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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: jcs in Mai 02, 2020, 21:49:44 NACHMITTAGS

Titel: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Mai 02, 2020, 21:49:44 NACHMITTAGS
Nach diversen Vorbereitungsarbeiten und einigen hilfreichen Tipps der "alten Hasen" hier im Forum gibt's ein paar erste Bilder von mir. In diesem Fall ein Hellfeld-und Dunkelfeld-Bild eines Kiefernzweiges (Präparat stammt nicht von mir). Erfreulicherweise hat die Adaption der Kamera (Panasonic G9) auf den Tubus problemlos geklappt.

Nach dem Lesen von seitenlangen Elaboraten über Kameraadaption ans Mikroskop hatte ich diesbezüglich schon das Schlimmste befürchtet. Im Fall von mft und Unendlichoptik ist das aber äußerst einfach: Verlängerungstubus von Leica (ohne Optik)+Adapter von C-Mount zu mft + Kamera aufsetzen, das war's dann schon. Der mft-Chip ist eine Spur zu groß, die äußersten Ecken des Bildes vignettieren etwas, aber das kann man gut wegschneiden.

Mit dem Thema Focus-Stacking werde ich mich noch beschäftigen müssen, und dann geht's ans Probensammeln, Schneiden und Färben. Das wird mich als absoluter Laie in dem Thema noch gut beschäftigen, mach aber sicher Spaß.

Jürgen
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Fahrenheit in Mai 02, 2020, 21:57:32 NACHMITTAGS
Lieber Jürgen,

das schaut doch schon mal gut aus! Aber etwas schärfer wird schon noch gehen. Kannst Du den Adapter in der Höhe justieren? Dann könntest Du durch Serienaufnahmen herauspröbeln, wann das Bild für Dein Auge und die Kamera gleichermaßen scharf ist.

Wenn Du in der Bildmitte eine optimale Schärfe erreicht hast, hilft das Stacking dabei, bis zum Rand scharfe Bilder zu bekommen.

Herzliche Grüße
Jörg

p.s.
Den mechanischen Auslöser den ich auf Deinem Bild sehe, hatte ich auch. Er hat nach ca. 1500 Auslösungen den Geist aufgegegeben ... 
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Mai 03, 2020, 12:44:36 NACHMITTAGS
Hallo Jörg,

danke für die Rückmeldung. Die Höhe des Fototubus kann ich leider nicht verstellen, Kamera und Okular sind somit nicht perfekt parfokal. Zum gründlichen Scharfstellen des Kamerabildes brauche ich aber sowieso ein Livebild am Computermonitor, insofern kann ich mit dem aktuellen Setup gut leben.

Heute habe ich dasselbe Motiv mit Focus-Stacking aufgenommen, das wird dann alles deutlich knackiger. Aber Übungsbedarf ist noch ausreichend da, bis ich an die Qualität der vielen "Top-Shots" hier im Forum herankomme.

Jürgen
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: JB in Mai 03, 2020, 14:41:38 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,

Das neue Bild sieht fuer mich schon gut aus. Der Schnitt ist noch ein wenig dick, deshalb ist der Bildeindruck noch nicht perfekt :)  Wie waere es mit Stiching? Die Aufnahmen ueber eine groessere Flaeche zusammennaehen, das ergibt oft beeindruckende Panoramabilder, die kleine Fehler in den Details ausbuegeln.

Was ist das fuer eine Adaption aus Kamera und Adapter? Wenn die Parfokalitaet zwischen Okularen und Kamera nur minimal ist (also wenn Adapter und Kamera passen), dann kann man die Parfokalitaet an den Dioptern der Okulare einstellen.

Idealerweise, wenn alles stimmt, sind alle Objektive untereinander parfokal und auch die Kamera zu den Okularen. Nur die allerletzte Feineinstellung ist noch ueber den Monitor.

Beste Gruesse,

Jon
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Mai 03, 2020, 23:11:20 NACHMITTAGS
Hallo Jon,

danke für die Tipps. Das Präparat ist wohl einiges zu dick, aber im Moment habe ich noch nicht viele Alternativen. Die Anfertigung eigener Schnitte steht als nächstes an. Ich fürchte, das wird noch etwas dauern, bis es halbwegs klappt.

Meine Objektive sind noch nicht einheitlich (N-Plan sowie ein HC Plan Fluotar). Aber bevor ich mich da nach einem einheitlicheren Setup umschaue, möchte ich zuerst wissen, was ich wirklich brauche. Die Kamera sitzt auf einem 10-Euro-"C-Mount nach mft Adapter", das C-Mount Adapterrohr ist von Leica.

Vor Stitching schrecke ich noch etwas zurück. Das mache ich vermutlich erst, wenn ich das perfekte Präparat habe und eine ausgefeilte Aufnahmetechnik. Wenn es sich also lohnt, ein Bild in Großformat auszudrucken.

LG
Jürgen
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: othum in Mai 03, 2020, 23:47:07 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,

schöne Aufnahmen für den Anfang!

Bzgl des Stackings: Bei Pflanzenschnitten stacke ich inzwischen deutlich weniger, bzw dezenter. Durch die hohe Transparenz der Objekte siehst Du sonst bei voll durchgestackten Proben "alles" und damit nicht mehr viel. Ich stacke nun meist nur noch die obersten Ebenen, aber probiere Dich da mal durch...
Panoramen sind dagegen kein Hexenwerk und gerade für Übersichtsaufnahmen oft alternativlos...

