Hallo in die Runde,
bei vielen Objekttypen ist es sinnvoll, sie von beiden Seiten zu beurteilen zu können. Leider ist ein Umdrehen des Objektes durch vorsichtiges Verschieben des Deckglases oft nicht möglich, da eine Beschädigung zu befürchten ist.
Um solche Objekte beidseitig zu betrachten ist es nötig, sie zwischen zwei Deckgläser einzuschließen. Für temporäre Präparate wurde diese Methode bereits beschrieben: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=26951.msg202477#msg202477 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=26951.msg202477#msg202477)
Bei Dauerpräparaten gestaltet sich die Sache etwas schwieriger, weil man zur Aufbewahrung der Präparate auf das "Objekträgerformat" angewiesen ist. Außerdem ist es sinnvoll, das Handling der Präparate durch festes Montieren auf einem Objektträger zu vereinfachen. Die folgende Methode wurde ähnlich bereits in [1] für Milbenpräparate beschrieben und wurde von mir lediglich durch die Verwendung neuere Materialien angepasst.
Die Objekte werden zwischen zwei Deckgläser unterschiedlicher Größe eingeschlossen. Ich habe dazu Deckgläser der Größe 22mm x 22mm und 18mm x 18mm verwendet, so dass das größere, untere Deckglas das obere Deckglas allseitig um ca. 2mm überragt. Zu leichteren Handling empfiehlt es sich, das unter Deckglas mit einem Tropfen destilliertem Wasser auf einen normalen Objektträger zu fixieren. Nach Antrocknen des Einschlußmediums kann das Präparat bereits als temporäres, beidseitiges Präparat verwendet und die Präparatequalität beidseitig beurteilt werden.
Ist die Qualität zufriedenstellend, montiert man den "Deckglasstapel" - z. B. mit Euparal - mit dem kleineren Deckglas nach unten auf einem Kunststoff-Objektträger (z. B. https://www.plano-em.de/katalog/zubehoer-fuer-die-lichtmikroskopie/objekttraeger/#cid1640 (https://www.plano-em.de/katalog/zubehoer-fuer-die-lichtmikroskopie/objekttraeger/#cid1640)), in den ein Ausschnitt der Größe 14mm x 14mm eingearbeitet wurde. Das kleiner Deckglas überragt dadurch wiederum den Ausschnitt allseitig um 2mm. Der Ausschnitt kann bei den von mir verwendeten Kunststoff-Objektträgern bequem mit einem Teppich-Messer geschnitten werden. Auf der Deckglasseite werden beidseitig der Deckgläser je ein viertel Kunststoff-Objektträger mit Sekundenkleber als Abstandshalter geklebt. Dadurch liegt das Deckglas beim Umdrehen des Präparates nicht auf dem Objekttisch auf.
Zusätzlich zur Möglichkeit der beidseitigen Betrachtung hat diese Präparationmethode den Vorteil, dass die Deckgläser sehr dicht umrandet werden. Dies ist bei allen wasserlöslichen Einschlußmedien notwendig und durch das Euparal automatisch gewährleistet. Auch Glyzerin-Präparate sind so leicht möglich.
Als Beispiel möchte ich einige Aufnahmen der aquatischen Milbe Trhypochtoniellus longisetus zeigen, bei der es - wie bei allen Milben - auf Bestimmungsmerkmale von der ventralen und dorsalen Seite ankommt:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/208354_17690816.jpg)
Bild 1: Trhypochtoniellus longisetus, links dorsal, rechts ventral; PL10
Die Vorteile dieser Präparationsmethode werden erst bei höheren Vergrößerungen deutlich:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/208354_54234833.jpg)
Bild 2: Trhypochtoniellus longisetus, Bothridium mit Sensilli; PL25
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/208354_9035653.jpg)
Bild 3: Trhypochtoniellus longisetus, Mundwekzeuge; PL40
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/208354_34917486.jpg)
Bild 4: Trhypochtoniellus longisetus, Genitalporus; PL40
Ein weiteres Beispiel einer Bodenmilbe (wahrscheinlich Oppiella cf. nova):
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/208354_45118436.jpg)
Bild 5: Bodenmilbe (Oppiella cf. nova); PL40
Den Zusatzaufwand zur Erstellung eines beidseitigen Dauerpräparates schätze ich auf ca. 10min - ein Aufwand, der sich meiner Ansicht nach für viele Objekte lohnt.
Viele Grüße
Michael
Literatur:
[1] Schmölzer K (1960): Ein neues Verfahren zur Herstellung mikroskopischer Dauerpräparate von Landmilben. Mikrokosmos 49, S. 95
http://www.zobodat.at/publikation_volumes.php?id=42884 (http://www.zobodat.at/publikation_volumes.php?id=42884)
Hallo Michael, vielen Dank für diesen hochinteressanten Beitrag. Für meine Nematodenpräparate in Glycerin komme ich wohl noch ohne die Möglichkeit, von beiden Ansichten zu mikroskopieren, aus. Bei dickeren Objekten wie den Milben ist Deine Technik sicherlich sehr hilfreich. Und - wie immer - wirklich schönes Schräglicht.
Viele Grüße, Ole
Hallo Michael,
Danke für die gute Beschreibung Deiner Methode. Ich werde das bei Totalpräpaparen von Kleinstinsekten mal ausprobieren.
Viele Grüße,
Michael
Hallo Ole und Michael,
es freut mich, dass mein Bericht für Euch interessant war.
Ob sich der Aufwand lohnt, ist sicherlich vom Objekt abhängig. Anderseits wird für Glyzerin-Einschluss ebenfalls oft (z. B. hier: http://www.bryoecol.mtu.edu/2013/2-4Laboratory%20Techniques%20Preservation%20and%20Permanent%20Mounts.pdf (http://www.bryoecol.mtu.edu/2013/2-4Laboratory%20Techniques%20Preservation%20and%20Permanent%20Mounts.pdf)) für einen sehr dauerhaften Einschluss ebenfalls empfohlen, die Objekte zwischen zwei Deckgläser unterschiedlicher Größe einzuschließen und dann auf einem "normalen" Objektträger mit Euparal (o. Ä.) zu kleben. Der Weg zu einem Objektträger mit Ausschnitt für die beidseitige Betrachtung ist dann auch nicht mehr weit.
Viele Grüße
Michael