Hallo zusammen,
bestimmt kann mir das Schwarmwissen heir weiterhelfen.
Bei historischen (Diatomeen)Präparaten sind diese öfter in einer Scheibe aus Metall gelegt. Ungefähr so wie hier:
https://www.ebay.de/itm/Moller-Eulenstein-Antique-Microscope-Slide-Coscinodiscus-Woodwardii-Diatoms/363280216100?hash=item5495303024:g:hIoAAOSwnBdgGWfY
Dazu die Frage:
- welches Metall wurde dafür verwendet?
- gibt es dazu eine bestimmte Technik/Vorschrift zur Herstellung der Metallplättchen und zum weiteen Vorgehen, aufkleben, eindecken usw.?
- haben diese Präparate gravierende Nachteile?
Schaun mir mal, was so zusammenkommt an geballtem Wissen ;)
lg
anne
Hallo Anne,
ich habe mal gelesen, dass dafür Zinnfolie verwendet wurde.
Speziell bei Radiolarien um bei der Trocknung des Eindeckmittels ein Zerdrücken zu verhindern.
???
Herzliche Grüße
Herbert
Zinnfolie gibt es heute noch - oder in der alten Weihnachtskiste: Lametta.
Gruß - Werner
Hallo zusammen,
oh das ist aber wenig, trotzdem danke an Herbert und Werner - da fehlt halt der Klaus :'(
lg
anne
Hallo,
ich könnte mir vorstellen, daß diese Technik besonders angewendet wurde bei "nicht-planen" Diatomeen, analog zu den Radiolarien. Ich weiß nicht, wie die abgebildete Diatomee dreidimensional aussieht, ob sie eher eine Scheibe oder eine Schüssel ist. Beim Trocknen des Einschlußmittels wird das Deckglas heruntergezogen und zerdrückt feine 3D- Objekte.
Man mußte also zunächst mittels Zinnscheibe und Deckglas eine Kammer bilden und das Objekt dort einschließen, hinreichend trocknen lassen und dann das Ganze auf den Objektträger kleben. Da der Großteil des Lösungsmittles bereits verdunstet war, war der "Sog" nicht mehr so groß, und über der recht kleinen freien Öffnung in der Zinnscheibe kann sich das Deckglas kaum noch durchbiegen.
Offensichtlich muß das wohl ein Standardverfahren gewesen sein, denn die geprägte Zinnfolie ist sicher keine Einzelanfertigung, es wird wohl einen Stempel dazu gegeben haben.
Was so nicht ersichtlich ist: Ist der gesamte Raum unterhalb der Diatomeen bis zum Deckglas mit Einschlußmittel gefüllt oder befindet sich noch eine Luftschicht in der Kammer? Das wäre für die Kondensorimmersion fatal!
Auch so müssen für diese Art der Eindeckung besonders dünne Objektträger verwendet worden sein, da ja die Objekte (an der Unterseite des Deckglases) höher als normal liegen (um die Dicke der Zinnfolie). Wobei freilich um 1869 noch keine "genormten" Objektive und Kondensoren verwendet wurden, also noch vieles möglich war.
Viele Grüße
Helmut
Hallo Anne,
auf unserer Seite findest Du Dokumente von Gerhard Göke zu Diatomeen und Radiolarien-Präparation. Guck da doch mal rein. Auch eine Suche im Mikrokosmos könnte sich lohnen, der reicht ja in Zeiten zurück, als Diatomeen noch angesagter waren.
Viele Grüße,
Bob
Hallo,
zu dem Warum-man-das-macht noch eine Ergänzung: man findet natürlich so ein Einzelobjekt auch viel schneller wieder, was allerdings keinesfalls Annes Frage beantwort. Wie Zinn sieht das für mich nicht wirklich aus.
Beste Grüße
Gerd
... und Lametta besteht heutzutage bestimmt nicht mehr aus Zinn, sondern aus Aluminium. Denke ich mal!?
Herzliche Grüße
Detlef
Hallo Detlef,
ganz früher bestand Lametta aus Blei.
