Hallo,
im letzten Herbst hat Heiko hier ein paar Bilder von Juglon (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=35095.msg256587#msg256587) gezeigt, aber auch Klaus Herrmann hatte bereits 2009 eine Anleitung zur Gewinnung von Juglonkristallen aus der Schale von grünen Walnüssen (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=16851.msg128935#msg128935) gegeben. Das erste Bild von Heiko finden wir sogar auf Wikipedia!
Da im letzten Herbst die Zeit für grüne Nüsse dann schon vorbei war, habe ich das Thema auf dieses Jahr verschoben. Und fast wieder verpasst. Gerade eine einzige grüne, schon aufgeplatzte Walnuss habe ich noch gefunden...
Und daraus habe ich dann die Zutat für die folgenden Aufnahmen gewonnen. Leider hat sich die Schale schnell schwarz verfärbt, so dass die Freude nur von kurzer Dauer war.
Hier nun ein paar Bilder (alle mit gekreuzten Polfiltern):
1. Bild: Ein Stückchen der grünen Nussschale auf dem OT zerdrückt und leicht antrocknen lassen. Die gelben Juglonkristalle sind gut zu erkennen.
2. Bild: Ein Stückchen der Schale auf den OT gelegt und ein paar Tropfen Ethanol darauf gegeben. In unmittelbarer Nähe des Schalen-Stückchens haben sich Kristalle in wirrem Durcheinander gebildet.
3. Bild: Wie 2., jedoch in etwas größerem Abstand von der Schale.
4. Bild: Wie 3., Ansammlung von Juglonkristallen
Viel Spaß beim Anschauen!
Michael
Hier nach der Pflicht noch die Kür. Aufnahmen wieder im pol. Licht.
1. Bild: Ein Stücken Nussschale auf den OT angedrückt und ein paar Tropfen Isopropanol darauf gegeben.
2. bis 4. Bild: Wie 1. aber zusätzlich einen Tropfen 5% iger Kupferacetat-Lösung. Eigentlich habe ich Kristalle erwartet, wie Heiko sie gezeigt hatte. Haben sich aber so nicht eingestellt. Dafür viele kleine Wedel! Auch schön. Die 3D-Bilder wurden mit Picolay berechnet.
5. Bild: Juglonkristalle, in Aceton ,,schwimmend"
Michael
Prima Michael.
Meinen Baum gibt's leider nicht mehr – habe also keine Möglichkeit, mir schwarze Finger zu holen.
Viele Grüße,
Heiko
Hallo Heiko,
das ist ja schade.
Aber sag mal, wie hast du das mit dem Kupferacetat gemacht? Ich habe ca. 5% ige Kupferacetatlösung auf die Juglonkristalle gegeben. Viel mehr Kupferacetat hat sich im Wasser bei RT nicht gelöst. Aber da hat sich nichts getan, außer, dass sich sehr schöne Kristalle aus dem Kupferacetat selbst gebildet haben. Und Juglon ist nur schlecht in Wasser löslich. Du hattest damals geschrieben: "Für das dritte Bild musste ein Deckglas her, damit die Kupfer-Ionen ihr Werk verrichten konnten."
Hast du das Ganze erhitzt?
Viele Grüße
Michael
Hallo Michael,
aus der Erinnerung: Tr. mit Cu-Ionen an den Deckglas-Rand setzen und unterziehen lassen. Der Komplex bildet sich dann als Aufwuchs auf den Juglon-Nadeln, die dabei etwas in Lösung gehen. Das Deckglas dirigiert das Wachstum in die Ebene.
Viele Grüße,
Heiko
Hallo Heiko,
danke für den Tipp. Vielleicht fällt mir für Versuche noch etwas anderes ein, als Juglon, was ich ja leider nicht mehr habe.
Beste Grüße
Michael
Fortsetzung von 2020...
Hallo zusammen,
im letzten Herbst war ich etwas spät dran und musste meine Versuche mit Juglon mangels Nachschub von grünen Walnüssen abbrechen. Jetzt gibt es sie wieder!
Ich habe nun ein paar Versuche mit Sublimation gemacht. Klaus Herrmann hatte das Vorgehen ja schon 2009 beschrieben (Link s.o.).
Ich habe dafür wieder das Sublimationsöfchen genutzt, dass ich auch schon für Coffein, Flechten u.a. verwendet habe. Aber es gehen natürlich auch die üblichen Verfahren mit Kerze, Spiritusflamme o.ä.
Zunächst habe ich ein Stück aus der grünen Schale geschnitten, dann mit einer Flachzange zerquetscht und auf ein Stückchen entfettete Alufolie tropfen lassen. Wichtig ist, dass der Saft noch schön gelb ist, denn das Juglon zersetzt sich leicht und wird dann unansehnlich braun bzw. schwarz. Also immer frisches Material ausquetschen. Die Alufolie wird dann im Öfchen vorsichtig erhitzt, wenn das meiste Wasser verdampft ist, legt man einen Objektträger darüber und fängt die Juglon-Kristalle auf. Im polarisierten Licht kann man diese, recht kleinen und filigranen Kristalle, dann anschauen.
Die Bilder zeigen ein paar Ergebnisse. Da am Objektträger zum Teil auch noch Wassertröpfchen kondensieren, bilden sich die Juglon-Kristalle auch in diesen Tröpfchen und zeigen sich dann, nach dem Trocknen, in runder Anordnung (siehe Bild 3).
Je nach Frische des Saftes, Temperaturverlauf, Zeiten usw. ergeben sich mehr oder weniger große Kristalle, eng beieinander oder weiter verteilt.
Viel Spaß beim Anschauen
Michael
Bild 1: Sublimationsöfchen
Bild 2, 3, 4: Juglon, polarisiertes Licht, Bildbreite 1,1 mm
Bild 5 u. 6: Juglon, polarisiertes Licht, Bildbreite 0,8 mm bzw. 0,25 mm
Hallo ,
nichts Neues zum Thema, aber jetzt ist wieder die Zeit, wo man grüne Nüsse an und unter den Walnussbäumen findet. Eine gute Gelegenheit für alle, die es mal mit Juglon versuchen wollen. Geht super einfach:
Ein Stückchen aus der grünen Schale schneiden, dann mit einer Flachzange etwas Saft direkt auf einen OT pressen. Bild 1 zeigt, wie das dann im pol. Licht aussieht. Gibt man noch einen Tropfen Alkohol dazu, löst sich das Juglon darin und bildet am Rand diese länglich-gebogenen Kristalle (Bild 2). Oder Formen wie in Bild 3. Da kann man ein wenig experimentieren.
Beste Grüße
Michael
Bild 1: Walnusssaft, frisch gepresst, polarisiertes Licht, Bildbreite 0,25 mm
Bild 2: Juglon, polarisiertes Licht, Bildbreite 0,4 mm
Bild 3: Juglon, polarisiertes Licht, Bildbreite 0,25 mm
Hallo Michael,
sehr hübsche Kristalle!
Kann man davon haltbare Dauerpräparate herstellen?
Viele Grüße,
Bob
Hallo Bob,
hmm. Gute Frage. Ich mache generell nur ganz selten Dauerpräparate von von meinen Mikrokristallen. Zum einen verändern sich die Kristalle über die Zeit (meist nicht zu ihrem Vorteil) und sehen dann ganz anders aus, als zu dem Zeitpunkt, als ich sie fotografiert hatte. Dann lösen sich viele Substanzen in organischen Lösungsmitteln auf. Wenn ich Dauerpräparate mache, dann als Schmelzpräparate mit Deckglas.
Wir hatten die Fragestellung schon mal in ähnlicher Form: Eindecken von Mikrokristallen mit UV-härtenden Eindeckmitteln/UV-Klebern? (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=38754.0).
Juglon, ist in vielen organischen Lösungsmitteln löslich, in Wasser jedoch kaum. Es wäre vielleicht ein Einschluss in Luft denkbar, wenn das Juglon über längere Zeit stabil bleibt. Das kann ich aber nicht einschätzen.
Viele Grüße
Michael
Hallo Michael,
ein Einschluss in Luft wäre wohl mal einen Test und späteren Vergleich mit dem Foto vom Neuzustand wert. Wir haben auch einen Walnussbaum, da liegt die Idee nahe. Oder mal was zoologisches - Eichhörnchen in Paraffin!
Viele Grüße,
Bob
Hallo Michael,
hast Du die Kristalle schon auf Fluoreszenz getestet? Die xylolische Lösung soll es jedenfalls tun – wenn ich meiner Notiz aus 2013 trauen kann ...
Viele Grüße,
Heiko
Hallo Heiko,
ich hatte bei den ersten Aufnahmen schon kurz bei UV-Anregung geschaut, aber nichts Spektakuläres gesehen.
