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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: andr_brno in März 28, 2020, 22:48:48 NACHMITTAGS

Titel: 3D-Bastelei mit 402
Beitrag von: andr_brno in März 28, 2020, 22:48:48 NACHMITTAGS
Liebes Forum,
was fehlt dem Oberbayern, wenn er nicht mehr nach Tirol darf? Die dritte Dimension! Hier bastle ich sie nach zwei alten Forumsanleitungen in mein Leitz Ortholux I - zumindest versuche ich es - mit Material und Werkzeug aus dem Bastelkeller.

1. Schritt: Schieflichtblenden für den Leitz Kondensor 402a. Der hat fünf Aufnahmen für Phasenringe und Dunkelfeldblenden, die man leicht entfernen kann. Die Ringe haben einen Durchmesser von 19mm und eine Dicke von 3,6mm.
- Gefunden habe ich eine Wasserleitung aus Stangenkupfer mit 18mm - die bekommt man im, äh, Baumarkt. Mit der PUK-Säge und einer Sägelehre eine Handvoll Ringe mit ca. 5mm Stärke abgesägt, halbwegs gerade.
- Mit einem Forstnerbohrer, 20mm tut es auch, ein 3,5mm tiefes Loch in eine feine Holzplatte (nicht vom feichtenen Billy, lieber die Ligne-Roset-Kirschbaumkommode..) und mit dem Schleifblock von beiden Seiten eben geschliffen.
- Bei 0, 120° und 240° seitlich kleine Kerben gefeilt, für die Haltefeder und die Zentrierschrauben.
Mit etwas Übung hat man schnell zehn und mehr der kleinen "Blendenträgerringe". Man braucht so viele, weil Schieflicht- und Dunkelfeldblenden aperturabhängig sind und oft nur für ein Objektiv passen. Das kann nur der Heine!
- Darauf mit drei winzigen Punkten Sekundenkleber runde Deckgläser 18mm kleben, die man wiederum mit Silberklebefolie wie gewünscht abdeckt.
- Für das Schneiden der winzigen Blenden bewährt sich eine Silhouettenschere, das ex- oder zentrische Aufkleben passiert am besten unter dem SteMi.
- Man kann die Deckgläser auch mit Tesafilm abkleben und mit Ofenschwarz lackieren.
Titel: Re: 3D-Bastelei mit 402
Beitrag von: andr_brno in März 28, 2020, 23:08:03 NACHMITTAGS
2. Schritt:
Nach dieser Anleitung https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?action=dlattach;topic=33615.0;attach=4485 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?action=dlattach;topic=33615.0;attach=4485)aus dem Forum und einem Mikrokosmosheft habe ich den "ungarischen 3D-Kondensor" nachgebaut. Statt dem "Schlierenfilter" habe ich eine selbstklebende Polfolie verwendet, 18mm Durchmesser und ein 3mm breiter Schlitz bis zur Mitte, auf's Deckglas und eine 14mm Scheibe aus Silberklebeband exzentrisch drunter.
Der 3D-Effekt ist nett, die Objekte sehen aus, als ob sie in kleinen Mulden liegen würden - ein bisschen DIC für den kleinen Mann. Durch Drehen am eingeschalteten Analysator oder einem vorgeschalteten Polarisator (ich nehme für mein Ortholux I z.B. einen Polfilter mit 43mm Filtergewinde auf der Lichtöffnung her, passt exakt) kann man den 3D-Effekt bis zum Schieflicht verstärken, weil man die beiden seitlichen Bereiche abschwächen bzw. auslöschen kann.
Ich habe zwei Bilder versucht, man kann den Effekt aber nicht wirklich fotografieren.

Kritik: Die 18mm Ringe sind eben 1mm zu klein. Ich habe es auch mit 20mm versucht, die kann man nicht mehr zentrieren. Wer drehen kann oder ein Präzisionsrohr mit D=19mm und 1mm Wandstärke findet, tut sich leichter!
Titel: Re: 3D-Bastelei mit 402
Beitrag von: andr_brno in März 28, 2020, 23:16:38 NACHMITTAGS
3. Schritt:
Bei der Suche nach selbstklebender Polfolie hat mir Gerd diesen Beitrag empfohlen:https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=13119 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=13119). Ob man das statt mit Farbfolie auch mit um 90° verdrehten Polfolien basteln kann?
- Den Filter aus dem zweiten Beitrag (zwei Kreissegmente gegenüber) habe ich aus zwei Polfolien mit ausgeschnittenen Segmenten gebastelt. Praktisch: Der Trennbereich dazwischen löscht sich bei richtig orientierten Polfolien automatisch aus.
- Das Bild zeigt den Filter auf meinem 43mm Polfilter liegend: Ein Segment ist ausgelöscht bei richtiger Drehung.
- Die drei anderen Bilder zeigen das ganze durch die Bertrandlinse, bei Drehung des Analysators. Mal wird links, mal rechts ausgelöscht.
- Nun zwei Polfolien auf die Filterhalter in den Okularen - sollte doch funktionieren, oder...
Titel: Re: 3D-Bastelei mit 402
Beitrag von: andr_brno in März 28, 2020, 23:26:37 NACHMITTAGS
Nein, es funktioniert nicht. Man sieht ein deutliches Doppelbild, das nur exakt in der Fokusebene zusammenfindet. Man kann durch Drehen des Analysators jeweils ein Halbbild ausschalten, dann wandert das Bild nur noch schieflichttypisch beim defokussieren aus.
Aber die Polfolien in den Okularen sind wirkungslos. Sind da die Prismen im Binokulartubus schuld?
Ich werde mich auf die Suche nach einer farbigen Anaglyphenbrille machen müssen...