Beste Grüße, Oliver
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Mai 04, 2020, 21:14:54 NACHMITTAGS
Hallo Oliver,

danke für den Tipp zum Stacken, habe ich gleich ausprobiert. Das Bild wird dann etwas "luftiger", d.h. ich werde mir das als hilfreichen Ansatz merken. Der Schnitt ist allerdings wohl wirklich zu dick für die "perfekte" Aufnahme, da scheint nichts daran vorbeizuführen.

Jürgen
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Mai 26, 2020, 21:31:16 NACHMITTAGS
Mittlerweile habe ich begonnen, meine ersten Schnitte und Färbungen zu machen. Färbemittel und Messer habe ich freundlicherweise von Klaus Herrmann bekommen, der SHK-Messerhalter ist leider gerade nicht verfügbar. So wurde es ein Selbstbau-Halter, mit einer 3D-gedruckten Basis und einem Alublech für die Messerfixierung. Funktioniert soweit sehr gut, zumindest für die ersten Schritte. Ich habe leider nur ein etwas klappriges Euromex-Handmikrotom. Bis zu 50mum Schnite gehen so halbwegs reproduzierbar, darunter wird es schwierig. D.h. die Wunschliste ist schon wieder länger geworden.

Was mir bei Schneiden sehr geholfen hat, war der Umstieg von "Karottenfixierung" zu Styrodur. Da habe ich von einem Architektur-Zubehör-Laden Platten mt einer Dicke von 2-5mm in Größe DIN-A3 gekauft, das funktioniert um Welten beser als die "matschige" Karotte als Halterung für die Pflanzenteile.
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Mai 26, 2020, 21:37:37 NACHMITTAGS
Hier einmal die ersten selbst-geschnippelten und selbstgefärbten Proben. Über Tipps, was man besser machen kann, bin ich dankbar. Ich habe keinen Fokus-Stack gemacht, deshalb sind die Bilder nicht durchgehend scharf, aber im Moment interessiert mich mehr die Thematik Schneiden und Färben.

Tendenziell sind die Schnitte mit 50-60mum wohl noch etwas zu dick. Bei der ersten Färbung (Etzold FCA "Eintopflösung") finde ich die Farben schon ganz gut. Der zweite Schnitt (Wacker W3A "Zweitopflösung") hat farblich sicher mehr Potenzial, aber irgendwie ist mir das Blau (Alcianblau) etwas untergegangen. Die Schnitte zeigen übrigens in beiden Fällen einen Querschnitt durch eine Kiefernadel.
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Werner in Mai 27, 2020, 00:07:52 VORMITTAG
...die Häkeldeckchen auf den ersten Bildern fand ich irgendwie schöner.

Duck und wech - Werner
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: JB in Mai 27, 2020, 00:39:52 VORMITTAG
Hallo Jürgen,

Womit haben Sie die Schnitte eingedeckt?

Beste Gruesse,

Jon
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Fahrenheit in Mai 27, 2020, 07:36:07 VORMITTAG
Lieber Jürgen,

vielleicht kannst Du von beiden Schnitten einmal Detailaufnahmen aus dem Bereich Leitbündel und Bündelscheide und / oder von einem Sekretgang und der Epidermis mit Cuticula zeigen, dann wird es etwas einfacher, die Färbungen zu beurteilen.

Ich schneide immer so um die 50µm, aus meiner Sicht sind die Schnitte also nicht zu dick. ;)

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Mai 27, 2020, 08:55:05 VORMITTAG
Vielen Dank für Eure Rückmeldungen!

@Werner: Du hast sicher recht, Prachtstücke zeige ich hier nicht. Aber der Parameterraum für Verbesserungen ist groß: Von der Auswahl des Pflanzenmaterials über die Schnitte, hin zu Färbungen und Aufnahmen kann man überall Fehler machen. Da hilft es, wenn man aufmerksam gemacht wird, wo das größte Verbesserungspotenzial liegt.

@Jon: Eingedeckt habe ich mit Euparal.

@Jrg: Deiner Empfehlung werde ich bei nächster Gelegenheit folgen, und ein paar Detailaufnahmen in den von Dir erwähnten Bereichen machen.

LG

Jürgen
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Bob in Mai 27, 2020, 10:07:57 VORMITTAG
Hallo Jürgen,
vielleicht kannst Du die Aperturblende etwas weiter öffnen. Schnitte in Euparal werden mit der Zeit noch etwas schöner. Ansonsten finde ich die Bilder schon ziemlich gut.

Jörg hatte hier mal einen Vergleich von 8 Färbungen gezeigt: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=35692.0 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=35692.0)

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Mai 27, 2020, 20:29:45 NACHMITTAGS
Hallo Bob,

danke für den Tipp mit der Aperturblende, das hilft. Die Seite von Jörg mit den Färbungen kannte ich schon, aber Dein Hinweis hat mich motiviert, am Nachhauseweg ein Efeublatt mitzunehmen und mich daran zu versuchen. Da sehe ich dann auf Jörgs Seite, wie das Endergebnis im Optimalfall aussehen könnte. Hier also drei Bilder vom Efeu (zweimal Blattstiel, mit 5x und 40x Objektiv) sowie eine Aufnahme aus dem Blatt (Fokus-Stapel mit 10x). Der Schnitt am Stiel war recht dünn und ist mir deshalb in der Mitte ausgerissen, dafür sehe ich da endlich etwas vom Alcianblau.

