Mikro-Forum

Foren => Bestimmungshilfe => Thema gestartet von: cuwohler in Juli 15, 2018, 15:48:02 NACHMITTAGS

Titel: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: cuwohler in Juli 15, 2018, 15:48:02 NACHMITTAGS
Hallo Forum,

ich habe heute einen starken Magneten durch die Staubablagerungen in der Dachrinne gezogen.
Ein paar magnetische, nahezu runde, Objekte sind mir bei der Untersuchung es Ertrages aufgefallen.
Kann man diese mit einem irdischen Ursprung erklären, oder sind das Mikrometeoriten?

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/236295_58154627.jpg)

Danke für die Aufklärung(en) und

viele Grüße
Cai-Uso
www.sandphoto.de (http://www.sandphoto.de)
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: olaf.med in Juli 15, 2018, 19:51:20 NACHMITTAGS
Lieber Cai-Uso,

schau mal hier (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=18396.0).

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: Bob in Juli 15, 2018, 20:40:02 NACHMITTAGS
Hallo Cai-Uso,
kennst Du das Buch von Jon Larsen? Es ist eine Art bebilderte Bestimmungshilfe für echte und auch unechte Mikrometeoriten. Ich habe es noch nicht ganz durchgearbeitet um herauszufinden, was letztendlich die sichere Unterscheidung ermöglicht. Ich habe aber schon mal ein paar Kandidaten auf einen REM - Teller gebackt. Das Buch kostet ca. 18 € und ist m.E. für den Einstieg unverzichtbar.
Bei der Mikro haben wir übrigens das Thema Meteoriten (große) in der Vorplanung.

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: Florian D. in Juli 15, 2018, 20:52:54 NACHMITTAGS
Mich wundert, wie blank die Kügelchen sind. Wenn sie hauptsächlich aus Eisen wären, müssten sie viel stärker verrostet sein. Auf  dem mittleren Kügelchen meine ich grünliche Farben zu erkennen, was für Nickel sprechen würde. Das würde zu einem Eisen-Nickel Meteoriten passen. Auf Nickel könnte man leicht mit Dimethylglyoxim testen (gibt eine Rotfärbung).
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: cuwohler in Juli 16, 2018, 06:54:37 VORMITTAG
Hallo Leute,

vielen Dank!

Olaf: Den Artikel habe ich nochmal durchgearbeitet. Für mich nicht ganz hilfreich, da uneindeutig.

Bob: Das Buch habe ich bestellt, sollte vielleicht bei der Bestimmung helfen. Das mit dem Meteoritenbeitrag werde ich mir mal merken.

Florian: Das mit dem fehlenden Rost - bei den beiden äußeren Kügelchen - wundert mich auch.

Viele Grüße
Cai-Uso
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: Klaus Herrmann in Juli 16, 2018, 09:26:32 VORMITTAG
Hallo Cai-Uso,

eine Analyse könnte helfen. Entweder naßchemisch nach alter Chemikerart (unser talentierter Mikrochemiker würde das mit links machen) oder mit der Mikrosonde. Bei Nickel wäre der Ansatz extraterrestrisch gut begründet.

Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: Eckhard F. H. in Juli 16, 2018, 09:46:18 VORMITTAG
Hallo Cai-Uso,
interessant. Für mich sieht es auf dem Foto so aus, als wäre die große Kugel innen nicht gänzlich hohl. Eher ähnlich einem tiefen Krater als Folge eines Einschlags. Ich vermeine auch, aufgewölbte Kraterränder zu erkennen. Kann mich aber  täuschen.
Gruß - EFH
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: Bob in Juli 16, 2018, 10:34:24 VORMITTAG
 Beim Edelstahlschweißen entstehen reichlich nickelhaltige Kügelchen jn Form der Schweißspritzer.  Das macht das Buch von Jon Larsen ja so interessant - er hat eben auch die Kügelchen irdischen Ursprungs gut dokumentiert.
Vielleicht kann ein EDAX -Scan eindeutig Aufschluss bringen?
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: Klaus Herrmann in Juli 16, 2018, 10:43:31 VORMITTAG
ZitatBeim Edelstahlschweißen entstehen reichlich nickelhaltige Kügelchen jn Form der Schweißspritzer.

Aber die Frage ist natürlich :wie kommt die Kuh aufs Dach? Deshalb sid Fundort und Umstände immer wichtig.
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: Bob in Juli 16, 2018, 11:10:58 VORMITTAG
Nach dem Schweißen kommt meist das Verputzen der Nähte mit der Flex, deren Funken vermutlich auch so aussehen. In der Regenrinng unserer Garage habe ich auf ca. 25 m Länge etliche solche Partikel gefunden, m.E. terrestrischen Ursprungs. Ideal wäre ein Hallendach abseits jeglicher Industrie mitten in der Pampa, das nach dem Bau gründlich gereinigt wurde.

