Moin zusammen,
ich traue mich mal wieder einen Dünnschliff eines Meteoriten einzustellen, den ich heute vor der Linse hatte:
Jiddat al Harasis 809
Fund 1825 g 2013, Oman, Prov. Al Wusta
monomikter Ureilit
gering geschockt, gering verwittert
lt. Klassifikator Kumulat-Textur mit bis zu 1,5 mm großen Olivinen und Pigeonit-Körnern, dazu Kohlenstoff als Graphit.
https://www.lpi.usra.edu/meteor/metbull.php?sea=JaH+809&sfor=names&ants=&nwas=&falls=&valids=&stype=contains&lrec=50&map=ge&browse=&country=All&srt=name&categ=All&mblist=All&rect=&phot=&strewn=&snew=0&pnt=Normal%20table&code=58507 (https://www.lpi.usra.edu/meteor/metbull.php?sea=JaH+809&sfor=names&ants=&nwas=&falls=&valids=&stype=contains&lrec=50&map=ge&browse=&country=All&srt=name&categ=All&mblist=All&rect=&phot=&strewn=&snew=0&pnt=Normal%20table&code=58507)
Bildbreite etwa 1 cm, Canon EOS 500D mit Tamron SP AF90 Macro 1:1, mit Piccolay gestackt
Grüße
Ulrich
Guten Abend Ulrich,
vielen Dank fürs Zeigen. Warum hast du nicht weitergeschliffen, dein Schliff ist viel zu dick?
Viele Grüße
Erik
Hallo Erik,
der Grund ist ganz einfach: Ich schleife nicht selbst sondern beziehe die Schliffe von Leuten, die das für gewöhnlich können.
Woran machst Du fest, daß der Schliff viel zu dick ist? Und wieviel ist viel?
Grüße
Ulrich
Lieber Erik,
Olivin und Pigeonit können (bzw. müssen) leuchtende Farben bis in die dritte Ordnung zeigen. Daher kann man aus diesem Foto eigentlich keine zu große Schliffdicke ableiten.
Herzliche Grüße,
Olaf
Guten Abend Ullrich,
die Interferenzfarben sind bei dir relativ hoch. Mir fehlt Rot zweiter Ordnung mit den schönen Übergängen zum Blau. Auch ein schönes Karibikblau kann ich nicht sehen. Schwer zu sagen wieviel zu dick der Schliff ist, vielleicht 15µm?
Viele Grüße
Erik
Moin , Moin ,zusammen ,
die Analyse liegt ja vor:
https://www.lpi.usra.edu/meteor/metbull.php?sea=JaH+809&sfor=names&ants=&nwas=&falls=&valids=&stype=contains&lrec=50&map=ge&browse=&country=All&srt=name&categ=All&mblist=All&rect=&phot=&strewn=&snew=0&pnt=Normal%20table&code=58507
Fa 17,2mol %
Fs 15mol%
Da sollte bei einer Schliffdicke von 30µm bei dn=0,036 das Max erreicht sein??
Jürgen
Moin,
kann es sein, dass es an der Bildbearbeitung liegt?
Hier mal ein Bild so wie es aus der Kamera kommt
Hallo Ulrich ,
mit Sicherheit spielt die Bildbearbeitung eine Rolle.
Hast Du keine Möglichkeiten, den Gangunterschied zu prüfen/messen?
Rot I oder Kipp-Kompensator, oder konoskopisch?
Es ist möglich, dass einige Kristalle optisch positiv sind , da der Olivin mit 17mol% Fayalit an der Grenze zwischen +/- liegt. 2V ist dann fast 90°.
Gruß
Jürgen
Hallo Jürgen,
die Abschätzung des Gangunterschieds kann man auch sehr einfach ohne Kompensator vornehmen. Man sucht sich bei stärkerer Vergrößerung einen keilförmig ausdünnenden Kornrand und zählt, ähnlich wie bei Treppenstufen, die Zahl der Ordnungen.
Herzliche Grüße,
Olaf
Hallo Olaf
Ja hast Du (zumindest mir) wieder einmal eine Denkaufgabe gegeben ;)
Wenn Du von "stärkerer Vergrößerung" sprichst ==> 40 oder 100x
Polfilter in der Kreuzstellung
und dann soll ich die Ordnungen zählen können (1. bis 4.) ?!?