Gefärbt mit Acridinrot/Acriflavin im ersten Schritt und dann mit Alcianblau.

In den dickeren Bereichen kommt das Rot und Grün gut raus, aber Blau geht da irgendwie verloren. Aber die Richtung stimmt schon einmal, denke ich.

Jürgen
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Peter V. in Mai 27, 2020, 20:32:26 NACHMITTAGS
Hallo,

also ich finde die Bilder ziemlich klasse!! Jörgs Bilder sind tatsächlich ein Klasse für sich, Jörg beschäftigt sich aber auch schon wirklich lange und intensiv mit der Schnippelei wie kaum ein Zweiter.

Hezrliche grüße
Peter
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Bob in Mai 27, 2020, 21:31:03 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,
na guck, das sieht doch jetzt prima aus. Wenn Du die Ergebnisse auf dem Niveau verstetigen kannst, hast Du allen Grund zufrieden zu sein.

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jako_66 in Mai 27, 2020, 21:32:49 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,

schöne Bilder! Meine Lieblingsfarbe ist das Alcianblau und wenn mir die Färbungen zu grün werden, erwärme ich beim Färben mit Alcianblau 1-2 min um die 40 Grad. Je nach Pflanzenart muss das Färbeprotokoll neu justiert werden (meine Erfahrung). Wenn z.B. das Rhodamin B zu dick aufzieht, habe ich sanft am Ende mit Sazsäureethanol differenziert. Dann wurde es schön bunt aber auch farblich etwas blasser. Die W3A Sim III-Färbung differenzierte sich bei mir nicht in Wasser, auch nicht nach Stunden. Mit dem Salzsäurealkohol funktioniert das in Sekunden! 0.75%ig geht recht fix, 0.4%ig ist wahrscheinlich besser!

Eine Bildbearbeitung holt die satten Farben zurück. Die Übereinstimmung mit dem Original ist eher zufällig und nicht gewünscht...

Viele Grüße

Sven
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Mai 27, 2020, 22:46:21 NACHMITTAGS
@Peter, Bob, Sven: Freut mich, wenn Ihr hier Fortschritte seht!

Den Ansatz, über Wärme das Blau besser sichtbar zu machen, werde ich mir merken.

Mit Salzsäureethanol habe ich aktuell noch nichts am Hut. Weniger wegen der ätzenden Wirkung, sondern eher wegen der Korrosivität des enthaltenen Chlors, da habe ich schon in anderem Zusammenhang schlechte Erfahrungen gemacht. Ich möchte vermeiden, dass meine Optik einmal so aussieht wie in diesem Ebay-Angebot (sagenhaft, was hier alles unter "gutem Zustand" angeboten wird):

https://www.ebay.at/itm/Mikroskop-Objective-Leica-HC-Pl-Fluotar-20X-0-50-Bd-Linse/224000561263?hash=item342779506f:g:XkQAAMXQOQdRHCSk (https://www.ebay.at/itm/Mikroskop-Objective-Leica-HC-Pl-Fluotar-20X-0-50-Bd-Linse/224000561263?hash=item342779506f:g:XkQAAMXQOQdRHCSk)

Jürgen
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Fahrenheit in Mai 28, 2020, 07:12:36 VORMITTAG
Lieber Jürgen,

ich finde, Deine Schnitte und Aufnahmen vom Efeu sind sehr gut gelungen!

Die W3Asim II Färbung und Verwandte mit Alcianblau gehen immer ins grünliche, das ist der gewünschte Effekt dieser Färbung. Wenn es blau werden soll, ist das Original (W3A von Robin Wacker) oder W3Asim I / Asim I mit Astrablau die bessere Wahl.
Temperatur und das Probenmaterial selbst - genau wie Schnittdicke und Bleiche mit Chloralhydrat oder Eau de Javel und eine kleinen Schar weiterer Faktoren haben ebenfalls Einfluss auf das Ergebnis.

Differenzieren mit Salzsäurealkohol ist sehr effektiv - manchmal wirklich eine Sache von Sekunden, besonders bei dünnen Schnitten. Wenn man im Uhrglas arbeitet, wird es am besten durch rechtzeitiges Absaugen (Lupenkontrolle) und zugeben einer ordentlichen Menge Aqua dest. unterbrochen. Danach ist im schnellen Wechsel mehrfach mit Aqua dest. zu spülen. Ich lasse die Schnitte anschließend noch für 2 oder 3 mal 2 bis 5 Minuten in Aqua dest.
Die Nase hilft hier: AM ENDE DES PROZESSES (!) darf von den Schnitten in Aqua dest. kein Chlor- oder Salzsäuregeruch mehr ausgehen. Direkt am Salzsäurealkohol zu riechen ist keine gute Idee ...

Wenn man so arbeitet, passiert auch der Optik nichts. Bei schlechter Spülung leidet zuerst das Präparat. Andererseits: HCL in beliebiger Konzentration schafft es über die Zeit immer, die Umgebung zu korrodieren. Selbst die kleine Menge, die der Mikroskopiker ab und an mal braucht, sollte nicht neben einem Mikroskop aufbewahrt werden ...

