Liebe Kollegen,
während eines Ferienaufenthalts in der Kaisergebirgsregion in Tirol hatte ich wieder einmal Gelegenheit, einige Moorgebiete zu besuchen und Proben zu nehmen. Vor Ort hatte ich nur ein Reisemikroskop zur Verfügung (Zeiss Jena LrO in schönem Holzkoffer, passt unter jeden Autositz und ist somit perfekt familientauglich), konnte damit aber immerhin die Proben vorsichten und die interessantesten davon mit nach Hause nehmen.
Die ergiebigsten Funde stammen aus einem Moorkomplex mit Hochmoor- und Übergangsmooranteilen in der Nähe von Fieberbrunn bei Kitzbühel. Kennen gelernt habe ich das Gebiet schon vor einigen Jahren während eines Pillersee-Treffens, das von Angie Opitz organisiert wurde. Auch bei der diesjährigen Probenahme war Angie als Kennerin der Moore in der Kitzbüheler Region und als Expertin für die dort lebende Mikroflora und -fauna mit dabei.
Keines der im folgenden dargestellten Objekte ist - wenn man die richtigen Lebensräume beprobt - besonders selten oder bemerkenswert. Für mich stellen aber insbesondere die Zieralgengemeinschaften in Moorgebieten immer wieder einen Höhepunkt für den Tümpler dar, und ich erfreue mich jedes Mal aufs neue daran. Ich denke, es geht dem einen oder anderen Mikroskopiker genauso.
Alle Bilder sind - wieder zurück in Würzburg - am Zeiss Axiophot enstanden; zum Einsatz kamen die Objektive Plan Apo 20/0,80 und Plan Neofluar 40/0,75 Ph2. Bis auf das Foto von Micrasterias crux-melitensis habe ich die Objekte mit einer feinen Pipette aus der Rohprobe im Glasschälchen isoliert und für die genauere Untersuchung in einen sauberen Tropfen überführt. Nur dann sind die Zellen weitgehend frei von störendem Detritus und nur dann ist die Schichtdicke sauber zu regulieren. Praktisch verfahre ich hierbei so, dass ich die Petrischale mit dem Probenmaterial auf einem Gleittisch an einem Standard WL mit dem Plan Achromaten 2,5/0,08 absuche und bei dieser Vergrößerung gezielt Objekte abpipettiere.
Micrasterias rotata - die untere Halbzelle ist noch nicht ganz auf die Größe der oberen Halbzelle angewachsen:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/283885_32347029.jpg) (https://app.photobucket.com/u/OleRiemann/p/1a80ecff-300d-4c4c-bf18-320f1afb803d)
Micrasterias denticulata - auffällig die im DIC aufgewölbt erscheinenden Pyrenoide:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/283885_22687807.jpg) (https://app.photobucket.com/u/OleRiemann/p/5d1bea60-30d6-4018-b2ca-e406992f2b8c)
Die besonders attraktive Malterserkreuzalge, Micrasterias crux-melitensis, mit weiten Einschnitten zwischen dem Polar- und den Seitenlappen:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/283885_2863675.jpg) (https://app.photobucket.com/u/OleRiemann/p/1e77d94a-a3fd-497f-b0a8-affbd7f36030)
Eine des sehr zahlreichen und häufig schwierig zu bestimmenden Cosmarien. Hier bin ich mir ziemlich sicher, Cosmarium pyramidatum fotografiert zu haben. Deutlich sichtbar der Zellkern zwischen den beiden Halbzellen (Pfeil) sowie jeweils drei Pyrenoide pro Halbzelle:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/283885_25773083.jpg) (https://app.photobucket.com/u/OleRiemann/p/b78bbac8-b602-4731-8d92-145691908266)
Die elegant geschwungene Euastrum oblongum:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/283885_30631159.jpg) (https://app.photobucket.com/u/OleRiemann/p/11d6f185-2b9a-40dd-873e-1014efab5cf7)
Eine der zahlreichen Closterien-Arten - vermutlich C. striolatum (in der Bestimmung eine der einfacheren!) in drei verschiedenen Schärfeebenen (Cl=Chloroplast mit den arttypisch mäandrierenden Rändern, Vak=Vakuole mit einfachem Kristall, Gb=Gürtelband als zwischengeschaltetes Zellwandsegment):
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/283885_7244975.jpg) (https://app.photobucket.com/u/OleRiemann/p/e75c50bd-583c-402c-a2f3-9bde3b8e6bd2)
Auch etwas zoologisches (was heißt das schon in der modernen Protistologie, wo nach aktuellem Wissen die Grenzen zwischen Tier und Pflanze nur noch ganz unscharf zu ziehen sind) - das Sonnentier Acanthocystis turfacea mit Axopodien (Ax), grünen Zoochlorellen und zwei unterschiedlichen Spicula-Typen (weiße und gelbe Pfeile; lang und distal eng gegabelt, kurz und distal mit breiter Gabel):
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/283885_65204782.jpg) (https://app.photobucket.com/u/OleRiemann/p/e1b3f919-7cd3-4746-88a1-2f59711eff69)
Beste Grüße
Ole
Hallo Ole,
tolle Fotos! Danke für´s zeigen.
