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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Bayer in Juni 21, 2018, 20:46:54 NACHMITTAGS

Titel: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Bayer in Juni 21, 2018, 20:46:54 NACHMITTAGS
Liebe Mikro-Freunde,

heute möchte ich mich kurz, zusammen mit Aufnahmen eines Staurolith-Glimmerschiefers, vorstellen.

Mein Name ist Christian Bayer, ich bin vor ca. einem Jahr zur Mikroskopie gekommen und bin nach der Typologie von Klaus Henkel ein "Mikrofotograf" mit einem ausgeprägten "Techniker" Faible. Letzterer ist zwar eher theoretisch ausgeprägt, aber dennoch für mich von hohem Interesse, wenn sich die Lösungen auch auf Unendlich Mikroskope adaptieren lassen (z.B. Zeiss AxioScope).

Im letzten Jahr habe ich einiges an Literatur zur Mikrofotografie gelesen, auch aus dem englischsprachigen Bereich und habe in Mikroskope, Objektive und Kameras investiert (bei einem freundlichen Menschen darf ich ab und zu auch mal ans Elektronenmikroskop - von der Investition habe ich dann doch abgesehen).

Von den Themengebieten bin ich nicht festgelegt. Mich interessiert eigentlich alles, was sich "schön fotografieren" lässt - falls erforderlich, auch mit anspruchsvollen technischen Lösungen. Die Ergebnisse stelle ich gerne hier zur Diskussion.

Was wünsche ich mir von Euch? Ehrliche, konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge - sowohl fotografischer & technischer Natur als auch Anregungen für neue, spannende Motive und Projekte.

Die beigefügten Bilder sind
+ Aufnahmen eines Dünnschliffes mit einem Stemi 508doc  mit Kreuzpolarisation bei 0,63x Zoom und 2,5x Nachvergrößerung auf den Vollformatsensor einer Nikon D850
+ Aufnahmen des dazugehörigen Gesteinswürfels mit einem Stemi 508doc im Auflicht (2x Schwanenhals) bei 0,63x Zoom und 2,5x Nachvergrößerung auf den Vollformatsensor einer Nikon D850
+ Aufnahmen der Oberflächentopographie des dazugehörigen Gesteinswürfels mit einem Sigma 300 VP Elektronenmikroskop (überwiegend mit Sekundärelektronendetektoren)
Alle Aufnahmen wurden noch mit Nikon ViewNX-i bezüglich Schärfe, Kontrast und Belichtung optimiert.

Den Dünnschliff und den Gesteinswürfel hat Robert Gill von Geosec slides angefertigt: http://www.geosecslides.co.uk (Den Tipp hatte ich hier im Forum gefunden - vielen Dank dafür!)

Nach einer Wikipedia Recherche denke ich, den Glimmerschiefer zu erkennen als "schieferartige" Plattenstruktur (interessant, dass diese Struktur tief innerhalb der Erdkruste durch Gesteinsmetamorphose unter hohem Druck und Temperaturbedingungen stattgefunden hat - Gebirgsbildung oder Plattentektonik).

Den Staurolith habe ich leider bisher nicht in Kreuzform gefunden, sondern nur in Form von "körnigen bis massigen Aggregaten" - denke, dass sind die großen "Hagelkörner". Es scheint ein Eisen-Staurolith zu sein. Wir haben auch mit Röntgenstrahlen eine EDAX Analyse gemacht mit 38% Aluminium, 37% Silizium, 8% Eisen, aber auch 4% Magnesium, kein Zink, aber etwas Titan!

Jetzt bin ich gespannt, was Ihr alles auf den Bildern erkennt (was ich noch nicht sehe) und freue mich auf Eure Kommentare.

Beste Grüße
Christian
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon
Beitrag von: kare in Juni 22, 2018, 08:05:35 VORMITTAG
Hallo Christian,

Willkommen im Forum!  :)

Mit Mineralogie kenn ich mich praktisch gar nicht aus, also bleibt mir da nicht viel an deinen Bildern zu interpretieren ausser dass die Bilder gut detailliert sind und interessant. Die Dynamik, die Farben in dem ersten Bild sind einfach umwerfend und das bei Gestein das doch erst mal so undynamisch wirkt. Ist halt nur so wenn man Gestein in dem kurzen Beobachtungszeitraum eines Menschenlebens betrachtet.