Verstehe ich das richtig?
Sehr spannend - bin gerade am automatisierten Fotografieren von einem Pflanzenschnitt - muss daher noch warten um das Beschriebene ansehen zu können ...
Liebe Grüße
Gerhard
Hallo Olaf,
das stimmt natürlich, der Kristall in der Mitte-links zeigt eine solche Treppe ganz deutlich.
Vielleicht kann Ulrich diesen Kristall mal vergrößert (stärkeres Objektiv) auflösen?
Aber Vorsicht: Ab der Bildmitte links, also linke Bildhälfte scheint mir der Schliff auszukeilen, da viele Kristalle von rechts nach links abfallende Gangunterschiede zeigen?
Jürgen
Jürgen, kannst Du den Kristall mal markieren,
ich werde es dann mal versuchen
Ulrich
Hallo Ulrich ,
mit dem Keil meine ich die komplette linke Bildhälfte.
Mit einer Treppe meint Olaf so etwas wie diesen gelb/rosa Kristall in der Bildmitte.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/268275_19575591.jpg) (https://www.pic-upload.de)
Es könnte aber sein, dass Du an einer anderen Stelle deines Schliffs einen Kristall mit noch mehr Stufen hast. Am Besten sollte er dann an der dünnsten Stelle mit der Farbe Weiß beginnen. Jedes Mal, wenn Du beim Zählen über einen roten Streifen kommst, bist Du eine Ordnung
höher.
Jürgen
Moin,
erstmal einen Ausschnitt aus dem nicht verkleinerten Original des entsprechenden Kristalls.
Ich gehe dann mal in Kontemplation mit dem Schliff!
Ulrich
Also dieser Kristall sollte nun ein Gangunterschied von max. 1050nm haben. Nach der ersten Rot-Stufe zeigen sich noch blau-grün gelb der 2.Ordnung und kleine Flächen von Rot II.
Jürgen
so, dass ist das was ich gefunden habe.
Bildbreite ca. 1mm
aber:
so recht verstehe ich nicht, was ich sehe und was es mir vor allem sagt!
Grüße
Ulrich
Zitat von: hugojun in März 08, 2020, 14:08:17 NACHMITTAGS
Also dieser Kristall sollte nun ein Gangunterschied von max. 1050nm haben. Nach der ersten Rot-Stufe zeigen sich noch blau-grün gelb der 2.Ordnung und kleine Flächen von Rot II.
Jürgen
ist das so richtig?
Gangunterschied 1050 nm
Doppelbrechung 0,036
ergibt nach Levy-Farbtafel: Dicke ziemlich genau 30 μm
Stimmt dann der Schliff doch?
das er nach links etwas auskeilt meine ich auch
Grüße
Ulrich
Im Prinzip funktioniert es ganz genau so, aber ich würde keine Zwillingsverwachsungsebene wie an diesem Pyroxen wählen, sondern eine Korngrenze zu einem Ausbruch hin oder am Rand des Schliffs. Bei den Zwillingsverwachsungsebenen hat man immer Überlagerung mit dem Zwillingsindividuum, das die Ergebnisse beeinflusst.
Gruß, Olaf
... und hier noch ein Bildbeispiel, welches das Verfahren perfekt illustriert. Es handelt sich um Carbonat-Kristalle, die an Hohlräume grenzen. An jedem einzelnen Kristall kann man den Gangunterschied, der ja eine Funktion der Kornorientierung ist, sehr gut anhand der Interferenzfarbfolge abschätzen, und das ohne jegliche Hilfsmittel:
Hallo Olaf ,
wieso jetzt Pyroxen?
In Bild 4 (selber Kristall) komme ich doch bis Rot II, aber beim Augit z.B. ist schon bei Г 840nm Schluss?
Jürgen
Lieber Jürgen,
ich bin ziemlich sicher, dass es sich bei dem oben gezeigten Kristall um einen verzwillingten Klinopyroxen handelt. Beim Olivin gibt es solche Zwillingsbildungen nicht. Beim Pigeonit mit einer Doppelbrechung von ca. 0,03 würde dann die Schliffdicke ca. 35 Mikrometer entsprechen (falls dies der Schnitt mit der höchsten Interferenzfarbe ist).
