Liebe Pflanzenfreunde,
zu dieser großen Familie der Fabaceae oder Leguminosae (Hülsenfrüchtler) zählenden Gattungen mit mehr als 700 Arten gehören einjährige und mehrjährige Stauden, Sträucher und Bäume.
Die meisten stammen aus tropischen oder subtropischen Regionen, manche haben ihre Verbreitung auch in beiden Gebieten.
Bild 01 Indigostrauch Indigofera heterantha
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_64923656.jpg)
Diese Pflanze steht bei uns im Garten.
Foto: H.-J_Koch
Dieser elegante, sommergrüne Strauch mit überhängenden Zweigen wird 3 Meter hoch und breit. Seine fein gefiederten Blätter sind graugrün und bilden einen hübschen Kontrast zu den in kleinen Ähren angeordneten, purpurroten Blüten.
Die Pflanze stammt aus dem nordwestlichen Himalaja und blüht vom Frühsommer bis Frühherbst.
Die Blüten werden durch Insekten bestäubt. Durch explosionsartige Öffnung der Hülsen erfolgt eine Samenausschleuderung.
Der Gattungsname bezieht sich darauf, dass einige Arten den blauen Farbstoff Indigo enthalten.
Systematik:Ordnung: Schmetterlingsblütler (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Gattung: Indigopflanze (Indigofera)
Art: Indigopflanze
Wissenschaftlicher Name: Indigofera heterantha
Volkstümliche Bezeichnung: Falscher Indigostrauch
Englischer Name: indigo shrub
Der Name ,,indikon" bzw. lat. ,,indicum" steht für Indigo, einem blauen Farbstoff.
,,heteros" = verschieden, anders und ,,antheros" = blühend bzw. Staubgefäß: die Staubfäden sind verschieden. Lat. ,,fera" = tragend.
Bild 02 Indigostrauch Indigofera heterantha
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_44624228.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Die hübschen, hellgrünen, bis zu 10 cm langen Blätter sind unpaarig gefiedert und zusammengesetzt aus kleinen, länglichen Blättchen. Von Juli bis September werden ständig hellpurpur-/rosafarbene Blütentrauben aus den Blattachseln der einjährigen Triebe gebildet, die einen starken Kontrast zum frischgrünen Laub bilden.
Die Blüten stehen einzeln in den Blattachseln oder in achselständigen traubigen oder ährigen Blütenständen zusammen mit meist früh abfallenden Tragblättern. Deckblätter fehlen.
Die zwittrigen Blüten sind zygomorph (zwei spiegelgleiche Hälften) und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle (Perianth). Die fünf Kelchblätter sind glocken- oder becherförmig verwachsen. Die fünf Kelchzähne sind fast gleich oder der unterste ist länger. Die Kronblätter sind oft rosa, rot oder orange, selten weiß oder gelb gefärbt. Die
Fahne ist an ihrer Basis kurz genagelt.
Fahne ( das hintere Kronblatt der Schmetterlingsblütler).
Das Schiffchen besitzt oft einen Sporn, der mit den Flügeln verwachsen ist. Die Flügel sind schmal. Neun der zehn Staubblätter sind verwachsen. Das Fruchtblatt enthält viele oder nur ein bis viele Samenanlagen. Der lineale, meist unbehaarte Griffel endet in einer kopfigen Narbe.
Die Hülsenfrüchte sind länglich bis bleistift- oder kugelförmig und enthalten drei bis vier Samen. Das
Hilum ist klein. Die zwei Keimblätter (Kotyledonen) sind ungleich.
Hilum [von latein. hilum = kleines Ding], Nabel, die Stelle, an der die Samenanlage dem Samenstielchen (Funiculus) ansitzt.
Bild 03 Illustration von Indigofera suffruticosa.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_17654054.jpg)
Dieses Werk ist gemeinfrei.
Quelle: List of Koehler Image
Urheber: Franz Eugen Köhler, Koehler`s Medizinal – Pflanzen 1897
Die Indigofera dient primär der Gewinnung des Indigo, eines wertvollen Farbstoffs, von dem die Farbe Indigo, ein tiefes Blau an der Grenze zum Violett, ihren Namen hat.
Die Blätter der Indigopflanze enthalten Indikan in einer Konzentration von 0,2–0,8 %. Dieser farblose und wasserlösliche Abkömmling der Aminosäure Tryptophan stellt den Vorläufer des Indigo dar, welches wie folgt gewonnen wurde:
1. Die geernteten Blätter wurden gewässert, damit das Indikan Glucose abspaltete (Hydrolyse).
2. Natürlich vorhandene Enzyme sorgten dafür, dass das Indikan innerhalb von etwa zehn Tagen zu gelbem Indoxyl abgebaut wurde (Fermentation).
3. Das Gärungsprodukt verband sich mit dem in der Luft enthaltenen Sauerstoff zum blauen Indigofarbstoff (Oxidation), der ausflockt.
4. Die Ausfällung wurde mit einer starken Base, wie zum Beispiel Natronlauge versetzt (Alkalisierung), in Kuchen gepresst, getrocknet und schließlich pulverisiert.
Heute wird der Indigofarbstoff synthetisch hergestellt.
