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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Gerald in Januar 30, 2017, 21:59:56 NACHMITTAGS

Titel: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Gerald in Januar 30, 2017, 21:59:56 NACHMITTAGS
Hallo,

im letzten Sommer bin ich beim Stöbern im Internet über eine Seite gestoßen, wo jemand gefrierende Seifenblasen fotografiert hat. Die Fotos begeisterten mich so, dass ich  das Vorhaben auf meine nichtvergessen-Liste gesetzt habe. Nachdem vor 14 Tagen der Schneefall aufgehört hatte und es bis zu -20 Grad Celsius angesagt hatte konnte ich erst mal weitere Schneeflockenfotos abhaken (mein letzter Beitrag zu Schneeflockenfotos (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=27797.0)). Aber bei den tiefen Temperaturen sollte es mit den Seifenblasen funktionieren. Lt. Internet gefrieren sie ab -1 Grad Celsius (das kann ich nicht bestätigen).

Ich verwendete folgende Lösung und ein dicken Plastikstrohhalm:
- 0,5l destilliertes Wasser,
- 90ml Spülmittel
- 5 Esslöffel Zucker.

Mit ein bisschen Übung kann man die Seifenblasen auf allen möglichen Untergründen setzen. Die besten Ergebnisse hatte ich bei -5 bis -10 Grad Celsius. Unter -10 Grad Celsius gefrieren die Blasen so schnell, dass man gar nicht zum Fingerabwischen und Fotoeinstellen kommt. Warum Fingerabwischen: es ist fast unmöglich diese klebrige Lösung nicht an die Hände zu bekommen und wehe dem, welcher seinen Foto damit verschmiert.

Hier einer meiner ersten Bilder:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/209343_62258301.jpg)
Als Kamera diente eine Canon 5d Mark II und nach ein bisschen Testen das 100mm-Makro.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/209343_50160154.jpg)
Das schönste Licht zum Fotografieren empfand ich die untergehende Sonne, da das gelblich, sehr schräge Licht die Kristalle schön anstrahlte.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/209343_42614420.jpg)
Mit ein bisschen Übung fängt man an überall die "Kugeln" hinzukleben und je nach Temperatur und Kondensationskernen bilden sich die verschiedensten Formen

Mir ist beim Stöbern im Internet ein Bild im Kopf geblieben: eine SW-Aufnahme in der Nacht von einer gefroren Seifenblase. Das probierte ich auch aus.
Es gab zwei Probleme:
- in der Nacht sanken die Temperaturen auf bis zu - 17 Grad: die Seifenblasen gefroren viel zu schnell. Also wärmte ich die Lösung in einem Wasserbad. Das verzögerte die Kristallisation
- die Seifenblasen spiegeln wunderbar und die Beleuchtung in der Nacht wurde zur Herausforderung. Am besten funktionierte ein LED-Strahler, welcher den Schnee unter der Seifenblase erhellte und somit auch die Kristalle

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/209343_38600745.jpg)
Es bilden sich wunderschöne Blättchen

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/209343_59311937.jpg)
und ruckzuck ist das ganze Ding gefroren und kann bis zu 30min stehen

Die Kristallformen waren genial, doch durch die Kugelform war immer nur ein kleiner Part in der Schärfeebene. Und somit verwendete ich in der nächsten Nacht keinen Strohhalm, sondern einen Seifenblasenring mit ca. 25cm Durchmesser (mit welchem man große Blasen herstellt). Ich allerdings stellte keine Seifenblase her, sondern stellte den Ring mit Seifenblasenfilm einfach auf (ich hoffe das ist verständlich). Somit konnte ich ein einer Ebene die sich bildenden Kristalle fotografieren (allerdings ging das so schnell, dass ich kaum hinter den Foto hechten konnte und schon war alles eingefroren).

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/209343_51791499.jpg)
nur eines von vielen Fotos - man konnte sich kaum losreißen. Nur die kalten Füße nach 2h ....