Letztendlich sind die terrestrischen Partikel aber auch sehr hübsch und interessant.
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: cuwohler in Juli 16, 2018, 11:25:15 VORMITTAG
Hallo Leute,

Klaus, mit der Chemie habe ich das nicht so.

Eckhard, nein, die Kugel ist innen nur zum Teil hohl. Es könnte oben links ein wenig aufgewölbt sein.

Klaus und Bob, ja, wie kommen die Kugeln in meine Dachrinne? Die Dachrinne ist schon mindestens 10 Jahre alt, also eher nicht vom Herstellungsprozess.
Ich hätte auch gedacht, daß die Schweißperlen(?) recht schnell verwittern.

Viele Grüße
Cai-Uso
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: Klaus Herrmann in Juli 16, 2018, 11:57:55 VORMITTAG
ZitatKlaus, mit der Chemie habe ich das nicht so.

Dafür gibt es zum Glück versierte Fachleute :D Ich behebe meine Rechnerprobleme auch nicht selber ;)

Ich hatte schon auf Reinhard hingewiesen, der würde von einer Kugel einen 1 µ dicken Span abnehmen in 1µl Salpetersäure auflösen und mindestens Eisen, Nickel, Uran und Platin nachweisen 8)
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: cuwohler in Juli 16, 2018, 16:14:23 NACHMITTAGS
Hallo Klaus,

das wäre eine Idee.
Ich warte noch auf des morgen kommende Buch von Jon Larsen.
Da werde ich mal die Bilder vergleichen. Wenn ich dann nicht weiterkomme, wende ich mich an Reinhard.

Viele Grüße
Cai-Uso
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: Dr. Jekyll in Juli 16, 2018, 16:45:32 NACHMITTAGS
Hi,

Vielleicht such mal jemand mit Kunststoff- oder Kupfer-Dachrinne nach solchen Kugeln.
Sollten dort welche zu finden sein, ist die Herkunft aus dem All zumindest wahrscheinlicher.
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: hugojun in Juli 16, 2018, 18:16:36 NACHMITTAGS
Hallo liebes Forum und Cai-Uso,
es kommen immer wieder Vorschläge, chemische Tests anzustellen. Egal welcher Art nass-chemisch oder mit Mikrosonde, sollte man wissen, mit welchen Zutaten ich bei dem Material, wenn es dann außerirdisch sein soll, zu rechnen habe.
Für die erste grobe Analyse von extraterrestrischem Eisen wird dann auch gerne gesagt, Nickel muss drin sein. Stimmt, aber Nickel kommt leider in Eisenhütten-Produkten viel zu häufig vor, um es als ,,Beweis" anzuführen. Bei Hüttenprodukten kommt hinzu, wenn sie hochlegiert sind, enthalten sie neben hohen Nickelgehalten auch hohe Chrom- und Mangananteile. Dies ist bei meteoritischem Eisen nicht der Fall. Dia Aufgabe lautet also: Nickel hochlegiert nachweisen und Chrom (> 800ppm) und Mangan ausschließen. Hilfreich wäre noch der Cobalt Nachweis. Eisen Meteorite habe meistens geringe Anteile davon (< 1 %).
Gruß
Jürgen
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: Eckhard F. H. in Juli 16, 2018, 18:18:59 NACHMITTAGS
ZitatEckhard, nein, die Kugel ist innen nur zum Teil hohl. Es könnte oben links ein wenig aufgewölbt sein
Hallo Cai-Uso,
wenn die Kugeln völlig hohl sind und Lochränder ein wenig aufgewölbt, sind sie banalen irdischen Ursprungs. Wettet jemand mit? Wahrscheinlich enthalten fliegende flüssige Schleif- oder Schweißspritzer(kugelförmig) irgend etwas, daß gasend (oder thermisch ausdehnend) explodiert und leicht nach außen gewölbten die Austrittslöcher hinterläßt.
Gruß - EFH
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: Bob in Juli 16, 2018, 19:34:48 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,
das ist die Information, die mir noch fehlte. Diese Elemente sollten sich doch mittels EDAX-Scan nachweisen lassen, oder?

