Auf der Suche nach antiquarischem Caedax fand ich einen alten Kosmos Arbeitskasten Mikroskopie, der mir für wenige Zehner zugeschickt wurde. Beim Inspizieren kamen allerhand Flaschen zum Vorschein, die nach heutigen Maßstäben nichts im Kinderzimmer eines forschungsfreudigen Teenis zu suchen haben (sollten). 100 ml Caedax und andere Einschlussmittel, Xylol, Alkohole und zahlreiche Färbemittel und Essigsäure mit warnendem Totenkopf auf der Flasche. Leider fehlt in dem Kasten eine Auflistung des originalen Inhalts. Dass so etwas überhaupt an Leute ohne nachgewiesene Chemiekenntnisse abgegeben wurde, ist ja ein Ding. Macht man das heute immer noch?
Tom
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/206310_48819127.jpg)
Essigsäure mit warnendem Totenkopf stimmt natürlich wahrlich bedenklich ...
Heiko
Ich wusste damals, dass man damit umsichtig arbeitet und davon natürlich nichts trinkt oder isst.
Essigsäure und Alkohol sind in Zeiten der Komasauferei ein echter Killer.
Hallo Tom,
das ist die ewig leidigliche Diskussion: Was sollte, was sollte, was NIVHT zugelassen sein. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen,in der es mit PROBLEMLOS möglich war, als Mittelstufenschüler Flusssäure in der Apotheke zu erhalten; ich hab´s (gut) überlebt; aber ich hatte auch immer Lehrer, die mir begleitend genau beigebracht haben, auf was ich mich da einlasse - ich möchte diese Zeit nicht missen. Schaden habe ich weder mir,noch anderen zugefügt - aber ich habe den sorgsamen Umgang mit gefährlichen Stoffen gelernt:
Zur Essigsäure:Normaler Speiseessig ist ca.5% Essigsäure. Eisessig = konzentrierte Essigsäure, entspricht ca. 25 %, entspricht in etwa Essigessenz, die man in jedem Supermarkt (zum Putzen / Entkalken) kaufen kann.
Zum Xylol: Das unreine Isomerengemisch kann man in jedem Baumarkt 10-Literweise kaufen, und ich denke, das uneine Gemisch ist problematischer als das reine, das wir für die Mikroskopie benötigen.
Zum Caedax: Ich bin -wie wahrscheinlich andere Glückliche- richtig froh, noch eine Flasche zu haben, nicht für die Endeckung von Präparaten, sondern zur Reparatur delaminierter Optiken.
Gruß !
JB
ZitatEisessig = konzentrierte Essigsäure, entspricht ca. 25 %, entspricht in etwa Essigessenz, die man in jedem Supermarkt (zum Putzen / Entkalken) kaufen kann.
Da muss ich dir widersprechen lieber Jürgen. Der Eisessig ist 99-100%ige Essigsäure Kristallisiert bei ca 17° zu einer eisartigen Masse, daher der Name! Und bekommt man sicher nicht im Supermarkt!
Alles andere, was du gesagt hast ist wie immer richtig! ;)
Zitat von: Jürgen Boschert in Dezember 17, 2016, 23:06:36 NACHMITTAGS
Zum Caedax: Ich bin -wie wahrscheinlich andere Glückliche- richtig froh, noch eine Flasche zu haben, nicht für die Endeckung von Präparaten, sondern zur Reparatur delaminierter Optiken.
Genau dafür wollte ich es haben. Die 100ml Flasche ist fast voll.
Zitat von: Klaus Herrmann in Dezember 17, 2016, 23:16:21 NACHMITTAGS... Der Eisessig ist 99-100%ige Essigsäure Kristallisiert bei ca 17° zu einer eisartigen Masse, daher der Name!
So habe ich es auch verstanden.
Tom
Hallo Tom.
Sind alle Substanzen wirklich aus dem Original-Kosmos-Kasten. Wenn ich mir die Fläschchen so ansehe, bestimmt nicht. Da wurde Einiges nachgekauft. ;) Die Frage sollte lauten: Was ist in dieser, individuellen Zusammenstellung enthalten?
Liebe Grüße Jorrit.
