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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Paddy1348 in Mai 13, 2020, 20:45:18 NACHMITTAGS

Titel: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: Paddy1348 in Mai 13, 2020, 20:45:18 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,
ich bin nun stolzer Besitzer eines Leitz Laborlux K und tüftle seit einigen Tagen an meiner Kameraadaption rum. Dank eines freundlichen Forum-Mitgliedes konnte ich bereits einen einfachen Aufbau realisieren, der jedoch in der Praxis noch einige Probleme aufweist. Ich hoffe daher, dass die Leitzianer unter Euch mir vielleicht mit dem einen oder anderen Tipp weiterhelfen können.

Auf den nachfolgenden Fotos steht Ihr den Aufbau meiner Kameraadaption sowie ein Beispielfoto. Bei der Sony Alpha 77II handelt es sich um eine DSLR ohne Klappspiegel, die zudem auch über einen elektronischen Schlitzverschluss erschütterungsfrei auslösen kann.

1. Problem: Parfokalität
Leider gelingt es mir nicht, zwischen Fotookular und Binokular Parfokalität herzustellen. Der Fotoadapter ist ca. 8 - 10 mm zu lang, weshalb ich vermute, dass dieser von einem alten Leitz mit 170mm TL stammt. Welchen Fotoadapter benutzt Ihr an Eurem Laborlux mit 160 mm TL?

2. Problem: Bildqualität
Wie Ihr dem Beispielfoto entnehmen könnt, ist die Bildqualität noch nicht überzeugend (Leitz EF 25/0.50 bei 1/320s Belichtungszeit). Ich kann die Objekte nicht scharfstellen. Außerdem zeigen sich Farbsäume (meist lila oder grün) und der Hintergrund erscheint "wolkig", was sich auch bei größerer Aperturblende nicht zufriedenstellend bessert. Als Fotookular nutze ich das Leitz Periplan 10x/18 Brille, welches sich hier im Forum ja großer Beliebtheit erfreut. Daher würde ich die Ursache beim Kameraobjektiv bzw. Abstand zwischen Objektiv und Fotookular vermuten. Gerade der Abstand ist tatsächlich nicht optimal, mein 50mm Objektiv besitzt eine tiefliegende Linse und der Abstand zum Fotookular beträgt ca. 14mm. Würdet Ihr meiner Vermutung zustimmen?
Dann die Preisfrage: Welches Objektiv könnt Ihr mir alternativ empfehlen? Schön wäre natürlich eines mit Sony A-Mount bzw. Minolta AF Bajonett. Andere Objektive wie M42 gingen aber natürlich auch mittels Adapter.
Früher wurde mir z.B. das Zeiss Jena Tessar 2,8/50 mm (M42) empfohlen, dieses scheint allerdings auch eine tiefliegende Frontlinse zu haben.

Vielen Dank im Voraus für Eure Hilfe!

Patrick
Titel: Re: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: JB in Mai 13, 2020, 21:31:59 NACHMITTAGS
Hallo Patrick,

1) Richtig. Der Tubusadapter ist der fuer 170 mm. Der fuer 160 mm sieht so aus: https://www.photomacrography.net/forum/userpix/3229_Tube_adapters_1.jpg Der fuer 170 mm ist 8 mm zu lang fuer dieses Periplanokular. Der Umtausch des Tubusadapters ist die einfachste Loesung.

2) Das Bild sieht OK aus. Die Farbraender sind fuer Achromate normal. Bedenklicher ist fuer mich der Gradient im Bild. Irgendetwas am Mikroskop ist dejustiert. Verschwindet der wolkige Hintergrund wenn Sie den Kondensor minimal absenken?

Beste Gruesse,

Jon

Titel: Re: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: olaf.med in Mai 14, 2020, 10:40:30 VORMITTAG
Hallo Patrick,

in den letzten Jahren habe ich einige Kameraadaptionen angefertigt und schließlich zu einem Konzept gefunden, das ich für Leitz-Adaptionen als perfekt erachte. Meine grundlegende Überlegung war, dass das System der automatischen ORTHOMAT-Kamera speziell für das Leitz/Leica-System konzipiert wurde und somit eine optimale optische Leistung erbringt. Dazu kommt, dass man die alten analogen Systeme für "kleines Geld" im Internet bekommt - in den letzten Jahren habe ich mindestens 5 solcher Kameraköpfe gekauft und für keinen mehr als € 100,- bezahlt, manchmal sogar deutlich weniger.