Jetzt wird es langsam wieder wärmer und die abschließenden Bilder entstanden am letzten Wochenende.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/209343_48916090.jpg)

Und irgendwann fängt man an zu spielen
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures005/209343_53740413.jpg)
und erschafft den Blasenbaum  ;)

Alle Bilder hier im Beitrag unterzubringen ist erschlagend. Ich habe noch ein paar auf meine Internetseite geladen und wer Lust hat kann ja dort noch etwas schauen:
farbige Seifenblasen (http://www.zeitpunkt.photography/index.php/seifenblasen)
SW-Bilder (http://www.zeitpunkt.photography/index.php/shadow)

Ich hoffe ich habe etwas Lust auf die kalte Jahreszeit geschaffen.

Gerald








Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: vbandke in Januar 30, 2017, 22:33:21 NACHMITTAGS
Guten Abend, Gerald,

Im vergangenen Jahr hab ich zum ersten Mal einen Beitrag über gefrorene Seifenblasen gesehen, und war ebenfalls fasziniert.  Für dieses Jahr hatte ich alles vorbereitet - und prompt, als die paar Tage Kälte hier oben waren, war ich immobil und musste im Haus bleiben.  So sind Deine sehr gelungenen Bilder ein gewisser Trost.  Danke fürs Zeigen!

Und da es gegenwärtig hier schneit - vielleicht klappt es ja doch noch!


Mit besten Grüßen


Volker

Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Heiko in Januar 30, 2017, 22:37:36 NACHMITTAGS
Hallo Gerald,

mir fehlen die Worte vor Bewunderung.
Woher stammt die Idee, hat das schon vorher jemand versucht oder war es Deine Eingebung?
Die Umsetzung jedenfalls ist grandios gelungen.

Viele Grüße,
Heiko
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Michael L. in Januar 30, 2017, 22:55:22 NACHMITTAGS
Hallo Gerald,

Super!!!!

Gruß,

Michael
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Klaus Herrmann in Januar 30, 2017, 22:58:45 NACHMITTAGS
Hallo Gerald,

das ist ja wie Märchenland. Toll
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Dr. Jekyll in Januar 31, 2017, 07:06:36 VORMITTAG
Hallo Gerald,

Danke für die wirklich beeindruckenden Bilder. Habe ich so noch nicht gesehen.
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: koestlfr in Januar 31, 2017, 07:40:15 VORMITTAG
Moin Gerald!

Deine Bilder sind absolut genial! ich bin sprachlos!

Liebe Grüße
Franz
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Frank Fox in Januar 31, 2017, 07:47:37 VORMITTAG
Hallo Gerald,

sehr schön!
Dazu gibts in youtube beeindruckende Filme:

https://www.youtube.com/watch?v=tQE2SmGiFPI (https://www.youtube.com/watch?v=tQE2SmGiFPI)

https://www.youtube.com/watch?v=reA4t05bKDY (https://www.youtube.com/watch?v=reA4t05bKDY)

Herzliche Grüße
Frank
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Reinhard in Januar 31, 2017, 08:01:06 VORMITTAG
Hallo Gerald,

phantastische Idee und absolut professionell dargestellt!!

viele Grüße
Reinhard
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: olaf.med in Januar 31, 2017, 09:04:36 VORMITTAG
... oh wie schön, ich bin restlos begeistert - Danke Gerald!!!
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Ernst Hippe in Januar 31, 2017, 09:36:30 VORMITTAG
Lieber Gerald,
so viel allseitige Begeisterung ist kaum noch zu erhöhen, so kann ich mich nur voll anschließen!!
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: sushidelic in Januar 31, 2017, 10:15:41 VORMITTAG
Einfach wunderschön!
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: limno in Januar 31, 2017, 10:17:49 VORMITTAG
Toll! 8)
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: peter-h in Januar 31, 2017, 10:28:40 VORMITTAG
Einfach umwerfend !