Zitat von: the_playstation in Dezember 17, 2016, 23:46:52 NACHMITTAGS
Sind alle Substanzen wirklich aus dem Original-Kosmos-Kasten. Wenn ich mir die Fläschchen so ansehe, bestimmt nicht. Da wurde Einiges nachgekauft.
Ja, insbesondere die Flaschen in er ersten Reihe. Die Eindeckmittel in Grosspackungen. Essigsaeure wuerde meines Wissens nicht als Gift gefuehrt. Kaliumhydroxid als Pellets sind saugefaehrlich; man kann sich kaum vorstellen, dass KOH als mehr als verduennte Lauge mitgegeben wurde.
Beste Gruesse,
Jon
Hallo Jon -
allerdings kannst Du festes Kaliumhydroxid unter einem euphemistischen Namen als Abflussreiniger problemlos kiloweise in jedem Supermarkt kaufen!
Viele Grüße
Rolf
Hallo Tom,
ZitatLeider fehlt in dem Kasten eine Auflistung des originalen Inhalts.
die Flaschen im Vordergrund waren nicht Bestandteil des Kastens und einige andere im Hintergrund ebenfalls nicht. Caedax gehörte zwar zur Ausrüstung, aber das war nur eine geringe Menge und nicht die 100 ml in der Merck-Flasche.
ZitatDass so etwas überhaupt an Leute ohne nachgewiesene Chemiekenntnisse abgegeben wurde, ist ja ein Ding. Macht man das heute immer noch?
Den Kosmos Arbeitskasten Mikroskopie gibt es schon lange nicht mehr und einen Nachfolger, der diesen Namen verdient, kenne ich nicht. Ähnliches gilt auch für die Chemie-Kästen (z.B. von Kosmos der All-Chemist 2000, oder das Chemie-Labor C1 und C2), die recht vielfältig bestückt waren aber in dieser Form heute verschwunden sind. Da spielten sicherlich Risikoabschätzungen bei den Anbietern eine Rolle.
ZitatBeim Inspizieren kamen allerhand Flaschen zum Vorschein, die nach heutigen Maßstäben nichts im Kinderzimmer eines forschungsfreudigen Teenis zu suchen haben (sollten).
Ich sehe das sehr ähnlich wie Jürgen (JB) und kann seine Aussagen nur unterstreichen. Auch ich hatte das Glück, dass meine ersten Kontakte zu einer anderen Zeit stattfanden. Die benötigten Chemikalien und Glasgeräte bekam ich in einer gut sortierten Drogerie (ja, so etwas gab es damals und es hatte nichts zu tun mit DM, Rossmann, etc.). Chemie-Unterricht in der Schule hatte ich keinen - es gab schlicht keinen Chemie-Lehrer. Aber unsere Stadtbibliothek hatte einige gute Chemie-Bücher im Bestand (u.a. auch den Römpp) und die hatte ich dann quasi in Dauerausleihe. Im Kinderzimmer hatte ich übrigens nie Versuche gemacht und eine gute Schutzbrille gehörte von Anfang an zur festen Ausrüstung.
Im übrigen ist die Chemie nach wie vor eine zutiefst empirische Sache und man wird mit ihr nur vertraut über das Experiment. Mir ist es daher ein Rätsel, wie im heutigen Schulunterricht Begeisterung für dieses Fach geweckt werden soll, wenn selbst Chemie-Lehrer kaum noch Versuche machen. Aber ähnliches ist ja auch in anderen Bereichen zu beobachten. So gab es in der zweiten Hälfte der 70er die Fernsehserie "Studienprogramm Chemie" moderiert von Hans-Jürgen Bersch. Hier wurde in 52 Folgen die gesamte Spannbreite der Chemie beleuchtet, vom Atombau bis zur großindustriellen Produktion. Zwar konzipiert für Laien war diese Serie aber durchaus anspruchvoll gestaltet und didaktisch gut gemacht. So wurde zum Beispiel die unterschiedliche Reaktivität der Alkalimetalle (von Lithium bis Cäsium) gegenüber Luft oder Wasser im Experiment gezeigt! Heute sind solche Sendungen (nahezu) vollständig verschwunden. Heute scheint es eher so zu sein, dass derjenige, der in einer Quiz-Sendungen sagt er habe in Mathe oder Naturwissenschaften eine fünf gehabt, mit Applaus rechnen kann D. (OT aus)
Mit besten Grüßen
Thomas
Zitat von: reblaus in Dezember 18, 2016, 00:26:06 VORMITTAG
allerdings kannst Du festes Kaliumhydroxid unter einem euphemistischen Namen als Abflussreiniger
NaOH :) Nach der Flußsaeure die wohl gefaehrlichste Alltagschemikalie. In ihrer Gefaehlichkeit voellig unterschaetzt.
