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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: elmar in April 06, 2018, 11:45:00 VORMITTAG

Titel: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: elmar in April 06, 2018, 11:45:00 VORMITTAG
liebe mikroskopiker,
die tümpelsaison geht los und ich möchte meine ausbeute mit einer laborzentrifuge erhöhen.
gibts bei amazon für 100 euronen.
ist das richtig oder mache ich die armen viecher nur schwindelig?
freue mich auf eure tips.
tümpelige grüsse   elmar
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: liftboy in April 06, 2018, 11:55:11 VORMITTAG
Hallo Elmar,

die machst Du nicht schwindelig sondern kaputt!
Les mal ein bischen in den pdf, da steht auch was über "Anreicherung".

Grüße
Wolfgang
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: Hugo Halfmann in April 06, 2018, 12:55:34 NACHMITTAGS
Hallo Elmar,

du brauchst keine Zentrifuge, sondern ein Planktonnetz. Ich hab meines selbst nähen lassen, die Siebdruckgaze gab´s für wenig Geld hier im Ort. Da es bei uns nur wenige Gewässer gibt, wo man ohne größere Umstände ein Netz mehrfach auswerfen kann ohne allen möglichen herumschwimmenden Kram mit einzusammeln, schöpfe ich meist am Uferrand mit einem Litermaß. Nach zehn oder zwanzig Litern wird dann abgefüllt und in der Flasche wimmelt es nur so vor lauter Leben. Diese Proben bereiten stundenlange Freude!

Frag hier mal an, die sind freundlich:
http://hermann-schmidtke.de/gewebeuebersicht
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: Bob in April 06, 2018, 14:10:31 NACHMITTAGS
Hallo Elmar,

aus diesem Edelstahlgewebe:
https://www.ebay.de/itm/Edelstahlsieb-Edelstahlgewebe-200mm-x100mm-25-34-42-50-62-Mesh-250-bis-500/182387846280?hash=item2a7729ac88:m:m6nQVkmQhgl4aZpvegsqehg (https://www.ebay.de/itm/Edelstahlsieb-Edelstahlgewebe-200mm-x100mm-25-34-42-50-62-Mesh-250-bis-500/182387846280?hash=item2a7729ac88:m:m6nQVkmQhgl4aZpvegsqehg)

Kann man ganz einfach ein Planktonsieb bauen. Einfach mit Lötkolben oder anderem warmen Gegenstand auf ein Stück Abflussrohr oder dergl. aufschweißen. Mit sowas könnte man auch einen Netzfang weiter anreichern. Viel einfacher als Nähen, kompakt im Rucksack, kann man in einer kleinen Dose mit Schraubdeckel transportieren, muffelt nicht.

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: elmar in April 06, 2018, 14:28:01 NACHMITTAGS
da dachte ich das wäre mal eine innovative idee....

die gaze hab ich gekauft...vielen dank für den/die tips.
grüsse   elmar
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: Bernhard Lebeda in April 06, 2018, 14:29:03 NACHMITTAGS
Hallo Tümpelfreunde

na bitte, nun sind wir wiedermal bei Bastelanleitungen für Planktonnetze  ::)

Ich teile eure Bedenken bezüglich Zentrifugen überhaupt nicht! Ich halte es wie dieser Kollege:

http://www.microscopy-uk.org.uk/mag/artaug13/mm-centrifuge.pdf#search=%22centrifuge%22


Wenn man Fliehkräfte gegen Reynoldszahl abwägt, dann kann man wohl froh sein wenn sich überhaupt was anreichert, nicht zu reden von kaputt gehen! Die meisten Plankter überstehen zentrifugieren sehr gut, von größeren Rädertieren oder Crustaceen vielleicht abgesehen. Aber es gibt ja auch noch manuelle Zentrifugen, da kann man dann dosieren.

Für mich gilt: fangen mit Planktonnetz-vor Ort verdünnen-zuhause zentrifugieren.

Soweit mein Senf dazu

Viele Mikrogrüße

Bernhard
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: elmar in April 06, 2018, 15:59:27 NACHMITTAGS
Lieber Bernhard,
so wie in der übersichtsaufnahme des downloads habe ich mir das ergebnis vorgestellt.
ich probiere jetzt erstmal maschendraht,die zentrifuge gibts bei amazon jeden tag.
grüsse   elmar
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: Dr. Jekyll in April 11, 2018, 07:33:55 VORMITTAG
Moin,

Außer für spezielle Anwendungen ergibt das Anreichern von Plankton im Hobbybereich, aus meiner Sicht, keinen Sinn.
Das Mittel der Wahl ist, wie schon erwähnt, das Planktonnetz. Beim Zentrifugieren gehen eben doch die empfindlichen Arten kaputt. Was spricht gegen Planktonnetze?
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: treinisch in April 11, 2018, 08:22:47 VORMITTAG
Hallo,

ich dachte immer, dass das Hobbyisten-Standardverfahren im Labor ein schnöder Papierfilter, zum Beispiel Kaffeefimter, ist? Bin ich völlig auf dem Holzweg?

Gegen ein Planktonnetz spricht im Labor eigentlich alles; draußen natürlich nichts.

Viele liebe Grüße
Timm
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: Peter V. in April 11, 2018, 09:30:06 VORMITTAG
Lieber Timm,

nun melde ich mich mal als begnadeter Tümpler  ;D: So, wie ich das Prinzip des Planktonnetzes immer verstanden habe, ist dessen Sinn, die Organismen dadurch anzureichern, dass sie sich in einem Gefäß im Auslauf des Filters sammeln. Nach meinem physikalischen Verständnis (aber da werde ich hier ganz sicher noch widerlegt werden!  ;)) funktioniert das daher auch nicht wirklich gut mit den schon einmal vorgeschlagenen "Goldfiltern" und ähnlichen Konstruktionen. Weil sie kein Auslaufgefäß haben, wo sich die Organismen sammeln können. Und wie soll es mit einem Papierfilter funktionieren? Da fließt doch was Wasser vollständig ab und die Organismen bleiben innen am Papier haften. Aber ich gebe zu: Graue Theorie von mir, probiert habe ich das alles nicht.

Herzliche Grüße
Peter

Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: Dr. Jekyll in April 11, 2018, 10:14:23 VORMITTAG
Papierfilter halte ich für ungeeignet, da sie zu fein sind und auch feinsten Schmutz zurück halten.
Es spricht nichts gegen ein Planktonnetz im Labor! Ich muß ja im Labor nicht das große Netz schwingen. Dort verwende ich Urinbecher mit entsprechendem Feinsieb anstelle des Bodens.
Wenn ich das vollständige Planktonspektrum in meinem Fang haben möchte, zentrifugiere ich aus genannten Gründen eben nicht, wozu auch. Die Verwendung von Netzen ist eine Anreicherungsmethode und gleichzeitig ein Reinigungsschritt und deshalb vorzuziehen.
Sicher gibt es auch Situationen bei denen ein Papierfilter zweckmäßig sein kann (fällt mir grade keine ein), aber als Standard sehe ich dies nicht.
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: treinisch in April 11, 2018, 10:26:27 VORMITTAG
Hallo Peter,

da habe ich mich nicht perfekt ausgedrückt.

Ich gehe zum Tümpel, dort fische ich mit dem Planktonnetz.

In der Probe suche ich entweder mit dem Stemi oder lasse sie durch einen Filter laufen, wenn im Filter noch 1-2 ml stehen mikroskopiere ich diese.

So kann man eine sehr starke Anreicherung erreichen ohne irgendwelche Orgsnismen wie Flagellaten, kleine Rädertierchen oder anderes Nanoplankton zu verlieren, das man zwar mit dem Planktonnetz sehr wohl fischt, das aber, wenn man es wie einen normalen Filter benutzt sehr wohl durchläuft.

Tonpartikel laufen auch durch einen Kaffefilter, Detritus und Sand bleiben auch im Planktonnetz hängen.

Dafür braucht man nicht reinigen und hat unter dem Filter bei Bedarf sauberes, praktisch planktonfreies Fundortwasser zur Verfügung, zum Beispiel um einzelne Organismen zu isolieren.

Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass Kaffeefilter mit ihrer Porenweite knapp unter 10 μm liegen.