Peter
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Bernhard Lebeda in Januar 31, 2017, 10:55:23 VORMITTAG
Kann mich nur anschließen!!

Traumhaft, lieber Gerald.

Ich kannte diese Thematik noch gar nicht.

Viele Mikrogrüße an meinen geliebten Chiemsee!!  :D

Bernhard
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Schrodt in Januar 31, 2017, 11:16:40 VORMITTAG
Hallo Gerald,

ich habe ja schon viele Seifenhäute fotografiert, aber deine Fotos von den gefrorenen Seifenblasen sind Spitze !

Herzliche Mikrogrüße
Jürgen aus Hemer
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Gerd Schmahl in Januar 31, 2017, 11:54:55 VORMITTAG
Hallo Gerald,
auch ich bin schwer beeindruckt.
Was hast Du für eine Seifenblasenmischung genommen? Eine käufliche oder selbst gemischt?
LG Gerd
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: sushidelic in Januar 31, 2017, 12:08:46 NACHMITTAGS
Zitat von: Gerald in Januar 30, 2017, 21:59:56 NACHMITTAGS

Ich verwendete folgende Lösung und ein dicken Plastikstrohhalm:
- 0,5l destilliertes Wasser,
- 90ml Spülmittel
- 5 Esslöffel Zucker.


LG Michael
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: d65 in Januar 31, 2017, 13:48:34 NACHMITTAGS
Das. ist. wun.der.schön.
Vielen Dank!
Steffen
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: piu58 in Januar 31, 2017, 14:30:19 NACHMITTAGS
Bin schwer begeistert.
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Bob in Januar 31, 2017, 16:09:56 NACHMITTAGS
Hallo Gerald,

die Fotos sind einfach wunderbar! Eine ausgefallene Idee anspruchsvoll umgesetzt.
Welches Spülmittel hast Du ganz genau verwendet? In Sachen Seifenblasen unterscheiden die sich meines Wissens am meisten.

Eskimokinder würden sich vermutlich darüber wundern, das wir uns so über gefrorene Seifenblasen freuen, und fragen, ob es die auch anders gibt.

Viele Grüße,

Bob

Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Gerd Schmahl in Januar 31, 2017, 16:53:08 NACHMITTAGS
Hallo,
ZitatIch verwendete folgende Lösung und ein dicken Plastikstrohhalm:
- 0,5l destilliertes Wasser,
- 90ml Spülmittel
- 5 Esslöffel Zucker.
Ehm, ja, da hatte ich mich wohl etwas zu schnell von den Bildern ablenken lassen und nicht aufmerksam genug gelesen...
Die Juroren werden es sehr schwer haben, aus diesen vielen tollen Bildern DAS Bild des Monats zu wählen oder kommen die gar nicht in Frage, weil kein Mikroskop im Spiel war?
LG Gerd
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Dünnschliffbohrer in Januar 31, 2017, 18:28:10 NACHMITTAGS
Hallo Gerald!

Sehr schöne Aufnahmen! Es erinnert mich an meine alte unsanierte Bude, als sich im Winter oftmals schöne Eisblumen zwischen den Scheiben meines Kasten-Doppelfensters gebildet hatten (besonders entlang feinster, sonst kaum wahrnehmbarer Kratzer, die als Keimzentrum wirkten). Ich konnte sie aber damals nicht sehr schön fotografieren.
Ein interessanter Versuch wäre es, die Seifenblasen im polarisierten Gegenlicht - mit einem in Kreuzstellung angebrachten Polfilter vor dem Kameraobjektiv -  abzulichten. Z.B. vor einem auf weiss eingestellten Computerflachbildschirm, oder einer Monlalampe mit Polfilter davor.
Danke für die Anregung, an dem Rezept der Seifenlösung bin ich auch interessiert (dass das Tensid den Gefrierpunkt nicht so weit herabsetzt?)!
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Gerald in Januar 31, 2017, 19:39:10 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

Wahnsinn was für ein Feedback  :). Vielen Dank für die vielen lobenden Antworten. Es hat mich damals genauso fasziniert, als ich die ersten Seifenblasenbilder im Netz gefunden hatte (und darum kam das Vorhaben auf meine abarbeiten-Liste).