Abschließend zur Differenzierung - wenn sie nicht elementarer Bestandteil eines Färbeprotokolls ist, handelt es sich um eine Korrekturmaßnahme, um vorher beganngene Fehler auszubügeln oder abzuschwächen: z.B. fehlende Bleichung, zu dicke Schnitte, zu kurze ("blaue" Farben) oder zu lange ("rote" Farben) Färbezeiten, falsche Konzentrationen der Färbereagenzien ...
Ich setze sie daher nur ein, wenn sie mir unbedingt notwendig erscheint.

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Mai 28, 2020, 22:37:53 NACHMITTAGS
Hallo Jörg,

Deine Erläuterungen machen mir einiges klarer. Das Feld der Mehrfachfärbungen scheint ein recht weites zu sein, das wird mich noch einige Zeit beschäftigt halten. Im Moment stütze ich mich noch auf "arbeitszimmertaugliche" Methoden, für die Expertenmethoden warte ich noch etwas, das würde ich dann doch lieber in einem halbwegs ausgerüsteten Chemielabor machen. Aber Deine und Svens Anregungen werden jedenfalls notiert.

Heute habe ich mich mit einer Rebe des wilden Weins (Etzold FCA, 5x-Objektiv) aus dem Park beschäftigt, die lässt sich recht gut schneiden. Ein Efeu-Blattstiel wurde auch noch probiert mit Acridinrot/Acriflavin+Alcianblau, ebenfalls 5x. Sehen beide recht attraktiv aus, finde ich. Mal schauen, was mir sonst in nächster Zeit noch unterkommt.

Jürgen
 
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Fahrenheit in Mai 29, 2020, 11:12:51 VORMITTAG
Lieber Jürgen,

schnitt und Färbung sind Dir - soweit aus der Übersichtsaufnahme ersichtlich - gut gelungen.

Beim Schneiden kommt es öfter vor, dass sich die sehr weichen Zellen des Markparenchyms zusammen schieben und beim Eindecken lässt sich das Umklappen des Schnittrands manchmal nicht verhindern.

Im ersten Fall hilft es, viele Schnitte zu machen und die besten auszuwählen (wenn sich etwas leicht schneiden lässt, habe ich von 10 Schnitten meist 6 oder 7 gute, bei schwierigem material oft nur 2). Aber 20 - 30 Schnitte sind ja schnell gemacht ...

Wenn ein Schnitt nicht schon an sich eingerollte Ecken hat, empfiehlt es sich, ihn so auf den Objektträger zu platzieren, dass die Ränder aufliegen. Meist zieht sich dann mit dem Auflegen des Deckglases alles plan.
In schwierigen Fällen kann man die gut entfetteten Hände mit Isopropanol anfeuchten und den Schnitt zwischen Daumen und Zeigefinger vorsichtig plan massieren - ein Tipp von Prof. Schweingruber (Microscopic Preparation Techniques for Plant Stem Analysis).

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Mai 29, 2020, 21:49:13 NACHMITTAGS
Hallo Jörg,

bei meinen Schnitten ist noch ausreichend Luft nach oben. Üben wird helfen, aber mit meinem etwas klapprigen Handmikrotom werde ich auf Dauer nicht wirklich glücklich, fürchte ich. Aber das ist ja das Schöne am Mikroslopieren: die Wunschliste ist beliebig ausdehnbar.

Diese zentnerschweren Schlittenmikrotome sind auch nicht meins, vielleicht traue ich mich einmal über ein DIY-Projekt basierend auf "Lego für Erwachsene" (Bosch-Profile), da ließe sich etwas halbwegs Leichtes und doch Stabiles zusammenbauen.

Aber vorerst ist einmal Üben angesagt.

Jürgen
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Peter V. in Mai 29, 2020, 22:02:17 NACHMITTAGS
Hallo,

ich bin ja kein sonderlich erfahrener Schnippler, aber ich garantiere Dir, dass Du eine neue Welt erfahren wirst, wenn Du Dir ein Jung Handyzylinder-Mikrotom (https://mikroskopie.me/2017/12/05/r-jung-hand-zylindermikrotom/) besorgst. Es ist ein wahre Freude, dieses schwere mechanische Kunstwerk in der Hand zu halten und zu bedienen. Halt mal die Augen auf und spar schon mal; da muss man - je nach Glück und Marktlage - mit 200 - 300 EUR rechnen.  Leider sind sie selten, aber ich finde: Es lohnt sich!
Meines Wissens arbietet auch Jörg damit und ich kenne eigentlich keinen Nutzer eines Schlittemikrotom-Trumms, der damit bessere Ergebnisse erzielt als Jörg mit diesem Jung Mikrotom. (ich wüsste auch nicht, was es da noch zu verbessern gäbe).

Herzliche Grüße
Peter




Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Bob in Mai 29, 2020, 22:39:22 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,
für einen Mikrotom-Eigenbau wäre das eine gute Komponente, vorzugsweise in Ausführung "Kugelkette": https://www.ebay.de/itm/Linearfuhrung-Kugelumlauffuhrung-ARC15-FN-S-Schiene-Wagen/151994385339


Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Mai 29, 2020, 23:01:17 NACHMITTAGS
@Peter: Manchmal muss man mangelndes Talent und Geschick durch entsprechendes Equipment kompensieren, hilft halt nichts. Und ab und zu wieder etwas "Basteln" macht mir auch Spaß.

