Zu Neujahr habe ich schnell mal die erste Saite (die mit dem blauen Ende) von Jürgen in Araldite 2020 eingebettet und geschliffen. Leider nicht ganz kratzerfrei, das muss ich noch lernen. Danach mit Pikro-Fuchsin gefärbt.
Man sieht sehr schön den Aufbau (von innen nach aussen):
Die (rot eingefärbte) verdrillte Saite aus organischen Material, dann irgend eine körnige Schicht als Übergang zu dem rundem Draht und zuletzt aussen die Umwicklung aus flachem Wolframdraht. Bei dem komplexen Aufbau ist es also sicher kein Wunder, dass die Dinger so teuer sind.
Bemerkenswert fand ich, dass beim Zerteilen ein Eisensägeblatt sofort die Flügel gestreckt hat (Wolfram!) und beim Teilen mittels Trennscheibe die Temperatur so sehr anstieg, so dass ich Sorge um den Erhalt des Organischen Anteils hatte, es qualmte und roch ähnlich wie beim Hufschmied. Zum Ziele führte dann ein simpler Seitenschneider, wider Erwarten ist die Saite dann auch nicht aufgesprungen und die vorsorglich angebrachten Sicherungen aus Lüsterklemen erwies sich als Überflüssig.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/207063_8965173.jpg)
Wer hat eine Ahnung, aus welchem Material die körnige Schicht besteht? Und warum?
Mein Dank gilt den Spendern der Saiten, Jürgen und Timm. Sobald ich dazu komme, werde ich die anderen Saiten auch noch schleifen und hier einstellen.
Allen alles Gute für 2017!!!
Grüße aus Aalen
Georg Abele
Hallo Georg,
vielen Dank für Deine Mühe. Sehr ungewohntes und interessantes Bild einer Cellosaite. Ja, "... so sind denn manche Sachen, die wir getrost belachen, weil uns´re Augen sie nicht sehn."
Gruß - EFH
Hallo Georg,
definitiv mal was anderes, Danke! :D
Sehe ich das Richtig, es handelt sich um einen Längsschliff? Da ich eine solche Seite noch nie in den Händen hielt und mir deren Aussehen so überhaupt nicht vorstellen kann, muss ich dich wohl um einem kleinen Übersichtsbild bitten. Eine Bildersuche im Netz brachte leider keine Ergebnisse welche das Aussehen erkennbar machen würden.
Viele Grüße,
Johannes
Hallo Georg.
Wow. Das glaube ich, daß die Herstellung des "Schnittes" ziemlich kniffelig und schwer war. Die ist ein wirklich wunderbares Bild gelungen. Mal etwas anderes. Der Aufbau ist interessanter, als ich gedacht hätte. Mich wundert die ovale Form der Drahtwicklung zwischen Innenseele und der Wolframwicklung.
Liebe Grüße Jorrit.
Hallo Georg,
sehr sehr sehr genial! Vielen Dank fürs zeigen!
@Johannes,
ja, das ist ein Längsschliff. Wenn man genau hinschaut, sieht eine moderne Cello-Saite aus wie ein Gürteltier, wegen der äußeren Wicklung. Die ist immer aus Wolfram, Nickel oder Stahl. Innendrin ist ein Kern, der unterschiedlich aufgebaut sein kann, zum Beispiel aus Polyamid oder Stahl.
@Jürgen
Welches Modell ist das denn? Ist das eine Spirocore? Ich dachte, die hätten einen Stahlkern?
vlg
Timm
Hallo Jorrit,
die Ovale Form hat mich auch zuerst sehr verwundert, nach dem Moto "whow, die ovalen Drähte sind ja alle gleich ausgerichtet..". Bis mir die Lösung eingefallen ist: Die Saite ist nicht genau durch die Mitte geschliffen, so dass sich, weil leicht schräg angeschnitten, aus der kreisrunden Formen der Drähte Elypsen bilden.
Hallo Johannes,
ja, es handelt sich um einen Längsschnitt. Die runden und die flachen Drähte sind um die Seele gewickelt, so dass es von aussen wie eine Zugfeder aussieht. Ist das verständlich? Sonst mache ich doch noch Bild von aussen ohne Schnitt.
Grüße aus Aalen
Georg
Hallo Georg.
Stimmt. Ich Dussel. ;) Ist ja logisch. :)
Liebe Grüße Jorrit.
Lieber Georg,
Was für ein gelungenes Bild! Ganz herzlichen Dank für Deine Mühe!
Sicher zeigst Du die Passionesaite von Pirastro. Das ist eine Schafdarmsaite mit einer Wolframumwicklung. Eine m.E.sehr schön warm klingende und doch auch volltönige Saite.
