Hallo Freunde,
ich möchte die vor einiger Zeit hier vorgestellten "micromounts", also Minerale und Kristalle, die ohne Mikroskop kaum sichtbar sind, um ein weiteres Exemplar ergänzen.
Das hier vorgestellte Mineral hatte es mir angetan, weil ich einen Teil meines Lebens sozusagen in seiner unmittelbaren Nähe verbracht habe, und das war in (Nieder)mendig am Laacher See (Vulkaneifel).
Gesehen haben wir uns damals aber noch nicht. ;D ;D
Es handelt sich um das Mineral "Thorit", das sich in sehr geringer Menge in magmatischen Gesteinen findet und im Idealfall der Formel: ThSiO4 entspricht, das heißt, es ist ein Thoriumsilikat.
Dieses Exemplar wurde in der Bimsgrube Zieglowski ("In den Dellen") in Mendig gefunden, möglicherweise zu einem Zeitpunkt, als ich (1972) mit meinem Bundeswehr-Fahrschul-MAN versuchte, den "Bimsern",
wie wir sie nannten, und die sich einen Spaß daraus machten, uns mit ihren schweren Bimslastern in Bedrängnis zu bringen, auszuweichen.
hier der auf dem "Stüfchen" mit bloßem Auge nicht sichtbare Kristall
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221619_640117.jpg) (http://www.directupload.net)
die Aufnahmen wurden am Phomi mithilfe eines Plan 6,3, zwei Jansjös einer 5D2 und der Stapelsoftware Helicon Focus gemacht
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221619_28805302.jpg) (http://www.directupload.net)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221619_21170186.jpg) (http://www.directupload.net)
das weiße Grundgestein würde ich mal für Quarz halten, bitte aber ggf. um Korrektur.
die schwarzen Einlagerungen dürften Biotit sein.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221619_13134304.jpg) (http://www.directupload.net)
viel Spaß beim Anschauen
Reinhard
Lieber Reinhard,
das ist ja wirklich ein Prachtexemplar, bei dem man sogar die tetragonale Symmetrie bestens erkennt. Bei der Diagnose der weißen Matrix scheint mir aber doch Zweifel angebracht zu sein. Ich will Quarz nicht völlig ausschließen, aber ein Feldspat wäre mir bei der Paragenese in einem basischen Gestein doch wahrscheinlicher. Du als versierter Mikrochemiker kannst das doch sicher schnell herausbekommen.
Herzliche Grüße,
Olaf
Moin,
super Stüfchen.
Ich kannte bisher nur die braun bis schwarze Variante davon. War ob der grünen Farbe doch etwas irritiert. Aber nun weiß ich: Thorit gibt es auch in Grün.
Danke fürs zeigen
Ulrich
Hallo Olaf,
mit dem Quarz war ich ja auch "vorsichtig".
Das mit der chemischen Analyse wird schwierig, da sich Silikate meistens sehr zieren, was eine Aufarbeitung, sprich Auflösung, angeht.
Man müsste sie entweder z.B. mit Natriumcarbonat aufschliessen oder sie mit Flusssäure traktieren.
Das möchte ich mir ersparen; am schwarzen Mineral habe ich etwas "herumgeknabbert" und dann aber kapituliert.
Dagegen wird der Thoritkristall in meinem Mikro-Kochtopf landen; vielleicht kann ich ja noch eine Spur Uran in ihm nachweisen.
Hallo Ulrich,
freut mich, daß er Dir gefällt.
insbesondere aus Mendig ist der "Grüne" eine Rarität.
viele Grüße
Reinhard
ZitatDagegen wird der Thoritkristall in meinem Mikro-Kochtopf landen; vielleicht kann ich ja noch eine Spur Uran in ihm nachweisen.
Mörder, Frefler,Unmensch! Das kannst du doch nicht machen!
Vielleicht habe ich ein Th-Salz und andere seltene Dinge in meiner Sammlung, dann tauschen wir.
ZitatDas kannst du doch nicht machen
finde ich auch!!!!
kannst gerne auch braunen Thorit zum verwursten im Tausch dafür erhalten
Ulrich
nun gut Männer,
ich nehme erst mal Abstand vom ursprünglichen Ansinnen.
Eure Vorräte braucht ihr aber deswegen nicht zu plündern, ich habe noch weniger ansehnliches Thorianit (löst sich eh besser)
und Turkestanit. Danke für die Angebote.
Reinhard
Lieber Reinhard,
schick mir doch ein paar Brösel davon, dann steck ichs mal ins REM/EDX.
muss eh mal wieder üben.
viele Grüsse
Wilfried
Lieber Reihard, lieber Wilfried,
habt ihr denn kein Polmikroskop??? Die Unterscheidung zwischen Quarz und Feldspat dauert am Streupräparat gerade mal eine Minute:-).
Herzliche Grüße,
Olaf
Lieber Olaf,
dazu braucht aber Erfahrung und geht das am Streupräparat und man braucht keinen Dünnschliff ?