@Bob: genau in diese Richtung denke ich, mein Einkaufswagen bei Misumi ist schon gut gefüllt, und da gibt es für solche Zwecke so ziemlich alles zu kriegen.

LG

Jürgen
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Fahrenheit in Mai 30, 2020, 07:39:22 VORMITTAG
Guten Morgen Zusammen,

beim Schnippeln ist es wie mit jedem anderen Handwerk auch: Übung macht den Meister und ohne vernünftiges Werkzeug muss man wirklich Meister sein, um noch brauchbare Ergebnisse zu erzielen.

Ich denke, es spielt dabei keine Rolle, ob man mit einem Schlittenmikrotom schneidet oder mit einem Zylindermikrotom. Aus meiner Sicht kurz die Vor- und Nachteile:

Zylindermikrotome sind klein und handlich und können mit dem SHK Halter mit den Standardmikrotomklingen aus der medizinischen Histologie betrieben werden. Ggf. muss man eine Tischklemme oder einen Tischständer (-> Tischmikrotom oder "Tempelchen") benutzen, wenn man z.B. Schnitte härterer Proben mit einem Pinsel vor dem Einrollen bewahren muss. Die Handhabung und Pflege ist einfach, es gibt keine großen Aufbauzeiten und die oben mal angesprochenen 30 Schnitte sind bei mir in einer halben Stunde im Uhrglas. Die Proben können freistehend oder in Möhreneinbettung einfach eingeklemmt und sofort geschnitten werden. Allerdings beschränkt der Zylinderdurchmesser und die Probenklemme die Größe der Proben, die noch geschnitten werden können.
Wie Peter oben schrieb: ich mache eigentlich alles mit dem Jung Zylindermikrotom und habe etwas Erfahrung damit. Fragen zu Zylindermikrotomen beantworte ich gerne. Hier eine kleine Anleitung auf der Webseite des MKB: http://mikroskopie-bonn.de/bibliothek/botanische_mikrotechnik/160.html (noch mit einem einfachen, aber ebenfalls sehr zuverlässigen Kosmos-Mikrotom, das ich jahrelang benutzt habe, bevor mir das Jung zugelaufen ist ;) )

Schlittenmikrotome erlauben zunächst einmal den Schnitt größerer Proben und erleichtern auch die Erstellung von Längsschnitten, für die die Probe am Besten mit Sekundenkleber auf einem Hartholzklötzchen fixiert wird. Die Geräte sind groß und schwer: man braucht Platz zum Hinstellen und auch zum Arbeiten drumherum (am besten im Stehen). Die Inbetriebnahme vor dem Schnitt ist vergleichsweise aufwändig, Wartung und Pflege ebenfalls (die Gleitbahnen müssen z.B. gepflegt werden, es ist spezielles Öl erforderlich - Nähmaschinenöl und Balistol 1:1 funktioniert). Arbeitet man mit Mikrotommessern braucht man die langen C-Messer, um einen ziehenden Schnitt zu gewährleisten. Kurz: die Dinger sind nicht ganz ungefährlich und auch die montierte Klinge ist ungeschützt. Alter Spruch: Mikrotommesser fallen nicht auf den Fuß, sie fallen durch den Fuß. Um Unfälle zu vermeiden, sollte man ungestört sein (Tür abschließen ...).
Man kann auch Klingenhalter für die oben schon genannten Einmalklingen verwenden, diese sollten zumindest ab mittelharten Probenmaterial aus Stahl sein (selten  zu bekommen und teuer).
Allerdings ist so ein altes Stück Technik schon faszinierend. Ich hatte ein Jung HN40 und habe jetzt einen kleineren, älteren Vorläufer auch von Jung. Ich weiß aber nicht, wann ich den das letzte Mal benutzt habe. Gleitbahnpflege steht trotzdem regelmäßig an, da sich sonst Öl und Staub zu einer aggresiven Mischung verbinden, die ein Abschleifen notwendig macht ...
Hans-Jürgen schneidet in der Regel mit dem Schlittenmikrotom und hat damit sehr gute Erfahrung gemacht, der Umgang mit den Längstschnitten habe ich von ihm. Ich denke, er wird Fragen ebenfalls gerne beantworten.

Eigenbauten ... auch da braucht man eine Meisterschaft, nämlich die für den Bau einer Gerätschaft, die die Probe sicher hält und in maximal 5 µm Schritten sauber transportiert; die genaue Ausrichtung des Messers oder des Messerhalters in allen Raumrichtungen inkl. Anstellwinkel erlaubt und den Schlitten sauber und ohne Ruckeln mit Toleranzen im 1 µm Bereich führt. Schlittenmikrotome sind nicht umsonst so massiv gebaut ..
Es gibt neue Konstruktionen, die den Messerschlitten bzw. den Probenschlitten auf Kugelbahnen führen (https://www.wsl.ch/en/services-and-products/research-instruments/microtomes.html). Aber auch bei dieser Konstruktion sind die Toleranzen zu halten. Das kleine GLS1 kostet, wenn ich mich recht erinnere, so um die 1900 €. Wenn es günstiger wäre, hätte ich es hier. ;)

Herzliche Grüße
Jörg 
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: othum in Mai 30, 2020, 10:50:06 VORMITTAG
Hallo Jürgen,

An dieser Stelle  möchte ich dann auch meinen Senf zugeben.