Die Aufnahmen mit dem REM sind beeindruckend, würde an so etwas auch mal gerne Hand anlegen.
Habe mich mal aufklären lassen was es bedeuten würde so ein Ding privat zu betreiben, ist mir dann doch zu aufwendig und ausserdem müsste ich auch zu lange drauf sparen. ;)

Eine Anmerkung noch, da es mich grade an meinen ersten Beitrag erinnert und ich ebenso darauf hingewiesen wurde.
Es gibt die Rubrik "Mikroskopiker im Netz" zur Vorstellung. Sieht man halt erst wenn man sich angemeldet hat. Dort sollte man eben auch die Vorstellung machen, kannst ja eine Kurzfassung schreiben und auf das Thema hier verlinken.

Viele Grüße und viel Spaß im Forum,
Karl
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Bayer in Juni 22, 2018, 08:27:00 VORMITTAG
Hallo Karl,
vielen Dank für die Willkommensgrüße und dass Dir meine Bilder gefallen.
Werde mich nachher dann unter der richtigen Rubrik kurz vorstellen.
Beste Grüße
Christian
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Bayer in Juni 22, 2018, 09:18:55 VORMITTAG
Interessant bei den REM-Aufnahmen waren auch "dynamische" Bilder. Hat der Elektronenstrahl eine zu hohe Intensität, dann laden sich Partikel auf, die sich dann gegenseitig abstossen und die Position ändern. Dadurch haben wir unbeabsichtigt ganze Platten verschoben. Das sieht man gut im REM, da das Bild ja gerastert bzw. Pixel für Pixel abgetastet wird. Dann ist der obere Bereich einer Platte im Bild und der untere fehlt plötzlich, weil die Platte nicht mehr da ist. Dann reduziert man die Energie des Elektronenstrahls und vermindert den Arbeitsabstand - sofern möglich.
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: olaf.med in Juni 22, 2018, 09:32:18 VORMITTAG
Lieber Christian,

auch von mir ein herzliches Willkommen! Besonders schön finde ich, dass Du Dich auch der Dünnschlifffotografie widmen willst. Das erste Bild ist ja auch schon interessant und wohlgelungen! Beachte aber bitte, dass eine gute Diagnose meist erst dann möglich ist, wenn man das Objekt auch im linear polarisierten Licht sieht, da man nur dann die Brechungsindizes abschätzen kann. Bei Deinem Bild erkennt man so z.B. nicht, ob der graue Kristall rechts oben ein Staurolith in einer Schnittlage fast senkrecht zu einer optischen Achse ist, oder aber ein Cordierit, dessen Präsenz in dieser Paragenese auch möglich wäre. Im linear polarisierten Licht erkennt man dies aber sofort. Also: für Diagnoseversuche bitte beides, geht es nur um optische Effekte, ist das Bild bei gekreuzten Polarisatoren natürlich ausreichend.

Beste Grüße,

Olaf
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Bayer in Juni 22, 2018, 09:44:46 VORMITTAG
Lieber Olaf,
vielen Dank für Deine Willkommensgrüße und Anregungen.
Ich werde den Dünnschliff noch einmal nur mit linear polarisierten Licht aufnehmen und sobald ich mein 10x Objektiv habe auch Details davon.
Hättest Du eine Literaturempfehlung bzgl. "Interpretation" von Dünnschliffen für mich?
Beste Grüße
Christian
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: olaf.med in Juni 22, 2018, 11:43:30 VORMITTAG
Lieber Christian,

für die allgemeine Polarisationsmikroskopie gibt's die Universalempfehlung hier (http://www.minsocam.org/msa/openaccess_publications/Thin_Sctn_Mcrscpy_2_rdcd_grm.pdf). Für Interpretaionen wird's noch komplexer und man muss fairerweise darauf hinweisen, dass der nicht Geschulte allenfalls in einfachen Fällen zum Ziel kommt. Für schwierigere Dinge braucht man fachkundige Anleitung, die über das Selbststudium hinausgeht. Manchmal helfen Bücher wie dies (https://www.amazon.de/gesteinsbildender-Minerale-D%C3%BCnnschliffen-William-MacKenzie/dp/3432919115).