Beste Gruesse,
Jon
ZitatNaOH Smiley Nach der Flußsaeure die wohl gefaehrlichste Alltagschemikalie.
Hallo Jon,
eine Alltagschemikalie ist HF nun wahrlich nicht, gefährlich allerdings. Flußsäure könnte man zu Recht heimtückisch nennen. Auf der Haut erzeugt sie minutenlang überhaupt keinen Schmerz, aber wenn der spürbar ist, läßt sich ihre zerstörende Wirkung kaum noch aufhalten, so z.B. hinter den Fingernägeln. Eine Katastrophe, wenn einem Arzt die Wirkung der Flußsäure unbekannt ist. Mein Frau kann ein Lied davon singen. Gründliches Händewaschen nach
jedem Umgang mit HF ist deshalb Pflicht.
Gruß - EFH
Zur Flußsäure: Die Moleküle sind so klein und diffundieren schnell. Es kommt rasch zu Knochenverletzungen, der Verlust eines Fingers (muss amputiert werden) ist eine reale Gefahr. Ekelzeug! Dahingegen ist Ätznatron fast harmlos, so lange man eine Schutzbrille trägt.
Bei mir in der Schule war es auch so, dass der Chemieunterricht nicht berauschend war. Eigentlich könnte ich das mal nachholen. Gibt es dafür geeignete autodidaktische Mittel?
Tom
Hallo erstmal,
nur mal so zu den "Alltagschemikalien":
Nachdem an Eau de Javelle nich ranzukommen ist, hat die Gemeinde auf Clorix umgestellt.
Stinknormaler Schimmelentferner aus dem Malergeschäft ist 97%iges Natriumhypochlorid, geht also auch.
Nachdem wegen der Junkies die handelsübliche Essigessenz auf 25% eingedünnt wurde und Eisessig in der Apotheke nicht zu bekommen ist (O-Ton: wir sind eine Apotheke und kein Laborbedarf!) muss man eben in den Großhandel gehen. Da steht dann in der Reinigungsmittelabteilung 80%ige Essigsäure im 20Ltr. Kanister.
Den allerseit beliebten Kopierstift wird man aber auch nur noch in älteren Schreibwarengeschäften finden; neu hergestellt wird er mangels Bedarf nicht mehr (ist ja auch giftig :-) ) ebenso rote Tinte (braucht ja niemand mehr). Peroxid gibts auch nur noch bei alten Friseuren.
Die angesprochenen Sanitärreiniger haben es besonders in sich, wenn man mischt; da hat sich schon manche Putzfrau (weil sie die Gefahrenhinweise wegen Sprachproblemen nicht lesen konnte) neben die frisch geputzte Toilette gelegt.
Man könnte die Liste noch lustig weiterführen.
Auffällig ist dabei nur, dass die reine Chemikalie mit Orginalnamen nicht oder nur schwer zu bekommen ist, während das gleiche Produkt unter irgendeinem Markennamen problemlos sogar an Kinder abgegeben wird.
Allen ein frohes Fest wünscht
Wolfgang
Ich sehe das wie Wolfgang. Die Originalchemikalie wird verteufelt und man kann Sie kaum mehr bekommen. Der Umgang wird auch nicht beigebracht. Aber unter anderem Namen wird Sie fröhlich an Jeden ausgegeben. Andererseits bin ich froh darüber. Sonst würde man an gar keine Chemikalien mehr herankommen. Z.B. für die Diatomeen-Aufbereitung. Bald wird alles verboten. Meiner Meinung nach ist Aufklärung besser als jedes Verbot. Auch z.B. bei Naturschutzgebieten, Brandgefahr, ... Aber ein dummer Bürger mit Verboten ist anscheinend besser als ein verständnisvoller Aufgeklärter.
