Mikro-Forum

Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: RainerTeubner in November 26, 2017, 18:30:53 NACHMITTAGS

Titel: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: RainerTeubner in November 26, 2017, 18:30:53 NACHMITTAGS
Hallo,

während der Planktonwoche in Bodman 2017 haben wir auch einen Ausflug zum Heinz-Sielmann-Weiher in Owingen, Ortsteil Billafingen unternommen (https://owingen.com/owde/freizeit-und-tourismus/heinz-sielmann-weiher/).

Weitere informatione zum Biotopverbund findet man bei https://www.sielmann-stiftung.de/biotopverbund-bodensee/

Aus den ausgepreßten Algenwatten ließen sich folgende Diatomeen isolieren:



(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224361_65122748.jpg)

und

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224361_11404313.jpg)


Die Diatomeen der Probe neigen leider zum Zusammenklumpen. Wenn jemand einen Trick kennt, wie man das Zusammenklumpen vermeiden kann, ich bin sehr interessiert.

Man kann aber auch die Sache positiv sehen:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224361_16782441.jpg)

und sich mit picolay eine Stereoansicht (Rot/Cyan-Brille) erzeugen lassen.

Viele Grüße und viel Spaß beim Betrachten!

Rainer


Herr Ringel rief mich heute an und machte mich auf Schreib- und Bestimmungsfehler bei den Diatomeen aufmerksam, ich hab die Fehler inzwischen korrigiert.
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: Gerd Schmahl in November 26, 2017, 19:00:49 NACHMITTAGS
Hallo Rainer,
versuche doch mal Natriumpyrophosphat (syn. NaDiphosphat). Seine Wirkung wird hier im Beitrag 24  (http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=17307.msg132891#msg132891)beschrieben. Dabei geht es zwar vor allem um den Kleindreck, aber vielleicht hilfts auch bei den Diatomeem selbst.
LG Gerd
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: RainerTeubner in November 26, 2017, 19:02:40 NACHMITTAGS
Hallo Gerd,

vielen Dank für den Hinweis aufs Natriumpyrophosphat, ich werds bei der Probe mal versuchen und berichten.

Viele Grüße!

Rainer
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: Carlos in November 26, 2017, 19:38:22 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,
Mein Beitrag ist sicher ,,off topic", aber möglicherweise geht es anderen so wie mir.
Die Beiträge von ,,Felix" zum Thema ,,Diatomeen-Reinigen" waren und sind für mich, (soweit ich sie hier im Forum gefunden habe), das Beste, was ich zu diesem Thema gefunden habe. Insbesondere seine Ausführungen über die Verwendung von ,,Pyrophoshat" haben mir bei der Abtrennung von Verunreinigungen bei Watt-Schlick-Diatomeen sehr geholfen.
Die von ,,Felix" beschriebenen Methoden kann ich als Chemiker kaum erklären aber sie wirken!!!  Ich bin sicher, da steckt noch erhebliches Optimierungs-Potential drin. Ich bin allerdings nicht sehr viel weiter gekommen.
Dazu habe ich seit langen einige Fragen. Leider ist seit einigen Jahren ,,Funkstille". Gibt es ihn noch? Haben andere seine Methoden weiterentwickelt?
Gruß Carlos
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: anne in November 26, 2017, 19:53:53 NACHMITTAGS
Hallo Rainer,

außer Pyrophosphat wäre noch zu erwähnen, dass kein Alkohol in der Probe vorhanden sein darf vor dem Auftropfen, sonst klumpts.

lg
anne
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: RainerTeubner in November 26, 2017, 20:06:40 NACHMITTAGS
Hallo Anne,

Alkohol ist keiner in den Proben drin. Die Deckgläser werde nauf der Glaskeramikkochplatte auch ordentlich durchgeglüht.

Viele Grüße

Rainer
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: anne in November 26, 2017, 20:12:40 NACHMITTAGS
Hallo Rainer,
glühst Du die Deckgläser zum Trocknen der aufgetropften  Lösung oder vorher um diese sauber zu haben?

Wenn ich schnell trockne klumpt es bei mir auch, ich lasse ganz langsam bei Raumtemperatur trocknen.

lg
anne
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: RainerTeubner in November 26, 2017, 20:44:25 NACHMITTAGS
Hallo Anne,

ich glühe die in mehrmals gewechseltem Alkohol längere Zeit aufbewahrten Deckgläser vor den Auftropfen der Lösung gut durch (so ca. 20 Minuten, höchste Heizstufe der Kochplatte), damit irgendwelche Schmutzreste sich verbrennen und damit die Glasoberfläche etwas hydrophiler wird. Der Alkohol dürfte dann auch verdampft sein. Der aufgetropfte Tropfen der Diatomeen-Suspension sollte auf den Deckgläsern (18 mm Durchmesser) vollständig, oder doch fast vollständig, spreiten.