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Bayer in Juni 22, 2018, 11:55:11 VORMITTAG
Lieber Olaf,

vielen Dank!
Interaktion erhöht die Motivation.

Band 14 der Clausthaler tektonischen Hefte liegt sogar auf meinem Schreibtisch.
Bin aber erst bei den ersten Seiten angelangt.
Dort finde ich wahrscheinlich auch die Antwort auf meine Frage zum linear polarisierten Licht.

Habe noch so ca. 10 weitere Dünnschliffe fotografiert und kann die dann nach und nach vorstellen.
Derzeit recherchiere ich noch darüber, was ich eigentlich fotografiert habe.

Beste Grüße
Christian
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: TPL in Juni 22, 2018, 12:52:07 NACHMITTAGS
Hallo Christian,

schön zu sehen, wie Du dieses Thema angehst!
Deine "Methoden der Dünnschliffmikroskopie" (Clausthaler Tektonische Hefte, 14) ist der Vorgänger von Olafs erster Empfehlung "Leitfaden zur Dünnschliffmikroskopie", nur mit dem Unterschied, dass die aktuelle Version einige Fehlerlein des Buches korrigiert, an vielen Stellen mit guten (Farb-) Abbildungen ausgestattet ist und... kostenlos ist.

In den 1980ern habe ich mir das Thema mit genau dem Buch erarbeitet, das auf Deinem Schreibtisch liegt und möchte es deshalb auch neben meinem Mikroskop nicht mehr missen. Allerdings ist es von dort bis zur Gesteinsbestimmung noch einmal ein großer Schritt, für den ich Dir weiterhin die Begeisterung wünsche, die aus Deiner Vorstellung und Deinen (sehr guten!) Bildern spricht.

Wegen langer Dünnschliff-Abstinenz steht mir übrigens in Kürze Ähnliches (Gesteinsbestimmung anhand von Dünnschliffen) bevor und ich würde mich freuen, wenn wir uns dazu hier (unter Olafs kritischem, fachkundigem Blick) austauschen können. À propos – es gibt da noch eine bisher ungenannte Empfehlung (http://homepage.rub.de/olaf.medenbach/index.html), die mir sehr hilft, wenn ich bei den kristalloptischen Grundlagen unsicher bin.

Viele Grüße,
Thomas
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Bayer in Juni 22, 2018, 14:02:22 NACHMITTAGS
Danke, Thomas,
sehr gerne tausche ich mich mit Dir aus.
Sobald ich wieder zu Hause bin, kann ich mal eine Liste meiner Gesteinsdünnschliffe posten.
Die Aufnahmen kommen dann nach und nach.
Beste Grüße
Christian

P.S.: Und Danke für den Link zu Olafs Webseite
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Bayer in Juni 22, 2018, 14:25:13 NACHMITTAGS
Ich wohne übrigens in München - falls das für jemanden interessant ist
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Bayer in Juni 22, 2018, 15:55:29 NACHMITTAGS
Folgende Gesteinsdünnschliffe habe ich bereits fotografiert:
- Schwerspat (Baryt) aus dem Karbon
- Peridotit aus dem Tertiär
- Olivin Gabbro aus dem Tertiär
- Piemontit und Braunit aus der Kreidezeit
- Staurolith-Glimmerschiefer aus dem Kambrium
- Turmalin-Pegnatit aus der Eiszeit (Cryogenium)

Folgende kommen noch:
- Prehnit-Basalt
- Kentallenite aus dem Devon
- Essexite aus dem Karbon
- Aktinolith aus dem Pre-Kambrium
- Luxullianit (Alkalifeldspatgranit mit Turmalinsonnnen) aus dem Devon
- Anhydrit aus dem Trias