Beste Grüße
Gerd
Hallo, so wie ich das sehe ist die Metallfolie als Distanzhalter für das Objekt zu sehen. Dafür könnte natürlich eine Metallfolie geeigneter Dicke aus einem beliebigen Metall bestehen, sofern keine Reaktion mit Einbettungsmittel oder dem Objekt zu erwarten ist. Das Problem wird vielleicht eher darin liegen eine Metallfolie in der geeigneten Dicke zu finden. Für ein historisches Präparat aus dem 19. Jahrhundert wird es wohl kaum Aluminium gewesen sein, da dieses sehr teuer war und erst zum Ende des Jahrhunderts in größeren Mengen produziert wurde. Napoleon III benutzte Löffel und Gabeln aus Aluminium als Ausdruck einer besonderen Exklusivität. Es werden wohl Zinn- oder Bleifolien gewesen sein. Heute würde man Alufolie nehmen. Bei dem gezeigten Objekt scheint aber doch der dekorative Aspekt im Vordergrund zu stehen und ein goldfarbenes Metall Verwendung gefunden haben. Neben Gold fallen mir dazu nur die Bronzen (Cu/Sn) oder Messing (Cu/Zn) auch Tombak genannt ein, die zu Folien ausgewalzt wurden. Ob 1869 schon Alubronzen (Cu/Al) zu goldfarbenen Medaillien verarbeitet wurden, ist allerdings auch nicht auszuschließen. Goldfarbene Scheidemünzen aus Alubronze wurden im Deutschen Reich in den 1920ziger Jahren benutzt.
Liebe Grüße
Tilman
Hallo Anne
Also ich würde sagen, die geprägte Lochscheibe besteht aus einer Messingart
und ist mindestens 0,5mm stark.
Eine Messingart vermute ich auch deshalb, weil es bei der Herstellung Optischer Instrumente, wie Mikroskope, Drehteller für Lackringerstellung usw.
vielseitige Verwendung fand.
Nähere Untersuchungen kann man nach erfolgreicher Ersteigerung des gezeigten Präparates machen. ;D
Gruß von Siegfried
Hallo zusammen,
danke für die Antworten!
Mir ist klar, dass es ein Distanzhalter war aber recht schmückend!
Für mich stellt sich die Frage, wie wurden diese aufgeklebt, z.B. mit dem Einbettharz?
Hat jemand Präparate zu Hause, die sich evtl. nachteilig entwickelt haben, z.B. abspringen, anlaufen, verdunsten usw.?
Interssieren würden mich die Orignalverfahren aus der Zeit der Herstellung.
lg
anne
Lametta besteht tatsächlich aus Reinzinn, nicht Blei oder Aluminium.
Weder Pb noch Al sind so schmiegsam, Blei wird grau, Alu hängt nicht.
Wers nicht glaubt, kann eine Probe echtes Lametta in der Kerzenflamme schmelzen.
Heute gibt es aber fast nur noch Alubedampfte Plasikfolie.
Gruß - Werner
Hallo Anne
Könnte evt. interessant sein.
Auszug:
(Obwohl sie die Etiketten von J.D. Möller tragen, sind die runden Metalldeckel mit dem Aufdruck "Th. Eulenstein / Dresden / Goldmedaille / St. Petersburg 1869", was sie als Bestandteile von Eulensteins zweiter Serie von 100 Diatomeenarten ("zweites Jahrhundert") identifiziert.)
aus:
http://microscopist.net/EulensteinT.html
Ich vermute, die Metallscheibe hat mit der Präparation nichts zu tun.
Gruß von Siegfried
Moin Anne,
Wäre es nicht möglich Metallscheiben aus Neusilber zu nehmen?Diese Bleche gibt es auch mit einer Fotolack Beschichtung.Dadurch ist es möglich die Bleche zu ätzen,wie beim Platinen ätzen für Schaltungen Ich möchte mir später einmal auf diese Weise Blenden für Dunkelfeld und Schiefe Beleuchtung fertigen . Ich könnte mir vorstellen dass hier Leute sind,die mehr Erfahrung im Platinenätzen haben als ich und Dir Tipps geben können.Ich hatte nur einfache Schaltungen mit CAD gezeichnet und dann geätzt,ich war aber über die erreichbare Feinheit erstaunt.
