Moin,
ich habe wie schon lange beabsichtigt endlich mit der Herstellung von Diatomeen-Präparaten beginnen können. Harald hat mir netterweise etwas Pelose zugeschickt und Rainer ein wenig Naphrax und so konnte es am Wochenende endlich losgehen.
Eigentlich wollte ich mit der Herstellung einiger Streupräparate beginnen. Die Reinigung der Pelose stellte sich jedoch trotz Einsatz von konz. H2O2 und konz. HNO3 als schwierig heraus. Es waren noch immer einige Verunreinigungen vorhanden, sodass ich das Ganze nicht wirklich so eindecken wollte.
Durch fraktionierte Sedimentation habe ich es auch nicht geschafft, nahezu ausschließlich ganze Diatomeen zu erhalten. Entweder hatte ich "viele" Diatomeen und sehr viel Bruch und Verunreinigungen oder weniger Bruch, aber nahezu keine Diatomeen mehr...
Evtl. muss ich doch nochmal mit konz. H2SO4 kochen... Hat vielleicht jemand eine schon erprobte, genauere Reinigungsvorschrift für Pelose für mich?
Da ich die Präparate-Herstellung aber noch nicht aufgeben wollte, habe ich ganz nach dem Motto "Manchmal muss man rennen bevor man laufen kann" einfach direkt mit dem Legen von Diatomeen begonnen. Ich hatte ja nun einige leidlich saubere Pelose-Diatomeen-Proben und habe einfach per Hand die sauberen und heilen Exemplare aussortiert und diese dann in Naphrax eingedeckt.
Der Titel ist ein wenig irreführend, das unten gezeigte Präparat ist schon das dritte gewesen, ich musste ein wenig mit der Dicke des Klebegrunds und eindecken in Naphrax experimentieren, aber für den Anfang bin ich sehr zufrieden.
Für die weitere Verbesserung meiner Präparate habe ich nun wieder einige Fragen:
1. Wie ihr seht habe ich ein kleines Staubproblem. Das Legen der Diatomeen dauerte einige Stunden und in der Zeit hat sich feiner Staub auf dem Klebegrund abgesetzt, der dann mit eingedeckt wurde. Habe ich extra nicht digital entfernt um das Problem zu zeigen.
Hat dafür einer der erfahrenen Diatomisten einen Tipp? (Außer die Verwendung eines Reinraums...) Den groben Staub habe ich manuell mit der Legeborste vor dem Eindecken entfernt...
2. Fallen euch noch grobe Fehler beim Eindecken, Legen etc. auf, die ich bevor ich wieder mehrere Stunden ins Legen investiere, beim nächsten Präparat anders machen sollte? Habt ihr weitere Tipps um zu noch schöneren Präparaten zu kommen?
3. Zur Fotografie. Die Bilder sind im Auflicht-DF am Olympus BHM entstanden. Das erste Bild mit dem 5er Objektiv ohne Stacken, 2 Bilder gestitcht um das ganze Präparat abzubilden. Das zweite Bild ist mit dem 10er Objektiv entstanden und dementsprechend gestitcht und gestackt. Das dritte Bild ist ein Ausschnitt aus dem 2. in voller Auflösung. Wie ihr seht, sieht man einige Diatomeen im ersten Bild farbig, fast wie polarisiert. Dieser Effekt trat mit dem 10er-Objektiv nicht auf. Liegt das an der Orientierung der Diatomeen/Drehung des Objektivs? (Das 2. Bild ist gegenüber dem 1. ursprünglich gedreht gewesen...)
4. Ich bin auch sehr an der Benennung der einzelnen Formen interessiert. Hat jemand evtl. Lust sich das mal anzuschauen? Habe ich in der Pelose evtl. noch viele Formen "verpasst"?
5x, Auflicht-DF/Olympus BHM
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures011/298074_41421720.jpg)
10x, Auflicht-DF/Olympus BHM
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures011/298074_37251161.jpg)
10x, Auflicht-DF/Olympus BHM
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures011/298074_66824994.jpg)
Ich hoffe ich habe jetzt nicht zu viele Themen vermischt und euch mit Fragen erschlagen, ich bin nur gerade von dem Thema gerade sehr begeistert und froh über meine ersten eigenen Präparate.
Viele Grüße
Jan
Hallo Jan,
das Thema interessiert mich, da ich auch gerade mit Pelose experimentiere.
Die sauber zu bekommen stellt sich auch für mich sehr schwierig dar.
Interessieren würde mich, wie Du bei der Lege-Arbeit vorgegangen bist?
Leider kann ich kein Bild sehen, nur weiße Flächen :'(
Herzliche Grüße
Herbert
Hallo Herbert,
hm. Bei mir werden die Bilder sowohl im Browser als auch auf dem Handy richtig angezeigt... Wie sieht es bei den anderen aus?
Ich habe die heilen Diatomeen mit der Legeborste von einem Objektträger mit eingetrockneter Diatomeen-Lösung zunächst auf einem sauberen Objektträger vorselektiert. Von dort habe ich sie dann wieder mit der Legeborste einzeln auf einem mit Klebegrund beschichteten Deckglas gelegt.
Danach wurde das Deckglas erwärmt um die Diatomeen in den Klebegrund einsinken zu lassen und im Anschluss in Naphrax eingedeckt.
Viele Grüße
Jan
Hallo Jan,
Dunkelfeld ist natürlich die kritischste Einstellung, da sieht man absolut alles!
Deine vielen Pünktchen sind ziemlich sicher Dreck im Klebegrund.
Hast Du Shellack als Klebgrund verwendet?
Pelose ist schwer zu reinigen. