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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Heiko in März 03, 2020, 23:33:21 NACHMITTAGS

Titel: Platinate
Beitrag von: Heiko in März 03, 2020, 23:33:21 NACHMITTAGS

Liebe Kristall-Verehrer,

Kaliumtetracyanoplatinat(ll)-Trihydrat ist eine tolle Substanz, wie man später sehen wird.
Olaf hat mir eine Probe überantwortet, wofür ich sehr dankbar bin. Überhaupt war natürlich er es, der mir den Floh, Cyanoplantinate anzuschauen, in's Ohr gesetzt hat.
Heute habe ich – mit zitternden Händen – erste Versuche gestartet und auch gleich Lehrgeld zahlen dürfen ...
... auch, indem ich an einen Zwilling geriet, was mich aber insofern nicht grämt als ich hoffe, noch ungestörte ,,Kopflagen" zu finden:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/267847_19575591.jpg) (https://abload.de/image.php?img=kalium3enjf9.jpg)

Allerdings, Zwillinge lauern überall:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/267847_41962596.jpg) (https://abload.de/image.php?img=kalium4p7kbc.jpg)

Viele Grüße,
Heiko
Titel: Re: Platinate
Beitrag von: olaf.med in März 04, 2020, 10:12:35 VORMITTAG
Lieber Heiko,

da bin ich aber glücklich, dass die Tetracyano-Platinate auf einen so fruchtbaren Boden gefallen sind und der Samen bereits so schnell aufging :).

Diese Verbindungen sind kristalloptisch extrem interessant und kristallisieren oft problemlos in großen Kristallen. Zudem scheint es mit fast allen Kationen im Periodensystem zu klappen, sodass Du nun selbst nach der Pensionierung keine Langeweile mehr zu fürchten brauchst!

Offensichtlich ist das metallartige Absorptionsvermögen dieser Verbindungen in ausgewählten Raumrichtungen für die besondere Form der Interferenzfiguren mit verantwortlich. So kommt es zu z.T. "eckigen" Isogyren, wie man es ja schon auf Deinen Bildern erahnt. Hier scheint es zusätzlich eine starke geneigte Dispersion zu geben: im linken Bereich des Bilds in Normalstellung (bzw. S/W-lichen Teil des Bildes in Diagonalstellung) erkennt man eine andere Farbverteilung als im entgegengesetzten Bereich. Mit etwas Geduld erhälst Du sicher größere Kristalle und damit den Blick auf unverzwillingte Bereiche zur weiteren Klärung dieses Befunds.

Ich freue mich sehr über Dein Interesse!

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Platinate
Beitrag von: witweb in März 04, 2020, 15:59:29 NACHMITTAGS
Hallo Heiko,

ich finde es immer wieder erfrischend, was für interessante Objekte du zwischen die Polfiter bringst!
Kaliumtetracyanoplatinat(ll)-Trihydrat, zum Beispiel, steht jetzt nicht auf meiner To-do-Liste.   :)

Viele Grüße

Michael
Titel: Re: Platinate
Beitrag von: Heiko in März 04, 2020, 23:09:55 NACHMITTAGS
Liebe Freunde edler Metalle sowie deren Salze.  :)

Kristalloptisch wird es schwierig. Gesucht sind ,,Kopflagen". Die gibt es, wie im folgenden Übersichtsfoto zu sehen und markiert, aber die Achsaustritte liegen zu weit ,,randlich" ... noch aber überlasse ich dem Spindeltisch nicht das Feld.  ;)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/267954_63208015.jpg) (https://abload.de/image.php?img=kalium10mek6o.jpg)
Übersichtsaufnahme eines Verdunstungstropfens im Streiflicht

Davon gänzlich unberührt begeistern der Pleochroismus und die Fluoreszenz:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/267954_32001227.jpg) (https://abload.de/image.php?img=kalium73ok9m.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/267954_19575591.jpg) (https://abload.de/image.php?img=kalium8bbkqf.jpg)

