Hallo Forum,
Ich habe mir aus reinem Interesse ein Luminar 100 mm 1:6,3 besorgt (Zeiss Winkel, entspricht von aussen dem 46 25 19 im Katalog von 1971 http://www.science-info.net/docs/zeiss/ZeissOpticalSystems.pdf oder hier http://www.kevincameras.com/gallery/v/zeiss_misc/luminar/281313/ ). Das ist die umkehrbare Version mit 33 mm (?) Gewinde an beiden Seiten.
1) Gibt es jemanden, der dieses Luminar noch gelegendlich benutzt? Wie haben Sie es adaptiert?
2) Mich wuerde besonders interessieren, ob man es direkt an der Kamera sinnvoll als Makroobjektiv einsetzten kann.
3) Nach dem was ich so gelesen habe sind die Luminare fuer grosse Bildformate gedacht, deutlich groesser als mein APS-C Kamerasensor. Um das gut auskorrigierte Feld ausnutzen zu koennen koennte man den Abstand (Kameralaenge) zwischen Luminar und Sensor klein halten - aber vermutlich ist das nicht unbegrenzt moeglich. Wenn der Abstand zu klein ist, leidet irgendwann die Bildqualitaet.
Deshalb die Frage, was bei einem APS-C (oder wenn nur dann bekannt, bei Vollformat) eine Kameralaenge waere, die die Abbildungsleistung des Luminar und gleichzeitig die Sensorflaeche gut ausnutzt. Womoeglich auch noch fuer das revers montierte Luminar.
4) Gibt es jemanden, der es vielleicht analog zu einem Unendlichobjektiv benutzt, also mit einer Tubuslinse oder montiert vor einem Kameraobjektiv?
5) Bei Zeiss gab es zum 46 25 19 einen Adapterring; welche Gewinde hatte der Adapter? M33x0.75 und M44x0.75?
Vielen Dank schon mal fuer alle Hinweise.
Beste Gruesse,
Jon
Hallo Jon,
zu 1: ja am Ultraphot III
zu 2: die meisten modernen Makroobjektive sind dem ebenbuertig oder ueberlegen.
zu 3: kann man am Ultraphot ablesen. Muss ich nachsehen.
zu 5 kann ich sagen:
es ist kein Adapter!
Es handelt sich um die Abdeckung des Gewindes.
Damit laesst sich das Luminar 100 dann in Retrostellung mit dem darunter verborgenen Gewinde adaptieren.
Masse des Gewindes weiss ich grad nicht auswendig.
Gruss
Sven
Danke Sven!
Sonst will hier niemand aus dem Nähkästchen plaudern? ;)
Hallo Jon,
ich habe mich nicht gemeldet, weil meine Erfahrung mit dem 100er-Luminar sehr lange zurückliegt. Wie Du völlig korrekt schreibst, gilt nämlich nicht allein für dieses Luminar:
Zitat3) Nach dem was ich so gelesen habe sind die Luminare fuer grosse Bildformate gedacht, deutlich groesser als mein APS-C Kamerasensor. Um das gut auskorrigierte Feld ausnutzen zu koennen koennte man den Abstand (Kameralaenge) zwischen Luminar und Sensor klein halten - aber vermutlich ist das nicht unbegrenzt moeglich. Wenn der Abstand zu klein ist, leidet irgendwann die Bildqualitaet.
Die Luminare wurden für Aufnahme-Formate um 9x12 Zentimeter entwickelt. Spätere Adaptionen von Rollei oder Hasselblad haben davon immer noch einen erheblichen Teil genutzt. Aber außerhalb der idealen Kameralänge werden die Resultate nicht mehr so berauschend sein, wie es spätere Rechnungen für entsprechend kleinere Bildkreise erzielt haben. Das ist eine beinahe unüberschaubare Zahl von Balgenköpfen, Vergrößerungsobjektiven, Makro- oder auch Mikroskop-Objektiven.
Luminare haben aber den Vorteil, in den 1960ern neu entworfen zu sein, einschließlich angepasster Mehrschichtvergütung. Das gab ihnen, ähnlich wie den Leitz-Photaren, einen Vorteil gegenüber den nur minimal für andere Formate nutzbaren Summaren.
Erschwerend kommt beim Luminar 100 mm/6,3 hinzu, dass erstens die Brennweite voll im Bereich dessen liegt, was die wirklichen Foto-Anbieter seit Jahrzehnten praxisgerechter umsetzen und zweitens die maximale Öffnung heutzutage
(TM) einfach als ein Witz erscheint (finde ich zwar nicht, aber ich fürchte, die Daten locken niemandem hinter dem Kamin hervor).
Viele Grüße,
Thomas
Hallo Jon,
zu der Qualität der Optik kann ich leider noch nichts sagen, da ich mein 100mm Luminar auch erst kürzlich erhalten habe und noch auf einige Adapterringe für die Adaption warte.