Hallo Ole
Tolle Ausbeute, da warst ja in einer wirklich schönen Gegend. Das Sonnentierchen ist besonders 👍
Liebe Grüße
Gerhard
Hallo Ole,
meinst du Closterium striolatum, unter Closterien finde ich nichts?
Ich habe gerade vorhin in meiner Schlammprobe https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=38570.0 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=38570.0)
so ein Ding gefunden und habe es als Video aufgenommen. Ich zeige es hier ohne Bearbeitung.
https://vimeo.com/461564331 (https://vimeo.com/461564331)
Ich muss mir einen Adapter bauen für mein SamsungS5 am Okular, es ist echt mühsam, mit der
linken Hand das Smartphone an das Okular zu halten, und mit der rechten Hand zu
navigieren und die Schärfe einzustellen.
Tolle Fotos von deiner Probe, danke
Franz
Hallo Ole,
wieder mal sehr schöne Fotos!
Mich begeistern die Zieralgen auch immer wieder.
Freundliche Grüße
Peter
Lieber Ole,
sehr schöne Aufnahmen! Da hast Du ein tolles Revier aufgetan.
Herzliche Grüße
Jörg
Lieber Ole,
die Zieralgen sind immer ein Höhepunkt, sie begeistern auch Mikroskopiker wie mich, die sonst nicht tümpeln. Toll, dass Du sie uns in dieser Qualität zeigst.
Grüße, Peter
Hallo Ole,
wunderbare Fotos zeigst Du uns hier.
Immer wieder erstaunlich was Mutter Natur hervorgebracht hat.
Gruß vom Klaus
Lieber Ole,
vielen Dank für diesen schönen Bericht und die grandiosen Fotos. Auch ich kann zu unserer Begehung etwas beisteuern, allerdings bei weitem nicht so perfekt fotografiert ...
Herzliche Grüße
Angie
Und noch mehr.
Interessant fand ich einen vollgefressenen Lacrymaria olor, der sich kaum mehr bewegte (Bild 1). Bild 2 zeigt das Sonnentier Herophrys myriopoda, das stets Zoochlorellen besitzt, weshalb es im Wassertropfen "Grasgrünes Sonnentier" genannt wird. Auf Bild 3 ist wieder eine Zieralge zu sehen, nämlich Euastrum insigne. Bild 4 zeigt die seltene Schalenamöbe Plycocista spinosa, die ich im Bezirk Kitzbühel bisher nur in zwei Mooren fand.
Viele Grüße
Angie
Lieber Ole,
echt tolle Bilder!!!
Herzliche Grüße
Peter
Hallo Ole,
danke für diesen tollen Beitrag.
Hallo Angie,
toll, wieder von Dir hier zu hören (lesen). Und Deine Bilder brauchst Du nun wirklich nicht zu verstecken !
Hallo Franz,
ZitatIch habe gerade vorhin in meiner Schlammprobe https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=38570.0
so ein Ding gefunden und habe es als Video aufgenommen. Ich zeige es hier ohne Bearbeitung.
https://vimeo.com/461564331
Ich sehe hier das häufige
Closterium parvulum.
Herzliche Grüße
Angie
Hallo Angie,
scheinbar ja, danke für die Aufklärung.
Grüße
Franz
Vielen Dank Euch allen für das Interesse!
@Angie: Auch an dieser Stelle meinen herzlichen Dank für die gemeinsame Exkursion - und auch die Pillerseetreffen in den letzten Jahren. Ohne Deine Erfahrung bei der Probenahme und Bestimmung der Zieralgen sowie der lokalen Moorgebiete wäre ich um viele Mikroskopie-Erlebnisse ärmer. Schön, dass Du auch mal wieder hier im Forum Ergebnisse zeigst.
@Franz: Vielen Dank für den Link zu den interessanten und artenreichen Proben.
Viele Grüße
Ole
Hallo Ole und Angie,
ganz große Klasse!
ich denke bei der Closterium von Ole sieht man die Eiseneinlagerugen in der Zellwand?
lg
anne
Lieber Ole,
Super, sehr schöne Fotos!
Walter