Zum Mikroskopie-Kasten:
Mich würde interessieren, welche Substanzen wirklich enthalten waren (Liste) und welche und wie viele davon gefährlich waren. Tom hat ja schon ausgeführt, daß div. davon NICHT im Orgiginalkasten enthalten waren.
Schule und Lehrer:
Mir kommt es auch so vor, als wenn es immer weniger Lehrer gibt, die Experimente machen. Auch in der Physik. Experimente müssen vorbereitet werden. Oft in der Freizeit, ...
Graue Theorie mit Formeln ist da viel einfacher. ZUmindest 2 Jahre hatte ich einen sehr motivierten Physiklehrer, der sich sehr viel Mühe gegeben hat, und dem ich sehr dankbar war und bin.
Liebe Grüße Jorrit.
Ein achtsamer, respektvoller und verantwortungsbewußter Umgang mit Chemikalien ist in jedem Fall angeraten. Das schließt neugierige Entdeckerfreude ja nicht aus.
Kurze Anmerkung zu Flusssäure:
Der Umgang mit Flusssäure gehört in entsprechend geschulte Hände. Da gibt es überhaupt keine Diskussion. Im professionellen Bereich zählt dazu nicht nur die Schutzbrille sondern eine insgesamt angemessene Schutzausrüstung ist unerlässlich. Dazu gehören unter anderem auch Schutzhandschuhe aus HF-festem Material, Maßnahmen zu Vermeidung von Inhalation (das inhalationstoxische Potential wird häufig unterschätzt), ein spezifisches Erste-Hilfe Paket, eine Schulung des Personals mit wiederholten Sicherheitsunterweisungen (zweimal jährlich), eine entsprechend unterrichtete ärztliche Anlaufstelle für Notfälle sowie eine Logistik zur sachgerechten Entsorgung HF-haltiger Produkte. Das waren die Mindeststandards, die uns durch eine entsprechende (unfallfreie) Produktentwicklungs-Phase begleitet hatten.
Mit besten Grüßen
Thomas
Zitat von: the_playstation in Dezember 18, 2016, 12:08:40 NACHMITTAGS
Zum Mikroskopie-Kasten:
Mich würde interessieren, welche Substanzen wirklich enthalten waren (Liste) und welche und wie viele davon gefährlich waren. Tom hat ja schon ausgeführt, daß div. davon NICHT im Orgiginalkasten enthalten waren.
Ich möchte keine Liste aufstellen und bei mir war einiges an Beifang bei.
Aber jemand bietet diesen Kasten offenbar unbenutzt an und mit allen Papieren, die bei mir fehlten. Vielleicht hat jemand ein historisches Interesse daran? Falls ja, wäre es nicht schlecht, wenn die Dokumente gescannt werden und als PDF allen zugänglich gemacht werden.
https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-anzeige/kosmos-arbeitskasten-mikroskopie-sammlerstueck-von-1971-/551770549-234-2590
Tom
Hallo Tom.
Habe Ihn mal angeschrieben. Da ich ein Fan und Sammler von Kosmos Kästen bin, würde ich Ihn gerne haben. Wenn Ich Ihn habe, mache ich gerne einen Scan bzw fotografiere.
Liebe Grüße Jorrit.
Jorrit, schick mir mal deine Adresse als PN. Ich nehme mir aus meinem Kasten einige Sachen raus und schicke dir den Kasten mit den anderen Dingen. Vielleicht brauchst du die zum Komplettieren.
Tom
Hallo Tom.
Ist noch zu haben. Da ich neu bei "Ebay Kleinanzeigen" bin. Wie ist der Ablauf? Austausch der Adressen. Überweisung. Versand-ID?
Liebe Grüße Jorrit.
