Hallo,
derzeit leidet meine Arbeit etwas - mein neues Mikroskop ist zu faszinierend. Bald wird mich die Realität wieder einholen aber bis dahin müsst ihr Euch auf eine gewissen Bilderflut einrichten ;)
Netterweise hat mir ein Freund ein dickes Algenpakt aus seinem Aquarium geschickt und so kam ich in den Besitz von frischen Blaualgen.
Nun gehört eine gewisse Spielerei ja dazu - gerade wenn man sein neues Mikroskop kennenlernen will. So hab ich mir das Ganze mal unter polarisiertem Licht angeschaut und im Dunkelfeld und dann hab ich beides miteinander probiert.
Geköhlert, DIC Schieber entfernt, Kondensor auf Stellung D, Polarisator eingeschwenkt, Reflektormodul auf Stellung POL (Analysator).
Zu meinem Erstaunen wurden die Blaualgen rot!
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/1432_11611730.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/1432_6318890.jpg)
Die Lage der Blaualge hat keinen Einfluss auf die Farbe. Der Effekt ist reproduzierbar. In der Probe befand sich auch eine Oszillatoria Art. Die hab ich wohl etwas gequetscht bei dem Versuch, die richtige Schichtdicke zu bekommen. Dabei ist sie teilweise zerplatzt.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/1432_57747912.jpg)
Kann das jemand erklären? Hab ich eine neue Technik zum Erkennen von Blaualgen gefunden ;)
Mit polarisiertem Gruss
Eckhard
Hallo Eckhardt, my intuition says autofluorescence, but I do not understand why the green algal filament wouldn't show the same colour...
Best wishes, Rene.
Nun ja,
die Autofluoreszenz tritt ja erst ab einer bestimmten Intensität auf. Und die kann bei unterschiedlichen Pflanzen eben auch deutlich differieren.
Herzliche Grüße
Detlef
Eckard hatte mich ja vorab kontaktiert, weil er Angst hatte, die Frage hier zu stellen weil man ihn vielleicht dafür lebenslang sperrt oder er die Linkenheldschen Katzen auf den Hals gehetzt bekommt. Nach gutem Zureden und einem viertel Liter Baldrian intravenös hat er es ja nun doch gewagt ;) ;D ;D
Na ja auch ich hatte die Idee Autofluoreszenz, weil ich solche Aufnahmen auch schon gemacht habe.
Das war zwar auch DF; doch es war die klassischeDurchlicht-Fluoreszenzeinstellung: LED -Anregungsfilter Violett - DF-Kondensor - Probe - Objektiv - Sperrfilter Orange - Okular.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/1461_18386531.jpg)
Aber hier haben wir doch DF und Polfilter. Irgendwelche Poleffekte kann man ausschließen, weil bei Drehung des Objekts nichts verändert wird.
Mit Lamda wird alles gleichmäßig rot.
Für mich ist es einerseits rätselhaft und andererseits eine Aufgabe für alle mal dem Phänomen nachzujagen!
Zitat von: Klaus Herrmann in November 12, 2008, 21:27:38 NACHMITTAGS
31.jpg[/img]
Aber hier haben wir doch DF und Polfilter. Irgendwelche Poleffekte kann man ausschließen, weil bei Drehung des Objekts nichts verändert wird.
Hallo liebe Polfreunde
das ist wirklich ein spannendes Phänomen. Mir geht obiger Satz von Klaus nicht aus dem Kopf. Aber wir sind uns doch einig, dass ein isotropes Objekt zwischen gekreuzten Pols dunkel wäre?!
Jetzt spinn ich mal rum: angenommen wir sehen eine Interferenzfarbe, wie z.B. hier bei Herrn Kreutz:
http://www.photomacrography.net/forum/viewtopic.php?t=6194&sid=678e21b920a6e5a825678371b829822d
Und nun weiter angenommen, es entstünde bei dem Aufbau irgendwie zirkular polarisiertes Licht. Das würde die Konstanz der Erscheinung unter allen Azimuten erklären (vergl. z.B. Gerlach, Das Lichtmikroskop, S. 177!)
