Hallo,
die meisten Fotos werden bei mir gestackt. Sei es, weil die Objekte eine gewisse Höhenausdehnung haben, weil ich oft OT mit ,,Badewanne" verwende, oder weil meine Objektive nicht wirklich ,,Plan" sind.
Beim 10er Objektiv z.B., führt das in der Regel bei meinen Mikrokristall-Aufnahmen zu etwa 10-20 Aufnahmen. Die Schrittweite beträgt dabei 2,5µm. Das ist bei einer Teilung von 5µm mit der Feineinstellung noch gut von Hand machbar.
Nun habe ich aus der Moorprobe von Gerd auch mal andere Objekte versucht zu fotografieren. Aber schon beim Plan 25/0,45, besonders aber beim Plan 40/0,65 sind die erforderlichen Stacking-Schritte mit 0,9µm bzw. 0,5µm so klein, dass ich die von Hand nicht mehr reproduzierbar einstellen kann. Das Bild unten habe ich zwar so aufgenommen (40er, 24 Schritte), das ist aber nicht befriedigend.
Nebenbei, für mein ,,normales" Stacking-Equipment (ohne Mikroskop) nutze ich einen Schlitten mit Schrittmotor. Dort komme ich auf 1,25µm.
Ich könnte nun:
- Ein großes Rad auf den Knopf der Feineinstellung ,,kleben" und eine Zeiger dazu zum Ablesen.
- Eine Computer-Maus zerlegen und über Software zur Anzeige nutzen (gab es 2012 mal einen Beitrag)
- Den Feintrieb langsam durchdrehen und dabei ein Video aufnehmen. Das geht ganz gut, Helicon Focus rendert direkt aus dem Video ein Bild, aber das hat bei meiner EOS 650d bestenfalls 1920x1080 Pixel. Und die Einflussnahme ist begrenzt.
- Einen Schrittmotor mit Getriebe anflanschen. Übersteigt aber meine mechanischen Möglichkeiten.
Hat vielleicht jemand noch eine andere Lösung für diese Herausforderung?
Beste Grüße
Michael
Hallo,
ich bin vor einiger Zeit mal auf diese Seite/dieses Produkt gestossen:https://www.ultramacro.co.uk/ultramacro-auto-microfocus-16-p.asp
Da wird der Feintrieb mit 400 Schritten / 0,9Grad bewegt. Reicht das ggf. aus?
Gruss
Harry
Hallo Michael,
der Feintrieb vom Standard 18 ist ein reibschlüssiges Planetengetriebe, d.h. man kann damit keine einigermaßen reproduzierbaren Fokusschritte erzeugen (siehe auch Zeiss Produktbeschreibungen).
Dafür bräuchte man zumindest ein Planetengetriebe mit Zahnrädern, oder einen Feintrieb mit Exzenter wie im Zeiss Standard WL, Universal, Phomi.
Die Stacking-Schrittweiten von > 2 Mikrometer, die immer wieder für die unterschiedlichsten technischen Lösungen angegeben werden, sind mit Vorsicht zu genießen. Zum einen gibt es nur wenige Mechaniken, die so etwas reproduzierbar ermöglichen, zum anderen haben auch mit x-tel Schritten angesteuerte Schrittmotoren keine zuverlässigen Schrittweiten.
Dazu kommen noch weitere Fehlerquellen wie
- Temperatureinflüsse,
- die verwendeten Führungen (Tischbewegung, Makroschlitten), die nicht immer absolut spielfrei sind.
Zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn wurde zum Vermessen von Werkzeugen (im Mikrometerbereich !) in einem mehrstöckigen Gebäude alle Maschinen während der Meßzeit abgestellt...
Mindestanforderungen aus meiner Sicht :
- Wirklich spielfreie Führungen,
- zum Bewegen spielfreie Kugelrollspindeln mit kleinstmöglicher Steigung,
- Schrittmotor mit Vollschrittansteuerung,
- spielfreie Verbindung zur Kugelrollspindel mit starker Untersetzung durch Zahnriementrieb oder Harmonic Drive Getriebe.
