Liebe Forengemeinde,
bevor ich von Anfang an alles falsch mache, wende ich mich mit meinem Problem erst einmal an euch:
Wie bekomme ich es hin, ohne allzuviel Aufwand ein Dauerpräparat mit mehreren Moosblättchen herzustellen? Dabei ist es wichtig, dass die Blättchen vor dem Einbetten korrekt gelegt werden. Auch sollte die Farbe der Blättchen (Eigenfarbe oder angefärbt mit Baumwollblau oder Kristallviolett) auf Dauer stabil bleiben. Ich stelle mir vor, dass so ein Präparat etwa zehn Blättchen enthält.
Herzliche Grüße - und danke!
Bernd
Hallo Bernd,
Wirklich auf Dauer (50+) geht nur als Trockenpraeparat, Euparal-, Kanada- oder Dammarbalsam-Praeparat.
Ansonsten kann man sich mit wasserhaltigen Einschlussmitteln behelfen, die halten mehrere Jahre. Zur Erhaltung der natuerlichen Farben hatten wir hier einen interessanten Beitrag: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34988.msg255807#msg255807
Beste Gruesse,
Jon
Hallo Bernd,
ich habe sehr gute Erfahrungen mit der klassischen Einbettung nach Gray-Wess gemacht.
www.mikroskopfreunde-nordhessen.de/GrueneReihe/Gray%26Wess.pdf (http://www.mikroskopfreunde-nordhessen.de/GrueneReihe/Gray%26Wess.pdf)
Das Chlorophyll bleibt weitgehend erhalten und die Präparate sind noch nach Jahren in Ordnung.
Eventuell kann auch Arnold weiterhelfen.
Grüße
Wolfgang
Hallo,
ich habe bis jetzt nur Erfahrung mit Hoyers Lösung und Glyceringelatine. Mit diesen beiden Eindeckmittel erstelle ich "nur" Arbeitspräparate. Also keine Dauerpräparate.
Bernd, warum möchtest du, dass die Eigenfarbe der Moosblätter erhalten bleibt?
Gruss Arnold
Hallo zusammen,
das ist ja eine Fülle an wertvollen Informationen, viele Dank!
Die meisten Moospräparate möchte ich ungefärbt lassen, aber die natürlichen Farben beibehalten. Ich finde es so einfach ästhetischer.
Bei Sphagnum werde ich wegen einiger Merkmale, die nur so gut erkennbar sind, mit Kristallviolett färben.
Hallo Wolfgang,
am liebsten würde ich eine Einbettung nach Gray-Wess versuchen. Verrätst du mir bitte, womit du ansäuerst, mit Milchsäure?
Viele Grüße - Bernd
Hallo Bernd,
tatsächlich Milchsäure.
Grüße Wolfgang
Hallo Bernd,
Zitat von: Bernd Miggel in Januar 27, 2020, 18:55:35 NACHMITTAGS
Die meisten Moospräparate möchte ich ungefärbt lassen, aber die natürlichen Farben beibehalten. Ich finde es so einfach ästhetischer.
Mit dieser Ansicht bist du nicht alleine, seh' ich genau so. Ich bin der Meinung dass die natürliche Farbe Bestandteil des Objekts ist, und dann spricht doch nichts dafür diese zu verfremden - es sei denn man möchte dadurch erreichen etwas (besser) zu sehen was man sonst nicht oder nur schlecht erkennen kann.
Mit Hoyers Gemisch hab' ich auch schon experimentiert, weil man darin Insekten ohne Fixierung eindecken kann. Leider hat dieses Eindeckmittel bei botanischen Objekten eine stark ausbleichende Wirkung, und die fertigen Präparate sind noch blasser als die, die ich mit Isopropanol entwässert und in Euparal eingedeckt habe.
Grüße
Alex
Hallo,
Zitataber die natürlichen Farben beibehalten. Ich finde es so einfach ästhetischer.
Das verstehe ich sehr wohl und diesen Wunsch kann ich nachvollziehen. Nur was ist "das optimale Moosblatt" und in welchen Stadium zeigt es sich in seiner besten Verfassung und der Art entsprechend? Die alten Stammblätter die mit Algen und Staub besetzt sind? Oder die jüngsten Blätter an der Triebspitze die oft eine andere Ausformung haben gegenüber den tieferliegenden Stammblättern?
Interessant wäre zu wissen, wie sich die Oelkörper der Lebermoose in Gray Wess halten.
Gruss Arnold
Hallo Arnold,
zu den Ölkörpern müsstest Du mir Hilfestellung geben (ich bin in dem Thema nicht soo fit).
Ich häng jetzt mal als Beispiel ein paar Schnellschüsse dran (deswegen ist die Qualität nicht so berauschend)
Grüße
Wolfgang
Bild 1: Radula complanata, Oberseite, Neidingen(Donau) Gray-Wess, 1977
Bild 2: Mnium spionosum, Neidingen, Fund auf Erde, Gray-Wess, 1977
Bild 3: Metzgeria furcata, Inzigkofen, Fund auf Ahorn, Gray-Wess, 1977
noch einen hinterher zum Vergleich:
Brunnenlebermoos, Marchantia polymorpha, Blatt, Hoyers Gemisch, 2016
Da ist jetzt trotz Chloralhydrat nichts ausgebleicht.
Hallo,
so können Oelkörper bei Lebermoosen mit frischem Material aussehen (in Wasser eingedeckt): https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=16301.msg125696#msg125696
und hier noch von Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96lk%C3%B6rper
Gruss Arnold
Hallo Wolfgang,
Zitat von: liftboy in Januar 27, 2020, 15:39:26 NACHMITTAGS
ich habe sehr gute Erfahrungen mit der klassischen Einbettung nach Gray-Wess gemacht.
www.mikroskopfreunde-nordhessen.de/GrueneReihe/Gray%26Wess.pdf (http://www.mikroskopfreunde-nordhessen.de/GrueneReihe/Gray%26Wess.pdf)
Klaus hat mir eine kleine Menge Gray-Wess nach Schumm angemischt. Dann habe ich damit ein Dauerpräparat mit mehreren Moosblättchen von Leucobryum sp. gemacht, ging völlig problemlos.