Freu mich auf die Diskussion mit Euch!
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Wutsdorff Peter in Juni 22, 2018, 16:19:26 NACHMITTAGS
Einen Gruß in die Runde der Dünnschliffexperten und an Christian,
die von Olaf empfohlenen Bücher kann ich nur wärmstens empfehlen.
Da ich lieber  ein Buch in der Hand halte als vor dem Bildschirm zu sitzen, habe ich mir die
drei R R R farbig in einem Copyshop Ausdrucken und Binden lassen. War aber nicht gerade preiswert.
Ich habe im Forum eine Reihe Dünnschliffe erworben, die aber nicht bezeichnet sind.
Ich habe daher das Problem der Bestimmung. Mit dem Berek-Kompensator kann ich mühelos
"Gamma" bestimmen. Die Werte liegen alle im bereich  200 - 400 nm.  Aber mit der Messung der Dünnschliffdicke (nur das Gestein!!) tue ich mich noch etwas schwer. Ich komme, wie zu erwarten, auf 20 - 30µ. Da aber die Strahlen im Michel-Levy-Diagr. in diesem Bereich unter ca. 45° verlaufen, gibt es schleifende Schnitte. Aber Üben übt! Vielleicht schaffe ich es noch.
Hier noch zwei zu empfehlende Bücher:
C. Burri: "Das Polarisationsmikroskop"; Springer Basel, 1950
Rinne, Berek:" Anleitung zur allg. und Polarisations Mikroskopie der Festkörper im Durchlicht"
Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung, Stuttg. 1973

Gruß Peter


Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Bayer in Juni 22, 2018, 17:35:13 NACHMITTAGS
Hallo Peter,

vielen Dank für die weiteren Buchempfehlungen.
Wie man ein Gamma bestimmt, müsste ich noch nachlesen ;-)
Aber ich habe ja den Band 14 der Clausthaler tektonischen Hefte - muss den nur mal zu Ende lesen.

Willst Du auch mal Fotos von Deinen Dünnschliffen hochladen?

Beste Grüße
Christian
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Bayer in Juni 22, 2018, 17:48:58 NACHMITTAGS
Hier sind noch mal vier weitere REM Aufnahmen der Oberflächentopographie des gleichen Gesteinswürfels
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: TPL in Juni 22, 2018, 18:13:59 NACHMITTAGS
Hallo Christian,

Peters Ansatz, kristalloptische Parameter (hier: den Gangunterschied, Symbol Gamma / Γ) mit einem Kompensator zu messen, ist zwar sicher interessant, aber für die Gesteinsbestimmung unüblich. Für die gewöhnliche Gesteinsbestimmung (Petrographie) wäre das, wie diese Sache mit den Kanonen und den Spatzen ;). Ich habe (als Geologe mit mineralogischem Interesse) während meiner gesamten Ausbildung und großen Teilen der Berufspraxis kein einziges Mal einen Kompensator gebraucht. Das war allerdings auch zu Zeiten, als diese kleinen optisch-mechanischen Präzisionsinstrumente noch sehr teuer waren und es noch keinen Gebrauchtmarkt dafür gab.

Ihre Berechtigung hatten solche aufwändigen Messmethoden vor allem zur möglichst präzisen Feststellung des Gangunterschiedes einzelner Kristalle von (üblicherweise bereits bekannten) Mineralen, um darüber Rückschlüsse auf deren Zusammensetzung ziehen zu können. Das funktioniert aber nur bei günstigen Schnittlagen. Hierzu kann Olaf wesentlich kompetenter Auskunft geben.

Eine andere Nutzung, heute, wo die Anschaffung solcher Geräte im Bereich eines Hobby-Budgets liegen, ist eher didaktisch: die Messung von Gangunterschiededen wird dadurch praktisch erfahrbar.