Ich strippe dann das Ganze völlig, was zu einem Berg von Altmetall und einer Menge schöner M2-Schrauben für die Schraubenbenkiste führt  :) und verwende nur das innere Rohr mit der Optik. Die weitere Anpassung erfordert eine Kürzung des Rohrs entsprechend des Auflagemaßes des verwendeten Kamerasystems, das Herstellen eines Adapters, der das obere optische Element des ORTHOMAT-Systems und einen Bajonettring trägt. Da das Rohr zahlreiche Bohrungen und Durchführungen hat wird das Ganze noch durch ein POM-Rohr verkleidet.

Hat man eine Vollformat-Kamera kommt man bestens mit der alten ORTHOMAT-Version mit fester Optik klar, für kleinere Sensoren ist die Vario-Version besser geeignet, da man den Bildausschnitt anpassen kann. Diese Version erkennt man an einem großen gerändelten Drehring und den aufgravierten Zahlen für den Tubusfaktor von 2:1 bis 3,2:1.

Diese Fotoadaption ist optisch perfekt und äußerst stabil, erfordert aber einige Arbeit an der Drehmaschine. Diese kann ich auf Wunsch gerne übernehmen. Die Erfahrung und die passenden Aufnahmen habe ich.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: rhamvossen in Mai 14, 2020, 11:46:18 VORMITTAG
Hallo Patrick,

Das Bild das du zeigt is keine saubere Hellfeld Aufname, es ist eher schiefe Beleuchtung. Dadurch entsteht der wolkige Hintergrund. Das bedeutet das etwas dezentriert ist. Zeig mal wie die Leuchtfeldblende aussieht, da kan man gut sehen ob vielleicht die Lichtquelle dezentriert ist. Die dezentrierung kann aber auch beim Kondensor oder Kamera Adaption liegen. Beste Grusse,

Rolf
Titel: Re: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: Paddy1348 in Mai 14, 2020, 21:38:00 NACHMITTAGS
Hallo Ihr Drei,
erstmal danke für Eure Antworten. Okay, ich hätte vielleicht dazuschreiben sollen, dass das Beispielfoto tatsächlich (absichtlich) mit schiefer Beleuchtung aufgenommen wurde. Daher habe ich Euch noch ein paar Fotos im normalen Hellfeld beigefügt.
Vielleicht liege ich mit meiner unerfahrenen Meinung ja auch daneben, aber für mich sehen die Bilder aufgrund fehlender Schärfe sowie der Farbsäume nicht optimal aus. Habt Ihr einen Tipp, was ich verbessern könnte? Mein Verdacht läge ja beim Kameraobjektiv bzw. dem Abstand zwischen Fotookular und Kameraobjektiv (siehe oben). Könnte ich hier mit einem anderen Kameraobjektiv nachbessern?

Die Fotos sind mit meinem EF 25/0.50 Achromaten entstanden. Ein NPL Fluotar befindet sich gerade auf dem Weg zu mir  ;)

@ Jon: Danke für Deine Klarstellung bezüglich des Adapters. Ich werde mir einen Adapter für 160mm TL besorgen

@ Olaf: Das sieht natürlich nach einer großartigen Lösung aus. Ich fürchte jedoch, dass diese (momentan) mein Budget überschreiten würde. Habe gerade auch mal in der Bucht geschaut und dort kein wirklich preiswertes ORTHOMAT gefunden. Ich hoffe ja, für um und bei 100€ noch eine zufriedenstellende Adaption hinzubekommen.

Viele Grüße,
Patrick
Titel: Re: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: JB in Mai 14, 2020, 22:29:08 NACHMITTAGS
Hallo Patrick,

Wenn es an Schaerfe fehlt, Schichtdicke verringern. Wirklich alles extra Wasser mit Zellstoff absaugen.

Bei den Farbraendern bin ich unschluessig. Ein wenig ist fuer Achromate normal. Mal sehen wie es mit dem Fluotar wird. Nicht auszuschliessen, dass der EF einen Schaden hat. Wie sieht denn ein Vergleichsphoto aus, das Sie mit dem Smartphone durch Okular machen? Haben Sie ein Objektmikrometer mit Deckglas? Waere fuer die Analyse der Kameraadaption nuetzlich.