Zunächst: sehr schöne Arbeiten, besonders für den Anfang! Da ich selber erst vor zwei Jahren mit der Mikroskopiererei begonnen habe und schwerpunktmäßig auch "schnippele", meine Meinung zum Schneiden:

Ich habe mit einem Handmikrotom mit SHK Halter begonnen. Ich bin damit nicht glücklich geworden. Die tatsächlich nutzbare "Gleitfläche" ist mir zu klein, die Handhabung zu umständlich (habe eins ohne Tischhalterung).

Ich habe dann von einem Mitforisten ein gebrauchtes HN40 erstanden.  Damit sind meine Schnitte deutlich (!) besser geworden. Ich benutze weiter die Leica Einwegklingen, meine Schnitte sind - wenn das Probenmaterial es zulässt - dünner und gleichmäßiger. Ausserdem hat man durch Einstellen des Freiwinkels noch einen weiteren Parameter für die Feinjustierung zur Verfügung. Und ich habe kürzlich auch meine ersten Längsschnitte gemacht (wie von Jörg beschrieben).
Und den Eigenbau sehe ich auch skeptisch: Du brauchst Material, dass sich auch nicht um einen Mikrometer verzieht (daher das große Gewicht der Mikrotome) und auch der Schlitten sollte schwer sein (grosse bewegte, träge Masse....).

Weiter viel Erfolg und Freude,

Oliver
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Mai 30, 2020, 11:58:15 VORMITTAG
Hallo Jörg und Oliver,

vielen Dank für Euren Input! Ein gutes Zylindermikrotom mit SHK-Halter und einem Tempelchen/Tischhalter ist sicher eine sehr gute Sache, sieht man ja an den vielen Beispielen hier. Problem: Keine der drei Komponenten ist so ohne weiteres verfügbar, und die Beschaffung ist hier wohl der Flaschenhals.

Die großen und alten Schlittenmikrotome in gutem Zustand zu bekommen ist ebenfalls schwierig und sicher nicht ganz billig. Aktuelle Systeme wie das Schweizer GLS sind vom Eginieering her ausgezeichnet und sicher ihr Geld wert für den professionellen Einsatz (hab mich sogar einmal erkundigt, der Preis den Jörg angegeben hat, ist deutlich zu niedrig). Aber für's Hobby sprengt das doch etwas den Rahmen.

Aus meiner Arbeit, wo wir sicher über hundert Meter Bosch-Profile und meterweise Profilschienenführungen für Vorrichtungen mit deutlich höheren Anforderungen an Steifigkeit und Präzision verbaut haben, weiß ich, dass diese Systeme wirklich sehr gut funktionieren. Zusätzlich sind sie deutlich leichter und wartungsfrei.

Außerdem bin ich weder Pensionist noch Student, d.h. Zeit ist genug vorhanden, um einmal etwas auszuprobieren. Aktuell denke ich, dass ich bis auf zwei Frästeile alles mit Katalogware machen kann, mit einem Zielgewicht <5kg und einem umbauten Volumen von ca. 40x25x25cm, damit ich es gut im Schrank verstauen kann. Wird etwas dauern, bis das alles ins Rollen kommt, und schlimmstenfalls hat der Friedhof der gescheiterten Ideen ein weiteres Mitglied.

Ein paar Fragen an Euch werden sicher auftauchen, da melde ich mich dann gerne.

Jürgen
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Fahrenheit in Mai 31, 2020, 07:14:58 VORMITTAG
Guten Morgen Jürgen,

zeig doch mal ein Foto von Deinem jetzigen Zylindermikrotom und dem Messer, das Du verwendest. Den SHK Halter bekommst Du übrigens hier im Forum von Detlef Kramer.

Vielleicht können wir Dir zwischenzeitlich ein paar Tipps geben, wie Du auch damit besser zurrecht kommst, während Du an Deinem Eigenbau arbeitest.
Wenn der dann fertig ist, wäre es toll, wenn Du ihn hier vorstellen würdest.

Stell nebenher ruhig mal eine Suchanfrage nach einem HN40 oder ähnlichem hier im Forum, ich könnte mir vorstellen, dass jemand noch eines ungenutzt im Keller hat :)

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Mai 31, 2020, 10:46:52 VORMITTAG
Hallo Jörg,

anbei ein Bild meines Zylindermikrotoms. Zum Anfangen sicher ok, aber Rundum-Zufriedenheit stellt sich keine ein. Die Klemmung ist sehr primitiv, und die Aussparung des Messerhalters bleibt am zu kleinen Glasteller hängen, wenn man kontinuierlich durchziehen will. Den selbsgebauten Messerhalter habe ich am Anfang des Threads gezeigt. Ich musste das ja selbst machen, da Detlef in seiner "Suply Chain" coronabedingte Schlaglöcher hat.