@ Volker:
meiner Erfahrung nach klappt es ab -4 Grad. Ich habe es zuerst in unserem Garten versucht, aber ich hatte immer die Spiegelung unseres Hauses in den Blasen. Also ab in den Wald (dort ist es oft auch windstill - wenn nur ein bisschen Wind geht dann zerplatzen die Blasen vor dem Gefrieren).

@ Heiko:
wie geschrieben hatte bin ich beim Stöbern in Internet über das Thema gestolpert:
http://www.makro-treff.de/article/foto-howto-gefrorene-seifenblasen
Genial auf dieser Seite ist das Video von Sony zu ihrem 4k-Fernseher. Und genauso interessant ist das making-of-video mit wie viel Personen die unterwegs waren.

@ Heike:
erst mal schön wieder von Dir zu "hören" und ich freue mich auf Deine Fotos.
Ich glaube nicht, dass man die gefrorenen Blasen mit einem Klarlackspray festigen kann. Sie sind schon recht stabil gegenüber der "flüssigen" Form, aber einen Abdruck würde es nicht standhalten. Außerdem habe ich gelesen, dass die Wasserschicht zwischen der inneren und äußeren Seifenschicht liegt und somit ist fraglich, ob sich die Form der Kristalle abdrücken würde. Und außerdem: würde man nicht dem Ganzen den Zauber des Zerbrechlichen, dem Märchenhaften nehmen, wenn man eine Christbaumkugel daraus baut  :)

@ Gerd @ Dünnschliffbohrer:
Ich hatte der ersten Mischung noch 40ml Glycerin zugegeben (hatte ich wo gelesen) und diese bei meiner zweiten Mischung weggelassen. Ich habe keinen Unterschied festgestellt. Es wird anscheinend oft auch mit Sirup gearbeitet. Als Spülmittel habe ich "Denk mit Spülmittel ultra nature" von DM verwendet. Ich denke, dass die Mischung aus Spülmittel, Zucker ect. den Gefrierpunkt der gesamten Mischung heruntersetzt und es darum nicht bei -1 Grad Celsius klappen kann (wie ich immer wieder gelesen habe)

@ Bob:
"Eskimokinder würden sich vermutlich darüber wundern, das wir uns so über gefrorene Seifenblasen freuen, und fragen, ob es die auch anders gibt."
:D :D :D - eine interessante Überlegung

Ich hoffe ich habe alle Fragen beantwortet - ansonsten nur zu.

Viele Grüße

Gerald

Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Johannes Kropiunig in Januar 31, 2017, 20:03:04 NACHMITTAGS
Hallo Gerald,

spitzen Fotos!
Als Kind hatte ich Seifenblasen auf einer Glasplatte aufgeblasen, sodass eine Halbkugel entstand und diese in den Tiefkühler gegeben. Ging auch, es muss also nicht Winter sein um diese filigranen Strukturen studieren zu können.

Viele Grüße,
Johannes
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Gerald in Februar 01, 2017, 16:04:47 NACHMITTAGS
Zitat von: Johannes Kropiunig in Januar 31, 2017, 20:03:04 NACHMITTAGS
Als Kind hatte ich Seifenblasen auf einer Glasplatte aufgeblasen, sodass eine Halbkugel entstand und diese in den Tiefkühler gegeben. Ging auch, es muss also nicht Winter sein um diese filigranen Strukturen studieren zu können.

Hallo Johannes,

Danke für den Tipp mit der Gefriertruhe. Das muss ich direkt mal ausprobieren.