Beste Gruesse,

Jon
Titel: Re: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: olaf.med in Mai 15, 2020, 09:45:04 VORMITTAG
Hallo Patrick,

ZitatHabe gerade auch mal in der Bucht geschaut und dort kein wirklich preiswertes ORTHOMAT gefunden. Ich hoffe ja, für um und bei 100€ noch eine zufriedenstellende Adaption hinzubekommen.

Ein bisschen Geduld braucht man schon, es wird nicht täglich ein neuer ORTHOMAT angeboten. Wenn Du aber auf erweiterte Suche gehst und dort "verkaufte Artikel" aufrufst, findest Du gleich zwei Stück, die ich für deutlich unter € 100,- incl. Versandkosten aus GB erworben habe, einen am 15. Februar und einen am 22. April.

Welche Anforderungen man an solche Dinge stellt ist natürlich individuell unterschiedlich. Ich z.B. kaufe Werkzeuge im Fachhandel und nicht bei Feinkost-Al...i und glaube, dass ich auf lange Sicht damit günstiger fahre, andere sind mit den Billigprodukten zufrieden... ;D ;D ;D

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: Paddy1348 in Mai 15, 2020, 12:39:30 NACHMITTAGS
@ Jon: Alles klar, danke für die Tipps. Ich werde es mal mit d NPL Fluotar und einer geringsmöglichen Schichtdicke ausprobieren.

@ Olaf: Auch Dir vielen Dank. Meine Sony Alpha 77II ist kein Vollformat, daher werde ich mal Ausschau nach einem Vario-Orthomat halten. Bis dahin schaue ich aber mal, was ich aus meiner dezeitigen Adaption mit Periplan 10x + Kameraobjektiv rausholen kann.

Viele Grüße,
Patrick
Titel: Re: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: JB in Mai 15, 2020, 12:48:17 NACHMITTAGS
Wie haben Sie das Objektiv eigentlich auf Unendlich gestellt und dann auf Unendlich fixiert? Bei individuellen Aufnahmen sollte sich der Kamerafokus nicht mehr veraendern.
Titel: Re: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: olaf.med in Mai 15, 2020, 12:56:50 NACHMITTAGS
Lieber Patrick,

wenn Du mit der einfachen Adaption Probleme hast kannst Du Dich ja mal per PN melden. Ich kaufe ja die ORTHOMATEN "auf Halde", um sie dann individuell anzupassen.

Herzliche Grüße, Olaf
Titel: Re: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: Paddy1348 in Mai 15, 2020, 13:30:44 NACHMITTAGS
Hallo JB,
ja, das Objektiv ist auf unendlich im manuellen Fokus eingestellt. Wobei ich festgestellt habe, dass es keinen Unterschied macht, auf welchen Bereich ich den Fokus des Kameraobjektives einstelle. Gleiches gilt für die Kamerablende, weshalb ich diese einfach ganz offen gelassen habe.

Gruß,
Patrick
Titel: Re: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: Paddy1348 in Mai 15, 2020, 20:50:56 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,
okay, da hab ich mich in meiner vorherigen Antwort etwas vertan. Natürlich hat die Fokusregelung am Kameraobjektiv einen Einfluß auf das Bild (wäre ja auch komisch, wenn nicht). Es war mir zunächst nur nicht aufgefallen, da der Einfluss im Vergleich zur "normalen" Fotografie deutlich geringer ist.
Wie ich ja schon sagte, ist der Kamerafokus am Objektiv auf unendlich eingestellt. Dazu aber eine Frage: Muss der Fokus unbedingt auf unendlich eingestellt sein? Wird hier die beste Bildqualität erzielt?
Ich frage aus folgendem Grunde: Hier im Forum werden ja hauptsächlich das Pentax-M 2,8/40mm oder das Canon EF 2,8/40mm Pancake eingesetzt. Beide Objektive haben im Vergleich zum Sony A Bajonett ein ungünstiges Auflagemaß. Es gibt zwar optiklose Adapter für meine Sony zu kaufen, allerdings ließen sich die Objektive damit dann nicht auf unendlich einstellen. Wäre dies ein Nachteil?