Viele Grüße
Thomas
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Wutsdorff Peter in Juni 22, 2018, 19:50:59 NACHMITTAGS
Grüß Dich THomas,
diese Methode wird in der Lit. beschrieben.
Gruß Peter
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: TPL in Juni 22, 2018, 20:16:56 NACHMITTAGS
>>> Liebe Moderatoren: bitte gerne abtrennen, da wir mit diesen Methodik-Fragen im Mikrofoto-Forum ggf. falsch sind <<<

Grüß Dich Peter!

In der "Lit." wird Vieles beschrieben. Und dass im Rinne & BEREK der Nutzen des BEREK-Kompensators gepriesen wird, ist nicht weiter verwunderlich. Nicht ausgeschlossen, dass man Petrographie auch mit Synchrotron-Diffraktometrie betreiben kann, aber ich bleibe dabei, dass man zur Petrographie gesteinsbildender Minerale neben einem Pol-Mikroskop mit Hilfsobjekt Rot 1 keinen Kompensator braucht.

Versteh' mich bitte nicht falsch, aber die Investition in ein Pol-Mikroskop (und dessen bestimmungsgemäße Nutzung) ist oft schon Herausforderung genug. Da würde ich ungern den Eindruck aufkommen lassen, zur Petrographie bräuchte man einen Kompensator.

Gruß Thomas
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Bayer in Juni 22, 2018, 21:50:48 NACHMITTAGS
Liebe Dünnschlifffreunde,

anbei der Dünnschliff aufgenommen mit linearen Polarisator (ohne Analysator), wie von Olaf vorgeschlagen.

Manueller Weißabgleich auf 4700K (LED, voll aufgedreht), Stemi 508doc (0,63x und 2x Zoom) mit NVF 2,5x an der Nikon D850.
Die Farben sind "nahe dran" an dem Bild durchs Okular.
Kameraprogramme wurden auf Neutral gestellt, in der Nachbearbeitung nur Schärfe und Helligkeit korrigiert.
Auf fotografische Technik wie Schärfentiefe an den Rändern habe ich jetzt erst mal nicht geachtet.

Hilft das jetzt zur Bestimmung?

Beste Grüße
Christian
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Bayer in Juni 22, 2018, 21:56:29 NACHMITTAGS
und hier noch mal Details am Stemi 508doc ganz normal im Durchlicht
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: olaf.med in Juni 23, 2018, 08:42:06 VORMITTAG
Lieber Peter,

Thomas hat mit seiner Einschätzung der Bedeutung des Kompensators recht. Er ist tatsächlich nur für spezielle quantitative Messungen erforderlich, nicht aber zur Diagnose von Mineralien oder der Bestimmung der Dicke von Dünnschliffen. Hier reicht die Genauigkeit der Farbtafel nach Michel-Levy (bzw. der von Raith und Reinhard vorgeschlagenen graphischen Lösung - mit der ich persönlich mich gar nicht anfreunden kann) völlig aus! Ich habe diagonal durch den Rinne-Berek geblättert, aber die von Dir erwähnte Angabe nicht gefunden. Kannst Du mir die entsprechende Stelle kurz nennen?

Lieber Christian,

Danke für die zusätzlichen Bilder, der Staurolith ist tatsächlich ein solcher (was ich auch vorher nicht bezweifelt hatte, und der Kristall rechts oben könnte wirklich ein Cordierit sein. Das muss aber noch bestätigt werden. Bilder dieser Minerale findest Du auf meiner Homepage unter Downloads>Mineraloptik (wo Thomas sie schon in's Spiel gebracht hat). Mit Beiträgen von mir ist über's Wochenende nicht zu rechnen - das ist keine Unhöflichkeit, sondern Netz-Abstinenz durch eine Reise.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Wutsdorff Peter in Juni 23, 2018, 12:45:24 NACHMITTAGS
Grüß dich Olaf,
ich beziehe mich bei der Bestimmung auf die  drei R-Autoren, S.93, Abb.4-32 re oben.
die Bestimmung von Gamma (wo finde ich im Forum das gr. Alphabet?) mache ich nach der Bedienungsanleitung des Berek-Komp. cf. Burri, S. 140. Irgendwo habe ich auch gelesen, daß man Gamma auch mit einem Hilfsobjekt (RotI) bestimmen kann:
Bei der Bestimmg. der Schliffdicke folge ich den Drei R S. 27ff. mit Hilfe  von Relief u. Chagrin S. 76.
Gruß Peter
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Bayer in Juni 23, 2018, 13:06:17 NACHMITTAGS
Lieber Olaf,

