Hallo in die Runde,
in einem meiner Mikroaquarien (Hohlschliff-Objektträger mit Vaseline-abgedichtetem Deckglas) fanden sich einige Rädertiere der Gattung Rotaria (R. rotatoria und R. neptunia) von denen einige ein Jungtier trugen. Diese Rädertiergattung ist lebend-gebärend, die Jungtiere schlüpfen innerhalb der Mutter aus dem Ei und werden bis zur vollständigen Entwicklung in der Körperhöhle der Mutter geschützt. Da ich noch nie eine Geburt bei Rädertieren gesehen hatte, versuchte ich die Geburt zu dokumentieren. Nach einigen Fehlversuchen hatte ich Glück:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/218613_50833863.jpg)
Bild 1: R. rotatoria, tragend
Die Jungtiere von R. rotatoria sind erstaunlich groß, da sie bis zur Reife in der Mutter getragen werden. Bereits im Körper der Mutter "rädern" die Jungtiere. Vielleicht ernährt sich das Tier so aus der Körperflüssigkeit der Mutter.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/218613_5822459.jpg)
Bild 2: R. rotatoria, Mutter und Tochter rädernd
Das Jungtier ist durch keine Haut oder Eischale von der Mutter abgegrenzt. Vielmehr bewegt sich die Tochter frei in der Körperhöhle der Mutter und verdrängt gnadenlos ihre Organe:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/218613_60684095.jpg)
Bild 3: R. rotatoria, Verdrängung der Organe der Mutter durch die Tochter
Der eigendliche Geburtsvorgang dauert nur wenige Sekunden. Mutter und Tochter strecken sich, nachdem die Tochter sich mit dem Kopf zum Fuß der Mutter gedreht hat. Das Jungtier tritt aus einer Öffnung zwischen dem letzten Körper- und dem ersten Fußsegment aus. Ob diese Öffnung bereits vorher angelegt ist oder einfach ein Riss in der weichen Verbindungshaut zwischen den Panzersegmenten ist, konnte ich nicht entscheiden. Die Öffnung ist jedenfalls groß genug, um keinerlei Einschnürung der Tochter zu bewirken. Der Fuß der Mutter wird weg geklappt um den Weg freizugeben und die Tochter gleitet aus dem Leib der Mutter.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/218613_46429731.jpg)
Bild 4: R. rotatoria, Geburtsvorgang
Unmittelbar nach der Geburt ist das Muttertier etwas "derangiert" und benötigt einige Minuten, um wieder die "Normalform" anzunehmen. Die Tochter ist von den anderen Alttieren nicht zu unterscheiden und ist nur unwesentlich kleiner aber etwas schlanker als die Mutter.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/218613_8963119.jpg)
Bild 5: R. rotatoria, links Mutter, rechts Tochter
Nach der Geburt macht sich das Jungtier sofort auf die Reise und sucht sich einen schönen Platz für die erste Mahlzeit.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/218613_687191.jpg)
Bild 6: R. rotatoria , räderndes Jungtier
Viel Spaß beim Anschauen,
Michael
Lieber Michael
wieder eine beeindruckende Doku!! Das Verhältnis Aufnahmebedingungen/Detailfülle finde ich richtig gut!
Weiter so, bitte mehr!!
Viele Mikrogrüße
Bernhard
Lieber Michael,
eine tolle Beobachtung und Dokumentation. Oft schon habe ich Jungtiere in einer Rotatoria gesehen aber noch nie den Geburtsvorgang beobachtet. Schön daß Du uns dran teilhaben läßt.
Herzliche Grüße
Regi
Hallo Regi und Bernhard,
es freut mich, dass Euch mein Beitrag gefallen hat. Vielen Dank für die lobenden Worte - sowas spornt an!
Ein schönes Wochenende
Michael