Mittlerweile hat es mein DIY-Mikrotom vom Kopf in den Computer geschafft, siehe zweites Bild. Wie gesagt, bis auf zwei Frästeile sind alles Katalogprodukte. Der Probenhalter fehlt noch, den würde ich vermutlich 3D-drucken. Dafür ist schon die Luxusversion mit Goniometer vorgesehen, falls einmal Längsschnitte anstehen. Insgesamt ist das Konstrukt 40x19x19cm groß.

Ausbaumöglichkeiten gäbe es auch, so ließe sich recht einfach eine Stereolupe über ein weiteres Boschprofil andocken. Wenn man irgendwann einmal den z-Hub motorisiert, wäre das schon ein halbautomatisches Mikrotom. Zusätzlich kann man mit angedockter Stereolupe/Mikroskopoptik gleichzeitig ein Digitalmikroskop realisieren, mit automatischem z-Stacking. Möglichkeiten zum Austoben gäbe es hier genug, aber ich fang mal mit der einfachen Variante an.

LG

Jürgen
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: derda in Mai 31, 2020, 11:33:50 VORMITTAG
Guten Moin Jürgen,

wenn ich die NORELEM-Preise zugrunde lege, dann bekommst du für diese Summe schon ein schönes gebrauchtes Schlittenmikrotom. Es hat sich nach meiner persönlichen Erfahrung immer gezeigt, daß mit etwas Geduld das Gesuchte irgendwann für einen guten Preis zu bekommen ist. Von Jung gab es sogar eine kleine Schlittenmikrotomvariante:

https://mikroskopie.me/2017/12/10/jung-ag-kleines-schlittenmikrotom (https://mikroskopie.me/2017/12/10/jung-ag-kleines-schlittenmikrotom)

Mikrotome tauchen irgendwie immer zyklisch auf. Mal kaum und teuer, dann wieder in Massen und günstig. Mit etwas Glück erwischst du vielleicht sogar den heiligen Gral, das Studentenmikrotom von Jung  ;D

Eine Übergangsvariante: benutze dein Zylindermikrotom mit einem Rasiermesser. Da musst du zwar selbst schleifen, kannst aber ,,voll durchziehen".

Viele Grüße,

Erik
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Bob in Mai 31, 2020, 17:50:14 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,
Deine Mikrotomkonstruktion sieht vielversprechend aus. Überlegenswert wären diagonale Aussteifungen in den viereckigen Rahmen. Zum Optimieren des Schneideprozesses gehört das Anpassen von Messerneigung und Schrägstellung, das sollte also leicht gehen. Den Schnitt stützt und fängt man gerne mit dem Pinsel, daher wäre einklemmbarer Endanschlag für den Messerschlitten denkbar. Interessante Vorbilder zum Abgucken von Details wären das Reichert Tetrander und das Leitz Grundschlittenmikrotom. Letzteres wäre meine Gebrauchkauf-Empfehlung. Die Dinger schneiden wunderbar und sind wenig gefragt. Mit 40 kg Gewicht nicht schnell verräumbar aber nicht mal doppelt so schwer wie ein HN 40 und technisch aus meiner Sicht überlegen.

Das Einhaken Deines gedruckten Halters sollte zu vermeiden sein. Er muss unten ganz plan sein und von der Form ausreichend steif. Aber wie schon geschrieben wurde: So praktisch diese Zylindermikrotom-Klingenhalter-Methode ist, nicht jeder freundet sich damit an.

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Juni 01, 2020, 23:37:22 NACHMITTAGS
Zitat von: Erik W. in Mai 31, 2020, 11:33:50 VORMITTAG

wenn ich die NORELEM-Preise zugrunde lege, dann bekommst du für diese Summe schon ein schönes gebrauchtes Schlittenmikrotom. Es hat sich nach meiner persönlichen Erfahrung immer gezeigt, daß mit etwas Geduld das Gesuchte irgendwann für einen guten Preis zu bekommen ist. Von Jung gab es sogar eine kleine Schlittenmikrotomvariante:

Erik
Die kleinen Schlittenmikrotome von Jung sehen schon recht schick aus, sind vermutlich aber nicht leicht zu kriegen. Wenn dann noch ein professioneller Klingenhalter dazukommt, wie der auf Deiner Homepage, wird das Ganze auch nicht billig, nehme ich an. Irgendwie reizt mich ein Selbstbau, man will ja nicht den knappen Markt an Schlittenmikrotomen noch weiter anheizen. Vom Preis her liege ich derzeit bei 230Euro für die Misumi-Teile, und bei je ca. 180Euro für z-Stage (notwendig) und Goniometer (optional). Dazu kommen noch die zwei Frästeile für den Klingenhalter. Mal schauen, wo ich die halbwegs günstig bekomme.

Zitat von: Bob in Mai 31, 2020, 17:50:14 NACHMITTAGS
Interessante Vorbilder zum Abgucken von Details wären das Reichert Tetrander und das Leitz Grundschlittenmikrotom. Letzteres wäre meine Gebrauchkauf-Empfehlung. Die Dinger schneiden wunderbar und sind wenig gefragt. Mit 40 kg Gewicht nicht schnell verräumbar aber nicht mal doppelt so schwer wie ein HN 40 und technisch aus meiner Sicht überlegen.
Ein Reichert Tetrander in voller Pracht, inklusive umfangreicher Rostausstattung, gibt es gerade für 1200 Euro auf Ebay, das sind schon recht fantasiereiche Preise, und das Gewicht schreckt mich echt ab. Aber inspirieren lassen kann man sich da sicher, die alten Maschinenbauer hatten schon etwas drauf, und haben das ganz ohne CNC-Technik sehr sauber hingekriegt.