Zitat von: Dünnschliffbohrer in Januar 31, 2017, 18:28:10 NACHMITTAGS
Ein interessanter Versuch wäre es, die Seifenblasen im polarisierten Gegenlicht - mit einem in Kreuzstellung angebrachten Polfilter vor dem Kameraobjektiv -  abzulichten.

Hallo Dünnschliffbohrer,

was würde man dann im polarisierten Licht sehen (ich bin nicht so der Kristallspezialist)? Ggf. könnte man das mit dem Gefriertruhen-Tipp von Johannes kombinieren.

Viele Grüße

Gerald
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Gerald in Februar 01, 2017, 16:08:33 NACHMITTAGS
Zitat von: plaenerdd in Januar 31, 2017, 16:53:08 NACHMITTAGS
...weil kein Mikroskop im Spiel war?
LG Gerd

Hallo Gerd,

nicht lachen, aber ich habe lange überlegt ob ich die Bilder überhaupt hier einstellen (darf). Aber in der Beschreibung von dem Mikrofoto-Forum steht: "Mikro- und Makro Fotos und natürlich auch Zeichnungen" und da zumindest das S/W-Bild von den Eiskristallen ein Makrobild ist habe ich mich dann getraut.

Viele Grüße

Gerald
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Dünnschliffbohrer in Februar 01, 2017, 17:18:17 NACHMITTAGS
Zitatwas würde man dann im polarisierten Licht sehen (ich bin nicht so der Kristallspezialist)?

Die Kristalle würden hoffentlich vor dunklem Hintergrund in ihren schillernden Interferezfarben kontrastiert, siehe die Kristallisationsexperimente der anderen hier im Forum. Es könnte, wenn es klappt, sehr schön aussehen.
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Klaus Herrmann in Februar 01, 2017, 18:45:47 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

ich habe gerade mal gesucht und gefunden:

https://pixabay.com/de/photos/eiskristall/

Jede Menge Eiskristalle von schön bis super kitschig, aber kein Bild im Pol. Das muss anders werden!
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: olaf.med in Februar 04, 2017, 17:22:21 NACHMITTAGS
Lieber Klaus,

natürlich bin ich vollumfänglich Deiner Meinung:

Zitataber kein Bild im Pol. Das muss anders werden!

allein, ich fürchte, dass die Ergebnisse ziemlich ernüchternd sein werden. Eis hat eine Doppelbrechung, die etwa 1/10 der des Quarzes entspricht, und dieser ist ja in den Gesteinsdünnschliffen schon die "graue Maus". Bei den winzigen Gangunterschieden der "Seifenblasen-Kristalle" braucht es schon große Kunstfertigkeit und eine virtuose Handhabung verschiedener Hilfsobjekte (z.B. des Laves-Ernst-Kompensators), um überhaupt etwas Farbe hineinzubekommen. Schade eigentlich bei diesen faszinierenden Objekten....

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Gerd Schmahl in Februar 04, 2017, 20:12:16 NACHMITTAGS
Hallo Olaf,
ZitatEis hat eine Doppelbrechung, die etwa 1/10 der des Quarzes entspricht, und dieser ist ja in den Gesteinsdünnschliffen schon die "graue Maus"
Dafür könnten doch aber die Eiskristalle auch 10x dicker sein als ein Gesteinsdünnschliff. Was aber noch schwierig sein könnte, ist die optische Achse: meist guckt man senkrecht auf den hexagonalen Eiskristall und da ist dann wohl gar kein Gangunterschied zu haben. Mein Unterricht in Polarisationsmikroskopie ist 27 Jahre her und ich habe es seit dem wenig benutzt. Bitte korrigiere mich, wenn ich hier falsch liege.
Polarisierende Grüße
Gerd
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: olaf.med in Februar 05, 2017, 09:25:10 VORMITTAG
Lieber Gerd,

natürlich hast Du völlig recht: die geringe Doppelbrechung läßt sich leicht durch eine größere Schichtdicke wettmachen, aber wire dick können denn Kristalle beim Kristtallisieren einer Seifenblasen-Haut werden???