Ist der Polarisator eigentlich über oder unter der DF Scheibe?
Von Fluoreszenz verstehe ich nicht so viel, aber bräuchte es dafür nicht eine Anregung? Die ist doch hier nicht gegeben!
Viele polarisierte Grüsse
Bernhard
Guter Gedanke Bernhard: Zirkularpolarisation.
Gibts da auch Interferenzen? Sollte man Olaf Medenbach fragen, wenn ders nicht weis...
Auf jeden Fall noch mehr untersuchen!
Hallo,
der Polarisator sitzt unter der Dunkelfeldblende.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/1488_26980646.jpg)
Ich habe mir die doppelbrechende Zellwand dieser Grünalge angesehen. Als ich dieses Bild im Okular hatte habe ich versucht, den Hintergrund dunkler zu bekommen. Als ich probehalber den Kondensor vom HF ins DF umschaltete fiel mir das leichte rote Glimmen der aufsitzenden Cyanobakterien auf.
Natürlich habe ich als eifriger Forumsleser die vor einem Weilchen gezeigten Algenbilder mit EPI-Fluoreszenz gesehen. Das meine Cyanos auch rot aufleuchten - wo die Ursache liegt oder wo ein Zusammenhang besteht - ich weiss es nicht und raten mag ich nicht. Das Chlorophyll der Cyanobakterien ist anders als das der Grünalge.
Hallo
tja, nach genau so einem Polbild ohne DF wollte ich noch fragen. So erscheinen die kleinen Aufsitzer in der Tat isotrop. Es sei denn die Doppelbrecheng wäre extrem klein. Besitzt Du Hilfsobjekte, Eckhard? Ansonsten würde damit meine Theorie ausscheiden! Beugungsintererenzfarben kennt man ja von DF Aufnahmen, aber so ein gleichmässiges flächenfüllendes rot? Hiermit übergebe ich den Fall an die Optikexperten, ich muss passen!!
Gruss
Bernhard
Hallo,
warum nicht Autofluoreszenz? Bernhard, Du schreibst, da fände keine Anregung statt. Wieso? Das Objekt wird doch beleuchtet und für die Chlorophyll-Autofluoreszenz genügt weißes Licht. Es muss nur stark genug sein. Kleiner Hinweis dazu: mit der Autofl. wird die Energie wieder abgegeben, die durch die Photosynthese nicht verwandt werden kann. Dadurch wird das Chlorophyll geschützt.
Herzliche Grüße
Detlef
Zitat von: Eckhard in November 13, 2008, 07:24:43 VORMITTAG
Ich habe mir die doppelbrechende Zellwand dieser Grünalge angesehen. Als ich dieses Bild im Okular hatte habe ich versucht, den Hintergrund dunkler zu bekommen. Als ich probehalber den Kondensor vom HF ins DF umschaltete fiel mir das leichte rote Glimmen der aufsitzenden Cyanobakterien auf.
Hallo Eckhard,
hast du auch ausprobiert, ob die Erscheinung wieder weg geht, wenn du in der Dunkelfeldstellung das polarisierte Licht wieder wegnimmst.
Es könnte ja sein dass von Deiner Mikroskoplampe doch eine schwache Autofluoreszenz (im Durchlicht) angeregt wird.
Im normalen Hellfeld sieht man ohne Sperrfilter wegen dem hohen Untergrund natürlich nichts. Zwischen gekreuzten Polfiltern ist der Untergrund zwar dunkel, aber wie du selber schreibst hast du ja erst durch das zusätzliche Dunkelfeld den Untergrund vollig abgedunkelt und daduch die Autofluoreszenz vielleicht erst erkennen können.
Die Autofluoreszenz (Selbstleuchter) ist ja wieder unpolarisiert und kann deinen gekreuzten Analysator natürlich mühelos passieren.