Inzwischen habe ich auch wieder etwas geschnitten und gefärbt, einmal eine Wildrose (5x und 10x) mit der Wacker-Zweitopflösung und einmal einen Storchenschnabel mit Etzold FCA (5x). Die Rose ist meine erste Wacker-Färbung, mit der ich schon ganz gut leben kann. Das scheint alles sehr dickenabhängig zu sein, meine dickeren Schnitte derselben Probe hatten bei weitem keine so schöne Farbdifferenzierung. Ein weiteres Argument für ein Mikrotom mit besserer Reproduzierbarkeit.

Jürgen

Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Bob in Juni 02, 2020, 07:59:42 VORMITTAG
Zitat von: jcs in Juni 01, 2020, 23:37:22 NACHMITTAGSDazu kommen noch die zwei Frästeile für den Klingenhalter.

Hallo Jürgen,
das kann eine recht undankbare Arbeit sein. Man nimmt vom Rohmaterial einseitig die Hälfte weg und Spannungen im Material neigen dazu, einen Flitzebogen daraus zu machen. Vielleicht bekommst Du irgendwo eine gute Empfehlung für einen geeigneten Stahl. Kaltgezogen wäre jedenfalls ganz schlecht.

Viele Grüße und viel Erfolg bei dem Projekt,

Bob
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Juni 09, 2020, 22:01:25 NACHMITTAGS
So langsam taste ich mich vor mit Schneiden und Färben, hier noch einmal ein Efeu-Blattstiel als mein Referenzobjekt, mit Wacker Zweitopf-Lösung gefärbt. Nach zwei Tagen Lagerung in AFE lässt sich das Material in meinen Augen besser schneiden als "Frischware". Und wenn die Schnitte halbwegs konstant dick sind, kann man die Färbung auch besser einstellen. Die Dicke scheint da einen sehr großen Einfluss zu haben.

Das erste Bild ist mit 5x-Objektiv aufgenommen, das zweite ist ein Stack aus 4 Bildern mit 10x-Objektiv.

Das DIY-Mikrotom schreitet auch voran, erste Hardware (der Hubtisch mit Goniometer) ist mittlerweile da. Mal schauen, ob die diversen Pakete alle eintreffen. Die österreichische Post ist aktuell alles andere als zuverlässig.

Jürgen
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Bob in Juni 10, 2020, 08:04:59 VORMITTAG
Hallo Jürgen,
der Hubtisch ist ja chic - fast schon ein halbes Mirkotom!

Beim Schneiden fallen immer mal Schnitte oder Paraffinschnipsel herunter und setzen sich auf die Oberflächen. Empfindliche Mechanik sollte man abdecken, damit sich nichts hineinzieht. Zum Reinigen ist ein kleiner Staubsauger ganz praktisch und Orangenschalenöl.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Juni 10, 2020, 08:53:22 VORMITTAG
Hallo Bob,

danke für den Hinweis! Ich muss sowieso noch die Probenhalterung konstruieren, die ich dann 3D-drucken will. Da werde ich eine kleine Schürze anbauen, die den darunterliegenden Hubtisch etwas abschirmt.

LG

Jürgen
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Bob in Juni 10, 2020, 08:58:55 VORMITTAG
Hier gibt es einen Halter für Standard-Einbettungskassetten: https://www.thingiverse.com/thing:2562841 (https://www.thingiverse.com/thing:2562841)

Das Modell ist nicht ganz passgenau und ich musste mein Exemplar manuell nachbearbeiten. So beschreibt der Ersteller es ja auch. Der nachbearbeitete Halter funktioniert jedenfalls gut. Falls Du da etwas ordentliches konstruierst, wären bestimmt noch mehr Leute an Datei bzw. Ausdruck interessiert.
Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: jcs in Juni 10, 2020, 13:48:25 NACHMITTAGS
Hallo Bob,

danke für den Link zu Thingiverse! Ich werde meine CAD-Files gerne verfügbar machen, ist ja ein Experiment, von dem (falls alles funktioniert) andere ruhig profitieren können. Aber gerade bei der Probenhalterung werde ich vermutlich mehr als eine Iteration benötigen, bis das gut klappt und die doch recht weichen Botanik-Proben genug Halt in allen Richtungen haben.

Von der Präzision und Oberflächenqualität werde ich einen besseren Drucker verwenden als den im Thingiverse-Link. Das schaut doch sehr grob aus, kein Wunder, wenn das nicht auf Anhieb passt.

LG

Jürgen

Titel: Re: Erste Bilder
Beitrag von: Bob in Juni 10, 2020, 14:21:37 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,
in dem Modell sind noch ein paar Maße verkehrt. Der Ersteller brauchte nur einen Halter und hat deshalb den Prototypen manuell optimiert und das Modell so gelassen. Das Grundprinzip ist aber ok, das ist bei Thingiverse keine Selbverständlichkeit.
Es würde Sinn machen, den Halter nochmal sauber neu zu konstruieren. Hast Du vor, die Einweggassetten zu verwenden? Ich finde sie ganz praktisch.

Viele Grüße,

Bob