Aber zu den Gewinden: das Objektiv hat vorne und hinten 35mm x 0,75 Feingewinde. Vorne ist das Gewinde durch eine Abdeckkappe verschlossen.
Hinten hat meines einen Adapter auf Feingewinde 44mm x 0,75. Da meines praktisch frabrikneu in der Originalbox von Zeiss IKON mit Prüfnummer geliefert wurde, nehme ich an, dass der Übergangsadapter auf eine Makroeinrichtung von Zeiss Ikon (Kleinbild ?) gedacht war.
Laut Michel (Auflage 1962) war das 100mm Luminar für Abbildungsmassstäbe von 1x-5x gerechnet mit einem Optimum bei 2x.
Bei gegebenem Abbildungsmassstab bildet ja ein kleinerer Sensor auch nur einen Kleineren Bildbereich ab und deshalb kann die Korrektur in diesem Kleineren Bildfeld gegenüber dem 6,5 x 9cm oder gar 9x12 cm ja eigentlich nur besser sein.
Was anderes ist, ob auch die Auflösung des Sensors ausreicht um die Auflösung des Objektivs umzusetzen.
Die maximale aus der Öffnung und Brennweite errechnete Apertur ist 0,08 und somit die Auflösung ca. 6 µm.
Diese Auflösung wird aber auch nur bei maximalem Abbildungsmassstab von 5x nahezu erreicht da ja die Gegenstandsweite nur bei hoher Vergrösserung in die Nähe der Brennweite kommt.
Dann wären das 30 µm auf dem Chip bei ca. 5µm Pixelabstand bei APS und 20 Mp. Trotz dem Faktor 3 durch Niquist und Bayermaske müsste es also gut reichen. Mit einem 5x Mikroskopobjektiv und 0,15 Apertur kann es natürlich nicht mithalten und bei Abbildungsmassstäben von 1x und kleiner nimmt man natürlich besser ein 100 mm Makro aus dem Fotobereich, das sicher auch noch etwas fortgeschrittene Vergütungsschichten hat.
Wenn meine Übergangsringchen auf mein M42 Balgengerät angekommen sind, werde ich das Luminar mal am Zeiss Testgitter gegen ein 100mm Makro und ein 100mm Normalobjektiv in Retrostellung aus der heutigen Zeit testen.
Hier noch ein Link zu einer Bezugsquelle für einen Adapter auf M42.
https://www.ebay.de/itm/M44x0-75-female-to-M42x1-male-thread-adapter/254100986278?hash=item3b299959a6:g:HF4AAOSwj5BcULG0
viele Grüsse
Wilfried
Hallo,
Vielen Dank fuer die Antworten.
@Wilfried: Das ist sehr interessant. Sie haben anscheined das neuere Luminar 100 mm http://www.macrolenses.de/ml_detail.php?ObjektiveNr=93 waehrend ich noch die Vorgaengerversion von Zeiss Winkel habe http://www.macrolenses.de/ml_detail.php?ObjektiveNr=341 Meines ist ebenfalls kaum benutzt und sieht fast aus wie neu :D
Ich bin jedenfalls sehr interessiert zu erfahren wie sich Ihr Luminar am Testgitter schlaegt! Wegen der Vergütungen sorge ich mich derzeit noch nicht so, schliesslich hat das Luminar nur 3 Linsen. Aber interessieren wuerde mich wie weit man das Luminar abblenden muss um ein gutes Bild zu erhalten.
Beste Gruesse,
Jon
Hallo John,
inzwischen habe ich die Anpassteile um das 100mm Luminar am Balgen vor der Canon 600 D an meinem Makrostand zu montieren und vergleichend mit anderen Lösungen am Zeiss Auflösungtestgitter zu testen.
Und ich muss sagen ich bin einigermassen ernüchtert.
Laut Michel ist das Luminar 100mm bei Vergrösserungen zwischen 1 und 5 fach einzusetzen mit einem Optimum von 2 fach für das es gerechnet ist. Ich habe es daher mal vergleichend zu meiner bisherigen Makrolösung in diesem Vergrösserungsbereich dem Canon 18-55mm Kitobjektiv in Retrostellung an der Canon 600 D getestet, die einen Abbildungsbereich zwischen 0,66 und 4,2x abdeckt.
Ergebnis: in keinem Abbildungsmassstab, auch nicht im Optimum reicht das Luminar annähernd an den Canon Kit-Scherben in Retrostellung heran. Im Optimum der Korrektur also bei 2:1 löst das Luminar in Bildmitte etwa 130 L/mm auf gegenüber 170 L/mm beim Canon Objektiv. Bei 4,2 : 1 ist das Luminar praktisch nicht besser, während das Canon Objektiv auf 320 L/mm kommt. Auch bei 1:1 und darunter ist das Canon Objektiv deutlich besser. Ausserdem wird bei Vergrösserungen oberhalb von
2:1 der benötigte Auszug beim Luminar auch unhandlich gross und dadurch unstabil.