Danach werden die Deckgläser an einem staubgeschützten Ort zum  Trocknen aufbewahrt, bis das destillierte Wasser der Suspension verdunstet ist. Ich benutze dazu Petrischalen, deren Deckel mit einem Abstandshalter aus zwei Objektträgern distanziert ist, so daß ein Luftaustausch stattfinden kann. Es dauert so ca. 24 h, bis die Deckglöser trocken sind. Die Petrischale steht an einer ruhigen Stelle in Haus.

An der oben geschilderten Verfahrensweise kann das Verklumpen der Diatomeen-Suspension meiner Meinung nach nicht liegen.

Ich werd mal die Suspension mit Natriumpyrophosphat behandeln. (ein Kristall auf ca. 50 ml Suspension, 20 Minuten einwirken lassen, mit destiiliertem Wasser waschen)

Viele Grüße

Rainer
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: Gerd Schmahl in November 26, 2017, 22:33:28 NACHMITTAGS
Hallo,
irgendwie hat das was mit Ladungen zu tun, die sich abstoßen. Dadurch werden die Parikel auf Distanz gehalten.
Gerd
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: Carlos in November 26, 2017, 23:09:00 NACHMITTAGS
Hallo Gerd,
Zitatirgendwie hat das was mit Ladungen zu tun, die sich abstoßen. Dadurch werden die Parikel auf Distanz gehalten.
Das allein reicht nicht! Lies Dir die Beiträge von ,,Felix" mal genau durch. Da werden noch andere Rahmenbedingungen genannt. (Deshalb mein  ,,off topic" –Beitrag hier.) Ich glaube, dass der Hinweis von Anne, dass die Anwesenheit von Alkohol die Trenn-Wirkung verhindert, habe ich nicht gewusst. Das hilft mir jetzt erheblich weiter, denn ich glaube zu wissen warum! Das werde ich prüfen.  (Ich habe bisher nur nach Faktoren gesucht, die den Effekt der Trennung verbessern.)
Gruß Carlos 
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: anne in November 27, 2017, 08:21:12 VORMITTAG
Hallo,
das mit den Ladungen stimmt schon, jedoch ist die Frage was davon noch übrigbleibt nach dem man die Probe sauber ausgewaschen hat.
Man möchte ja keine Pyrophosphat Kristalle in der Probe, also muss sehr gut gewaschen werden.

Die Proben, die ich z.B. für meine Abogruppe verarbeite, wurden nicht von mir erstellt und sind entweder eingetrocknet oder in Phenol.
Ich wasche diese mindestesn 5-10x in dest. Wasser und habe dann keine Probleme, obwohl die Probe nie mit Pyrophosphat in Berührung kam.
Ich vermute eine andere Ursache, aber evtl. könnte Pyrophosphat helfen falls die Aufladung auch nach dem Auswaschen erhalten bleibt.

lg
anne
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: bernd552 in November 27, 2017, 11:51:41 VORMITTAG
Hallo Rainer,

beim Ausstreichen auf Objektträger klappt es bei mir ganz gut, wenn die Blutausstrich-Methode (mit einem zweiten, geneigten Objektträger ausstreichen) einsetzte.

Dazu muß aber sehr wenig Volumen der wässrigen Susupension beim stark (in Ausstreichrichtung nach unten) geneigten unteren Objektträger eingesetzt werden.
Es bleibt ein so dünner Wasserfilm übrich, dass die Diatomeen nicht mehr frei beweglich sind und sich dadurch nicht mehr zueinander Bewegen und verklumpen können.
Diese Proben sind innerhalb weniger Minuten trocken.

Man muß etwas mit den Parametern Volumen / Neigung des unteren Objektträgers / Winkel des oberen Ausstreich-Objektträgers und der Ausstreichgeschwindigkeit spielen.

Eine zusätzliche, handwerkliche Herausforderung sollte das kleine, runde Deckglas sein (hier muß ich auch für meine REM Proben hin).   

LG
Bernd
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: anne in November 27, 2017, 14:38:57 NACHMITTAGS
Hallo Bernd,

das ist mutig..., ich vermeide normalerweise jede unnötige mechanische Beanspruchung, beim Ausstreichen mit einem OT stößt eine harte Glaskante auf die Objekte.
Funktioniert das auch bei Diatomeen?

lg
anne
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: bernd552 in November 27, 2017, 16:59:18 NACHMITTAGS
Hallo Anne,

Zitat von: anne in November 27, 2017, 14:38:57 NACHMITTAGS
beim Ausstreichen mit einem OT stößt eine harte Glaskante auf die Objekte.
Funktioniert das auch bei Diatomeen?

