... also Nahrungsergänzungsmittel i. w. S. finden Absatz, gerne auch zielgruppenentsprechend in der im Betreff benutzten Diktion, um unter die Mahlzeiten oder Getränke gerührt zu werden – so jedenfalls stelle ich mir die Sachlage vereinfacht vor.
In Handel ist eine Vielzahl von Substanzen rein erhältlich, die aber auch unter dem Polarisationsmikroskop eine ,,gute Figur" machen.
Taurin z.B. hat mich tatsächlich aufgeregt – in Energy-Drinks ist dies wohl seine eigentliche Berufung – da die monoklinen Kristalle mit größter Impertinenz die Achsaustritte verweigerten. Nur mit List, sprich durch gestörte Kristallisation, waren wenige sehr kleine Kristalle zu erhalten, die geeignet sind.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225317_25181126.jpg) (http://abload.de/image.php?img=taurinmonoklin7auswasfkujp.jpg)
monokline Kristalle, oft noch deutlich nadelförmiger, aus heißem Wasser
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225317_59408853.jpg) (http://abload.de/image.php?img=taurinmonoklin4auswas4iuqt.jpg)
Deckglasbewegung während der Kristallisation unterbrach offenbar das Nadel-Wachstum und vereinzelt entstanden solche Morphen, aufgenommen mit dem 50er
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225317_56152722.jpg) (http://abload.de/image.php?img=taurinmonoklin6aauswai3u3e.jpg)
zugehörige Achsenbilder
Viele Grüße,
Heiko
Lieber Heiko,
das sieht doch prima aus; ich vermute rhombische Symmetrie und 2V ~ 40°. Stimmt das?
Bei Deiner Interessenslage wäre eigentlich ein Spindeltisch das geeignete Weihnachtsgeschenk. Dann könntest Du störrische Kristalle leichter bändigen ;D.
Herzliche Grüße,
Olaf
Lieber Olaf,
verschiedentlich ist zu lesen, Taurin sein monoklin. Hast Du Zweifel in Anbetracht des abgebildeten Achsenbild-Spenders?
2V passt vermutlich in die Muskovit-Schublade, jedenfalls ähneln sich die Muster.
Ein weiterer Kandidat, der Zuckeraustauschstoff Erythrit, verhielt sich insofern sehr ,,pflegeleicht", da bereits das Streupräparat ein schönes Interferenzmuster zeigte.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225353_41149443.jpg) (http://abload.de/image.php?img=erythrittrigonal1gck0z.jpg)
Körner eines Erythrit-Streupräparates in Silicon
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225353_39785641.jpg) (http://abload.de/image.php?img=erythrittrigonal2pnkmc.jpg)
trigonaler Erythrit-Kristall aus wässriger Lösung
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225353_45523402.jpg) (http://abload.de/image.php?img=erythrittrigonal3streksj9g.jpg)
Achsenbild (Streupräparat)
Viele Grüße,
Heiko
Hallo Heiko,
Dein 2. Bild ist wunderschön!
Viele Grüße,
Bob
Lieber Heiko,
wenn die Literatur monoklin angibt, dann wird das wohl stimmen. Meine Vermutung basierte nur auf dem sehr symmetrischen Erscheinungsbild von Interferenzbild und "Kopfschnitt". Wenn die Längserstreckung der Kristalle aber die monokline b-Achse ist, stimmt wieder alles. Die Kristalle müssten dann bezüglich ihrer Längserstreckung gerade auslöschen.
Herzliche Grüße,
Olaf
Danke Bob.
Gesetzt den Fall, lieber Olaf, Du meinst mit gerader Auslöschung in Längserstreckung den Kristall in Kopfschnittlage, wird das stimmen.
Viele Grüße,
Heiko
Hallo,
ja ich weiß, L-Lysin wird nicht nur in Muskelbuden zur Anwendung gebracht. Allerdings ist es auch gerne einmal kiloweise im Angebot und da drängt sich dann schon ein entsprechender Verdacht auf.
Aus der Lösung kristallisiert die Aminosäure nadelförmig und erst bei heißer Sättigung entstanden diese Kristalle:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225448_44365459.jpg) (http://abload.de/image.php?img=l-lysin237set.jpg)
Interferenzmuster sind hier schon einmal gezeigt: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=30317.0
Rhombisches Xylitol verhält sich ebenfalls störrisch in der Herausgabe interpretierbarer Interferenzmuster. Dafür entschädigen die Kristalle, die aus heißgesättigter Lösung prompt zu erhalten sind:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225448_7044526.jpg) (http://abload.de/image.php?img=xylitol6ucotc.jpg)
Viele Grüße,
Heiko
Hallo,
als eine weitere, diesmal ,,vorbildliche" Aminosäure, soll das monokline Glycin gezeigt werden. Ohne Kunstgriffe entstanden aus der Lösung auch Morphen, die Achsaustritte zeigen. Der Kenner wird hoffentlich die Imagination des Laien geraderücken, der eine sehr schwache Dispersion auszumachen glaubt:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225494_11404313.jpg) (http://abload.de/image.php?img=glycin1monoklin7qp7x.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225494_64923656.jpg) (http://abload.de/image.php?img=glycin2dbpvq.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225494_44624228.jpg) (http://abload.de/image.php?img=glycin3tlq3z.jpg)
Viele Grüße,
Heiko
Lieber Heiko,
hiermit erteile ich Dir offiziell die Freisprache als Kristlloptik-Geselle, nun warte ich auf die Meisterprüfung ;D ;D ;D!