Eine andere Möglichkeit ist die Verwendung von Piezoelementen zur Bewegung des Mikroskoptischs. Dazu gibt es Anregungen auf der Homepage des MKB Bonn.
Herzliche Grüße
Christoph
Hallo Michael,
wie wäre es mit der "Büchse der Pandora (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=18788.0)"? Ok. Vielleicht estwas sperrig unter dem Zeiss-Standart.
LG Gerd
Hallo Michael
Christoph hat vollkommen recht und gibt auch sehr gute und praxisorientierte Tipps. Aus eigener Erfahrung kann ich das alles nur bestätigen. Ich hätte aber noch einen finanziell tragbaren Tipp für Dich: Kauf Dir eine Messuhr, die tausendstel Millimeter messen kann. So etwas bekommst Du für ca. 80.- , dazu einen stabilden Magnet-Messuhrhalter. Stell das Teil mit der Uhr auf eine Stahlplatte neben das Mikroskop. Den Taster der Messuhr auf eine Ecke des Mikroskoptischs positionieren und staunen über das Eigenleben Deiner Apparatur. Im Laufe der Zeit wirst Du lernen, wie Du auslösen musst und wie Du den Fokusknopf berühren musst, um Stackingschritte von ein oder zwei tausendstel Millimeter hinzubekommen.
Auf meiner Webseite habe ich unter "Arbeitstechnik" eine ganze Abhandlung darüber verfasst. (Weltkugel unter meinem Bild anklicken)
Viele Grüße an alle Tausendstel-Stacker ;) und ein schönes Wochenende
Horst-Dieter
Hallo Michael
Mein Aufbau ist ebenfalls nicht hoch präzise und es gibt Erschütterungen durch Personen im Haus und Autos auf der Strasse vor dem Haus.
Dies bedeutet, dass wenn der Schlitten steht und ich 10 Bilder anfertige, hat jedes Bild einen anderen Fokus.
Licht an!
Also bei jedem Schritt des Schlittens mehrere Bilder anfertigen, durch Erschütterung hat keines dieser Bilder den gleichen Fokus.
Ob du nun bei jedem Schritt des Schlittens zwei, vier, sechs, acht ... Bilder anfertigen musst, kannst du testen.
Fertige bei jedem Schritt des Schlittens z.B. 8 Bilder an und stacke alle Bilder mit Software..
Dann stackst du mit Software nur jedes zweite Bild, dann nur jedes dritte Bild u.s.w.
Dann vergleichst du die Ergebnisbilder (Stacks) und siehst, ab wann es keine Verbesserung mehr im Bild gibt.
Am besten funktioniert diese Methode wenn du mit gedrosselter Leistung blitzt.
Der Stacking Software ist es egal, wenn die Bilder in der Fokusveränderung nicht absolut kontinuierlich sind!
(Auch das kann man testen).
Ebenfalls müssen die Stackschritte nicht absolut gleich gross sein.
Probieren geht über studieren.
Kurt
Guten Morgen Michael,
kennst du die Piezo DIY Ansteuerung ?
Ansonsten: WL Trieb waere wohl dranzukommen - PN.
LG
Sven
Liebe Feinstacker,
das habe ich alles schon ausprobiert. Auch mit Profi-Kram wie Axioplan mit z-Achsen-Servomotor kann man so kleine Schritte nicht reproduzierbar erzeugen. Die Tücken der Mechanik hat Christoph ja ausführlich dargelegt.