.. eigentlich nicht - siehe hier die Zeichnung https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/0f/Blut_%281%29.jpg/1280px-Blut_%281%29.jpg
Wenn man den oberen OT besonders langsam im spitzen Winkel zieht und es sind gemeinsam sehr große und kleine Diatomeen oder Radiolarien in der Suspension, dann bekommst Du weitgehendst eine gradientenmäßige Trennung von groß und klein - am Anfang des OT setzen sich die großen und zum Schluß die kleinen ab.
Da müssen aber die schon erwähnten Parameter passen.

LG
Bernd




lg
anne
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: Rene in November 27, 2017, 18:15:32 NACHMITTAGS
Hello Rainer, sometimes I add a drop of 1M HCl to 4ml of diatom suspension, and use about 6 drops per (round) coverslip. That seems to prevent clumping. It evaporates, so leaves no salt residue. I'[ve seen the use of NH4Cl advocated for stubborn clumping, but it needs subliming at 350oC to get rid of it... I've also seen protocols which mention addition of little amount of ammonia (NH3). It's alkaline, so it makes sense.

Hope that helps,
René
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: anne in November 27, 2017, 18:20:52 NACHMITTAGS
Hallo Bernd,

sorry, hatte noch nie Blutausstriche gemacht, das kann so natürlich auf einem OT gut funktionieren.
Danke für die gute Abbildung.


lg
anne
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: RainerTeubner in Dezember 05, 2017, 12:25:40 NACHMITTAGS
Hallo,

ich habe die Diatomeen-Suspension aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Ofterdingen-Billafingen mit einem Kriställchen Natriumpyrophosphat behandelt. Das Ergebnis ist etwas besser geworden.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/224742_10261382.jpg)

Viele Grüße

Rainer
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: bernd552 in Dezember 05, 2017, 17:19:41 NACHMITTAGS
Hallo Rainer,

so lange Du so schöne Exemplare um die Zusammenballungen herum vereinzelt findest und diese so gut in Scene setzt, ist doch alles perfekt!

Auf Basis meine kurzen Erfahrungen mit Diatomeen und deren Reinigung kann ich aus praktischen Versuchen sagen, dass die besonders langen und schmalen Exemplare für die Verballungen verantwortlich sind. Bei kleinsten Erschütterungen aber auch harmonische Bewegungen gab es bei mir immer Zusammenballungen der langen Nadeln.
Kleine und runde Diatomeen zeigen nicht diesen Effekt, da diese durch die Braunsche Molekularbewegung und zusätzlich durch evtl. gleiche Ladungen auseinander gehalten werden. Im Bereich der Wasserreinigung durch Ausflockung kann man dazu näheres Nachlesen https://de.wikipedia.org/wiki/Flockung.

Ich bin mir mit folgender Hypothese rel. Sicher: wenn man eine homogene Suspension mit langen Diatomeen-Nadeln auf ein innerhalb der Suspension befindliches Deckglas absetzen läßt, dann ist die Verteilung erstmal homogen, sobald das Deckglas - wie auch immer - vorsichtigst herausgenommen wird, dann gibt es durch die sofortige Ausbildung der Oberflächenspannung (= Bewegung) im Randbereich des Deckglases zur Mitte hin eine Aufkonzentrierung und am Rand fast keine großen Diatomeen.

Wie schon geschrieben, klappt es bei mir mit einem Ausstrich mit so wenig Flüssigkeit wie möglich (damit die Nadeln gar nicht wandern können) an besten.

LG
bernd
Titel: Re: Diatomeen aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Billafingen
Beitrag von: Carlos in Dezember 08, 2017, 14:04:59 NACHMITTAGS
Hallo Rainer,
Zitatich habe die Diatomeen-Suspension aus den Algenwatten des Heinz-Sielmann-Weihers in Ofterdingen-Billafingen mit einem Kriställchen Natriumpyrophosphat behandelt. Das Ergebnis ist etwas besser geworden.
Welchen PH hatte denn danach die Suspension? Nach meinen Versuchen sollte die Suspension einen PH >> 10 haben, um die optimale ,,Trenn-Wirkung" des Pyrophosphats zu haben. Welches ,,Natrium-  Pyrophosphat" hast Du denn zugegeben? Wahrscheinlich ,,Di-Natrium Di-Hydrogen-Pyrophosphat"!
Für die ,,Trennwirkung" ideal ist nach meinen Versuchen der ,,Pufferpunkt" Tri-Natrium-Mono-Hydrogen-Pyrophosphat/ Tetra-Natrium- Pyrophosphat =1/1! Der liegt aber bei PH >>10. Um den Pufferpunkt, ausgehend vom ,,Di-Natrium Di-Hydrogen-Pyrophosphat" zu erreichen, muss man entweder zusätzlich  Natronlauge, oder, wie ,,Felix,  ,,Soda"  zusetzen. Letzteres hat den Vorteil, dass man kaum in einen PH-Bereich geraten kann, der  das Kieselsäureskelett der Diatomeen zerstört.
Gruß Carlos