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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Michael Müller in Juli 18, 2017, 13:37:49 NACHMITTAGS

Titel: Schlüpfen eines Rädertieres
Beitrag von: Michael Müller in Juli 18, 2017, 13:37:49 NACHMITTAGS
Hallo in die Runde,

in einem meiner Mikro-Aquarien (Hohlschliff-Objektträger mit Vaseline-abgedichtetem Deckglas) konnte ich das Schlüpfen eines Rädertieres beobachten:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/218160_21170186.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/218160_13134304.jpg)
Bild 1: Schlüpfen

Als ich das Ei erstmals fand (Bild 1A), lag das Tier ruhig und unbeweglich in der transparenten Eischale. Da in der Nähe ein zweites, bereits leeres Ei zu finden war, rechnete ich mit einem baldigen Schlupf und legte mich auf die Lauer. Nach einiger Zeit drehte sich das Jungtier zur Seite und es wurde deutlich, dass sich eine innere Schicht von der starren Eischale abgelöst hatte (Bild 1B). Diese innere Schicht wurde von dem Tier angesaugt und teilweise verspeist. Die entsprechenden Trophi-Bewegungen dauerten einige Minuten an (Bild 1 C-E). Die äußere Eischale blieb erhalten und erwies sich bei Streckungen als sehr elastisch und stabil (Bild 1F). Daraufhin wurde die äußere Schicht angenagt (Bild 1G), bis sie genügend geschwächt war, um bei Streckungen und Dehnungen nachzugeben (Bild 1 H-J). Die Eischale war jetzt gesprengt und das Tier konnte Schlüpfen (Bild 1 K-N). Zurück blieb die leere, zerknitterte Eischale Bild 1O).
Zwischen den ersten Bewegungen des Tieres und dem Schlupf vergingen ca. 15 min.


(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/218160_54172779.jpg)
Bild 2: geschlüpftes Jungtier

Das Jungtier halte ich für eine Lecane sp.. Eine genauere Artzuschreibung ist mir nicht möglich (vielleicht hat ja jemand eine Idee?).

Viel Spaß beim Anschauen,

Michael

Titel: Re: Schlüpfen eines Rädertieres
Beitrag von: Bernhard Lebeda in Juli 18, 2017, 17:42:36 NACHMITTAGS
Hallo Michael

da hast Du ja richtig Geduld und Geistesgegenwart bewiesen! Ich kenn das aus eigener Erfahrung, daß man sehr uncool werden kann, wenn sich so eine Situation anbahnt und man fotografisch dokumentieren möchte.

Vielen Dank daß Du uns an so einer interessanten Beobachtung teilhaben lässt!

Viele Mikrogrüße

Bernhard

Titel: Re: Schlüpfen eines Rädertieres
Beitrag von: limno in Juli 18, 2017, 20:24:30 NACHMITTAGS
Hallo Michael,
ich freue mich immer Deine Beiträge zu lesen, ob im Tümplerforum oder hier! :)
Ja, es handelt sich wohl um Lecane spec..Im Prinzip sind die Fotos nicht schlecht, aber die Unschärfen, machen gerade bei der Gattung Lecane die Bestimmung bis auf Artniveau unmöglich! Die Form des Panzervorderrandes und der Zehen sind wichtige, mitunter diffizile Bestimmungsmerkmale.
Deine Bilder sind es wirklich wert, dass Du Dir ihretwegen einen Mikroblitz machen lässt. Nimm doch einfach Kontakt mit Jürgen Stahlschmidt (junio)auf! Der ist äußerst liebenswürdig und kompetent und kann Dir zumindest einen weiterführenden Rat geben, wahrscheinlich aber -so hoffe ich es für Dich- noch viel mehr!
Videos wären eine gangbare Alternative.(Film sehr langsam abspielen!)
Die Bestimmungsliteratur beschränkt sich auf 2 Werke: Donner, Josef: Bdelloidea (antiquarisch) sowie den Voigt/Koste:Rotatoria, 2. Auflage 2 Bände (1 Tafel- und 1 Textband)
Vielen Dank fürs Zeigen und
mit herzlichen Mikrogrüßen
Heinrich
Titel: Re: Schlüpfen eines Rädertieres
Beitrag von: Bernhard Lebeda in Juli 18, 2017, 22:28:56 NACHMITTAGS
Zitat von: limno in Juli 18, 2017, 20:24:30 NACHMITTAGS

Deine Bilder sind es wirklich wert, dass Du Dir ihretwegen einen Mikroblitz machen lässt. Nimm doch einfach Kontakt mit Jürgen Stahlschmidt (junio)auf! Der ist äußerst liebenswürdig und kompetent und kann Dir zumindest einen weiterführenden Rat geben, wahrscheinlich aber -so hoffe ich es für Dich- noch viel mehr!