Viele Grüße,
Heiko
Titel: Re: Platinate
Beitrag von: olaf.med in März 05, 2020, 10:40:54 VORMITTAG
Ach was für herrliche Kristalle, lieber Heiko! Da geht einem wirklich das Herz auf, und die schreien geradezu nach dem Spindeltisch. ...wäre ich nur nicht schon Rentner, dann hätte ich Zeit dafür, aber Du.... ;D ;D ;D

Hier vermute ich ganz stark monokline Symmetrie, und wenn meine Annahme der geneigten Dispersion wirklich stimmt, dann wäre der Kristall genau in der Bildmitte (das schöne Parallelogramm) der richtige für die Untersuchung. Er müsste so aufgeklebt werden, dass die Drehachse (Spindelachse) genau auf den Betrachter zuläuft.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Platinate
Beitrag von: Klaus Herrmann in März 05, 2020, 10:46:42 VORMITTAG
Lieber Heiko,

ist das ein Präparat so wie meine oder hast du ein Gefäß mit 100 g drin?
Titel: Re: Platinate
Beitrag von: olaf.med in März 05, 2020, 11:22:36 VORMITTAG
Lieber Klaus,

... 100 Gramm Platinsalz - Puh, da muss man ja eine Hypothek bemühen ;D.

Ich vermute Heiko hat wirklich nur einen größeren Tropfen eindunsten lassen, jedoch ohne Deckglas. Diese Salze kristallisieren wirklich phantastisch leicht und schön. Als ich seinerzeit das Strontium-Tetracyanoplatinat als Beispiel für extreme horizontale Dispersion gezüchtet habe, erhielt ich in einem winzigen Becherglas aus wenigen Millilitern Lösung Zentimeter-große Einkristalle!

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Platinate
Beitrag von: Heiko in März 06, 2020, 00:17:28 VORMITTAG
Lieber Olaf,

die Substanz soll rhombisch sein.
Heute hatte ich wieder einen Zwilling mit vernünftigen Austritten, aber denen ist ja nicht zu trauen. Und dieser ist einfach zu klein, abgebildet mit dem 100er, als dass Korngrenzen-Effekte auszuschließen sind:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/268047_42750725.jpg) (https://abload.de/image.php?img=kalium1136jap.jpg)

Der Pensionär wird wohl etwas Zeit an der Spindel einplanen müssen.  ;)
Aber noch gebe ich das Zeuch nicht wieder her.  8)

Viele Grüße,
Heiko
Titel: Re: Platinate
Beitrag von: konsonant in März 06, 2020, 02:10:34 VORMITTAG
Hallo
ich darf ja in Klaus Threads https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=36583.0 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=36583.0) nicht schreiben, dort hätte meine Frage besser hineingepasst, hier geht es aber um die gleichen Substanzen, Platinate, wozu Olaf die "verrückten" optischen Eigenschaften in den Wellenlängenbereichen erwähnt hat. ich hoffe es stört nicht. Nun frage ich mich was sieht man wenn man die Polarisation (Anisotropie) beobachtet. Kann ich an die Wirkung von Elektronenorbitalen und ihre Ausrichtung im Kristall denken und auch das nur manche Orbitale an einzelnen Farberscheinungen und Anisotropieerscheinungen beteiligt sind ? Klaus hatte ja in seinem Thread netterweise die Strukturformel verlinkt, sind es die 5p , 4f , oder Lingandenorbitale, die die Schwingungsrichtung des Lichtes beeinflußen ? Woraus ergeben sich die Winkel im Kristall, durch unterschiedliche Atomgrößen oder durch die Orbitale ? Es gibt doch aber nicht für jede Atomkombination eigenständige Kristallformen, sondern nur eine gewisse Menge an Kristallformen https://de.wikipedia.org/wiki/Kristallmorphologie (https://de.wikipedia.org/wiki/Kristallmorphologie). Welchen Einfluß hat eine ionische Bindung im Kristall oder van der Waals Anziehungskräfte und der Bewegungsraum in verbundenen Orbitalen in Farbstoffen beispielsweise. Im Kern dreht sich meine Frage um die Orientierung der Elektronenorbitale  an der Beteiligung der Doppelbrechung.
Mit Dank im voraus , conso
Titel: Re: Platinate
Beitrag von: olaf.med in März 06, 2020, 18:11:37 NACHMITTAGS
Lieber Heiko,