Zitat von: Eckhard F. H. Nowack in Dezember 18, 2016, 05:27:30 VORMITTAG
eine Alltagschemikalie ist HF nun wahrlich nicht
Hallo Eckhard,
In Italien konnte (kann?) man im Supermarkt kleine Flaeschchen mit 7% HF kaufen. Ich habe mit immer gefragt, wozu? Jetzt habe ich es nachgeschlagen; es handelt sich wohl um Rostentferner "Leva Ruggine".
Beste Gruesse,
Jon
Hallo Jorrit,
da gibt es kein "Verfahren". Das ist wie bei einer Kleinanzeige in der Zeitung. Ihr müsst die Modalitäten bestimmen und Euch austauschen. Alles natürlich mit entsprechendem Risiko.
Hezrliche Grüße
Peter
Ups, da ist es ja wieder - unser Lieblingsthema! ;)
Ja, das ist schon so eine Sache mit der Giftigkeit und der Gefährlichkeit. Ich rate Euch übrigens mal, beim nächsten Tankstopp auf die Seite der Tanksäule zu schauen, was da alles so steht:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/206384_30958509.jpg)
Hat deshalb jemand von Euch Angst beim Tanken? Und falls die Antwort heißt: "Nein", dann frage ich Euch: Wieso denn nicht bei einem so gefährlichen Stoff? Benzin ist: Explosiv, feuergefährlich, umweltschädlich, giftig, karzinogen, mutagen.... Ein echtes Teufelszeug!!! Eigentlich hat es fast jede nur denkbare "gefärhliche" Eigenschaft. Und: An der Tankstelle hantieren wir nicht mit 50 ml-Fläschchen, sondern im Hektolitermaßstab! Dabei ist Benzin ehrheblich gefährlicher als alle Substanzen, die in diesem Thread aufgeführt wurden (mit Ausnahme der Flußsäure natürlich).
Nein, wir haben deshlab keine Angst, wiel wir von Kindheit an mit diesem Stoff "groß geworden" sind, weil er "alltäglich" ist und wir die Gefahren kennen und einschätzen können und uns deshalb "automatisch" immer richtig verhalten, wenn wir mit diesem Stoff umgehen. Wir wissen eben, dass man an der Tankstelle nicht mit Feuer hantiert, dass wir Benzin nicht trinken dürfen und halten unsere Nase beim Tanken im Normalfall auch nicht direkt über den Tankstutzen. Auch baden wir unsere Hände nicht darin wie einst Tilly in Palmolive.
"Gefährlich" wird eine Substanz erst durch unsachgerechten Umgang infolge unzureichenden Wissens.
Ich kenne mich mit dem Chemikalienrecht nicht aus und und weiß insofern auch nicht, wieso genau welche Substanzen nicht mehr an Privatpersonen abgegeben werden dürfen. Zweifelsohne hat es eher wenig mit der objektiven "Gefährlichkeit" zu tun. Widersprüche wurden hier ja auch schon reichlich angeführt, beispielsweise die Unmöglichkeit, Reinsubstanzen im Chemikalienhandel zu bekommen, während die identische Substanz allein oder als Inhaltsstoff in industriellen Produkten für Jedermann zugänglich ist. Anscheinend ist es nicht nur eine Frage der Gefährlichkeit, sondern auch möglicher mißbräuchlicher Verwendung.
Die Gefährlichkeit einer Substanz ist auch immer eine Frage der Exposition bzw. Expositionsdauer. Wir wissen, das Feinstaub krebserregend ist, und wenn man lange genug hohen Konzentrationen ausgesetzt ist, wird es sicher seine Folgen haben. dennoch hat vermutlich kaum jemand Panik in den Augen, wenn er einmal eine Hauptverkehrsstraße in der Großstadt überquert.
Und so ist es beispielsweise auch bei den Substanzen Xylol und Formalin. Jahrelange Exposition bei entsprechend hoher Konzentration ist vermutlich nicht gerade gesundheitsförderlich, in dem Umfang in dem der normale Hobbymikroskopiker damit zu tun hat, würde ich das Risiko einer abendlichen Flasche Bier oder der "Zigrrette danach" (nach dem Mikroskopieren, meine ich ;)) höher einschätzen. Ich erinnere mich übrigens, in meiner bereits 17 Jahre zurückliegenden Raucherkarriere das Formaldehyd gelegentlich deutlich aus dem Zigarettenrauch herausgeschmeckt zu haben.
