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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Dr. Jekyll in Oktober 03, 2009, 09:57:08 VORMITTAG

Titel: Demobilisierung
Beitrag von: Dr. Jekyll in Oktober 03, 2009, 09:57:08 VORMITTAG
Hallo Freunde des Kleingetiers,

da ich besonder gerne Lebendbeobachtungen mache, habe ich nach einer Methode gesucht schnelle Organismen zu fixieren ohne diese zu zerstören. Dabei ist mir eines Tages Ultraschallgel in die Hände geraten. Hiermit läßt sich das Medium stufenlos einstellen. Nun schwimmen die "Kleinen" in Zeitlupe.
Was benutzt ihr für Hilfsmittel? Welche Vor- und Nachteile haben eure Methoden.
Würde mich über einen kleinen Erfahrungsaustausch freuen.

LG
    Harald
Titel: Re: Demobilisierung
Beitrag von: Michael Plewka in Oktober 03, 2009, 12:44:43 NACHMITTAGS
hallo Herr Maage,
ich kenne dieses Ultraschallgel nicht und würde mich deshalb freuen, wenn Sie diese etwas erläutern könnten .
Ich selbst benutze lediglich die Methode des Festklemmens unter dem Deckglas mit mehr oder weniger gutem Erfolg. Damit ist u.a. gemeint, dass  durch das Festklemmen Formveränderungen, insbes. bei Ciliaten auftreten, so dass die eigentliche Form manchmal nur noch zu erahnen ist.
beste Grüße Michael Plewka
Titel: Re: Demobilisierung
Beitrag von: A. Büschlen in Oktober 03, 2009, 15:06:52 NACHMITTAGS
@ Michael Plewka: Das Ultraschallgel entspricht in etwa einem Intim-Gleitgel. Dieses Gel ist bei uns in der Schweiz in jedem grösseren Einkaufszentrum erhältlich.

Freundliche Grüsse

Arnold Büschlen
Titel: Re: Demobilisierung
Beitrag von: rekuwi in Oktober 03, 2009, 18:47:03 NACHMITTAGS
Lieber Harald,

interessanter Tipp. Was ist kostengünstiger bzw. bekommt man dieses Gel in der Apotheke und ist das Intimgel billiger?

Grüßle
Regi
Titel: Re: Demobilisierung
Beitrag von: Druse in Oktober 03, 2009, 18:50:55 NACHMITTAGS
Beide Gele bekommt man in der Apotheke, Preise muss ich nachgucken, verkaufe beides nicht soooo oft..., oder mal nachfragen in einer vertrauenswürdigen, ehrlich anmutenden Apotheke  ;)

Das Gel kann man sehr einfach selber herstellen (Rezeptur bei Bedarf), den Gelbildner bekommt man auch in der Apo, aber: wie gesagt, Preise liefere ich nach.


Nachtrag: ich habe gerade gesehen: in Internet-Apos gibt es 500g U-Gel für < 3 Euro! Da lohnt das Selberherstellen nicht!

Wer aber ein handgrührtes Gel einer Apothekerin vorziehen sollte: kein Problem  ;D
Titel: Re: Demobilisierung
Beitrag von: Michael Plewka in Oktober 04, 2009, 09:45:59 VORMITTAG
liebes Forum,
ein schönes Beispiel dafür, wie verpeilt Menschen (in diesem Fall ich) sein können.... Zwar kam das Ultraschallgel bei mir als Intim-GleitGel noch nicht zum Einsatz (ohne weiteren Kommentar), aber als Gel bei Ultraschalluntersuchengen ist mir das Zeugs sehr wohl bekannt. Ich war (aus welchen Gründen auch immer) in dem  irrigen Verständnis verhaftet, bei dem Ultraschallgel handele es sich um  ein Gel, das durch Ultraschall seine Viskosität ändert,  eine Art thixotroper Flüssigkeit also. Und da hätte mich schon interessiert, wie der Ultraschall am Mikroskop appliziert wird, und wie die Viecher auf Ultraschall reagieren. Falscher Alarm sozusagen. Insofern vielen Dank für die Aufklärung des Missverständnisses meinerseits.
Michael Plewka
Titel: Re: Demobilisierung
Beitrag von: Dr. Jekyll in Oktober 04, 2009, 10:01:32 VORMITTAG
Die genaue Zusammensetzung des Gels kenne ich nicht. Es gibt sicher leicht unterschiedliche Rezepte, abhängig vom Hersteller. Selbst zusammen rühren lohnt sicher nicht, es ist sehr billig. Allerdings wüßte man dann genau was es an Inhaltsstoffen enthält. Da das Gel immer aus sehr viel Wasser besteht ist  ein Konservierungsmittel enthalten. Das bringt unsere lieben kleinen Organismen aber nicht gleich um, sie zappeln noch lange genug.
Wer ganz knapp bei Kasse ist kann sich beim nächsten Arztbesuch ein wenig Gel schnorren. Es gibt wohl keinen Arzt der die Abgabe verweigert, zumal sie das Zeug oft von der Pharmaindustrie als Werbegeschenk bekommen.