ich bin dann auf die Moving-Coil-Methode gestoßen, bei der der Objektträger spielfrei über "Lautsprecher" bewegt wird. Das geht ganz ohne die Mechanik des Mikroskops, und die macht letzten Endes die Ungenauigkeiten. Christoph hat ja schon die MKB-Seite mit der Beschreibung erwähnt (Themenseite-> Mikroskopische Technik; dort ist einiges mehr zum Stacking-Thema); es ist allerdings keine Piezo-Technik, sondern eben magnetisch. Das braucht keine hohen Spannungen und ist mit handesüblichen Audioverstärker-ICs zu realisieren. Nichtlinearitäten und Drift machen aber eine exakte Höhenmessung erforderlich, auch das ist über eine kapazitive Messung im sub-µm machbar, und man kann das ganze sogar absolut mit einem Laserinterferometer kalibrieren. Auf diese Weise sind natürlich die Ebenenabstände exakt einzuhalten... wenn man ganz pingelig ist ;)
Der Objekttisch selbst ist einfach, aber leider hat es die elektronische Steuerung in sich. Nichts, was man mal eben am Wochenende basteln könnte.
Viele Grüße aus Bonn
Horst
Zitat von: Linuxpenguin in März 13, 2020, 07:44:36 VORMITTAG
Guten Morgen Michael,
kennst du die Piezo DIY Ansteuerung ?
Ansonsten: WL Trieb waere wohl dranzukommen - PN.
LG
Sven
Hallo Sven,
die "Piezo-DIY-Ansteuerung" kenne ich auch nicht, was ist das?
Viele Grüße
Horst
@Horst: sagte Christoph ja zuvor
beim MKB ja noch zu finden
Hallo,
zunächst allen vielen Dank, auch für die Erläuterungen zu den grundsätzlichen Problemen und erreichbaren Genauigkeiten bei dieser Art von Feintrieb.
@ Harry – danke für den Link. Eigentlich eine gute Idee, aber leider keine Verbesserung, denn 400 Teilstriche habe ich ja jetzt auch schon.
@ Christoph – ja, scheint nicht so einfach zu sein...
Mit Piezoelementen hatte ich mich früher in einem anderen Zusammenhang schon mal befasst.
Ich vermute aber, das wird recht aufwendig und teuer. Schaue ich mir aber an.
@ Gerd - Die tolle Idee von Kurts ,,Büchse der Pandora" kenne ich schon aus dem Focus Stacking Forum. Das wäre mal was für den nächsten Winter... Im Moment würde ich gern mit dem vorhandenen Tisch arbeiten und möglichst keine größeren Umbauten am Mikroskop vornehmen.
@ Kurt - genau, das Thema hatten wir ja erst kürzlich im Nachbarforum. Ich hatte das in diesem Zusammenhang noch nicht untersucht, da ich bei 0,5s Belichtungszeit nicht abschätzen kann, ob das etwas bringt. Da ging es ja primär um Vibrationen bzw. Verwacklungen. Hier ist aber die minimale Schrittweite das Problem.
@ Sven – danke, sehe ich mir an.
@ Horst – Ich habe mir gerade deine Anleitung heruntergeladen.
Das könnte man vielleicht auch mit einem Arduino realisieren. Allerdings ist mir solch ein Projekt im Moment doch zu aufwendig, zumal ich ja, bis jetzt, nur gelegentlich mit höheren Vergrößerungen arbeite. Aber hochinteressant! Da komme ich vielleicht nochmal darauf zurück.
@ Horst-Dieter – eine Stahlplatte unter dem Mikroskop habe ich schon! :)
Ja, überzeugende und recht einfach zu realisierende Lösung. Zudem auch gut geeignet, um Erfahrungen zum Thema zu sammeln und das eigene Equipment besser kennen zu lernen. Das mache ich mal!
Ich habe schon mal auf den einschlägigen Kanälen gesucht. Da gibt es ja eine riesige Auswahl. Kannst du mir einen Tipp geben (eventuell per PN)?