Der Kristall ist perfekt orientiert (noch ohne Dein Zutun und da gibt es noch Lehr- und Lernpotential), die Dispersion ist erkannt und hier ist die kristallographische Konsequenz:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225496_64923656.jpg)
Der Kristall ist mit seiner b-Achse in Beobachtungsrichtung orientiert!
Herzliche Grüße,
Olaf
Leider ist mir ein übler Schreibfehler in der obigen Abbildung unterlaufen - der ist jetzt korrigiert. Entschuldigung!
Olaf
Dein Optimismus ängstigt mich nicht wenig, lieber Olaf. Das Quantum an Nachhilfe ist unbezahlbar, bis aus dem Spieß- ein tatsächlicher Geselle werden könnte.
Bei dem Versuch, Deine didaktisch aufwändige – ob ausreichend, wirst Du sogleich ersehen – Interpretation des Glycin-Musters mit den Inhalten Deiner Homepage abzugleichen, bin ich auf zwei (vermeintliche oder tatsächliche) gemeinsame Schnittmengen gestoßen, gekreuzte Dispersion und Farbverteilung betreffend:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225519_37460558.jpg) (http://abload.de/image.php?img=glycin5gekreuztedispemcuvl.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225519_59487907.jpg) (http://abload.de/image.php?img=glycin6tmuoi.jpg)
Viele Grüße,
Heiko
Prima, Heiko, genauso isses! Eigentlich ganz einleuchtend, wenn man das Ganze einmal anschaulich an Modellen sieht.
Herzliche Grüße,
Olaf
Hallo,
dem monoklinen System die Nadeln nicht in's Kraut schießen zu lassen, verlangt oft einige Repression, bei diesen Natriumcitrat-Dihydrat-Kristallen gelang's:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225563_17654054.jpg) (http://abload.de/image.php?img=natriumcitrat-dihydrao8qwa.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225563_52727599.jpg) (http://abload.de/image.php?img=natriumcitrat-dihydrarar0i.jpg)
Für den Blick in die b-Achse – wenn man das so sagen darf – gehören diese Kristalle noch gedreht, was Glück erfordert:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225563_14347911.jpg) (http://abload.de/image.php?img=natriumcitrat-dihydraqkoty.jpg)
Die Muster scheinen mir nicht ungestört, hoffentlich nicht so sehr, dass gekreuzte Dispersion zweifelhaft erscheint:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225563_51393439.jpg) (http://abload.de/image.php?img=natriumcitrat-dihydrapury4.jpg)
Viele Grüße,
Heiko
Einfach nur perfekt - prima, Heiko!!!
Hallo,
Vanillin – man sollte es von Klaus beziehen, will man nicht gestreckten Chargen aufsitzen – kristallisiert wunderschön, aus der Schmelze und wie hier aus Ethanol:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225673_35287174.jpg) (http://abload.de/image.php?img=vanillinausethanol5qowk.jpg)
Bei der Sublimation entsteht zunächst ein Kondensat, das zeitverzögert auskristallisiert. Hier wachsen zwei Cluster verschieden orientierter Keime aufeinander zu:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225673_44419000.jpg) (http://abload.de/image.php?img=vanillinkristallisatiajr77.jpg)
Einkristalle, die Interferenzmuster zeigen, sind kaum zu erhalten, nicht im Streupräparat, nicht aus der Lösung, und ehr per Zufall einmal gestört aus der Schmelze:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/225673_52697953.jpg) (http://abload.de/image.php?img=vanillinschmeltprparaizq9c.jpg)
Viele Grüße,
Heiko
Lieber Heiko,
deine Beiträge sind immer nahrhaft, besonders wenn sie noch ergänzt werden durch Olaf.
Dass man ein Achsenbild vom Vanillin erhält hätte ich nicht gedacht. Kann nur an der analysenreinen Ware liegen, die es in fast allen Fällen von mir gibt. Ich entfette meine zerlegten Triebe ja auch mit Xylol p.a. ;D
Ja, lieber Klaus, und da maule noch einer über soziale Netzwerke, wenn es so trefflich sich schickt, dass Alchemist, Hexenmeister und Zauberlehrling vereint sich sehen im Spiele mit der Materie ...
Gruß, Heiko