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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: reblaus in Dezember 11, 2009, 23:55:13 NACHMITTAGS

Titel: Artefaktkunde
Beitrag von: reblaus in Dezember 11, 2009, 23:55:13 NACHMITTAGS
Hallo -

Zitat Klaus Henkel: "Ich kenne den Fall einer biol.natw. Assistentin, die zwei Jahre alle bedeutenden Mikroskophersteller, Agfa und Kodak und die mediz. Fakultäten von drei Unis beschäftigt hat, weil sie in ihrem Augenwasser bewegliche Organismen gefunden hatte, die niemand bestimmen konnte. Man bestätigte Ihr die "Organismen", konnte aber nicht helfen, es blieb rätselhaft. Sie zeigte uns am Mikrostammtisch dann die Fotos und machte mit ihren Fingern vor, wie die Organismen sich bewegten. Nach einer Runde Bier war der Fall dann geklärt, weil uns die Farbe der Organismen doch sehr derjenigen Ihres Laborkittels glich. Wer jemals Baumwollfäden in einer Flüssigkeit unter dem Mikroskop beobachtet hat, wird wissen, wovon ich rede. Die drehen und wenden sich, zucken und krümmen sich, daß einem angst und bange werden könnte. Alles reine Physik.

Naja, jedenfalls ist die Geschichte lustig gewesen".


Diese lehrreiche Geschichte von KH in einem anderen Faden hat mich angeregt, sie mit einer weiteren zu ergänzen:

Einstens untersuchten wir die Wirkung einer damals in Weinreben neuentdeckten Substanz (Resveratrol = 2,4 Dihydroxistilben) auf die doppelt begeißelten Zoosporen des Falschen Rebmehltaus (Plasmopara viticola). Diese Substanz hat die löbliche Eigenschaft unter UV hellblau zu fluoreszieren. Wir kultivierten also diesen obligaten Parasiten auf Weinblättern und produzierten die gewünschten Zoosporen, die sich in Regentropfen auf den Blättern wohlfühlen, bevor sie diese über die Spaltöffnungen befallen.
Nun setzten wir Zoosporen haltigem Wasser Resveratrol zu und beobachteten sie unter Mischlicht (Fluo/Durch). Allgemeines Triumphgeschrei: Die Sporen nahmen das Resveratrol auf (fluoreszierten), warfen die Geiseln ab und zerfielen schließlich. Nobelpreis oder mindestens die Goldene Verdienstmedaille der Weinbauernzunft war uns sicher!
Brutale Wirklichkeit: Wir hatten das sehr schwer lösliche Resveratrol über den Lösungsvermittler Azeton (nur eine gaaanz winzige Menge) zugesetzt. Es hatten sich zunächst Tröpfchen im Wasser gebildet - haargenau von der Größe der Sporen und natürlich unbegeißelt). Diese zerfielen schließlich und lösten sich im Wasser. Das wars.


Dies zur Erbauung der Artefaktkundler
Gruß
Rolf