lg
  Harald
Titel: Re: Demobilisierung
Beitrag von: Druse in Oktober 04, 2009, 10:02:49 VORMITTAG
@ Michael:

nun, so abwegig finde ich die Idee gar nicht;

Mal kurz off-topic:

1) Das hat zwar jetzt nichts direkt mit thixotropem Fließverhalten zu tun, aber es gibt Gele, die Resonanzerscheinungen zeigen. Man nennt sie Brummgele oder Ringing gels.

2) Bei Ultraschallkontaktgel und anderen Gelen  (;)), bei denen als Gelbildner Polyacrylsäure zum Einsarz kommt, muss der pH-Wert des Gels im Neutralen liegen, einerseits wegen der Hautverträglichkeit (allerdings wäre ein leicht sauerer pH besser), andererseits findet die Gelbildung im neutralen Bereich statt, Polyacrylsäure ergibt in Wasser erstmal eine saure Dispersion. Wird zu viel Base zugegeben, so wird die Gelstruktur zerstört, die innere Phase liegt inkohärent vor, sprich: Solbildung.

Damit möchte ich verdeutlichen, dass Gele äußert interessante Eigenschaften haben, abgesehen von ihren vielfältigen Einsatzmöglichkeiten  :)

@ Harald: preiswert ist es, sag ich doch, s.o.  :)
Titel: Re: Demobilisierung
Beitrag von: Mark in Oktober 04, 2009, 10:34:46 VORMITTAG
Hallo,

wird nicht auch Metylan (Tapetenkleister) hierfür verwendet ?
m.W. handelt es sich um Methylcellulose, ist also chemisch / osmotisch völlig
neutral gegenüber Kleinstlebewesen.
Die Viskosität ließe sich dann über das Verhältnis Wasser / Metylan einstellen.

... irgendwo meine ich das mal gelesen zu haben.
Eigene Erfahrungen habe ich nicht.

Gruß
Mark

Titel: Re: Demobilisierung
Beitrag von: Druse in Oktober 04, 2009, 10:39:21 VORMITTAG
Mal eine Übersicht über die Hydrogele, u.a. auch mit den jeweiligen Eigenschaften:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/fileadmin/nrf/PDF/1-Hydrogele.pdf

Grüße, Mila
Titel: Re: Demobilisierung
Beitrag von: Mark in Oktober 04, 2009, 10:58:02 VORMITTAG
Hallo Mila,

... das sind ja nun alles ebenfalls Cellulosederivate, die in verschiedenen
Medien (z.T. alkoholisch) angesetzt werden. Dazu kommen noch Konservierungsmittel,
die braucht man ja eigtl. nicht, wenn man jedesmal frisch ansetzt.

Ob da der Tapetenkleister - nur in Wasser angelöst - nicht weniger aufwendig und
auch billiger ist ? Er ist ja pulverförmig und man braucht pro Präparat dann
womöglich nicht mehr als eine Spatelspitze ...

Gruß
Mark
Titel: Re: Demobilisierung
Beitrag von: Druse in Oktober 04, 2009, 11:37:30 VORMITTAG
Hallo Mark,

nein, das sind eben nicht alles Celluloseethergele.

Tapetenkleister geht möglicherweise auch, Hauptsache schön klar, über Gelatine wurde auch schon viel geschrieben im Forum.
Ich habe keine Erfahrung mit der Demobilisierung, da die botanischen Schnitte und die Drogenpulver ja doch eher phlegmatisch sind  ;)

Grüße, Mila
Titel: Re: Demobilisierung
Beitrag von: Bernhard Lebeda in Oktober 04, 2009, 13:11:21 NACHMITTAGS
Hallo liebe Ciliatenbremser

ich warte schon verzweifelt auf Steffen Clauss, der ist nämlich der einzige mir bekannte Forumskollege, der die in Rede stehende Problematik überzeugend gelöst hat.

Die Frage wurde hier schon öfters diskutiert, ich zeige mal zwei Beispielthreads:

http://www.mikroskopie.de/mikforum/read.php?1,24149,24149#msg-24149

http://www.mikroskopie.de/mikforum/read.php?2,50670,50670#msg-50670



Viele ungebremste Grüsse


Bernhard