Hallo -
der erste Wunsch vieler Mikroskopieranfänger ist bekanntlich eine Fotografiermöglichkeit und dabei werden häufig m.o.w. preiswerte Adaptionen in Betracht gezogen, die statt des Okulars in den Tubus eingesetzt werden sollen. Dies funktioniert bei der der neueren "Unendlichoptik" ganz gut, die meisten Objektive aus der Endlichzeit brauchen aber für die optimale Abbildungsqualität passende Kompensationsokulare, durch welche die restlichen Abbildungsfehler des Objektivs beseitigt werden. In den Inseraten der Okularadapter wird darauf meist nicht aufmerksam gemacht - ein Bild liefern sie immer...
Um das mal praktisch zu illustrieren habe ich in mein Zeiss Standard 16 statt des Cpl 10x/18 Kompensationsokulars einen Okularadapter NDPL-1(2X) eingesetzt (neu über 100 €) und damit ein Objektmikrometer fotografiert. Eine weitere Kameraoptik ist dann nicht nötig, der Adapter liefert mit meinem Axioskop (Unendlichoptik) sehr ordentliche Fotos.
Zum Vergleich wurde eine Billiglösung verwendet, bei der das Okular (Cpl 10x/18) im Tubus bleibt und die Kamera (APS-C-Format) mit einem einem alten 35 mm Objektiv (Computar 1:2,8) für 15.-€ ausgerüstet wurde.
Achtung: Die Fotos zeigen Ausschnitte unbearbeiter Fotos und zwar nur die linke Bildhälfte. Am rechten Rand des Fotos befindet sich also das Bildzentrum, die rechte Hälfte ist spiegelsymmetrisch und wurde platzsparend weggelassen.
Die Abbildungsmaßstäbe sind etwas unterschiedlich, was aber bei der Bildbeurteilung keine Bedeutung hat. Die Striche des Mikrometers sind etwa 2 µm breit.
Foto 1 zeigt ein Foto mit korrekter Kompensation. Als Bildfehler ist eine leichte Kissenverzeichnung am linken Rand sichtbar, die dem preiswerten Cpl 10x-Kompensationsokular eigen ist, außerdem ein leichter hot spot im Bildzentrum (rechts), der von dem Fotoobjektiv kommt, aber bei einem Bild mit interessantem Inhalt kaum auffallen würde.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/284502_19575591.jpg)
Foto 2 - mit Okularadapter ist das Bildzentrum (rechter Rand) noch erträglich, aber die Restfehler am linken Bildrand wohl nicht.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/284502_41962596.jpg)
Diese Sachlage war mir zwar immer klar, aber dass der Unterschied so krass ist doch nicht. Möge diese Illustration manchen unzufriedenen Mikrofotoanfänger aufklären ...
Viele Grüße
Rolf
Hallo Rolf
Vielen Dank für diesen Vergleich, er ist ein gutes Beispiel.
Er zeigt deutlich, dass nicht die Objektive schlecht, oder das Problem sind,
sondern der Anwender, der sie mit einem nicht passenden Setup betreibt.
Die Essenz ist: Nicht neue, teurere oder bessere Objektive kaufen, sondern zuerst die vorhandenen richtig einsetzen.
Kurt
@Rolf,
danke für's zeigen! Welches Objektiv hattest Du verwendet?
@Kurt,
Zitat von: Kurt Wirz in Oktober 03, 2020, 17:53:35 NACHMITTAGS
...
Die Essenz ist: Nicht neue, teurere oder bessere Objektive kaufen, sondern zuerst die vorhandenen richtig einsetzen.
so ist es, wie ich bei verschiedener Gelegenheit selbst lernen musste. ::)
Herzliche Grüße
Thomas
Hallo Thomas -
habe ich doch glatt vergessen anzugeben - es handelt sich um ein Plan 16. Sozusagen als mittelprächtiges Beispiel, bei dem die Bildfeldwölbung keine Rolle spielen sollte.
Ergänzend ist zu bemerken, dass diese auch bei mangelnder Kompensation nicht auftritt, d.h. das Bild lässt sich nicht etwa am Rand durch Fokussieren schärfer stellen.
Viele Grüße
Rolf
Hallo Rolf,
vielen Dank auch von mir für diesen Vergleich.
Interessant fände ich nun noch, ob es für die fotografische Routinedokumentation bei Endlich-Systemen wirklich dringend geboten ist, nicht Systeme unterschiedlicher Fabrikate mit ihren unterschiedlichen Korrektureigenschaften zu mischen. Ich verwende aktuell an einem Zeiss Standard WL als Fotookular gerne ein Leitz Periplan 10/18 Brille, über dessen Außenwinde mittels Adapterring direkt das 40mm Canon Pancake angeschlossen ist. Ich nutze nicht nur Leitz-, sondern vor allem Zeiss-Objektive und bin auch bei diesem Herstellermix von den Ergebnissen durchaus angetan.
Aber richtig systematisch (Strichplatte, Sehfeldrand mit Verzeichnungen und Farbfehlern) habe ich Sache bisher nicht untersucht.
Viele Grüße
Ole
Hallo Ole -
Erfahrungen, welche Du schilderst, sind auch der Grund weshalb ich geschrieben habe, dass die meisten Endlichobjektive "passende" Kompensationsokulare verlangen und nicht unbedingt "vom gleichen Hersteller".
Hier geht, wie so oft, Probieren über Studieren und das ist schwierig, wenn man noch keinen Fundus an Mikroskopoptik, Adaptertuben usw. hat.
Auslösend für meinen unwissenschaftlichen Beitrag mit nur einem einzigen Beispiel waren diverse threads von Mikroskopie-Beginnern, deren unbefriedigende Fotos u.a. die Merkmale mangelnder Kompensation zeigten, welche vielleicht durch preiswerte Maßnahmen beseitigt oder halt erst mal akzeptiert werden können, zumal wenn man z.B. bunt gefärbte Histoschnitte mikrokopieren und mit dem Smartphone fotografieren will.
Viele Grüße
Rolf
Hallo,
Grau ist alle Theorie
und Strichplatten-Mikroskopie*
Der Strich so schwarz, die Ränder bunt
vor weißlich-grauem Hintergrund
Der Purist kanns kaum ertragen
so etwas liegt ihm schwer im Magen
Doch sag ich Euch durch dies' Gedicht:
So mancher Fehler stört gar nicht!
* mit richtiger Betonung funktioniert auch hier die Metrik! ;)
Tatsächlich ist es so, dass Optiken verschiendener Hersteller mehr oder weniger gut harmonieren und diese Fehler in Abhängigkeit vom Präparat und Kontrastverfahren oft gar nicht mehr auffallen. Bei gefärbten Pflanzenschnitten sieht man die chromatischen Abberationen zumeist nicht mehr. In der Praxis kann man also oft sehr gut Objektive und Okulare verschiedner Hersteller miteinander mischen. Versuch macht kluch!
Leider finde ich den oft zitierten und recht alten Beitrag von Peter Höbel nicht, in dem er an Strichplatten zahlreiche Kombinationen gegeneinander gestetet und demonstriert hat, wie gut oder schlecht diese harmonieren.
Herzliche Grüße
Peter
Hallo Rolf,
zwar "unwissenschaftlich" aber eindrucksvoll und repräsentativ ! Vielen Dank dafür!
@Peter: Vielleicht meinst Du diesen Thread?
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=3697.0
Viele Grüße
David
... oder diesen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=22303.30 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=22303.30)
Es gab da einige im Laufe der Jahre.
Herzliche Grüße
Thomas
Hallo Thomas & David -
danke, dass Ihr die wissenschaftliche Basis wieder ausgegraben habt! Ich denke, es war nützlich dies alles mal wieder ins Gedächtnis zu rufen - vielleicht erspart es manchem Jungmikroskopiker einige unnötige Investitionen ...
Viele Grüße
Rolf