Und die "Gefährlichkeit" hat auch eben damit zu tun, ob der Verwender die Gefahren kennt und damit umgehen kann. Nur, wer denn Umgang nicht erlernt, lebt gefährlich. Ich habe schon früh im Chemieunterricht gelernt "Erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure". Ich weiß gar nicht, ob das im heutigen Chemieunterricht noch zum Tragen käme, denn wo werden noch starke Säuren verdünnt?
Eines gebe ich aber gerne zu: Vor Flußsäure habe ich höchsten Respekt, ich habe sie nie besessen und das "Sauzeug" käme mir auch nicht ins Haus! Noch gefährlicher als amputatiosnwürdige Verätzungen sind mögliche Todesfälle durch nicht mehr medizinisch beherrschbare Hypokalzämien. Und besonders heimtückisch ist eben, dass man evtl. zunächst gar nicht bemerkt, wie groß die Gefahr ist. Wer einmal nach Flußsäureunfällen googlet, kommt das kalten Grausen.
Herzliche Grüße
Peter
Hallo,
ohne die Dinge zu dramatisieren oder zu beschönigen,ich bin mit diesen Chemikaliennachlässen sehr vorsichtig,den ist in den Flaschen/DosenGläsern auch drin was draufsteht ??
In meinen Jugendjahren kam mir mal ein Glas mit Kaliumchlorat in die Hände,welches der Vorbesitzer als Kaliumnitrat etikettiert hatte !!!!!!!
Die Kohle/Schwefel Mischung mit diesem Pulver entzündete sich beim Mischen und ich büßte meine Augenbrauen und den Mischtiegel ein.
Hatte glücklicherweise Schutzbrille und Schutzhandschuhe an,die Substanzmenge war gering und ließ die Mischschale noch rechtzeitig fallen.
Die Lehre daraus: Schutzkleidung tragen ,keine Experimente mit unbekannten Substanzen.
Schönen Abend
Klaus
Hallo Peter,
eigentlich wollte ich mich nicht beteiligen. Ich möchte mich fast entschuldigen.
Aber zu einem Aspekt, den Du ins Spiel bringst, der in dem anderen Faden nicht explizit vorkam würde ich doch gern einhaken.
Zitat von: Peter V. in Dezember 18, 2016, 18:38:14 NACHMITTAGS
Hat deshalb jemand von Euch Angst beim Tanken? Und falls die Antwort heißt: "Nein", dann frage ich Euch: Wieso denn nicht bei einem so gefährlichen Stoff? [...]
Ich stimme Dir zu, niemand hat Angst vor Benzin und ich will es auch gar nicht gefährlicher machen, als Du es geschrieben hast. Es haben übrigens auch überraschend wenige Menschen Angst vor kochendem Wasser, Flüssiggas oder Lampenöl. Es geht mir nicht um die Gefahr, es geht mir um die von Dir gemutmaßte Ursache, an der ich dann doch gern allergrößte Zweifel anmelden möchte:
Zitat von: Peter V. in Dezember 18, 2016, 18:38:14 NACHMITTAGS
Nein, wir haben deshalb keine Angst, wiel wir von Kindheit an mit diesem Stoff "groß geworden" sind, weil er "alltäglich" ist und wir die Gefahren kennen und einschätzen können und uns deshalb "automatisch" immer richtig verhalten, wenn wir mit diesem Stoff umgehen.
alltäglich! Genau. Ich würde das Gewöhnung nennen, wie man hier so schön sagt: Man gewöhnt sich an allem. Gewöhnung würde ich allerdings fast für das Gegenteil von Kompetenz halten.
Nach der Mechanik, die es macht, dass die Menschen durch regelmäßiges tanken die Gefahren von Ottokraftstoff besser kennen lernen würde ich schon gern fragen!