Viele Grüße
Michael
Zitat von: Linuxpenguin in März 13, 2020, 11:31:45 VORMITTAG
@Horst: sagte Christoph ja zuvor
beim MKB ja noch zu finden
Beim MKB? Das müßte von mir sein... Da ist aber nichts über Piezo. Und zwar aus folgendem Grund:
Piezoelemente haben Kraft, machen aber nur geringe Wege bei hohen Spannungen. Das erfordert auf der Mechanik-Seite eine Hebelübersetzung, meist mit spielfreien Festkörpergelenkführungen. Für den Bastler schwierig. Auf der Elektronik-Seite: hohe Spannungen bis 100 V. Auch nicht so einfach. Deshalb ja die magnetische Methode, die kann man mit Technik aus dem Audiobereich beherrschen.
Viele Grüße
Horst
Horst,
dann vertu ich mich da.
Was ich meine ist definitiv Piezo.
Mzss zu Hause mal nachsvhauen, ob ich es wiederfinde.
MC Variante ist natuerlich auch top.
Gruss
Sven
Hallo Michael,
ich habe mal eine Frage zu den Objekten, die du zu Stapeln beabsichtigst, wie zB Algen aus Gerds Moorprobe. Ich nehme an an die sind alle sorgfältig fixiert, also tot? Wenn nicht, sehe ich ganz andere Probleme. Lebenden Jochalgen haben eine, zB bei Closterium extrem schnelle, Plasmaströmung, ggf Kristalle in Vakuolen, etc. Meine Erfahrung ist, daß je kleinere die Stackingschritte sind, desto weniger ähnelt das fertige Bild dem fotografierten Objekt. Da hilft nur zu versuchen, mit möglichst wenig Bilder im Stapel auszukommen plus anschließende Nachbearbeitung. Bei toten Objekten wie zB Diatomeenschalen ist das natürlich anders.
Viele Grüße
Bernd
Hallo Bernd,
ich muss zugeben, dass ich ohne die Probe vom Gerd zur Zeit gar nicht auf die Idee gekommen wäre, Aufnahmen mit Objektiven größer 16x zu machen. Bisher hatte ich mit Tümpeln nichts am Hut. :)
Aber nun, nachdem ich schon das 40er in den Revolver geschraubt hatte, tauchten natürlich Fragen nach der Schrittweite beim Stacking auf, und wie diese zu erreichen wäre.
Zu den Objekten: Was du beschrieben hast, Plasmaströmungen und schnell bewegte Kristalle habe ich schon mit Interesse bemerkt und es ist mir auch klar, dass das nicht in einem zusammengerechneten Bild real wiedergegeben werden kann. Das Bild oben war auch mein erster Versuch in diese Richtung. Die durchdachte Anfertigung der Präparate kann da mit Sicherheit hilfreich sein. Kommt bestimmt noch...
Vielleicht muss man auch nicht alle Bildbereiche scharf abbilden und kommt so mit einigen, wenigen Aufnahmen aus. Ist wohl auch Erfahrungssache und hängt sicher auch davon ab, was man über die Objekte und deren Besonderheiten weiß.
Viele Grüße
Michael
Schade, dass ich deinen Vortag auf der Kornrade nicht mehr sehen konnte.
Hallo zusammen,
ich bin dem Rat von Horst-Dieter gefolgt und habe mir eine Messuhr, die tausendstel Millimeter messen kann und dazu ein stabiles Stativ mit Magnetfuß gekauft (zusammen für akzeptable 105.-EUR).
Die ersten Versuche haben zum einen das "Eigenleben der Apparatur" (Zitat Horst-Dieter) gezeigt. Eine saubere Einstellung von 2,5µm ist, nur anhand der Teilstriche am Drehknopf, kaum möglich. Von 1µm mal ganz zu schweigen.
Aber, schon nach wenigen Übungen, kann man durchaus mit diesem Aufbau die 1µm-Schritte einstellen. Da ist zwar immer noch Feingefühl erforderlich, aber immerhin...
Also danke Horts-Dieter, auch für die ergänzenden Tipps.
Ich denke, besser - und elektronisch steuerbar - würde es nur gehen, mit einem Aufbau, wie ihn Horst beschrieben hat. Das war mir im Moment aber ein zu großer Aufwand.
VG
Michael