Nun habe ich die Versuche noch einmal wiederholt. Zunächst wie vorher mit Ethanol als Lösungsmittel. Das Ergebnis ist in den Bildern 1 und 2 zu sehen, einmal im polarisierten Licht, auf dem 2. Bild mit UV-Anregung. Sieht interessant aus, aber das Juglon fluoresziert wohl nicht. Die leuchtenden ,,Wolken" müssen wohl auf andere Bestandteile des Walnussschalensaftes zurückzuführen sein. Dann habe ich das Gleiche noch mit Toluol als Lösungsmittel gemacht. Xylol hatte ich leider nicht. Interessant ist, dass die Kristalle bei diesem Lösungsmittel deutlich anders aussehen. Aber das ist bei Mikrokristallen ja oft so. Allerdings auch hier - keine Fluoreszenz.
Viele Grüße
Michael
Bild 1: Juglon aus Ethanol-Lösung, polarisiertes Licht, Bildbreite 0,25 mm
Bild 2: Juglon aus Ethanol-Lösung, UV-Anregung, Bildbreite 0,25 mm
Bild 3: Juglon aus Toluol-Lösung, polarisiertes Licht, Bildbreite 0,25 mm
Bild 4: Juglon aus Xylol-Lösung, UV-Anregung, Bildbreite 0,25 mm
Danke für Deine Mühe, Michael.
Nun bin ich beruhigt, denn am Kristall konnte auch ich (mit meinen begrenzten Mitteln) keinen Effekt feststellen.
Im Lösungsfilm unter dem Deckglas erregte dann noch dieser Busche meine Aufmerksamkeit, aufgenommen mit dem 16er.
Viele Grüße,
Heiko
Hallo Heiko,
wow, sehr schöne Aufnahme!
Ich hatte, einer früheren Anregung von dir (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=35095.0) folgend, nochmal Versuche mit Kupferacetat gemacht. Leider ohne das von dir gezeigte Ergebnis. Aber ich habe trotzdem zwei Aufnahmen gemacht.
Viele Grüße
Michael
Bild 1: Juglon neben Kupferacetat, polarisiertes Licht, Bildbreite 1,1 mm
Bild 2: Kupferacetat fast ohne Juglon, polarisiertes Licht, Bildbreite 1,1 mm
Hallo Michael,
verunsichert durch Deinen Hinweis, habe ich ebenfalls einen Versuch gestartet. Dem auskristallisierten Juglon unter dem Deckglas habe ich einen Tropfen Kupfer(II)-acetat-Lösung gegönnt. Der Tropfen am Deckglasrand zog in den Spalt ... reagierte offenbar ... und kristallisierte.
Viele Grüße,
Heiko
Hallo Heiko,
da hast du dir ja richtig Mühe gegeben. Ich habe das genau so gemacht, wie du beschrieben hast, auch im letzten Jahr schon. Das Ergebnis sieht deinem aber nur bedingt ähnlich. Aber das ist ja oft so, bei den Mikrokristallen.
Vielleicht kann man es trotzdem gelten lassen?
Viele Grüße
Michael
Übrigens, kann man aus grünen Walnüssen auch Magenbitter machen. Das ist doch aus schön, oder?
Hallo Michael,
ja, die violetten Nadeln sprechen für diese Sepecies.
Und natürlich hat immer der Zufall seine Finger im Spiel bezüglich dessen, was sich da unter'm Deckglas entwickelt.
Viele Grüße,
Heiko
Hallo Heiko,
also solche schönen Kristalle sehe ich bei mir nicht! :(
Ich war zwischenzeitlich schon am Zweifeln, ob das Kupferacetat, das ich verwende, überhaupt Kupferacetat ist. Ich hatte das vor Jahren mal über eBay irgend wo im Ausland bestellt.
Also habe ich ein paar 2ct-Münzen genommen und mir mit Essigsäure mein eigenes Kupferacetat hergestellt.
Das Ergebnis, was Juglon betrifft, unterscheidet sich aber nicht wesentlich von den vorherigen Versuchen. Die Kupferacetat-Kristalle am Rand des OT sehen aber genauso aus, wie die, die ich von dem gekauften erhalten habe.
Na ja, macht nix. Vielleicht fällt mir noch etwas ein, was ich anders machen kann. Vielleicht liegt es auch an den Nüssen... ;)
Beste Grüße
Michael