Mit der klebrigen Polfolie kann man aber doch noch was basteln: Ein Kreis mit 18mm und einem zentrischen Loch 2mm, mit der Lochzange gestanzt. Darüber ein zweiter, 16mm ohne Loch, um 90° verdreht geklebt. Eine variable Dunkelfeldblende, man kann umschalten von Dunkelfeld zu Hellfeld und irgendwas dazwischen. Wen man ein Lambdaplättchen in den Filterschlitz schiebt, kann man Dunkelfeld mit farbigem Hintergrund haben. Bringt jetzt keine bessere Auflösung, ist aber schöner Zeitvertreib.

Grüße
Andreas
Titel: Re: 3D-Bastelei mit 402
Beitrag von: Herbert Dietrich in März 29, 2020, 09:09:21 VORMITTAG
Servus Andreas,

was den Bayern alles einfällt, wenn man sie dahoim eischperrt! Hund san's scho :)

Du hast richtig erkannt, die Prismen des Binotubus stören die Polarisation. Das funktioniert meiner Meinung nach nur in der Ebene
zwischen Objektiv und Bino. Aber dann hast Du den gewünschten Effekt links - rechts nicht, frei nach Ernst Jandl: "Rinks und lechts kann man nicht velwechsern ...

Alu 19mm: gib bei ebay  Rohr 19mm ein

Ähnlicher Spielereien habe ich schon mit Zeiss Phasen-Kondensoren gemacht.
Weiterhin viel Spaß mit Deinen Basteleien.

Bleib gsund und
Herzliche Grüße von einem alten Bastler aus Westbayern

Herbert
Titel: Re: 3D-Bastelei mit 402
Beitrag von: Gerd Schmahl in März 29, 2020, 09:46:41 VORMITTAG
Hallo Andreas,
so ganz komme ich noch nicht mit, bei Deinen Erklärungen im letzten Abschnitt zum Versuch der 3-D-Beobachtung. Du brauchst auf jeden Fall im Beleuchtungsstrahlengang einen Filter mit zwei um 90 Grad verdreht orientierten Hälften, die sich in Ost-West-Richtung orientiert gegenüberstehen und idealerweise durch einen Lichtundurchlässigen Bereich getrennt sind. Davor darf kein Polfilter auf dem Lichtaustritt liegen. Die Polfilter in den Okularen müssen natürlich auch um 90 Grad zueinander verdreht orientiert sein, so dass das eine Auge nur das eine Teilbild und das andere das andere Teilbild sehen kann. Mich wundert, wie Du das Doppelbild fotografieren konntest. Da kannst Du doch nicht durch beide Okulare gleichzeitig fotografiert haben?
Funktioniert "normale" Polarisation mit einfachen Polarisator und Analysator mit Deinem Bino an beiden Okularen? Wenn ja, sollte es auch mit der 3-D-Variante klappen.
Beste Grüße
Gerd
EDIT zum Bild: Oben der Filter für den Beleuchtungsstrahlengang, unten die beiden Okularfilter. Natürlich muss man nicht zwingend 45 Grad zur Sichtachse orientieren, aber die beiden Hälften müssen um 90 Grad verdreht orientiert sein und die in den Okularen müssen entsprechend mitgedreht werden. Zu beachten ist die Kreuzung im Strahlengang. Wenn man die Okulare vertauscht, hat man ein inverses 3-D-Bild (Was oben ist scheint unten, eine Aufwölbung wird zur Vertiefung)
Titel: Re: 3D-Bastelei mit 402
Beitrag von: andr_brno in März 29, 2020, 10:47:14 VORMITTAG
Servus Herbert,
danke für die Grüße und den Tipp. 0,5m Rohr, das gibt 250 Filter, das sollte reichen bis zum Ende der Quarantäne!

Hallo Gerd,
alles richtig, der Analysator spielt bei diesem Prinzip keine Rolle, ich habe ihn nur verwendet, um das Prinzip und die Auslöschung der Hälften zu demonstrieren.
Das Doppelbild ensteht, wenn beide Hälften leuchten, in diesem Fall immer, da eben mit den Polfolien auf oder in den Okularen sich kein halbes Doppelbild auslöscht. Wie Herbert bestätigt und ich mit etwas Suche auch hier https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=11198.0 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=11198.0) hätte finden können hebt sich die Polarisation der Halbbilder nach Durchlaufen der Binoprismen auf.
Also kein genialer Geistesblitz des mikroskopierenden Schmuckeremiten, dafür eine Bestätigung, dass sich das mikroskopische Weltwissen in diesem Forum versteckt.
Grüße ins Schwäbische und Sächsische
Andreas

Edit:
... und noch ein Nachtrag: Ganz sinnlos ist die Konstruktion nicht, die Gerd dankenswerterweise noch mal grafisch dargestellt hat. Wenn man den Analysator einschaltet, kann man Schieflicht lechts auf rinks umschalten, wenn man das brauchen kann.