bei der "rhombischen" Symmetrie dieser Kristall habe ich doch starke Vorbehalte. Mir scheinen hier eindeutig schiefe Winkel reproduzierbar aufzutreten, und auch das Achsenbild liegt nicht symmetrisch zu prominenten Kristallflächen. Bei diesen Substanzen ist eine Polymorphie durchaus denkbar, aber hier würde der Spindeltisch ja wirklich eine gute Aussage ermöglichen. Wenn Du allerdings mit dem Pensionär als Messknecht mich meinst, muss ich Dich leider enttäuschen. Ich bin nur Rentner, und den Unterschied merkt man erst schmerzhaft, wenn's dann mal soweit ist  8). Ich glaube aber auch ein Rentner könnte diese Bestimmung machen!

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Platinate
Beitrag von: Florian D. in März 06, 2020, 19:36:52 NACHMITTAGS
Hallo consco,

Um auf Deine Frage nach den Ursachen der optischen Eigenschaften einzugehen: Natürlich werden sie durch die Wechselwirkung des Lichts mit den Elektronen im Festkörper hervorgerufen. Die Elektronen müssen dabei quantenmechanisch beschrieben werden und das ist heute mit Programmen wie VASP möglich, wenngleich sehr aufwendig.
Anbei eine Arbeit, die Beispiele berechneter dielektrischer Funktionen und den Vergleich mit dem Experiment enthält.

http://uu.diva-portal.org/smash/get/diva2:357201/FULLTEXT01.pdf

Viele Grüsse
Florian
Titel: Re: Platinate
Beitrag von: Heiko in März 06, 2020, 22:29:11 NACHMITTAGS
Lieber Olaf,

meine Aufnahmen durchmusternd, allesamt ,,suboptimal", sprechen viele für und nur wenige gegen Deine Vorhersage (soweit ich mir eine Bewertung zutraue).
Bin gespannt wie ein Flitzbogen, ob Du den D'Ans/Lax relativierst bzw. berichtigst, denn daher stammt die Aussage bezüglich des Kristallsystems.
Bist Du, der Unruheständler, einverstanden, dass ich Deine, seine, Probe teile, damit die Spindel rotieren mag, andere Kationen aber, zufürderst Barium, womöglich noch zu ihrem Recht gelangen mögen?  ;) :D 8)

Viele Grüße,
Heiko
Titel: Re: Platinate
Beitrag von: olaf.med in März 07, 2020, 09:12:37 VORMITTAG
Lieber Heiko,

ich bin ganz sicher, mit etwas Geduld sind Kristalle von 1-2 mm leicht erreichbar. Die wären zum "Spindeln" gerade recht. Ob der kleine Rentner sich allerdings mit den Größen der Chemie anlegen sollte????

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Platinate
Beitrag von: Heiko in März 07, 2020, 13:28:50 NACHMITTAGS
Lieber Olaf,

egal, wie die Sache ausgehen mag, Hochachtung gebührt zuerst dem Datenerheber – die Sammler, Renommee hin oder her, bleiben sekundär.

Viele Grüße,
Heiko
Titel: Re: Platinate
Beitrag von: Heiko in März 09, 2020, 22:39:13 NACHMITTAGS
Lieber Olaf,

ein weiterer Versuch, eigentlich ein Zufallsfund in einem verdorbenen Präparat, kein Zwilling, nicht zu klein, aber auch nicht ohne Makel:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/268399_41962596.jpg) (https://abload.de/image.php?img=kalium1468kme.jpg)

Wieder ,,scheint es sich zu neigen" ... und Post ist auch schon unterwegs.  :D

Viele Grüße,
Heiko