Herzliche Grüße, Olaf
Lieber Olaf ,
ich bin verwirrt, bitte helfe mir, warum dies keine Olivin -Zwillinge sein können?
Ist dies eine besondere Art der Zwillingsbildung, die unbedingt auf Pyroxen schließen lassen muss?
hier
https://rruff.info/doclib/MinMag/Volume_38/38-295-324.pdf
und hier
https://www.researchgate.net/publication/235989602_Dendritic_Crystallization_A_Single_Process_for_all_the_Textures_of_Olivine_in_Basalts/link/02e7e51543f042682f000000/download
werden einige Olivin-Zwillings-gesetze gezeigt.
Jürgen
Lieber Jürgen,
Du hast allen Grund verwirrt zu sein - ich bin es auch. Ich kenne solche geraden Zwillingsverwachsungsebenen von Olivin nicht, obwohl die Fig. 2 in der zweiten von Dir zitierten Publikation solche nahelegt. In den Dünnschliffbildern dieser Publikation sehe ich auch nirgends Zwillinge mit solchen Verwachsungsebenen, sondern nur "Kleinwinkelkorngrenzen".
Hätte man von diesem Korn auch ein Bild im linear polarisierten Licht, könnte man natürlich sofort zwischen Olivin und Pyroxen unterscheiden, da letzterer deutlich gefärbt ist. Dies zeigt wieder einmal, dass man zum vernünftigen Mikroskopieren immer beide Ansichten benötigt.
Vielleicht klärt uns ja Ulrich auf, ob es sich bei dem abgebildeten Korn um einen Olivin oder einen Pyroxen handelt.
Bin gespannt,
Olaf
Danke Olav
Dann habe ich das richtig verstanden und nach den "richtigen" Stufen gesucht .-)
Liebe Grüße
Gerhard
morgen kann ich weiter machen, ich habe jetzt Küchendienst
Grüße
Ulrich
Moin,
ZitatVielleicht klärt uns ja Ulrich auf, ob es sich bei dem abgebildeten Korn um einen Olivin oder einen Pyroxen handelt
würde ich gern, kann ich aber nicht. Hier die Kristall noch im linear pol. Licht.
Mehr kann ich nicht bieten, mehr gibt meine Ausrüstung nicht her. Vielleicht hilft es trotzdem.
Ich bin gespannt.
Grüße
Ulrich
Hallo Ulrich,
es würde schon helfen, wenn Du einigermaßen denselben Bildausschnitt wie dein Bild 1 in linearem pol darstellen würdest,
zum direkten Vergleich, sozusagen. Dann stünden auch mehr Kristalle zum Vergleich .Bei den Ureiliten sind die Olivine
häufiger als die Pyroxene :
Modal oft Ol/Pyx >> 1.
Jürgen
im Zentrum ist genau der Kristall um den es ja gehen sollte, also derselbe wie in
IMG_8256 (2).JPG
Sorry Ulrich,
setzt sehe ich es auch, der Kristall ist 90° gedreht.
Aber einen unterschied Olivin/Pyroxen kann ich nicht erkennen.
Gruß
Jürgen
Hallo Ulrich und jürgen,
ich habe gerade nochmals mit einem Kollegen telefoniert, der noch "an der Front" tätig ist. Er sagte platt: "dann geh doch einfach an die Mikrosonde oder ans Rasterelekronenmikroskop mit BSE (keine Rinderseuche, sondern back scattered electrons), dann sieht man doch den Unterschied sofort". Also, frisch auf, eine Mikrosonde bekommt man schon für unter 2x106 € und eine Raster ist sogar noch billiger ;D ;D ;D.
Herzliche Grüße,
Olaf
Hallo Olaf,
na ein Raman Mikroskop sollte es doch auch tun und das haben ja schon einige Amateurmikroskopiker gebaut.
Viele Grüsse
Florian
Lieber Florian,
... immer dieser moderne Kram! Was hast Du gegen die gute alte Mikrosonde. OK, man braucht schon eine etwas größere Wohnung und einen fetten Stromanschluß, bei einem energiedispersiven Analysesystem muss auch die Versorgung mit flüssigem Stickstoff gewährleistet sein, aber sonst...
Herzliche Grüße,
;D ;D ;D Olaf