Viel Erfolg
Mit freundlichen Grüßen
Jörg
Moin Anne,
Eine Beschreibung des historischen Verfahrens findest Du hier:
http://www.mikrohamburg.de/Goeke/Diatomeen_gesamt.pdf
Ab Seite 22. Der Text beruht zum Teil auch auf meinen Recherchen, bei dem dort zitierten Autor hat sich ein Schreibfehler eingeschlichen: er heißt ,, Debesch"..
Zur Herstellung dieser Stanzstücke gab es eine spezielle Maschine, die die Löcher in Zinnfolie so herstellte, dass es zu keinen Wölbungen oder Stegen kam, die das Handling erschwerten. Wenn man sowas zB mit einem Locheisen versucht, muss man aufwendig nacharbeiten.
Irgendwo in den Tiefen meiner Schatzkisten habe ich auch noch eine Dose mit original im 19. Jahrhundert gestanzten Plättchen.
Wenn ich mich richtig erinnere gibt es auch im Buch von Frison eine Passage, die sich damit beschäftigt.
Grüße sendet
CMB
Hallo CMB,
vielen Dank für den Hinweis zu Goeke/ Diatomeen,
in Antwort 1 schrieb ich: ich habe mal gelesen, dass dafür Zinnfolie verwendet wurde.
Da habe ich das mit der Zinnfolie gelesen.
Herzliche Grüße
Herbert
Hallo CMB
Die Anleitung von Goeke kenne ich.
Aber das von Anne verlinkte historische Präparat in Ebay,
zeigt garandiert nicht so eine Zinnfolie.
Sondern ich meine ein geprägtes Etikett.
Wie darunter präpariert ist, ist nach wie vor ein Rätsel.
Gruß von Siegfried
Hallo Matthias,
ja auf Dich hatte ich gehofft!
Den Göke Artikel muss ich mir natürlich insgesamt noch genauer anschauen.
Der Denkansatz der mir gefehlt hat ist, dass die Folie auf dem Deckglas und nicht auf dem Objektträger geklebt wurde.
Zinnfolie in dieser Stärke gibt es im zahnmedizinischen Bereich zu kaufen.
Danke an alle!!
lg
Anne
Hallo Anne,
dass freut mich, dass die Schwarmintelligenz weiter geholfen hat. Aus der Zahntechnik habe ich auch die Zinnfolie bezogen.
Mit zwei Locheisen kann man maßgeschneidert Löcher /Ringe stanzen.
Um die entstehenden Wölbungen zu reduzieren,benutze ich 2 kleine Stahlplatten und presse die Folienstücke mit einer Schliffpresse, so dass sie dann schön plan sind.
Wenn man das ganze einfacher, aber natürlich nicht original machen will, empfehle ich Fiberringe aus dem Sanitärhandel, die außerordentlich genau hergestellt werden und chemisch sehr stabil sind. Wenn man ein rundes Deckglas passend verwendet, kann man da auch optisch ansprechende Lösungen erzielen.
Grüße sendet
CMB
Hallo Anne
spannendes Thema, als Anhang noch einige Beispiele mit
unterschiedlichen Lackringen, also keine Feinbleche, sondern
zt. mit metallischen Farben gezogene Ringe zur Dekaration,
aber auch als Orientierungshilfe. Der Lackring benötigt
zusätzlich kleine Abstandhalter für die Distanz der beiden Gläser.
Viele Grüsse
Martin
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures011/295494_43527150.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures011/295494_56200037.jpg)
Hallo Martin,
danke Dir!!
ich verstehe aber die Reihenfolge/Abfolge noch nicht ganz :-[.
Warum Distanzhalter zwischen Lackring und Glas?
lg
anne
Hallo Anne
Diese Lackringe sind auf der Innenseite des Deckglases.
Liegen somit auf den Distanzhaltern auf.
Somit liegen sie auf der gleichen Ebene wie die Diatomeen.
Und dienten vermutlich als Alternative zu den Zinnfolien.
Gruss Martin