Um das Luminar natürlich nicht ganz zu verdammen muss man natürlich dazusagen, dass es auch für grössere Abbildungsfelder bis zu 9x12 cm ausgelegt ist, während das Canon Objektiv ja für den APSC Chip gerechnet ist.
Das sieht man daran, dass der Auflösungsabfall in den Bildecken beim Luminar prozentual nicht ganz so gross ist, wie beim Canon Objektiv. Aber beim APSC Chip ist die absolute Auflösung in den Bildecken beim Canon Objektiv immer noch leicht
besser als beim Luminar. Das könnte allerdings bei Vollformat schon ein wenig anders aussehen.
Die optimale Blende am 100 mm Luminar war übrigens die Stellung 2 auf der Skala. Beim Canon Objektiv war die Blende immer maximal offen, da diese ja in Retrostellung nicht mehr über die Kamera und auch nicht manuell eingestellt werden kann.
Im Moment sehe ich also keine Notwendigkeit an meiner bisher verwendeten Makrolösung etwas zu ändern und das 100 mm Luminar kommt in die Vitrine.
Viel eher werde ich mir jetzt endlich mal den Blendensteuerungsring für die Canon Objektive in Retrostellung von Novoflex leisten der mir bisher immer zu teuer war, vielleicht bringt der ja an manchen Motiven noch etwas.
viele Grüsse
Wilfried
Hallo Wilfried,
Danke fuer den Erfahrungsbericht!
Beste Gruesse,
Jon
Zitatdas 100 mm Luminar kommt in die Vitrine
Schön, dass es doch noch ein gutes Zuhause bekommt ;)
Liebe Grüße
David
Hallo Wilfried,
danke für Deinen Bericht. Das 100er Luminar hätte ich auch fast gekauft, aber ich bin mit meinem Canon EF 100mm 1:2,8L IS USM Macro sehr zufrieden. Du hast jetzt praktisch nochmal meine Überlegungen bestätigt.
Den Blendensteuerungsring für Objektive in Retrostellung hatte ich zwar auch gekauft, aber mit gefiel es nicht vom Handling. Ein paar Automatik Zwischenringe gefielen mir deutlich besser und die habe ich noch irgendwo liegen.
Zitat von: David 15 in Juni 06, 2020, 19:12:38 NACHMITTAGS
Zitatdas 100 mm Luminar kommt in die Vitrine
Schön, dass es doch noch ein gutes Zuhause bekommt ;)
Liebe Grüße
David
Hallo David,
nun es war ja für den praktischen Neuzustand sehr preiswert und als Zeiss Sammler muss man sowas natürlich auch in der Vitrine haben, nimmt ja schließlich nicht soviel Platz weg wie etwa der Axiomat ;D
viele Grüsse
Wilfried
Hallo Wilfried,
Wie war denn grob der Arbeitsabstand des Luminars bei 2:1 verglichen mit dem Canon-Objektiv?
Beste Gruesse,
Jon
Hallo Jon,
das hab ich jetzt nicht auf den mm im Kopf.
Bei der Canon Retro-Lösung sind es etwa 50 mm, also viel genug um auch noch mit Auflicht (einem Ringlicht oder mehreren Jansjö Leuchten oder Blitz ) dazwischen zu kommen.
Beim 100 mm Luminar natürlich immer grösser als 100mm. Bei 200mm (doppelte Brenweite) wären es ja 1:1.
Also bei 2:1 irgendwo zwischen 100 und 150 mm. Kann man aus der Abbildungsformel ja näherungsweise gut berechnen, da das Luminar im Verhältnis zu seiner Brennweite ja eine kurze Bauform hat.
Was ich noch vergessen habe zu erwähnen ist, dass das Luminar in Retrostellung keinen merklichen Unterschied ergibt. Es scheint also optisch doch in etwa symmetrisch zu sein.
viele Grüsse
Wilfried
Danke Wilfried, der groessere Arbeitsabstand ist ggf. ein Vorteil fuer den man an anderer Stelle Kompromisse machen kann.
@ll:
Das Luminar 100mm ist symetrisch aufgebaut.
Deswegen hat Zeiss auch vorgesehen es eben auch in Retro (an NICHT Ultraphot) betreiben zu koennen.
Ich finde: auch das Luminar 100 hat seine Daseinsberechtigung (obwohl verpoent).
Gruss
Sven
Hallo Jon,
Nun wäre ich auch noch interessiert in ihre eigene Erfahrung mit die Linse. Beste Grüsse,
Rolf
Hallo Rolf,
Da ich derzeit weder das Gewinde des Luminars noch das Gewinde des SXZ9 ausmessen kann, liegt das Projekt auf nicht absehbare Zeit auf Eis.
Beste Gruesse,
Jon