Du meinst also, wenn ich einen Tankstellenpächter überreden würde, dass ich vorne an der Straße ein Schild aufstellen darf: ,,Zapfsäule 4: Heute keine Erdung". Würde das dazu führen, dass unter den lebenserfahrenen Tankstellenbenutzern, sagen wir mal Ü50 praktisch niemand mehr Zapfsäule 4 benutzen würde? Da melde ich ganz erhebliche Zweifel an!
Machen wir ein anderes Experiment: Ich stelle zwischen die Zapfsäulen eine Kaffemaschine: ,,AKTION! Heute kostenlos!", Kanne Milch steht oben drauf. Du gehst jetzt wirklich davon aus, dass den niemand trinken würde? Ich wette dagegen! Ich wette sogar, dass ein offener Milchkannendeckel den Konsum nur marginal schmälern würde, auch wenn ich da wohl schon mit einem Zehennagel im Knast stehen würde.
Man hat entweder keine Angst, weil man in einem irrationalen Trugschluss denkt: Et hätt noch emmer joot jejange oder weil man sich denkt, dass so viel reglementiert ist, dass eine Tankstelle schon sicher sein wird. Ein zumindest in Deutschland nicht ganz irrationaler Ansatz.
Zitat von: Peter V. in Dezember 18, 2016, 18:38:14 NACHMITTAGS
Und die "Gefährlichkeit" hat auch eben damit zu tun, ob der Verwender die Gefahren kennt und damit umgehen kann. Nur, wer denn Umgang nicht erlernt, lebt gefährlich. Ich habe schon früh im Chemieunterricht gelernt "Erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure". Ich weiß gar nicht, ob das im heutigen Chemieunterricht noch zum Tragen käme, denn wo werden noch starke Säuren verdünnt?
Hmm, ich bin ja nun Dipl. Chemiker und wenn ich so zurückdenke, ich glaube nicht, dass ich auch nur ein einziges Mal konzentrierte Schwefelsäure verdünnt habe. Früher in der Apotheke war die viel viel viel zu teuer um sie zu verdünnen und an der Uni braucht man entweder konz. oder eine genau bekannte Konzentration und konzentrierte hat ja nur eine ungefähr bekannte Konzentration. Es kann also durchaus sein, dass ich noch nie konzentrierte Schwefelsäure verdünnt habe. Ich würde allerdings eine hohe Wette darauf eingehen, dass ich die besagte Operation recht erfolgreich durchführen könnte!
Eine Putzfrau, die Jahr für Jahr mit Chlorbleichlauge hantiert, hat entweder gelesen was draufsteht, dafür braucht man aber nicht jahrelang damit hantieren oder hat durch Glück und Zufall schonmal einen Unfall überlebt. Ansonsten geht sie hops, wenn sie auf die Idee kommt, den bei mir zuhause verwendeten Sanitärreiniger mit 30% H3PO4, Buzil, dazuzukippen, damit es richtig sauber wird. Die Kompetenz, zu wissen, dass Chlorbleichlauge mit Säure Chlor entwickeln wird, wird sie auch durch jahrzehntelangen Gebrauch nicht erwerben und auch nicht die Kompetenz, die Gefahr vorauszusehen.
Es ist doch gerade typisch, dass chemische Gefahren sich nur teilweise mit Alltagserfahrungen überschneiden. Die massive spontane Gasentwicklung, die heimtückische Wirkung andauernder Exposition mit krebserregenden Stoffen, das Selbstentflammen von Lappen, das Explodieren von Zapfanlagen durch Funkenflug, die Auswirkungen eines platzenden Schlauches am Flüssiggas-Heizpilz, all das sind doch Dinge, die gerade die normale Erwartung um Größenordnungen übersteigen.
Die beiden mir bekannten Fälle von durch Spiritus hingerichteten Menschen wurden auch durch angesehene Grillgurus mit größter Erfahrung verursacht. Die hat ihnen nur nicht gesagt, dass sie die Spiritusflasche lieber einfach hinstellen sollten, statt sie wegzuschleudern, wenn sie brennt. Die explodiert ja nicht, die Verpuffung, die häufig zu lesen ist entsteht ja erst beim Aufprall.