Ausserdem hatte ich die Hoffnung, dass Reinhard mir vielleicht doch den ganzen Mikromount mit Thoritkristall schickt
bevor er ihn mit seiner Mikrochemie vernichtet ;D
viele Grüsse
Wilfried
Lieber Wilfried,
das geht bestens am Streupräparat, da man nur zwischen einachsig (Quarz) und zweiachsig (Feldspat) unterscheiden muss. Dazu reicht ein Korn in richtiger Schnittlage und das findet man statistisch ganz sicher, wenn man z. B. einen Krümel von 1 mm3 zerdrückt, einen Tropfen Immersionsöl und ein Deckglas drauftut. Öl und Deckglas sind wichtig, da man sonst Dreckeffekte an den Korngrenzen erhält.
Herzliche Grüße,
Olaf
Hallo Wilfried,
ich schicke Dir das Stüfchen gerne zu.
Das Thorit-Kriställchen musst Du aber mit einem Stereomikroskop erst mal finden.
Bitte um Versandadresse.
viele Grüße
Reinhard
Hallo,
endlich bin ich mal ans REM gekommen und konnte die versprochene Untersuchung durchführen.
Anbei eine Übersichtaufnahme des Thorit Kristalls in der Feldspat Matrix:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/223830_41149443.jpg) (http://www.directupload.net)
Das EDX Spektrum aus dem Thorit Kristall mit den Thorium Linien:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/223830_39785641.jpg) (http://www.directupload.net)
Das EDX Spektrum aus der Feldspatmatrix neben dem Thoriumkristall mit den im Feldspat vorkommenden Elementlinien : Si, O, Al, K, Na, Ca:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/223830_45523402.jpg) (http://www.directupload.net)
Die Au Linien stammen aus der Beschichtung der Probe.
Und zum Schluss noch ein REM Elementmapping mit den SE Elektronen und der Thorium Röntgenstrahlung:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/223830_35287174.jpg) (http://www.directupload.net)
Es leuchtet nur der Teil des Thoritkristalls im "Licht" der Thoriumlinie der dem EDX Detektor zugewandt ist und von der Matrix nicht abgeschattet wird.
viel Spass beim Anschauen und viele Grüsse
Wilfried
Hallo Wilfried,
vielen Dank für die "Abrundung" mit den wie immer phantastischen REM-Bildern.
Wenn ich das "Elementmapping" richtig interpretiere, gibt es also praktisch keine Uran-Spuren im Kristall.
viele Grüße
Reinhard
Hallo Reinhard,
nach Spuren von Uran habe ich jetzt leider gar nicht geschaut.
Aber das dürfte sowieso schwierig werden, da meines Wissens zwischen Thorium und Uran eine Linienüberlappung vorliegt.
Mit der schlechten Energieauflösung von 130 eV des EDX ist da wahrscheinlich nichts zu holen, da bräuchte man ein WDX also ein wellenlängendispersives Spektrometer.
Aber ich werde bei Gelegenheit trotzdem mal nachschauen.
viele Grüsse
Wilfried
Hallo Reinhard,
ich habe die Energieüberlappungen der Röntgenlinien zwischen Thorium und Uran nochmal genauer nachgeschaut.
Die U-Ma1 Linie (3171 eV) liegt nur ca. 20 eV neben der Th-MB Linie (3149 eV).
Man könnte natürlich die U-Ma2 (3329 eV) nehmen die weiter weg liegt aber wir haben ja einen Thorit Kristall vorliegen und da ist auch Kalium drin.
Und die K-Ka (3312 eV) überlappt sich dann mit dieser Linie.
Mit EDX ist also auf jeden Fall da nichts zu holen und auch mit WDX wäre es sicher schwierig.
Bleibt also nur noch Mikro - Massenspektrometrie oder deine Mikrochemie aber ich glaube bei Spuren von Uran in einem so kleinen Kristallit
hat das auch seine Grenzen.
viele Grüsse
Wilfried
Liebe strahlende Foristen,
ich hoffe ich darf auch noch eine seltene Schönheit zeigen. Natürlich strahlend ;D
Allanit-Ce
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224171_26756241.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224171_23264094.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224171_14303791.jpg)
Allgemein wird beschrieben, dass Thorium eingelagert ist. Aber nur Thorium ? Das war die Frage für mich.
So wurde ein Gammaspektrum aufgenommen. Da die Probe nur sehr schwach ist hat es eine Meßzeit von über 10 Stunden beansprucht. Hier das Spektrum.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224171_49584532.jpg)
Mit den roten Punkten markiert die Zerfallsprodukte aus der Thorium-Reihe, mit grün die der Uran-Radium-Reihe. Also hat auch Uran etwas beigetragen. Auch weitere Linien bei 1764keV und 2119keV sind Bi214 zuzuordnen und somit ein Hinweis für Uran.
Die Probe stammt aus der Eifel, Laacher See bei Mendig.
Strahlende Grüße
Peter
Hallo Wilfried,
auch mikrochemisch würde das schwierig, schon wegen der sehr schlechten Löslichkeit des Silikat-Minerals.
Danke für Deine Zusatzinformationen.
Hallo Peter,
sehr asthetische Kristalle und gekonnt dargestellt!
Sehr interessant auch wieder Deine Messung der Zerfallsprodukte;
Auch auf dieses Verfahren werde ich gerne noch einmal zurückkommen, wenn sich wieder Kristalle
aus der U- und Th-Branche unter mein Mikro verirren.
actinophile Grüße
Reinhard