Hallo,
ich habe jetzt, nach einigen Fehlversuchen und durchgescheuerten Fingerkuppen, einen ersten brauchbaren Dünnschliff hinbekommen. Dazu habe ich einen Isarkiesel, den ich makroskopisch als Amphibolit angesprochen habe, ausgewählt (Bild 1).
Ich habe den Stein mit einem Dremelklon mit Diamanttrennscheibe durchgesägt und dann auf Glasscheiben mit 220, 500, 1000der SiC plangeschliffen. Dann mit Loctite UV Kleber auf den Objektträger aufgeklebt.
Wieder schleifen und mit Loctite Deckgläschen aufgeklebt.
Der Schliff ist etwas keilförmig geworden, aber die Quarze zeigen Weiss erster Ordnung, oder zumindest, was ich dafür halte.
Bild 2: Feldspat, Quarz und Amphibol, die drei gefallen mir wohl...
Die Feldspäte sind nicht sehr schön ausgebildet.
Zwillingslamellen sind eher zu erahnen. Meist sieht man in dem weissen Hintergrund nur einen Filz kleinster Kriställchen, die teilweise stark doppelbrechend sind.
Bild 3: In dem kleinen Schliff des vermeintlich eintönigen Steines ist jede Menge an interessanten Sachen zu sehen, die ich noch nicht so recht interpretieren kann. Leider habe ich hier mit der Photographie erhebliche Schwierigkeiten: Nachdem das Geld erst mal nur für das Ortholux und nicht für einen neue Kamera gereicht hat, muss es eine alte Nikon Coolpix 4300 tun, für die ich mir mal einen Adapter habe drehen lassen.
Bei gekreuzten Polarisatoren erscheint der Hintergrund in der Mitte stark aufgehellt und, was im Okular als dunkelgrau , z. B. in Quarz kurz vor Auslöschung erscheint, erscheint im Bild lila.
Gruss und Danke für Euer Interesse,
Florian
Hallo Florian,
vielleicht hast du IR-Probleme bei der Aufnahme unter gekreuzten Polfiltern. Polfilter verhalten sich bei langwelligem Licht wie ein Tiefpass. Eine Verbesserung erhält man aber schon durch die Verwendung eines Tageslichtfilters hinter der Lichtaustrittsöffnung.
Zeig mal noch ein paar mehr Bilder vom Schliff.
Viele Grüße
Erik
Hallo Erik,
Danke für die Antwort! An IR habe ich auch schon gedacht. Es ist zwar ein bläulicher Filter auf der Beleuchtungsöffnung, aber ich werde nochmal einen anderen Filter probieren. Hast Du eine Idee, was auf dem letzten Bild zu sehen ist? Ist das links oben vielleicht ein Augit mit Entmischungslamellen? Was sind die weissen Quadrate? Und das rote Quadrat rechts oben (ist auch im Augenschein rot)? Granat sollte ja auslöschen. Ich mache heut abend noch mehr Photos.
Viele Grüsse,
Florian
Hallo Florian,
Bin leider kein Experte, deshalb können ein paar mehr Bilder nicht schaden. Ich glaube allerdings nicht, daß es ein Amphibolith ist, da er nicht überprägt ist und mir eher nach einem Plutonit aussieht (Diorit???).
Freue mich auf die Bilder.
Viele Grüße
Erik
Lieber Florian,
der Mineralbestand in Deinem ersten Bild ist leicht und zweifelsfrei bestimmbar: es handelt sich um einen Anphibol-Kristall im Kopfschnitt, Quarz und serizitisierte Plagioklase, deren reliktische Zwillingsbildung Du ja schon erkannt hast. Eventuell ist der langgestreckte Kristall rechts unten genau parallel zu einer Plagioklas-Korngrenze ein Apatit.
Das zweite Bild ist allerdings ist für mich garnicht interpretierbar. Eine Aufnahme mit dem Rot I-Kompensator ist dazu sowieso in der Regel nicht geeignet. Grundsätzlich sind da zwei Einstellungen notwendig, einmal im linear polarisierten Licht und einmal bei gekreuzten Polarisatoren.
Deine Aufhellungen in der Bildmitte sind eher auf Störreflexe als auf die Durchlässigkeit der Polarisatoren zurückzuführen. Hast Du Deinen Fotoadapter innen ordentlich geschwärzt?
Herzliche GRüße,
Olaf
Hallo,
Ad Erik:
Im Einzugsbereich der Isar bzw. Des Isargletschers gibt es meines Wissens keine Diorite, wohl aber Amphibolite. In dem Schnitt gibt es auch rote Körnchen, die ich als Granat deuten würde un die für Amphibolit sprechen. Die meisten Amphibolitkiesel, die man findet sind übrigens stark geschiefert. Ich habe einen wenig geschieferten gewählt, weil ich im Schliff alle Schnittlagen der Amphibole sehen wollte.