Vielen Dank schonmal für Eure Hilfe & viele Grüße,
Patrick
Titel: Re: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: JB in Mai 15, 2020, 22:07:28 NACHMITTAGS
Hallo Patrick,

Aus theoretischen Gruenden sollte es auf unendlich gestellt sein. Das Okular erzeugt ein Bild im Unendlichen, das Kameraobjektiv holt das Bild im unendlichen ab und erzeugt ein Bild auf dem Sensor.

Diese "afokale" Adaption bildet das menschliche Auge nach. Als Mikroskopiker soll man ja auch entspannt in the Ferne blicken. Genauso wie das Auge das weit entfernte Bild auf die Netzhaut bringt soll es auch die Kamera tun.

In der Praxis ist das auch in der Regel kein Problem. Schade, dass Sie mit der Sony so wenig Auswahl bei analogen Objektiven haben. Ich glaube aber immer noch nicht, dass hier das Kameraobjektiv ein Problem ist. Ich wuerde erst einmal das Fluotar und den richtigen Tubusadapter abwarten (Sie haben im Moment noch +8 mm Tubuslaenge).

Eine Aufnahme mit Smartphone waere wirklich nuetzlich!

Beste Gruesse,

Jon
Titel: Re: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: Paddy1348 in Mai 16, 2020, 10:41:42 VORMITTAG
Hallo Jon,
danke für Deine Antwort. Du hast recht, ich werde erstmal den Fotoadapter kürzen und die Fluotare ausprobieren. Ein Vergleichsfoto mit dem Smartphone werde ich auch hinbekommen.
Was an der Sony gut funktionieren müsste, wäre ein M42 Objektiv. Hierfür gibt es optiklose Adapterringe, die das richtige Auflagemaß herstellen. Wenn aber der unendlich Fokus nicht so wichtig ist, würde ich eher zum Pentax 40 mm tendieren. Das ist hier im Forum ja anscheinend der "Gold-Standard". Die Lösung von Olaf ist aber auch sehr  interessant. Schauen wir mal, wie es weiter geht ...

Viele Grüße,
Patrick
Titel: Re: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: Kay Hoerster in Mai 16, 2020, 14:06:14 NACHMITTAGS
Hallo Patrik,

ich bitte zu beachten, dass die meisten M42->Sony Adapter etwas kürzer gebaut sind, sodass der Unendlich-Fokus schon bei ca. 15-20m auf der Objektivskala steht. Die Adapter sind hyperfokal, man kann also über Unendlich hinaus fokussieren. Daher sollte man die Unendlich-Stellung immer mit einem Bild nach draußen (weit entferntes Objekt, wie Turmspitze etc.) testen und nötigenfalls die Skalenposition notieren oder fixieren.
Und ja, das Pentax 2,8/40 ist ein grundsolides manuelles Objektiv, es gibt aber auch andere Mütter mit schönen Töchtern, z.B. ein Minolta 2/45 Rokkor oder ein 1,8/40 Konika Hexanon, die meist günstiger zu bekommen sind, als das Pentax. Beide Optiken sind ebenfalls mit Metallgehäuse und grundsolide. Dann gibt es noch im Brennweitenbereich 40-45mm flach bauende Objektive (Pancakes) von Porst, Revue, Petri, auch meist mit Pentax-Bajonett. Die sind mechanisch ein wenig wackeliger, funktionieren aber auch gut und sind preislich nur noch bei 20-30 €. Und dann gibt es ja auch noch das Contax Tessar (Carl Zeiss) 2,8/45 T*...das spielt aber vom Preis schon in der >120 € Liga...

Es bleibt die Qual der Wahl...

Viele Grüße Kay
Titel: Re: Kameraadaption an Leitz Laborlux K (oder vergleichbar)
Beitrag von: JB in Mai 16, 2020, 15:31:32 NACHMITTAGS
Zitat von: Paddy1348 in Mai 16, 2020, 10:41:42 VORMITTAG
ich werde erstmal den Fotoadapter kürzen

Vielleicht findet sich ueber den Mikromarkt auch jemand der 170 gegen 160 tauschen will. Den Adapter sauber auf die richtige Laenge zu kuerzen ist auch nicht so einfach.