Früher wurden Streichinstrumente nur mit reinen Darmsaiten gespielt. Ihnen ist ein warmer und obertonreicher Klang generell zu eigen. Aber die reinen Darmsaiten haben ihre Nachteile. Sie halten die Stimmung schlecht. Sie reagieren extrem auf die Feuchtigkeit sowohl der Luft als auch der schwitzenden Musikerhände. Sie sind nicht laut, können daher die heutigen riesigen Konzertsäle kaum füllen. Dies gilt speziell fürs Cello, das aufgrund seiner Tonlage ohnehin seine Schwierigkeiten hat, gegen andere Instrumente durchzudringen.
Viele Cellisten spielen daher Stahlsaiten. Sie sind in der Regel lauter, klingen dafür aber auch etwas hart und monoton. Weiterhin wird die größere Lautstärke oft mit einer höheren Saitenspannung erkauft, was alten Instrumenten nicht gut bekommt.
Die hier gezeigte Saite ist ein Kompromiss zwischen einer reinen Stahlsaite und einer reinen Darmsaite. Durch die Wolframumwicklung hält sie die Stimmung gut, klingt kräftig, bringt Gewicht des Wolframs für die Schwingungsverhältnisse bei den Tiefen Saiten mit und hat doch eine verhältnismäßig geringe Saitenspannung: das sind allerdings immerhin doch noch rund 12,5 kg nur für die C-Saite. Auch mit dieser Saite muss die Cellodecke, die gerade mal ein paar Millimeter stark ist, also einiges aushalten.
Woraus die Körnerschicht ist, weiß ich leider nicht. Eine Verklebung vielleicht?
Schöne Grüße
Jürgen
Hallo Georg,
vielen Dank fürs Zeigen - ein sehr interessanter Anblick!
Sind die "Körner" vielleicht quergeschnittene Fasern? Wenn es lose Partikel wären, könnten sie sich durch Spalten aus der Saite herausmogeln.
Spannend finde ich, dass die Komponenten so gut zusammen geblieben sind. Ich hätte befürchtete, dass die Drähte unter Spannung stehen, und auseinanderspringen, wenn sie unterbrochen werden.
Es ist ein Produkt für höchste, sehr spezielle Anforderungen, bei dem der Meterpreis keine Rolle spielt. Das ist offenbar ein Garant für ein interessantes Objekt.
Viele Grüße,
Bob
Hallo Jürgen,
vielen Dank für die Erläuterungen und die Zurverfügungstellung der Saiten.
Hallo Bob,
"quergeschnittene Fasern" sind zumindest ein vielversprechender Denkansatz. Ich werde diese These mittels eines Querschliffes überprüfen.
Grüße aus Aalen
Georg
Hallo,
eine sehr schöne Aufnahme. Ich kann mir gut vorstellen dass der innere verdrillte Kern erst einmal durch umwickeln stabilisiert wird um dann seine metallischen Mantel zu erhalten. Hier zur Ergänzung ein Artikel zum gleichen Thema, der Autor muss allerdings hinsichtlich mikroskopischer Techniken noch etwas üben. :)
http://www.vonbohlen.net/bilder/AvB128_GIT_II.pdf
Hubert
Ich könnte mir vorstellen, daß der untere Draht das organische Material vor dem recht harten und steifen Wolfram bei der Produktion schützt.
Das Wolfram erhöht wahrscheinlich auch die Abriebfestigkeit der Seite was Sie langlebiger macht. Sonst hätte man auch andere Materialien verwenden können.
Im übrigen wieder ein schönes Beispiel für die Vorteile von Verbundwerkstoffen bzw Kombination von unterschiedlichen Werkstoffen. Viele Seile nutzen ja auch sehr reißfeste Innenseelen und einen abriebfesten Mantel.
Liebe Grüße Jorrit.
Hallo Jorrit,
die Metallumwicklung dient der Erhöhung der Saitenmasse und Dicke ohne die notwendige Zugkraft zu steigern. Wolfram wird wegen seiner hohen Dichte vorzugsweise für tiefere Saiten verwendet, nicht wegen der Abriebfestigkeit. Das andere Extrem sind leichte Titanumwicklungen für die höchste Saite.
Hubert
Zitat von: Jürgen H. in Januar 01, 2017, 16:17:01 NACHMITTAGS
Sicher zeigst Du die Passionesaite von Pirastro. Das ist eine Schafdarmsaite mit einer Wolframumwicklung. Eine m.E.sehr schön warm klingende und doch auch volltönige Saite.
