Liebe Mikoskopiker,
Harald hat einigen von uns Heilschlamm-Proben geschickt. Ich habe versucht, davon Präparate zu machen. Ich bin das nicht gewöhnt und dazu auch nicht ausgerüstet. Das große Problem sind die mineralischen Bestandteile, die ich nicht gut trennen kann.
Ich habe es mit fraktionierter Sedimentation in Zentrifugenröhrchen versucht.
Die ersten 15 Minuten sind so voller Ton, dass sie nicht auswertbar sind.
Fraktionen mit einer Sedimentationszeit von länger als 15 Sekunden und bis zu 5 Minuten sind gut. Danach folgen nur noch feine mineralische Bestandteile, und kaum noch Diatomeen.
Natürlich ist in allen Proben Ton enthalten. Ich bekomme das nicht getrennt, und chemisch auflösen kann man es natürlich auch nicht, es sind ja Aluminosilikate. Ich habe schließlich das Material so verdünnt, dass auf dem Deckglas die Diatomeen und der "Dreck" meist nebeneinander zu liegen kamen.
Ein weiteres Problem ist, dass die Diatomeenschalen auch verdreckt sind. Ich habe in meinen Zeichnungen nicht versucht, sie so wiederzugeben, als gäbe es das nicht. Ich habe weitgehend das gezeichnet, was ich gesehen habe. Alles in normalem Durchlicht bei 60x, nur das erste Bild entstand bei 40x.
Heute habe ich etwas gesehen, was der Form nach wie die Grünalge Pediastrum assah. Kann es freilich nicht sein, denn diese sind ja vergänglich. Weiß jemand Rat?
Die Bilder in der Reihenfolge unten:
Gyrosigma sp. (40x)
Navicula sp.
Suriella biseriata
Melosira granulata
unklar
Weiteres folgt.
Danke, Harald! So eine Vielfalt.
Hallo Uwe,
das ist super!!!!
Die ,,Gerüste" von den Pediastren sind normal in der Pelose und auch wunderschön!
lg
Anne
Hallo Uwe,
schön gezeichnet hast Du!
Die Hüllen von Pediastrum sp. bestehen aus recht widerstandsfähiger Zellulose. In dem Schlamm dürfe Sauerstoffarmut herrschen. Da wird die nicht so schnell abgebaut. Wie hast Du denn aufbereitet?
Beste Grüße
Gerd
Guten Morgen, ich habe eine linsengroße Menge (wirklich sehr wenig) mit ca 15 ml Wasser in einem Zentrifugenröhrechen verschüttelt, bis alles dispergiert war. Dann habe ich 15 Sekunden gewartet und danach den Überstand in ein neues Röhrchen überpipettiert. Nach einer Minute diesen Überstand weiter, nach 5 Minuten wieder weiter und nach 30 Minuten wieder. Das letzte habe ich zwei Stunde nstehen lassen.
Wie oben geschrieben, waren die Fraktionen 15s - 1 min und die Fraktion 1 min - 5 min sinnvoll auswertbar.
Ich habe vom Bodensatz ein ganz klein wenig (im µl -Bereich auf ein Uhrglasschälchen pipettiert und dann unter Sicht so weit verdünnt, bis es mir sinnvoll erschien. Das auf einem Deckglas eintrocknen lassen.
"Eingeschlossen" habe ich in Luft, d.h. das Deckglas mit Hilfe von Tesa- Abstandshilfen festgeklebt, wieder mit Tesa.
Hallo Uwe,
schöne Zeichnungen hast Du da angefertigt! Das Zeichnen von mikroskopischen Objekten ist ja heute nicht mehr so verbreitet, was eigentlich schade ist.
Neben dem Absinken lassen oder Zentrifugieren ist Sieben ein Weg, um solches Material zu reinigen. Große Diatomeen- Schalen sinken nämlich so schnell wie z.B. kleine Sandkörner. Als Siebmaterial verwende ich Edelstahlgewebe von ebay in verschiedenen Maschenweiten. Mit 25µ Maschenweite wird man nur wirklich kleine Diatomeen abreichern, selbst wenn man vorher nicht nach Absinktempo aufteilt. Bei 25µ geht das Wasser auch noch ganz gut durch. Das Gewebe schweißt man einfach mit einem warmen Gegenstand auf ein Kunststoffrohr, Filmdose, HT-Rohr, gelber Sack...
Viele Grüße,
Bob
Hallo Uwe,
Du hast also keine Chemie angewendet. Die Aufbereitung mit Wasserstoffperoxyd benutzt man ja nicht nur, um die organischen Bestandteile lebender Diatomeen zu oxydieren und somit in lösliche Bestandteile zu überführen, sondern auch in der Mikropaläontologie (darum handelt es sich ja hier streng genommen), um die mehr oder weniger zusammenkelbenden Sedimentkörner zu trennen. Das könnte auch hier sinnvoll sein, um das Zeug sauberer zu bekommen.
Beste Grüße
Gerd
Hallo Uwe,
das von Gerd empfohlene Wasserstoffperoxyd habe ich leider nicht, bzw. nur niederprozentig (wo gibt es 25 oder 30% Wasserstoffperoxyd zu kaufen?)