Ja, die hexagonale c-Achse, und damit die optische Achse, oder auch Achse der Isotropie, steht senkrecht zu den sechsseitigen Sternchen, aber bei der Kristallisation der Seifenblasen sieht man auch die anderen Raumrichtungen.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Klaus Herrmann in Februar 05, 2017, 11:35:59 VORMITTAG
Zitataber bei der Kristallisation der Seifenblasen sieht man auch die anderen Raumrichtungen

Das wäre doch ein Ansatz lieber Olaf: an der Krümmung der Kugeln liegen die Kristalle doch flach und damit richtig, vielleicht könnte man da ja einen Hauch von Poleffekt sehen? Die wären da auch deutlich "dicker" in der Schräglage. Kannst abschätzen, ab welcher Dicke man was sehen könnte?
Hat schon mal jemand Einkristalle vom Eis gezüchtet?
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Alfred Schaller in Februar 05, 2017, 13:07:23 NACHMITTAGS
Zitataber wie dick können denn Kristalle beim Kristtallisieren einer Seifenblasen-Haut werden???
Hallo Olaf,
da Seifenblasen Interferenzerscheinungen zeigen, kann man m.E. von einer Dicke im Bereich der Wellenlänge des sichtbaren Lichts ausgehen, also ca. 400 - 700 nm.
Viele Grüße
Alfred
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: olaf.med in Februar 05, 2017, 13:56:21 NACHMITTAGS
Lieber Klaus, lieber Alfred,

die Doppelbrechung des Eises liegt bei ca. 0,001, man benötigt also bei einer optimalen Orientierung senkrecht zur optischen Achse eine Schichtdicke von 0,5 -1mm !!! um in die bunten Farben der zweiten Ordnung zu kommen. Da, wo die Eiskristalle schräg zur Beobachtungsrichtung liegen und die erforderliche Dicke erreichen, glaube ich, dass die Totalreflektion ein weiteres Problem darstellt. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, ob sich jemand dieser Herausforderung stellt, und wie das Ergebnis aussieht.

Herzliche Grüße,

Olaf

Ich bin gespannt,
Titel: Re: gefrierende Seifenblasen
Beitrag von: Dünnschliffbohrer in Februar 06, 2017, 18:49:59 NACHMITTAGS
Lieber Gerald, Gerd, Klaus, Olaf und alle anderen,

das die Doppelbrechung des Eises so niedrig ist, wusste ich nicht. Das Experiment wird so also nicht funktionieren. Ich würde aber trotzdem gerne mal Eiskristalle mal "zwischen gekreuzten Nicols" sehen wollen. Daher schlage ich folgendes vor:
Man könnte doch bei entsprechender Wetterlage, wenn Rauhreifkristalle mal wieder Zeit hatten, über mehrere Tage hinweg an irgendwelchen Zweigen auf irgendwelchen Bergrücken im Mittelgebirge zu wachsen, und ausreichend dick zu werden, versuchen ersatzweise diese mit einem Polfilter vior der Kamera und einem Smartphone oder Tabloid dahinter als Lichtquelle zu fotografieren?
Leider macht die niedrige Doppelbrechung dann wohl auch alle Versuche, Schneekristale einmal im polarisierten Licht zu fotografieren, zunichte. Ich wollte nämlich immer mal schöne Schneekristalle in gekühltem Benzin auffangen, und so unter das Mikroskop bringen. Aber die würden sich dann ja auch zusätzlich mit der flachen Seite auf den Boden legen, so dass schließlich die C-Achse +/- parallel zur optischen Achse des Mikroskopes wäre - neben der ohnehin schon zu niedrigen Doppelbrechung.

Einen schönen Abend noch!