Hallo Jürgen
woran erkennst Du, daß das ein Kern aus Darm ist und nicht aus Kunststoff?
Viele Mikrogrüße
Bernhard
Hallo Bernhard,
Pikro-Fuchsin würde Kunststoff nicht anfärben, nur Biologisches Gewebe.
Grüße aus Aalen
Georg
Hallo -
ein sehr schöner Faden - das freut jeden Zupfer, Streicher und Hämmerer!
Bin gespannt, was bei den weiteren Analysen herauskommt.
Viele Grüße und die besten Wünsche für 2017 ff.
Rolf
Zitat von: Georg Abele in Januar 02, 2017, 12:55:44 NACHMITTAGS
Hallo Bernhard,
Pikro-Fuchsin würde Kunststoff nicht anfärben, nur Biologisches Gewebe.
Grüße aus Aalen
Georg
Alles klar, lieber Georg! Die Färbung hatte ich überlesen.
LG Bernhard
Ich kann nur Mr. Spock zitieren:
"F A S Z I N I E R E N D" !!!
Martin
Danke Georg, auch ich gehöre zu den begeisterten Lesern.
Liebe Grüsse
Gerhard
Hallo Georg,
super dieser Längsschnitt! Schön wäre natürlich noch eine perfekte Politur.
Zitatund beim Teilen mittels Trennscheibe die Temperatur so sehr anstieg, so dass ich Sorge um den Erhalt des Organischen Anteils hatte, es qualmte und roch ähnlich wie beim Hufschmied.
Das kann ja nur passieren, wenn man trocken trennt. Hier muss man natürlich unbedingt mindestens mit Wasser kühlen, sonst geht auch die Diamantbestückung zu schnell kaputt.
Hallo Martin, hallo Gerhard,
vielen Dank für die "Blumen".
Hallo Klaus,
auf eine Wasserkühlung habe ich wohlweislich dem quellbaren kollagenen Anteil der Saite zu Liebe verzichtet. Deshalb war auch keine Diamant-Trennscheibe, sondern eine kunstharzgebundene Siliziumoxydscheibe im Einsatz. Wenn Dir nach sorgfältigem polieren ist, schicke ich Dir die Probe gerne zu. Ich selbst habe dazu keine Zeit.
Grüße aus Aalen
Georg
Hallo Georg,
ZitatIch selbst habe dazu keine Zeit.
Das verbindet uns, ich prognostiziere: das wird bei dir noch schlimmer, wenn du erst mal in Rente bist! ;D
Ich dachte, das Polieren macht deine Maschine? Meine Metallographen haben nie von Hand poliert, da hätte ich 5 Stellen mehr benötigt.
ich tippe beim darm-kern auf "umflochten"
das könnte man durch abwickeln eines stücks überprüfen
Lieber Georg,
ein faszinierendes Bild und ein wirklich schönes Thema, (mindestens) zwei, eher drei völlig unterschiedlich schleif- und polierbare Stoffe in einem Anschliff zu betrachten. Das gefällt mir sehr gut.
Herzliche Grüße aus Kinshasa!
Thomas
Zitat von: TPL in Januar 03, 2017, 23:30:42 NACHMITTAGS
Herzliche Grüße aus Kinshasa!
Thomas
Hallo Thomas
à propos Saiten und Kinshasa: kennst Du eigentlich die Kollegen hier?
http://www.kinshasa-symphony.com/index.php?id=8&L=1
Der absolute Wahnsinn! Als ich den Film darüber zum ersten mal sah, ist mir wirklich die Kinnlade runtergeklappt ob so viel Hingabe!
Off Topic Modus aus, duckundwech ;D
Viele Grüße und frohes Neues
Bernhard
Zitat von: Bernhard Lebeda in Januar 04, 2017, 17:56:09 NACHMITTAGS(...) à propos Saiten und Kinshasa: kennst Du eigentlich die Kollegen hier?
http://www.kinshasa-symphony.com/index.php?id=8&L=1
Der absolute Wahnsinn! Als ich den Film darüber zum ersten mal sah, ist mir wirklich die Kinnlade runtergeklappt ob so viel Hingabe!
Off Topic Modus aus, duckundwech ;D (...)
Lieber Bernhard,
da OT habe ich Dir dazu gestern eine PM und heute eine E-Mail geschickt: in Kinshasa wird
dringend ein französischsprachiger Musikpädaogoge für Kurzzeiteinsätze gesucht! Da das Thema hier ja im weitesten Sinne damit zu tun hat: wer Interesse hat, darf sich gerne bei mir melden... ;).
Viele Grüße und... Tikala malamu!
Thomas