flasche Xylol habe ich gleich bestellt und bekommen, und mit einem besonders schlechtem Exemplar (Zeiss Okular CPL) einmal ausprobiert. Ich bin ganz begeistert, wie das Xylol in die dünnen Ritzen eindringt. Nach einem Tag waren keine Spalten mehr zu sehen. Ich frag mich, wo denn die Luft bleibt, die ja dabei unweigerlich eingeschlossen wird? Aber es ist kein Bläschen mehr zu sehen. Übrigens, die Kunststoff-Schraubdöschen aus PE / PP halten dem Xylol gut stand.

Jetzt der nächste Schritt, das Verkitten. Ceadax ist ja nicht mehr zu bekommen. Zur Verfügung hätte ich hier folgendes: Euparal, Malinol, Entellan. Welches der drei wäre denn jetzt der beste Ersatz, falls überhaupt? Oder doch irgend etwas anderes?

Grüße Udo
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Dezember 14, 2016, 08:40:06 VORMITTAG
Hallo Udo,

ich habe vor einigen Jahren am bei  Chedan-Kosmetika Handelsagentur Klein in 26431 Wangerland Kanadabalsam für Mikroskopie bestellt.
Verfallsdatum 04.2012, der ist heute noch glasklar in der Flasche. Vielleicht gibt es den noch. war nicht teuer, ich danke 50ml unter € 10.--
Wie sich Euparal mit Xylol und dem ja noch vorhandenen Balsam verträgt kann ich nicht sagen, schlimmstenfalls ist nachher die Grenzfläche zu sehen.
Aber da es sich, wie Du schreibst, um ein besonders schlechtes Exemplar handelt, könnte man da einen Versuch wagen.
Wo bleibt die Luft? Die Luft wird bei der Methode nicht eingeschlossen, sondern durch Xylol verdrängt.

Ich wünsche Dir gutes gelingen.

Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: ManK in Dezember 14, 2016, 21:48:49 NACHMITTAGS
Guten Abend,
diesen Händler gibt es noch:
http://www.ebay.de/itm/Canadabalsam-Mikroskopie-50-ml-Packung-218-00-EUR-Liter/182389017595?_trksid=p2047675.c100011.m1850&_trkparms=aid%3D222007%26algo%3DSIC.MBE%26ao%3D1%26asc%3D38052%26meid%3D04009b5bd2104b1d8318fd69b99c0171%26pid%3D100011%26rk%3D2%26rkt%3D6%26sd%3D182385567714
Gruß
Manfred
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: the_playstation in Dezember 15, 2016, 07:37:46 VORMITTAG
Hallo Manfred.

Ich hatte mir mal dieses Canadabalsam gekauft. Ist es richtig, daß die Farbe in den kleinen Kunststofffläschchen recht gelb ist? Ist das nicht störend bei einer Optik? Oder spielt das bei den dünnen Flächen keine Rolle?

Liebe Grüße Jorrit.
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: ManK in Dezember 16, 2016, 09:26:17 VORMITTAG
Servus Jorrit,
ich habe nur das Angebot gesehen, keinen gekauft.
Der Händler bietet 2 Sorten an.
Herbert schreibt: "heute noch glasklar in der Flasche"...
viele Grüße
Manfred
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: the_playstation in Dezember 16, 2016, 13:48:30 NACHMITTAGS
Hallo Manfred.

Ja. Und weiter oben:
Zitatvermutlich vergilbt der glasklare, synthetische Kanadabalsam kaum mehr im Gegensatz zum natürlichen Kanadabalsam.

Schade. Da werde ich den Canadabalsam wohl nur zum Eindecken von Präperaten nutzen. :( Finde Ebay-Angebote, wo man nicht die Originalsubstanz sehen kann, nicht gerade hilfreich. Auf jeden Fall werde ich bei dem Händler nicht noch einmal die andere Variante kaufen. Dieses Try and Error Spiel ist nicht gerade motivierend.

Liebe Grüße Jorrit.
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Baldrian in Dezember 16, 2016, 14:36:37 NACHMITTAGS
Mein Kandabalsam ist auch etwas gelblich, aber bei der geringen Menge zwischen den Linsen sehe ich keinen Gelbstich.

Tom
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: JB in Dezember 16, 2016, 15:33:48 NACHMITTAGS
Zitat von: the_playstation in Dezember 15, 2016, 07:37:46 VORMITTAG
Ich hatte mir mal dieses Canadabalsam gekauft. Ist es richtig, daß die Farbe in den kleinen Kunststofffläschchen recht gelb ist? Ist das nicht störend bei einer Optik? Oder spielt das bei den dünnen Flächen keine Rolle?

Hallo Jorrit,

Canadabalsam ist natuerlicherweise gelblich. Ueber die Jahre wird er noch dunkler. Das ist bei den sehr duennen Schichten zwischen den Linsen kein Problem. Der Balsam wurde mind. 100 Jahre lang verwendet, um Objektivlinsen zu verkitten (warmer Canadabalsam ohne/mit wenig Loesungsmittel, der bei Erkalten sofort erhaertet). Der Balsam delaminiert nicht, schrumpft nicht; und kristallisiert auch nicht, wenn er richtig behandelt wurde. Die beruechtigte Delamination gab es erst, als man Canadabalsam durch neue Kitte ersetzt hatte.

Wenn der Balsam farblos ist, dann ist er auf jeden Fall kein Canadabalsam und ob er genauso langlebig ist oder doch kristallisiert steht in den Sternen.

Beste Gruesse,

Jon
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: the_playstation in Dezember 16, 2016, 15:43:20 NACHMITTAGS
Hallo Jon.

Danke für die Info. :)

Liebe Grüße Jorrit.
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Dezember 16, 2016, 15:58:27 NACHMITTAGS
Hallo,

Jon hat natürlich recht, echter Canadabalsam ist gelblich.
Caedax ist ein synthetisch hergestelltes Produkt und auch die heute hergestellten "Kanadabalsam" sind keine echten.
Echter Kanadabalsam wird meines Wissens schon lange nicht mehr verwendet. Oder ist er doch noch zu bekommen?

Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?
Beitrag von: l'œil armé in Dezember 16, 2016, 16:38:31 NACHMITTAGS
Zitat von: Herbert Dietrich in Dezember 16, 2016, 15:58:27 NACHMITTAGS
Echter Kanadabalsam wird meines Wissens schon lange nicht mehr verwendet. Oder ist er doch noch zu bekommen?

Ja, Herbert, meines Wissens ist er von Merck noch zu bekommen und ist auch entsprechend sehr viel teurer als die synthetischen Mittelchen.

Freundliche Grüße

Wolfgang