Man hätte also eine Art Fluoreszenzmikroskopie mit Ausschaltung des Anregungslichts durch gekreutzte Polarisatoren plus Dunkelfeldanregung.
Gruss
Wilfried
Zitat von: Detlef Kramer in November 13, 2008, 11:17:47 VORMITTAG
Hallo,
warum nicht Autofluoreszenz? Bernhard, Du schreibst, da fände keine Anregung statt. Wieso? Das Objekt wird doch beleuchtet und für die Chlorophyll-Autofluoreszenz genügt weißes Licht. Es muss nur stark genug sein.
Hallo Detlef
ah so! Das wusste ich nicht. Ich dachte Autofluoreszenz läge immer vor, wenn keine Fluorochromierung nötig ist. Und dass eine gezielte (!) Anregung und Sperrung IMMER erforderlich wäre. Und wenn ich Wilfried nun richtig folge, hätte das polarisierte Licht (zumindest irgendein Anteil ds Spektrums) für die Anregung gesorgt und der Analysator wäre nun sozusagen der Sperrfilter für das polarisierte Licht(was er ja ist) und das Fluoreszenzlicht kommt halt durch. Das DF wäre dann nur noch Kontrastverstärker!?
Nun sind ja Polfilter und DF Scheiben durchaus Lichtschlucker. Was für einen Scheinwerfer hast Du denn da, Eckhard? Ist das eine LED? Glaubt Ihr wirklich, dass das lichttechnisch ausreichen kann??
Das ist ja wirklich spannend.
Gruss
Bernhard
Hallo,
Zitathast du auch ausprobiert, ob die Erscheinung wieder weg geht, wenn du in der Dunkelfeldstellung das polarisierte Licht wieder wegnimmst.
Bisher ist mir das im Dunkelfeld noch nicht aufgefallen aber ich werde es noch einmal überprüfen.
Beleuchtet wird mit einer 50W Halogen Lampe. Bei diesen Dunkelfeldbildern habe ich die volle Leistung der Lampe genutzt. Nur ein Tageslicht Filter ist im Strahlengang.
ZitatBeleuchtet wird mit einer 50W Halogen Lampe
Das erklärt, denke ich, Alles.
Herzliche Grüße
Detlef
Hallo,
vielen Dank Wilfried und Detlef für Eure Erklärungen.
ZitatMan hätte also eine Art Fluoreszenzmikroskopie mit Ausschaltung des Anregungslichts durch gekreutzte Polarisatoren plus Dunkelfeldanregung.
Interessanterweise scheint dies nur beim Chlorophyll der Cyanobakterien zu funktionieren. Ich habe mittlerweile 3 verschiedene Cyanobakterien auf diese Art untersucht und alle sind rot.
Das ist also in der Praxis ein Cyanobakteriendetektor ;) Da werden sich meine Aquarianerfreunde freuen.
Hallo,
auch Kieselalgen und Grünalgen sind mit dem kräftigen polarisierten Licht zum Leuchten zu bewegen
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/1759_34930376.jpg)
40x
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/1759_22859295.jpg)
20x
Im letzten Bild ist keine Zentralblende im Spiel! Im meiner Probe waren eine Menge Flagellaten. Erst als das Wasser fast ganz verdunstet war sind die so ruhig gewesen dass ich das Leuchten einfangen konnte.
Hallo Eckhard,
da hast Du wirklich was Interessantes gefunden. Und die Tümpler sollten jetzt jedes mal die Pol-DF-Probe Eckehardi
machen um das Phänomen weiter zu erforschen!
Meine ich ausnahmsweise mal wirklich ernst! :D
Hallo Thomas,
wenn Du einen Aquarianer kennst, dann frag den mal, ob er nicht ein wenig Blaualgen für Dich hat. Ich habe aktuell (zufällig) mal keine im Becken...