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: hugojun in Juli 16, 2018, 21:11:33 NACHMITTAGS
Hallo Bob,
Energiedispersive Röntgenspektroskopie ist ok , aber kalibriert ., Du musst den Mangan- und  Chromgehalt  quantitativ bestimmen .Das kann ein Problem werden , wenn die Palette an Elementen zu groß
ist.
Jürgen

Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: Eckhard F. H. in Juli 17, 2018, 21:06:16 NACHMITTAGS
Zitat... der würde von einer Kugel einen 1 µ dicken Span abnehmen in 1µl Salpetersäure auflösen und mindestens Eisen, Nickel, Uran und Platin nachweisen
Lieber Klaus,
sosehr mir diese Leistung imponiert, so wenig glaube ich, daß sie zur Lösung dieses Falles beiträgt.
Gruß - EFH
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: cuwohler in Juli 18, 2018, 06:24:48 VORMITTAG
Hallo Eckhard,

das sehe ich eigentlich ähnlich. Aber auch das Buch von Jon Larsen ist,
zumindest was die Bebilderung in dem Buch angeht, nicht sofort zielführend.

Viele Grüße
Cai-Uso
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: TPL in Juli 18, 2018, 12:44:54 NACHMITTAGS
Hallo Cai-Uso,

ich möchte ungern der Spielverderber sein, aber vor allen analytischen Versuchen würde ich raten, die Wahrscheinlichkeit eines Fundes mehrerer (!) extraterrestrischer Partikel auf einem Hausdach abzuschätzen. Diese halte ich – im dicht bevölkerten, hoch indstrialisierten Mitteleuropa – für verschwindend gering.

Es gab hier übrigens schon mehrfach (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=18396.msg140594#msg140594) Diskussionen (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=17619.msg134695#msg134695) zu dem Thema.

Viele Grüße, Thomas
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: Fahrenheit in Juli 18, 2018, 14:21:37 NACHMITTAGS
Liebe Kollegen,

Horst-Dieter Döricht hat in einer Sandprobe aus der Atacama - sie stammt aus der Nähe der dortigen Sternwarten - ganz ähnliche Strukturen gefunden und z.B. hier (http://v) beschrieben.

Vieleicht trägt der Artikel zur Lösung des Rätsels bei?

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: Horst Wörmann in Juli 18, 2018, 14:31:58 NACHMITTAGS
Lieber Thomas,

da kann ich Dir nur zustimmen. Ich habe mich jahrelang beruflich mit Stäuben und Schlämmen aus der Gießereiindustrie beschäftigt, da findet man solche Kügelchen in Massen (insbesondere im Kupolofenstaub). Nix Extraterrestrisches, einfach Abfälle, die auf die Deponie kamen und von da aus verweht wurden.

Viele Grüße
Horst
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: Ulrich S in Juli 18, 2018, 15:11:55 NACHMITTAGS
Moin zusammen,
ich verlinke mal auf eine sehr ausführliche Diskussion zu Mikrometeoriten und auch dem genannten Buch des Herrn Larsen. Auch wenn nicht alle Beiträge lesenswert sind, ca. die Hälfte ist es schon.
https://www.jgr-apolda.eu/index.php?topic=2472.30
Grüße
Ulrich
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: TPL in Juli 18, 2018, 15:21:36 NACHMITTAGS
Zitat von: Horst Wörmann in Juli 18, 2018, 14:31:58 NACHMITTAGS(...) Nix Extraterrestrisches, einfach Abfälle, die auf die Deponie kamen und von da aus verweht wurden.

Lieber Horst,

davon einmal abgesehen: Hochofen-Schlacken, Kraftwerksstäube und anderer "Industriemüll" wird teilweise seit Jahrzehnten als Zuschlag zur Herstellung von Straßenbelag, Bau-Füllstoffen und... Grobkeramik (z.B. Dachziegeln!) eingesetzt. Es würde mich nicht wundern, solche Kügelchen auch im Dünnschliff eines Dachziegels zu finden.

Viele Grüße
Thomas
Titel: Re: Irdischen Ursprungs?
Beitrag von: cuwohler in Juli 18, 2018, 18:01:40 NACHMITTAGS
Hallo Leute,

vielen Dank für die zahlreichen Antworten.
Ich denke mittlerweile auch, daß die Kügelchen irdischen Ursprungs sind, zumal in dem Buch von Jon Larsen
keine eindeutigen Entsprechungen zu finden sind. Auch ist wahrscheinlich zielführender, nicht mit einem
Magneten in der Dachrinne zu suchen, sondern das ablaufende Wasser während eines Regens auf 150 mü
zu filtern und den Filtersatz visuell zu durchsuchen.

Viele Grüße
Cai-Uso