wenn Du von Deiner Reise zurück bist, könnest Du uns kurz sagen, aufgrund welcher Details Du den Staurolithen erkannt hast?
Was sind die Charakteristika, nach denen Du die Bestimmung machst?
Welche Bilder sind aussagekräftig?
Parallel mache ich mich mal in den Büchern schlau.

Beste Grüße
Christian
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: olaf.med in Juni 25, 2018, 17:12:31 NACHMITTAGS
Lieber Peter,

den Wert für Γ* erhält man in weit ausreichender Genauigkeit aus der Farbtafel nach Michel-Levy ohne einen Kompensator zu bemühen. Etwas anderes kann ich auch bei den "3R-Autoren" nicht finden.

Die Bestimmung der Schliffdicke hat nichts mit dem Relif und dem Chagrin ("3R-Autoren" Seite 76) zu tun, da verwechselst Du etwas.

Lieber Christian,

bei der Diagnose im Dünnschliff nutzt man immer verschiedenste Beobachtungen gepaart mit viel Erfahrung. Daher ist das Verfahren für Untrainierte auch so schwer. Im Falle des Stauroliths sehe ich im linear polarisierten Licht einen poikilithischen (siebartigen) Phorphyroblast (im festen Gestein während der Metamorphose gewachsenen Kristall) mit hohem Relief, zartgelber Eigenfarbe und schwachem Pleochroismus. Bei gekreuzten Polarisatoren erkenne ich Anisotropie und relativ niedrige Interferenzfarben, die auf eine Doppelbrechung von Δn≈0,01-0,02 hinweisen. In Kombination mit der Kenntnis von der Art des Gesteins (Metapelit) führt dies zur richtigen Diagnose.

In anderen Bildern von Dir sehe ich Granat: gleichfalls hohes Relief, aber etwas gringer als beim Staurolith, rundliche Kristallformen, rosa Eigenfarbe, Isotropie.

Herzliche Grüße,

Olaf

* im Forum findest Du diese Schrifttypen ncht. Du kannst nur ein Word-Dokument öffnen, dort über Einfügen>Symbol das Passende auswählen und in ein leeres Dokument einfügen, von dort dann über Copy and Paste ins Forum-Schriftfeld übernehmen. Ist leichter als es sich anhört!
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Bayer in Juni 25, 2018, 17:34:24 NACHMITTAGS
Vielen Dank Olaf für Deine Erläuterungen - das werde ich jetzt mal mit meinen Büchern nachvollziehen.
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Wutsdorff Peter in Juni 25, 2018, 19:05:38 NACHMITTAGS
Guten Abend Olaf,

Dein Zitat:
"den Wert für Γ* erhält man in weit ausreichender Genauigkeit aus der Farbtafel nach Michel-Levy ohne einen Kompensator zu bemühen"

Das setzt doch aber voraus, daß man weiß um welches Mineral es sich handelt, das ist mir klar, vorausgesetzt, man hat die Dicke richtig bestimmt.
Beispiel1:  es handelt sich um Korund, Dicke = 30µm, >>Gamma =240nm.
Beisp.2: Wenn ich aber nicht weiß, daß es Korund ist, und ich messe die Dicke zu 30µm und bestimme Gamma mit Berek zu 240nm, dann treffe ich bei Michel-Levy auf einen Strahl, der mich am Rand zu Korund füührt.

Mit Relief und Chagrin hast Du natürlich recht.

Gruß Peter
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: olaf.med in Juni 25, 2018, 19:32:10 NACHMITTAGS
Lieber Peter,

andersrum wird ein Schuh daraus. Der Gangunterschied ist ja gleich der Interferenzfarbe die man beobachtet, auch ganz ohne dass man weiß um welches Mineral es sich handelt!