Tschüß, Wolfgang
Lieber Thomas,
welcome here again! Ich werde Dir gelegentlich welche schicken, kann aber ein paar Tage dauern, es ist ja wirklich nicht die ideale Jahreszeit. Wenn ich es gewusst hätte! Wir haben heute einen Spaziergang durch den Schlosspark Schönbusch bei Aschaffenburg gemacht und da schwammen auf einem Kanal haufenweise braungraue Placken herum. Die bestehen zum großen Teil aus Oscillatoria und sind ein Zeichen starker Eutrophierung.
Ein anderer Tipp: überall, wo Vie gehalten wird und Jauche abfließt nach blau-grünen Watten suchen.
Noch ein Tipp: in einem botanischen Garten nach dem Wassefarn Azolla fragen. Die kleinen Blättchen haben an der Unterseite Taschen, in denen eine Anabaena lebt, die den Farn mit Stickstoff versorgt; nebenbei ein schönes Beispiel für Symbiose.
Herzlichen Gruß
Detlef
Hallo Thomas,
solltest Du im Botanischen Garten sein und nach Azolla fragen, kannst Du zusätzlich in die Aquarien, so welche vorhanden sind, sehen. Wenn dann gewisse Wasserpflanzen von einem blaugrünen Etwas überzogen sind, so sind das genau die Oscillatorien, von denen Detlef gesprochen hat.
Tschüß, Wolfgang
Hallo Thomas,
Danke für den Kommentar. Cyanobakterien solltest Du immer in einem Zoofachhandel mit Aquaristikabteilung finden - die nennen das Blaualgen. Mittlerweile habe zwei weitere Mikroskopiker die Pol-DF-Probe Eckhardi (Copyright Klaus Herrmann) gemacht und den Effekt bestätigt.
ZitatUnd da ja mit weißem Licht angeregt wird, ist die Chance groß, dass der "richtige" Spektralbereich dabei ist. Leider würden wir diese Fluoreszenz aber gar nicht sehen, wenn nicht die Anregungsstrahlung irgendwie unterdrückt wird. Das übernimmt zunächst einmal die DF-Blende, die die direkte Anregungsstrahlung ausgeblendet und dann noch der Analysator, der auch alle indirekten, abgebeugten Reste des Anregungslichtes auslöscht.
Diese präzise Erklärung scheint richtig zu sein. Im Hellfeld mit Polarisator und Analysator kann ich bei perfekter Einstellung das Leuchten auch sehen - im Dunkelfeld ist das Leuchten jedoch wesentlich intensiver. Um auch Grünalgen zum Leuchten zu bringen muss die Lichtintensität weiter erhöht werden.
Ich hoffe am Wochenende frische Cyanobakterien zu bekommen und werde weitere Versuche machen.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/2281_35075009.jpg)
Hallo Thomas,
Eckhard bitte - da leg ich Wert drauf ;D
Das geht bei mir übrigens schon mit einer 50W Halogenlampe.
Zitat von: Arvid O. in November 26, 2008, 17:48:59 NACHMITTAGS
Wenn ich es richtig verstanden habe, ist es für die Anregung der Fluoreszenz unwesentlich, ob das (weiße) Licht polarisiert oder unpolarisiert ist, sondern nur, dass die Intensität im entsprechenden Spektralbereich ausreicht. Und da ja mit weißem Licht angeregt wird, ist die Chance groß, dass der "richtige" Spektralbereich dabei ist. Leider würden wir diese Fluoreszenz aber gar nicht sehen, wenn nicht die Anregungsstrahlung irgendwie unterdrückt wird. Das übernimmt zunächst einmal die DF-Blende, die die direkte Anregungsstrahlung ausgeblendet und dann noch der Analysator, der auch alle indirekten, abgebeugten Reste des Anregungslichtes auslöscht. Genial!
Ich denke das Wort GENIAL trifft den Nagel auf den Kopf!! Das wäre einen Artikel im Mikrokosmos wert!!
Viele Grüsse
Bernhard