Mit der Schwefelsäure ist es genauso! Die Erfahrung im Umgang mit Säuren lehrt, dass es einige Minuten dauert, bis es auf der Haut brennt und dass man in aller Regel in aller Ruhe zum Wasserhahn gehen kann und einfach mal abspülen kann. 5 oder selbst 10% ige Säure wird niemanden mit Erfahrung veranlassen in Hektik zu geraten. Bei konz. H2SO4 hingegen ist das Spiel schon anders. Was machen, wenn der Liter auf dem Boden liegt? Wasser drauf? Benetze Kleidung? Und im Auge: 0.0s bis zum irreparablen Schaden. Das lernt man doch nicht durch regelmäßigen Umgang?
vlg
Timm
Edit: Mit Kaffeemaschine oben meinte ich diese schönen 10l-Dinger, wie bei der Bundeswehr. Morgens 10l rein und abends mit dem Rest die Dächer abdichten.
Hallo Klaus.
Danke für den Hinweis und die Warnung. "gebrauchte" Chemikalienflaschen, ... muß man wirklich mit allerhöchster Vorsicht testen, ... und im Zweifelsfall lieber fachgerecht entsorgen (lassem).
Liebe Grüße Jorrit.
Wer wissen möchte, was im alten Kosmos Arbeitskasten Mikroskopie drin war, kann hier (oder im Stehli) gucken:
http://www.experimentierkasten-board.de/viewtopic.php?f=4&t=1281
Hallo.
Heute sind beide Kosmos Mikroskopierkästen angekommen.
1.) Der gekaufte von Ebay Kleinanzeigen war vom Deckel etwas stärker eingerissen. Innen aber noch sehr jungfräulich. 2x kleine Röhrchen zerbrochen. Die großen braunen Plastikflaschen sind leer. Auch die größere Glasflasche. Die kleineren zu 70 - 80% mit kleinen Mengen Farbstoff-Flüssigkeiten gefüllt. In einem kleinen Röhrchen ist "Fixiersalz".
Dazu div. Filterpapier, Pipetten, Nadeln, eine Pinzette, div. Kleinkram.
An "Beipackzetteln gibt es die eingeschweißten Tafeln auf denen die Vorgehensweisen beim Färben abgedruckt sind. Ein Heftchen mit z.T. farbigen, größtenteils SW Abblildungen und ein dickeres Heftchen mit eher mikroskopfremden Inhalt wie Radioaktivität, ... Eher eine wissenschaftliche Zeitung. Den Rest pflege ich noch nach.
2.) Der geschenkte Kasten war von Aussen wesentlich besser erhalten und auch vorbildlich besser verpackt. Innen natürlich schon gebraucht aber nahezu vollständig mit den selben kleinen und größeren Plastikfläschchen. Die größere Glasflasche war gefüllt. Ansonsten war der Inhalt ähnlich dem des gekauften. Nur das die Tafeln und Heftchen fehlten, was ja bekannt war.
Beide Kästen hatten noch ihre Schaumstoffabdeckungen, die aber wegen ihrem Alter langsam das zeitliche segnen und sich bestimmt in ein paar Jahren weiter auflösen.
Noch einmal vielen Dank an Tom für den zweiten Kasten!!! :) Nachher mache ich mich an das Fotografieren des "Beipack-Heftchen" und der Tafeln.
Hallo Hugo.
Danke für den Link. Viele haben sich mit viel Liebe einen kleinen Holzkasten gebaut. Die sehen wirklich toll aus. :)
Edit:
Hier der Deckel des Kastens:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/206519_29564164.jpg)
Hier der Inhalt des Kastens:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/206519_4171202.jpg)
Liebe Grüße Jorrit.
Guten Abend
Ich konnte vor einiger Zeit einen solchen Mikroskopkasten erwerben. Beim Abholen musste ich feststellen, dass er nicht von Kosmos war, sondern von einer Fa. Duss aus Dietlikon bei Zürich. Leider waren alle Gläser fein säuberlich gereinigt.
Ich vermute, dass es sich um einen Nachbau des Kosmoskasten handelt. Da der Stehli mitgeliefert wurde, denke ich, dass auch die gleichen Chemikalien dabei waren.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/206560_25381003.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/206560_33988186.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/206560_61851893.jpg)