Die Formel lautet:

Γ=d●Δn

Es ist also eine einfache lineare Gleichung. Von dieser ist eine Größe bekannt, nämlich die Dicke d. Den Gangunterschied Γ (=Interferenzfarbe) erhält man durch Aufsuchen des Mineralschnitts mit der höchsten Interferenzfarbe dieses zunächst unbekannten Minerals im Dünnschliff. Bei zwei bekannten Größen kann man nun die dritte, nämlich die Doppelbrechung Δn, berechnen oder aus der graphischen Darstellung (Farbtafel nach Michel-Levy) entnehmen. Das führt in Deinem Beispiel dann zum Korund.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Dünnschliff: Staurolith-Glimmerschiefer-Wissahickon (Pol & Elektronenmikroskop)
Beitrag von: Bayer in Juni 28, 2018, 19:51:23 NACHMITTAGS
Liebe Dünnschlifffreunde,

anbei noch ein paar Daten zum Dünnschliff.

Datierung laut Robert Gill ist das Kambrium (da fehlen mir alle Kenntnisse um das zu bestätigen)

- Periode vor ca. 541 – 485,4 Millionen Jahre
- Kambrische Explosion = Entstehung fast aller heutiger Tierstämme durch veränderte Umweltbedingungen (u.a. erhöhter Sauerstoffanteil im Meer) – d.h. früheste Fossilienfunde
- durchschnittlich 7 Grad heißer als heute, nur 63% des heutigen Sauerstoffanteil aber das 12-fache des Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre

Glimmerschiefer (hell- bis dunkelgrau, durch Verwitterung bräunlich / rötlich) = geschieferte Metamorphite
- Schieferung = (engständige) lagige, planare Struktur (Parallelgefüge); Ergebnis tektonischer Vorgänge, die das Gestein mit hohem Druck und Temperatur beeinflussen) - die größten Flächen der Minerale stehen senkrecht zur Richtung des gerichteten Drucks (dann sind die Kanten – die Bereiche mit dem größten Kristallwachstum - dem geringsten Druck ausgesetzt)
- Metamorphite = durch Gesteinsmetamorphose unter hohen Druck- und Temperaturbedingungen tief in der Erdkruste entstanden aufgrund z.B. Gebirgsbildung oder Plattentektonik – durch die Umwandlung entstehen neue Minerale und Mineralaggregate – Ausrichtung der Mineralkörner im Gestein, die wiedergibt, aus welchen Richtungen der größte Druck erfolgte – neues Gesteinsgefüge / -textur
- Schist = mittel- bis grobkörnige Schiefer mit relativ hohem Metamorphosegrad – Mineralkörner oft mit bloßem Auge erkennbar, in manchen Fällen mehrere Zentimeter lang
- Vorkommen: oft in den Innenzonen von Gebirgen

Staurolith
- Kreuzstein, Inselsilikat, hier Eisenstaurolith (Eisen 8%, kein Zink, aber etwas Magnesium 4%), Hauptbestandteile Aluminium (38%) und Silizium (37%)
- Kristallisieren im monoklinen Kristallsystem und entwickeln überwiegend prismatische bis tafelige Kristalle und charakteristisch-kreuzförmige Kristallzwillinge, aber auch körnige bis massige Aggregate in rotbrauner bis braunschwarzer Farbe
- Mohshärte 7-7,5; Dichte 3,65-3,83 g/ccm; unvollkommene Spaltbarkeit; Bruch muschelig, uneben, spröd; Brechnungsindizes über 1,7; zweiachsig positiv
- Eisenhaltige Staurolithe sind gelblich-braun
- Die Symmetrie der Staurolithstruktur ist nicht kubisch, sondern monoklin <Stabstruktur – nadelige Kristalle, radialstrahlartige aber auch körnige bis massive Mineral-Aggregate oder krustige Überzüge> (geneigt in einem Winkel ungleich 90 Grad – Punktgruppe, die in genau einer Richtung eine zweizählige Dreh- oder Drehinversions- bzw. Schraubenachse besitzen)

Beste Grüße
Christian