1878 konnte der Farbstoff Indigo erstmals durch Adolf von Baeyer vollständig künstlich hergestellt werden. Alle Ausgangsstoffe dazu können aus Erdöl gewonnen werden. Etwa 20 Jahre später wurde Indigo in großem Maßstab industriell von der BASF (
Badische
Anilin- und
Soda
fabrik) hergestellt und hat den Indigo aus pflanzlichen Rohstoffen weitgehend verdrängt. Der künstliche Indigo hat einen etwas dunkleren Farbton und eine wesentlich höhere Farbintensität.
Die getrockneten, gemahlenen Blätter von Indigopflanzen werden auch zum Haarefärben verwendet. So erreicht man eine dunkelbraune bis schwarze Färbung. Sie werden dazu auch mit anderen Pflanzen wie Henna gemischt (,,schwarzes Henna").
Indigoanbau in Indien ist seit der Antike belegt.
Die Pflanze wird in
Sanskrit (die heilige Sprache Indiens) als Nila bezeichnet.
Sanskrit bezeichnet die verschiedenen Varietäten des Alt-Indischen. Die älteste Form ist die Sprache der Veden, einer Sammlung religiöser mündlicher Überlieferungen im Hinduismus.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatten europäische Kapitalisten (,,Pflanzer") in Britisch-Indien damit begonnen, im Bereich des
Permanent Settlement von den örtlichen Großgrundbesitzern (Zamindar) Anbaurechte mittels sogenannter Tinkathia-Pachtverträge zu erwerben und die Bauern (raiyat) dazu zu verpflichten, 3/20stel ihres besten Landes mit der Indigo-Pflanze zu bebauen.
Das
Permanent Settlement war die 1793 von der East India Company dauernde Festlegung der Grundsteuer in den von ihr verwalteten Gebieten Bengalens.
Die Bauern mussten für den Erwerb des Saatguts zu verzinsende Vorschüsse durch Mittelsmänner akzeptieren, wobei betrügerische Verträge und Zinssätze von 50–500 % üblich waren. Die Pächter erhielten jedoch keinen Garantiepreis, sondern einen zur Erntezeit festgesetzten, der unter dem Marktwert lag. Problematisch war auch, dass sich Indigo nicht in die reguläre Fruchtfolge einbinden ließ. Der Farbstoff wurde in örtlichen Fabriken weiterverarbeitet. Als sich für die Pflanzer (thikadari) und ihre Mittelsmänner der Verkauf von Indigo nicht mehr rentierte, verlangten sie von den Bauern ,,Ablöse" (tawan) und Pachtzuschläge (sharahbeshi). Die ausbeuterischen Praktiken führten 1859–1862 zu den sogenannten Indigo-Unruhen.
Teil 1 einjähriger Spross, Querschnitt, 25 µm
Zunächst einmal sechs Bilder von ungefärbten Schnitten.
Bild 04 Übersicht, Indigostrauch Indigofera heterantha
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_52727599.jpg)
Bild 05 Abschlussgewebe, Indigostrauch Indigofera heterantha
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_14347911.jpg)
Bild 06 Indigostrauch Indigofera heterantha
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_51393439.jpg)
links: Markparenchym
rechts: Xylem
Bild 07 Indigostrauch Indigofera heterantha
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_26756241.jpg)
Drei Tracheen mit einem großen Durchmesser.
Tracheen sind ausschließlich für die Wasserleitung verantwortlich.
Durch den größeren Durchmesser ist in Tracheen der Volumenstrom deutlich höher als in Tracheiden (Hagen-Poiseuille'sches Gesetz), jedoch steigt die Gefahr einer Gefäßembolie durch Abreißen des Wasserfadens (Cavitation).
Bild 08 Vergrößerung, Indigostrauch Indigofera heterantha
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_23264094.jpg)
Bild 09 Vergrößerung, Indigostrauch Indigofera heterantha
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_14303791.jpg)
Bild 10 Autofluoreszenz, Indigostrauch Indigofera heterantha
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_49584532.jpg)
Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz iLED 455 nmLED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485
Bild 11
Autofluoreszenz, Indigostrauch Indigofera heterantha
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_19699911.jpg)
Bild 12 (https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_2389992.jpg), Indigostrauch Indigofera heterantha
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_30880833.jpg)
Bild 13 Markparenchym,
Autofluoreszenz, Indigostrauch Indigofera heterantha
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_58154627.jpg)
W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert
Arbeitsablauf :
1. Schnitte liegen in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 8 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca. 15 Sekunden !!!.
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 1 Minute und 30 Sekunden.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 2 : 1
verwendet (blau + gelb = grün).
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol ( 99,9 % ).
10 Einschluss in Euparal.
Ergebnis :
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Fotos: Nikon D5000.
Bild 14 Übersicht, Indigostrauch Indigofera heterantha
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_35529478.jpg)
Bild 15 Markparenchym, Indigofera heterantha
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_47422476.jpg)
Bild 16 Vergrößerung aus der Übersicht mit Beschriftung, Indigostrauch Indigofera heterantha
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/237705_65273341.jpg)
ST = Strahl, T = Trachee, XY = Xylem, EP = Epidermis, Cu = Cuticula, RP = Rindenparenchym, K = Kambium, L = Lentizelle, SK = Sklerenchym, Ph = Phloem
Die gelbe Färbung der Sklerenchymzellen irritiert mich etwas, dennoch glaube ich nicht, dass wir hier Steinzellen sehen.