Liebe Pflanzenfreunde,
es gibt rund 40 verschiedene Birkenarten, alle Birken stammen von der Nordhalbkugel. Die einhäusigen Bäume blühen zur Zeit des Laubaustriebs. Ihre männlichen Kätzchen entwickeln sich an vorjährigen Zweigen, die weiblichen an diesjährigen.
Einhäusigkeit (Monözie): Getrennte weibliche und männliche Blüten auf derselben Pflanze.
Die Fruchtkätzchen zerfallen bei der Reife und geben zweiflügelige Nüsschen frei, die der Wind über weite Strecken verblasen kann.
In China wächst diese Birke als Pionier in Höhen zwischen 2000 und 2900 Meter. In China spielt der Baum eine wichtige Rolle als Lieferant für Sperr-, Möbel- und Papierholz.
Die Rote China-Birke ist eine besonders interessante Birke mit ihren auffälligen, in dünnen großen Fahnen abrollenden, rosa bis rotorange, meist weiß bereiften Rinde und dem darunter hellkupferfarbenen seidig glänzenden Stamm. Die Triebe sind behaart und nur langsam verkahlend.
Bild 01 Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224072_65273341.jpg)
Quelle: Own photo, taken in Jutland.
Urheber: Sten Porse
Jung ist der Stamm mahagonifarben, später weißlich rosa bis rotorange, meist bereift (hervorgerufen durch das Triterpendervitat Betulin).
Betulin ist ein Extrakt aus der weißen Birkenrinde, der schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt und chemisch definiert ist. Als Entdecker des Betulins gilt der deutsch-russische Chemiker Johann Tobias Lowitz (25.April 1757 – 07.Dezember 1804) der nicht nur als erster Wissenschaftler Betulin untersucht und beschrieben hat, sondern damit einen der ersten Pflanzenwirkstoffe überhaupt isoliert hat.
Es handelt sich um eine Substanz rein pflanzlicher Herkunft, die der Birkenrinde ihre typisch weiße Farbe verleiht. Betulin hat eine Schutzfunktion, die die Birke vor Umwelteinflüssen, wie extreme Temperaturen, Schädlingsbefall oder Sonneneinstrahlung schützt. Dem natürlichen Wirkstoff Betulin wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Studien antientzündliche, antibakterielle und regenerierende Wirkungen nachgewiesen.
Der Habitus der Roten China-Birke ist kegelförmig, nicht so dicht wie bei der Hängenden Birke, sie ist auch niedriger und erreicht etwa 20 Meter Höhe. Wie alle Birken benötigt auch sie eine sonnige Stelle. Diese Birke blüht im Frühling (April-Mai), die Blüten sind unauffällig. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind. Die Rote China-Birke hat ein starkes, aber flaches Wurzelsystem, deshalb ist sie nicht widerstandsfähig gegen starke Winde.
Die Blätter sind wechselständig. Der Stiel ist 5 – 15 mm lang. Die Spreite ist länglich eiförmig, mit ausgezogener Spitze und 5 – 9 cm lang und doppelt gesägt. Die Blätter der Roten China-Birke sind meist schmäler als bei der Ermans Birke und besitzen jederseits 9 – 14 Seitennerven.
Die Blattspreite (Lamina) bildet in den meisten Fällen den Hauptteil des Blattes, den man oft als das eigentliche Blatt bezeichnet.
Im Herbst vergilben die Blätter und fallen ab, aber dank der schönen Rinde und der hängenden Zweige ist die Rote China Birke auch im Winter attraktiv. Ein sehr malerischer Baum, mit geringen Anforderungen an den Boden und hoher Frostbeständigkeit.
Bild 02 Betula albosinensis, Botanical Garden in Pozna? (Polen)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224072_58961324.jpg)
Urheber: Radomil
Systematik:Ordnung: Buchenartige (Fagales)
Familie: Birkengewächse (Betulaceae)
Gattung: Birken (Betula)
Art: Rote China-Birke
Wissenschaftlicher Name: Betula albosinensis
Volkstümliche Bezeichnung: Chinesische Birke, Kupfer-Birke
Englischer Name: Yellow birch
Dieser junge Baum steht im Arboretum Schloss Erbhof Thedinghausen (Niedersachsen).
Bild 03 Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224072_1495183.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Die Proben von diesem Baum liegen seit dem 27.Juni 2015 in AFE II.
Teil 1 Einjähriger Spross, Querschnitt, 30 µm
Zunächst einmal sechs Bilder von ungefärbten Schnitten.
Bild 04 Übersicht, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224072_61302538.jpg)
Bild 05 Vergrößerung, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224072_30376100.jpg)
Bild 06 Korkwarze (Lentizelle), Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224072_37460558.jpg)
Bild 07 Periderm, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224072_59487907.jpg)
Bild 08 Xylem, Markparenchym, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224072_23085090.jpg)
Bild 09 Sklerenchym, Steinzellen, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224072_6964596.jpg)
W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert
Arbeitsablauf :
1. Schnitte liegen in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 6 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca. 12 Sekunden !!!.
