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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Bernd Kaufmann in Mai 23, 2019, 10:49:18 VORMITTAG

Titel: Aktivkohle
Beitrag von: Bernd Kaufmann in Mai 23, 2019, 10:49:18 VORMITTAG
Hallo zusammen,

bei einem "Unfall", bei dem Fische in einem Aquarium getötet wurden, liegt der Verdacht sehr nahe, dass eine neu zur Filterung benutzte Aktivkohle irgendwelche Substanzen ans Wasser abgegeben haben könnte. Über die näheren Umstände habe ich leider nur sehr bruchstückhafte Informationen. Aber ich habe zwei Proben von Aktivkohle, nämlich eine, mit der es noch nie Probleme gab, und eine, von der mutmaßlich das Unglück ausgelöst wurde. Beide Aktivkohlen werden in der Aquaristik verwendet.

Ich habe nun bisher jeweils 50 Gramm mit je 1000 ml destilliertem Wasser übergossen, 1 Tag stehen lassen und immer wieder umgerührt. Danach wurden die üblichen Messungen gemacht. Signifikante Unterschiede gab es bei der elektrischen Leitfähigkeit. Bei der Probe 1 ("gute" Kohle) stieg sie von der ersten bis zur letzten Messung nach 24 Stunden von 58 auf 117 µS/cm, bei der Probe 2 ("verdächtige" Kohle) von 206 auf 592 µS/cm. Der pH-Wert war von Anfang bis zum Schluss zwar sehr unterschiedlich, blieb aber weitgehend konstant. Probe 1 pH 9,6, Probe 2 pH 7,5. NO3 erhöhte sich nur bei Probe 2 von 0 auf 3,3 mg/l, PO4 auch nur bei Probe 2 von 0 auf 1,21 mg/l.

Nun bin ich gerade dabei, Vergleichsproben auskristallisieren zu lassen, um mit meiner einfachen Polarisationseinrichtung wenigstens quantitative Unterschiede zeigen zu können. Hat jemand speziell dazu irgendwelche technischen Tipps? Und die wichtigste Frage: Wer kennt sich mit Aktivkohle gut aus und kann mir Anregungen für weitere Tests und Untersuchungen geben? Ich bin für jeden Hinweis dankbar!
Titel: Re: Aktivkohle
Beitrag von: DR in Mai 23, 2019, 14:40:12 NACHMITTAGS
Hallo Bernd,
ich bin auch Aquarianer und habe auch schon Symphysodon im Ges.-Becken zur Zucht gebracht. Reden wir über Süß- oder Meerwasser? Deine Fragestellung ist äußerst komplex und nach meinem Wissen mikroskopisch nicht zu lösen. Wenn die A-Kohle der Auslöser, war bräuchte es ausgewachsene analytische anorganische Chemie zur Aufklärung, mit zweifelhafter Aussagekraft. Standard ist, die Kohle vor dem Einsatz immer 24h mit Aqu. demin. im Durchlauf zu waschen, wenig Wasser genügt.  Die von Dir genannten Parameter sind unverdächtig, auch die pH-Sprünge sind in ungepuffertem Medium ohne Belang. Möglich wären Schwermetalle (siehe oben), dies wäre jedoch sehr ungewöhnlich bei einer Kohle, die für den aquaristischen Gebrauch im Handel ist. Um den Rahmen dieses Forum nicht zu sprengen, kannst Du mir gerne eine PN schicken. Wichtig wäre zu wisssen welche Arten betroffen sind und ob alle anderen Parameter konstant waren.
VG
Dieter
Titel: Re: Aktivkohle
Beitrag von: jochen53 in Mai 23, 2019, 18:06:52 NACHMITTAGS
Hallo Bernd,

es gibt verschiedene Arten von Aktivkohle: Pflanzliche (aus Holz, Torf, Nußschalen usw.), tierische (aus Blut, Knochen usw.) und mineralische (Braun-, Steinkohle, Pech, petrochemische Produkte).
Entweder wird das Ausgangsmaterial mit dehydratisierenden Mitteln (Zinkchlorid, Phosphorsäure) auf 500-900° C erhitzt und danach ausgewaschen oder durch trockene Destillation verkohlt und danach bei 700 - 1000° C mit Wasserdampf, CO2 oder anderen Gasgemischen behandelt.
Der Anstieg der Leitfähigkeit könnte auf eine mit dehydratisierenden Mitteln hergestellte und nicht ausreichend ausgewaschene A-Kohle hindeuten.
Für viele Anwendungen ist das völlig egal, z.B. zur Rückgewinnung von Lösemitteln oder zur Entfernung von Gerüchen, z.B. aus der Innenluft von Kfz. War die Kohle denn überhaupt für die Aquaristik bestimmt? Tendenziell würde ich eine wasserdampfaktivierte pflanzliche Kohle (z.B. aus Kokosnußschalen) nehmen.

Viele Grüße, Jochen.
Titel: Re: Aktivkohle
Beitrag von: Bernd Kaufmann in Mai 24, 2019, 07:48:36 VORMITTAG
Hallo zusammen,

inzwischen habe ich wenigstens etwas mehr Informationen zum Fall und durch Eure Hinweise erhalten. Es handelt sich um ein Meerwasser-Aquarium und gestorben sind 2 von 6 Seepferdchen. Dass der Verdacht auf die Kohle fiel, lag an dem Umstand, dass der Besitzer angeblich extrem hohe NH4-Werte gemessen und angeblich außer dem Kohleeinsatz nichts verändert hatte. Meine Messungen ergaben aber bei den Tests nicht den geringsten Hinweis auf Ammonium/Ammoniak oder eine andere Form von Stickstoff. Nähere Umstände sind schwer zu ermitteln. Ich denke, wenn es überhaupt etwas mit der Kohle zu tun hatte, wurde sie nicht ordnungsgemäß gespült. Andere Szenarien im Zusammenhang mit dem Wechsel des Filtermaterials usw. sind viel wahrscheinlicher.

Vielen Dank allen, die sich hier und privat gemeldet haben!