Viele liebe Grüße
Timm

Edit: so ähnlich steht es auch in der Mikrofibel.
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: Hugo Halfmann in April 11, 2018, 11:05:14 VORMITTAG
Wir haben das mit dem Dauerkaffeefilter (keine Melitta-Filtertüten!) mal bei einer Exkursion ausprobiert und meiner Meinung nach taugt das nicht viel, weil, wie Peter schon schrieb, das Sammelgefäß fehlt. Das ist allenfalls ein Notbehelf!
Beim Dauerkaffeefilter pappen die Tiere irgendwo "unten" fest, wenn alles Wasser durchgelaufen ist, und man braucht dann wieder Wasser aus der Spritzflasche um sie herauszubekommen. 

Die 50-100 ml, die bei Verwendung des Planktonnetzes dann als "Fang" übrig bleiben, kommen in eine Petrischale oder Kolkwitzkammer und können dann untersucht werden.
Die Verwendung eines Papierkaffeefilters bringt meiner Ansicht nach gar nichts, weil die Viecher sich zwischen den Papierfasern festsetzen und dort nicht mehr herauszubekommen sind.
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: Bernhard Gutwenger in April 15, 2018, 13:46:27 NACHMITTAGS
Hallo Hugo,

Das Problem mit dem fehlenden Sammelgefäß hab ich durch Befestigung einer
2 ml Spritze gelöst. So eignet sich der Kaffeefilter auch gut als Planktonnetz für
seichte Gewässer. Hat sich gut bewährt.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/232435_14303791.jpg) (https://www.pic-upload.de)

Schönen Sonntag,
Bernhard G.

Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: Gerd Schmahl in April 15, 2018, 16:27:47 NACHMITTAGS
Hallo Bernhard,
das sieht sehr interessant aus. Werden die Spritzen zugestöpselt und dann geöffnet, oder wie arbeitest Du praktisch damit? Wir hatte hier ja schon einen sehr umfangreichen Faden darüber, wie denn die Mikroorganismen bei fehlender Verwirbelung überhaupt in ein geschossenes Sammelgefäß gelangen. Wäre ja leichter möglich, wenn das Sammelgefäß zumindest teilweise oder zeitweise unten offen wäre.
LG Gerd
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: Dr. Jekyll in April 15, 2018, 18:33:23 NACHMITTAGS
Hallo Bernhard,

Deine Filter sehen sehr interessant aus 👍. Für Luer-Anschluß gibt es ja auch passende Kunststoffhähne. Damit können die Proben bequem abgelassen werden.
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: Bob in April 15, 2018, 19:23:20 NACHMITTAGS
Zitat von: Hugo Halfmann in April 11, 2018, 11:05:14 VORMITTAG
Wir haben das mit dem Dauerkaffeefilter (keine Melitta-Filtertüten!) mal bei einer Exkursion ausprobiert und meiner Meinung nach taugt das nicht viel, weil, wie Peter schon schrieb, das Sammelgefäß fehlt. Das ist allenfalls ein Notbehelf!
Beim Dauerkaffeefilter pappen die Tiere irgendwo "unten" fest, wenn alles Wasser durchgelaufen ist, und man braucht dann wieder Wasser aus der Spritzflasche um sie herauszubekommen.

Hallo Hugo,
ich benutze gerne selbstgebaute Plankton-Siebe, Kunststoffrohre mit unten aufgeschweißtem Edelstahlgitter. Den Fang bekommt man ganz einfach heraus: Ein Stück ins Wasser eintauchen bis von unten die richtige Menge Wasser durch die Maschen gedrungen ist, dann mit Schwung in den Becher ausleeren.
Die Siebe eignen sich auch zum nachträglichen Aufkonzentrieren und sind auch bei der Reinigung nützlich.

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: Dr. Jekyll in April 15, 2018, 19:48:53 NACHMITTAGS
Hallo Bob,

Genau so mache ich es auch. Nur das gesiebte Material spüle ich mit ganz wenig Wasser (aus der Spritzflasche) aus dem Sieb. Etwas Wasser gönne ich den Kleinen dann doch noch😉
Titel: Re: Zentrifuge zum Tümpeln?
Beitrag von: Bernhard Gutwenger in April 15, 2018, 21:35:44 NACHMITTAGS
Hallo Gerd,

Die Auslaufspitzen der Spritzen verschließe ich mit den auf der
Abbildung gezeigten nebenanliegenden Kunststoffkappen.
Die stammen von Medikamentenspritzen.

LG Bernhard G.