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 2 Minute.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 4 : 1
verwendet (blau + gelb = grün).
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol ( 99,9 % ).
10. Einschluss in Euparal.
Ergebnis :Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Fotos: Nikon D5000.
Bild 10 Übersicht, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224072_17113003.jpg)
Der Spross ist schwierig zu schneiden, denn die Rinde löst sich sehr leicht und rollt sich zusammen.
Bild 11 Vergrößerung aus der Übersicht mit Beschriftung, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224072_30544512.jpg)
MP = Markparenchym, T = Trachee, XY = Xylem, SK = Sklerenchym, ST = Steinzellen (Sklereiden), PH = Phloem, RP = Rindenparenchym, H = Haare (Trichome), P = Periderm
Das Rindenparenchym.Das zum einen als Assimilationsgewebe dient, zum anderen als Festigungsgewebe, das den Sprossen Stand- und Biegefestigkeit verleiht.
Das Sklerenchym ist ein Festigungsgewebe.Sklerenchymatische Gewebe bestehen stets aus toten Zellen. Ihre Festigkeit erhalten Sklerenchymzellen durch sehr dicke Sekundärwände sowie starke Einlagerungen von Lignin in die gesamte Zellwand.
Das Phloem ist für Transport und Transformation verantwortlich.Unter dem Phloem versteht man die Nährstoffleitbahn von Pflanzen. Zusammen mit dem Xylem bildet das Phloem das Leitgewebe (Leitbündel) von Pflanzen, welches alle Organe durchzieht.
Das Xylem zum Transport und Stabilisierung.Hier strömt das Wasser mit den Nährstoffen aus den Absorptionszonen der Wurzel durch abgestorbene Röhrenzellen mit derben, verholzten Wänden.
Bild 12 Abschlussgewebe mit kleinen Haaren, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224072_44365459.jpg)
Bild 13 Vergrößerung, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224072_7044526.jpg)
Es sind oft deutliche, meist dunkle Lentizellen vorhanden, die sich manchmal horizontal vergrößern.
Bild 14 Vergrößerung mit Beschriftung, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224072_20390146.jpg)
XY = Xylem, T = Trachee, K = Kambium, PH = Phloem, SK = Sklerenchym, ST = Steinzellen ( Sklereiden)
Bild 15 Markparenchym, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224072_30689639.jpg)
Bild 16 Markparenchym Xylem, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_50315679.jpg)
Bild 17 Oxalatkristall, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_49676947.jpg)
Bild 18 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_23488915.jpg)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 519 IF.
Bild 19 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_23521433.jpg)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 519 IF.
Bild 20 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_24854661.jpg)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 519 IF.
Diese vier Bilder zeigen Querschnitte durch einen jungen Spross in Richtung einer Knospe.
Bild 21 Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_12408161.jpg)
Bild 22 Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_38972574.jpg)
Bild 23 Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_54371668.jpg)
Bild 24 Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_14645893.jpg)
Teil 2 Blattstiel, Querschnitt, 30 µm
Bild 25 Ungefärbter Schnitt, Übersicht, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_63610713.jpg)
Bild 26 Ungefärbter Schnitt, Vergrößerung, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_57902434.jpg)
Bild 27 Ungefärbter Schnitt, kleine Pflanzenhaare (Trichome), Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_25189593.jpg)
Bild 28 Übersicht, W-3A-Färbung nach Wacker, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_26140383.jpg)
Bild 29 Vergrößerung, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_65122748.jpg)
Bild 30 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_52786977.jpg)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 519 IF.
Bild 31 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Rote China-Birke Betula albosinensis
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_16782441.jpg)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 519 IF.
Bild 32 auf dem letzten Bild habe ich eine Übersicht von drei Birkenarten zusammengestellt.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224073_16991442.jpg)
Bei der Mandschurischen Birke fehlt mir leider das Foto vom Blattstiel.
Quellen und weiterführende Informationen: Wikipedia; Freie Enzyklopädie
Gregor Aas ,,Bäume", ISBN: 3-7748-4058-2
Gregor Aas ,,Laubbäume"
Dietrich Böhlmann ,,Gehölzbiologie", ISBN: 978-3-494-01547-7
Spohn ,,Kosmos Baumführer Europa", ISBN: 978-3-440-11741-5
Peter A. Schmidt ,,Taschenlexikon der Gehölze", ISBN: 978-3-494-01448-7
P. Schütt ,,Lexikon der Baum- und Straucharten", ISBN: 978-3-86820-123-9
,,Botanica", ISBN: 3-8290-0868-6
Für konstruktive Kritik bin ich ebenso offen wie für lobende Worte.
Doch zunächst einmal wünsche ich viel Freude beim Lesen.
Hans-Jürgen