Ad Olaf: Seritizierte Plagioklase also. Das macht Sinn.
In Bild 3 ist gar kein Rot 1. Alles Artefakte. Ich habe gerade festgestellt, wie kritisch die Einstellung der Beleuchtung ist, besonders im Phototubus.
Viele Grüsse,
Florian
Wie würde meine Frau jetzt sagen:
Erik, Du bist gut, Du kommst in die Suppe!
Ich habe gestern in einem Photogeschäft gefragt, ob die ein IR Sperrfilter hätten. Hatten sie nicht, aber der Verkäufer meinte, ich solle doch mal statt der normalen Lampe eine LED Taschenlampe in das Lampengehäuse halten.
Gesagt, getan. Anscheinend ist es tatsächlich der IR Anteil der Glühlampe, der hier den Lilastich erzeugt. Die Entspiegelung der Linsen ist für diesen Bereich wohl auch nicht mehr ausgelegt, so dass zudem hässliche Mehrfachrefektionen Zwischen Objektiv der Kamera und Okular des Mikroskops auftreten.
Hier jetzt jeweils das selbe Motiv mit Leitz-Glühlampenbeleuchtung und LED, sowie leerer Objektträger mit beiden Lichtquellen.
Gruss,
Florian
Hallo Florian,
So altes fettes Fleisch in einer Suppe will doch niemand haben. Es freut mich riesig die Verbesserung deiner Bildqualität zu verfolgen. Für die Fotodokumentation bringt eine LED-Beleuchtung riesige Vorteile, habe auch lange hin- und herüberlegt und dann eine Umrüstung von Halogen auf LED vorgenommen.
Viele Grüße
Erik
Hallo Florian,
mich freut's ähnlich wie Erik. Seit rund 10 Jahren bin ich begeisterter Nutzer von LED-Beleuchtungen, auch und gerade in der Pol-Mikroskopie. Wichtig ist da allerdings ganz besonders, nicht "irgendeine" LED zu nutzen, sondern auf eie möglichst ausgeglichenes Spektrum zu achten. Ansonsten geht von der Schönheit der Interferenzfarben einiges flöten.
In Deinem zweiten Bild sieht man, dass der Farbabgleich (ich habe das Wort "Weißabgleich" bewusst vermieden) immer noch steigerungsfähig ist. Das ist bei gekreuzten Polfiltern auch mit LED-Beleuchtung keine Routine-Sache. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, außerhalb des Präparates, also im komplett Düsteren, einen Schwarzabgleich zu machen. Danach sollten Quarze und Feldspäte neutral grau sein.
Weiterhin viel Freude und Erfolg bei der Pol-Mikroskoie mit LED-Beleuchtung und natürlich bei der Petrografie,
Thomas
Ja, mit der Idee einer LED Beleuchtung spiele ich natürlich auch. Welche LED habt Ihr denn verwendet? Wie regelt Ihr die? Ich habe an eine PWM Steuerung gedacht. Allerdings fürchte ich, dass dieses Projekt erst mal auf die Warteliste muss.
Hallo Florian,
meine erste LED-Beleuchtung am Amplival war mit PWM. Das kann zu Problemen führen, wenn die Frequenzen der Lichtpulse und die Bilderfassungsfrequenz der Kamera nicht synchron sind. Ganz schlimm kann es beim Filmen sein. Ein nachgeschaltetes RC-Glied zur Glättung lohnt den Aufwand nicht, wenn man die LED leichter über den Strom regeln kann.
Viele Grüße
Erik
Jetzt habe ich mal etwas CuSO4 Lösung statt des Blaufilters verwendet, da Kupferionen im nahen IR stark absorbieren, siehe beispielsweise https://www.vernier.com/images/magnify/screenshot.lp.svis-pl._food._dye.002.png.
Das Bild ist jetzt zwar arg grünstichig, aber der violettton ist weg. Ich werde wohl einen IR Cut Filter bestellen.
Gruss, Florian
Hier einfach noch mal mit dem Handy durch das Okular photographiert (ohne Kupfersulfat, normaler Blaufilter). Vielleicht sollte ich ja doch mal über eine postpalaeolithische Kamera nachdenken.
So, heute habe ich einen UV-IR Sperrfilter 1.25¨ von der Post abgeholt.
Der Filter lässt nur Licht von 400 - 700 nm durch. Optisch erkenne ich am Mikroskop keinen unterschied.
In 8mm Grösse kann man die für lau aus China bestellen. Grössere Filter sind hingegen nicht ganz billig. Amateurastronomen verwenden die gerne mit ihren CCD Kameras.
Damit sehen die Bilder gleich viel besser aus!