Hallo Heinrich

nix gegen einen vernünftigen Mikroblitz-im Gegenteil! Ich bezweifle aber, daß ein solcher hier zu mehr Schärfe geführt hätte! Die Bilder sind durch einen HohlschliffOT (= enorme Schichtdicke) mit vermutlich schiefer Beleuchtung gemacht. Die Situation eher statisch als sehr bewegt-da ist es wohl eher Glücksache, welches Detail man im Fokus erwischt. Und dafür finde ich die Bilder in Relation zur Aussage der gesamten Situation sehr passabel-wenn es auch nicht für eine genaue Bestimmung reicht. Aber bis zur Art muss ja auch nicht immer sein, oder?

Viele geblitzte Mikrogrüße

Bernhard
Titel: Re: Schlüpfen eines Rädertieres
Beitrag von: limno in Juli 18, 2017, 23:26:45 NACHMITTAGS
Guten Abend Bernhard,
das mit dem Hohlschliff-Objektträger habe ich jetzt garnicht so bedacht,da ich kaum mit so etwas arbeite. Lecane ist ja durchweg klein und recht flach, da braucht es nicht unbedingt einen Hohlschliff-Objektträger mit hoher Schichtdicke. Und Videos sind eine gute Alternative - gerade beim Bestimmen! Denn wenn z.B eine Rotatoria ihre Zehen zeigt, löst man fast immer zu spät aus (vor allem bei Funkauslösern, wenn diese eine Zeitverzögerung von 2 sec haben.) Beim Video kommen dagegen fast alle Merkmale mal in den Fokus.
ZitatAber bis zur Art muss ja auch nicht immer sein, oder?
Du erlaubst, dass ich Dir als Ökologe (Stichwort: ökologische Nische)widerspreche. Außerdem macht mir das Bestimmen bei guten Bildern sehr viel Spaß und freue mich immer wie ein Schneekönig, wenn ich bei schwierigen Exemplaren diese ganz sicher bestimmen kann!
Euch allen eine gute Nacht wünscht
Heinrich
Titel: Re: Schlüpfen eines Rädertieres
Beitrag von: Michael Müller in Juli 19, 2017, 09:04:40 VORMITTAG
Hallo Bernhard und Heinrich,

es freut mich, dass mein Beitrag von Interesse für Euch war.

Eigentlich war mir schon klar, dass bei der schlechten Bildqualität eine Artbestimmung nicht möglich ist - aber die Hoffnung stirbt halt zuletzt.
Wie Bernhard schon ausführte, ist die Bildqualität der Arbeit mit den Hohlschliff-Objektträger geschuldet. Nach dem Schlüpfen tauchte der junge Racker flink in die Tiefen des Präparats ab - mehr als ein paar verzweifelte Schnappschüsse waren da leider nicht möglich. Um morphologische Details abzulichten, lege ich die Tiere normalerweise mit dem Deckglas fest. Nur so kann man sich in Ruhe mit den Objekten beschäftigen.
Der große Vorteil der Mikroaquarien mit Hohlschliff und abgedichtetem Deckglas ist, dass durch das relativ große Wasserreservoir die Wasserqualität über einen längeren Zeitraum erhalten bleibt. Diese Präparate halten (bei minimaler Verschiebung des Artenspektrums) - wenn man Glück hat - mehrere Wochen. Nur so sind Beobachtungen wie die obige möglich. Die Rädertier-Eier hatte ich schon einige Tage vor dem Schlupf bemerkt und regelmäßig kontrolliert. Bei einem normalen temporären Präparat hat man praktisch keine Chance, den Schlupf gerade zu erwischen.
Der Nachteil ist natürlich, dass die Photoqualität leidet, wenn das Objekt tief im Präparat liegt. Viele Organismen bevorzugen aber den Aufenthalt am Deckglas (Aufwuchs, "weidende" Gastrotrichen), so dass hier schöne Beobachtungen ohne Zeitdruck und in einer - fast  - natürlichen Umgebung möglich sind. Rädertiere gehören leider nicht zu dieser Gruppe.

Viele Grüße

Michael