Ich siebe das Material grob, löse in ganz wenig Wasser auf und gebe die gleiche Menge Clorix zu, rühre gelegentlich um und wasche dann mit Wasser aus.
Die Diatomeen sind bei mir überwiegend sauber, die Schlammteilchen habe ich auch durch sieben noch nicht wegbekommen. Vielleicht muss ich damit leben :)
Bei 25µ Maschenweite bleibt bei mir immer noch viel Beimengung, Pediastrum habe ich auch dabei und Fichtenpollen.
Ich werde versuchen, die Schlammteilchen durch Ultraschall klein zu bekommen. Die Versuche laufen.
Viel Glück weiterhin wünscht Dir
Herbert
Zum Peloseschlamm gab es im Mikrokosmos vor Jahren mal einen schönen Artikel von E. Raap, weis nur nicht mehr genau wann.
Vielleicht hat ja jemand ein geordnetes Archiv und kann mitteilen in welcher Ausgabe.
pschmidt
Hallo
Der Artikel von Eberhard Raap und Ralf Nötzel ist hier als PDF Datei zu lesen.
https://www.zobodat.at/pdf/Mikrokosmos_89_4_0001.pdf
Auf Seite 37 in der PDF oder Seite 227 im Mikrokosmos.
Und hier hatte ich mich auch schon mal an Pelose versucht.
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34044.msg249343#msg249343
Gruß von Siegfried
Recht vielen Dank für die Antworten. 30%iges Perhydrol wird man nicht mehr kaufen können, weil man daraus ganz einfach explosive Gemische herstellen kann. Clorix sollte ähnlich wirken.
Ich versuche mal, diese Siebe zu bekommen. Damit bekommt man zumindest die feinen Tonbestandteile weg, die ich ja durch die Sedimentation auch schon ganz gut abgetrennt habe.
Ich melde mich wieder, wenn ich mehr gezeichnet habe.
Sowas nehme ich dafür : https://www.ebay.de/itm/Edelstahlsieb-Edelstahlgewebe-200mm-x100mm-25-34-42-50-62-Mesh-250-bis-500/182443645450?epid=1257460901&hash=item2a7a7d1a0a:g:8dQAAOSwADxcKPVp (https://www.ebay.de/itm/Edelstahlsieb-Edelstahlgewebe-200mm-x100mm-25-34-42-50-62-Mesh-250-bis-500/182443645450?epid=1257460901&hash=item2a7a7d1a0a:g:8dQAAOSwADxcKPVp)
Es gibt im Aquarien-Zubehör wohl auch kleine stapelbare Siebe, aber eher nicht mit dem robusten und gut zu reinigenden Edelstahlgewebe.
Hallo Bob,
genau diese Siebe habe ich auch. Auf PVC-Rohr Abschnitte, super Sache.
Herzliche Grüße
Herbert
Hallo Uwe!
Ist Deine "Grünalge" nicht eine Radiolare. Manchmal schmuggelt sich bei mir in Diatomeenpräparate auch eine Radiolare ein.
vG Peter - mikropit
Hallo Pelose-Fans,
Pelose war auch meine erste Probe auf der ich im wahrsten Sinne des Wortes wochenlang herumgekocht habe.
Pelose ist nicht einfach zu reinigen!
Was aber an Pelose schön ist, ist dass sie unglaublich gesättigt ist mit Diatomeen und daher auf jeden Fall zu einem Erfolgserlebnis führt.
Ich hatte diese mit Schwefelsäure oxidativ gereinigt.
Ob es mit anderen Mittel such klappt, hängt wohl auch vom Anspruch an die Reinheit ab.
Auf jeden Fall ein tolles Material!
lg
Anne
Hallo Peter,
Uwes Grünalge ist ganz sicher eine Grünalge. Sie kommt in der Pelose recht oft vor.
Hallo Uwe,
schön mal wieder Zeichnungen zu sehen, kommt viel zu selten vor.
Es freut mich, dass Du bei Deiner Präparation erfolgreich warst.
Hallo zusammen,
wer die (Heil-)Schlammschlacht gewonnen hat, kann die Methoden ähnlich auch auf Schlamm von Gewässerböden anwenden. Darin finden sich viele schöne und sehr gut erhaltene Diatomeen. Mit dabei sind Blätter, Kronenkorken, Schlamm, Steine und Sand. Letztere zwei lassen sich chemisch nicht entfernen. Gegenüber Pelose wäre Sieben mit Teesieb, 300µ und 150µ eine sinnvolle Ergänzung.
Viele Grüße,
Bob
Da es heute nachmittag zu regnen anfing, habe ich noch zwei Zeichnungen gemacht. In den Proben sind nict nur recht komplett erhaltene Skelette, sondern auch Fragmente. Die sind Teil des Vergnügens, und deshlab habe ich die Zeichnungen damit garniert. Sie lagen manchmal etwas weiter entfernt, ich habe das in der Zeichnung etwas zusammengerückt.