Jetzt kann ich mich endlich der Frage zuwenden, was ich da genau für Minerale sehe.
Gruss,
Florian
So, nachdem jetzt die Farben so halbwegs stimmen, ein paar Bilder von den Mineralen. Ich habe 3 Ausschnitte jeweils ohne bzw. mit gekreuztem Analysator geknipst. Hier der erste Ausschnitt. Da weiss ich eigentlich mit nichts etwas anzufangen. Die Aufnahme mit gekreuzten Polarisatoren ist etwas blaustichig. Ich weiss nicht genau, wie ich den Weissabgleich bei gekreuzten Polarisatoren machen soll. Was ist das weiss gewürfelte Zeug in der Mitte? Sind das Spaltrisse in einem Kopfschnitt? Aber von was?
Auch das Mineral links oben darüber mit den weissen Entmischungslamellen weiss ich nicht zuzuordnen. Und was ist das dunkelrote bzw. opake Zeug?
Hier Ausschnitt 2:
Mittig wohl der Kristalle desselben Amphibols mit verschiedener Orientierung. Von den Farben (Dichroismus) her vielleicht Hornblende (Pargasit?) oder Ferroaktinolith? Mittig oben vielleicht ein heller Biotit (Phlogopit)?
Letzter Ausschnitt:
Vielleicht wieder Biotit (oder Chlorit?) in verschiedenen Schnittlagen.
Freue mich auf Eure Interpretationen!
Gruss,
Florian
Lieber Florian,
nun wag' ich es doch mal, aber Du weißt ja hoffentlich, dass Ferndiagnosen ausschließlich aufgrund fotografischer Darstellungen auch falsch sein können!
Im Bild Nummer 1 könnte der farblose Kristall sehr wohl ein Quarz sein, der aufgrund zu hohen Schleifdrucks in dieser Form zerbröselt ist. Das umgebende Mineral ist eindeutig ein Schichtsilikat, wahrscheinlich ein ehemaliger Biotit der chloritisiert ist. Die hellen "Entmischungen" sind ebenfalls Schichtsilikate, möglicherweise Relikte des ehemaligen höher doppelbrechenden Biotits - da sollte man aber einen deutlichen Pleochroismus Braun-Farblos beobachten können. Die kleinen hoch lichtbrechenden Kristalle könnten Titanit sein, der bei der Umwandlung von Titan-haltigem Biotit zu Titan-freiem Chlorit gebildet wird. Aber auch Epidot wäre möglich, aber das ist in diesem Bild nicht unterscheidbar.
Im zweiten Bild erkenne ich lediglich Amphibol und Quarz, keinen Biotit. Eine genauere Eingrenzung der Amphibole ist nur sehr schwierig. Dazu muss man verschiedene optische Parameter einbeziehen. Ich würde es hier bei dem Oberbegriff belassen.
Im dritten Bild ist der bei gekreuzten Polarisatoren blau erscheinende Kristall tatsächlich Biotit, die anderen sind Amphibole.
Darf ich zu den Bildern und dem Dünnschliff noch einen Kommentar abgeben:
- Bei den Bildern fällt eine sehr starke Vignettierung zum Rande hin unangenehm auf. Entweder ist die Aperturblende zu weit zugezogen, oder aber an der Justierung der Beleuchtung stimmt etwas grundsätzlich nicht. Spiele doch einmal mit dem Lampenkondensor und der Klapplinse im Stativfuß ob es nicht besser hinzubekommen ist.
- Bei der Auswahl des Materials würde ich mich zunächst auf frische Gesteine beschränken, bei denen die Mineraldiagnose wesentlich einfacher und angenehmer ist. Magmatische Gesteine, wie z.B. Gabbros oder Basalte sind da gute Kandidaten. Metamorphite, und dann noch stark angewitterte wie in Deinem Fall, sind schon etwas für Fortgeschrittenen.
Mit herzlichen Grüßen,
Olaf
Vielen Dank Olaf,
ja, das mit den Vignettierungen ist mir schon aufgefallen. An der Aperturblende liegt es nicht, aber die Lampe muss ich wieder überprüfen. Leider ist mein Urlaub vorbei und die Arbeit hat mich wieder fest im Griff, so dass ich da nur langsam vorankomme.
Ich werde Deinem Rat folgen und mich den magmatischen Gesteinen zuwenden. Trotzdem war es für mich schon ein riesen Erfolgserlebnis, mal einen Amphibol eindeutig als solchen ansprechen zu können. Und auch zu sehen, warum Metamorphite schwieriger zu Interpretieren sind, ist an und für sich ja schon interessant.
Das mit dem zerbröselten Quarz wundert mich dennoch. Ich dachte, Quarz hätte keine Spaltbarkeiten und schon gar nicht unter fast rechten Winkeln.
Viele Grüsse,
Florian