Nun wüsste ich noch gerne, um welche Leucobryum-Art es sich handelt. Kann mir jemand weiterhelfen?
L.G. - Bernd
Zitat von: liftboy in Januar 28, 2020, 11:12:47 VORMITTAG
Brunnenlebermoos, Marchantia polymorpha, Blatt, Hoyers Gemisch, 2016
Da ist jetzt trotz Chloralhydrat nichts ausgebleicht.
Interessant. Ich habe Staubblätter der Wegwarte (
Cichorium intybus) in Hoyers Gemisch direkt eingedeckt, sowie nach einer Entwässerungsreihe in Euparal. In Euparal haben sie ihre leuchtend blaue Farbe behalten, in Hoyers Gemisch sind sie stark ausgebleicht.
Möglicherweise erhält sich das Chlorophyll in Hoyers Gemisch besser als andere Farbstoffe.
Grüße
Alex
Hallo Bernd,
orientiere dich am Schlüssel in: Die Moose Baden-Württembergs Band 1. Hier steht unter Anmerkung zu den beiden in Frage kommenden Arten:
ZitatDie beiden Arten stehen einander sehr nahe. Da bei einzelnen Merkmalen häufig Überschneidungen auftreten, sollten die im Schlüssel genannten vegetativen Merkmale
immer nur in ihrer Gesamtheit gewertet werden. Es empfielt sich, stehts mehrere gut entwickelte Blätter zu untersuchen. Fruchtende Pflanzen sind mit Hilfe der Sporophytenmerkmale leicht zu unterscheiden.
Gruss Arnold
Hallo Arnold,
in Moose Baden-Württembergs wird auf die Blattbasis verwiesen:
a) zum einen die Zellbreite in der Mitte der Blattbasis,
b) zum anderen die Reihenzahlder hyalinen Randzellen der Blattbasis.
c) Außerdem die Art der Übergangs zu den schmalen, langgestreckten Zellen am äußersten Rand.
Angehängt habe ich hier Beides, die Zellen in der Mitte der Blattbasis sind vermessen.
Was ich erkennen kann -falls richtig interpretiert - ist
a) eine Zellbreite zwischen 12 und 21 µm;
b) Anzahl der hyalinen Reihenzellen 6-8.
c) Außerdem Übergang von den rechteckigen Randzellen zu den sehr schmalen, sehr langen am äußersten Rand: abrupt / plötzlich.
Das bedeutet für mich: a) spricht für Leucobryum juniperoideum, b) und c) sprechen für L. glaucum.
Oder interpretiere ich irgendetwas falsch?
L.G. - Bernd
Hallo Bernd,
und für alle die mitlesen:
innerhalb der akrokarpen Laubmoose unterscheidet sich die Gattung Leucobryum unter anderem durch
ZitatBlätter weisslich, eilanzettlich, mit röhriger Spitze, scheinbar Rippenlos, aus grossen hyalinen Oberflächenzellen und kleineren Innenzellen aufgebaut, meist kräftige Pflanzen in dichten, schwammigen, weisslich-grünen Polstern.
so weit aus: Die Moose Baden-Württembergs Band 1
Nun zur Frage ob die gezeigten Blätter zu
L. glaucum oder zu
L. juniperoideum gehören.
Grundsätzlich gilt für mich, dass ohne vorliegendes Belegmaterial keine verbindliche Aussage zur Art gemacht werden sollte.
Aber auf den kleineren Bildern 3-8 sind am äussersten Blattrand schmale und langgestreckte Blattzellen zusehen und der Übergang zu Diesen ist nicht allmählich. Das würde für
L. glaucum sprechen.
Noch ein Hinweis zur Methode der Präparation: Für Bestimmungsarbeit wird in der Regel in Wasser eingedeckt und in Wasser gemessen.
Arnold
Hallo Arnold,
ergänzend habe ich noch etliche Blattquerschnitte angefertigt. Ergebnis: fast immer nur zwei Lagen Hyalozyten, egal, wo man den Blattquerschnitt macht. Nur ausnahmsweise kommen kleinere Bereiche mit drei Lagen vor.
Wenn man nun der Moosflora von Frahm W, Frey W (1987) folgt, kommt man eindeutig auf Leucobryum juniperioideum: L. glaucum: 4 Lagen, L. juniperoidem: 2 Lagen Hyalozyten.
Auch in den Moosen Baden-Württembergs wird auf die unterschiedlicheLagenzahl an Hyalozyten hingewiesen: L. glaucum: 2-6 Lagen, L. juniperoidem: meist mit zwei, seltener 3-5 Lagen von Hyalozyten.
Viele Grüße
Bernd
Hallo Bernd,
heute abend wollte ich dir ein paar Seiten der Moosflora schicken, aber du hast sie ja bereits :)
Bei mir (J.-P. Frahm, W. Frey; 3. Auflage 1992) wird auch die Länge der Blattbasis im Verhältnis zum verengten oberen Teil des Blattes als Bestimmungsmerkmal herangezogen.
"Blattbasis schmal, kürzer als der zusammengezogene obere Teil des Blattes" sowie mit dem zugehörigen Bild im Buch verglichen wäre ebenfalls für L. juniperoideum zutreffend.
Gruß
Günter
Hallo,
vielen Dank für eure Hilfe! :)
L.G. - Bernd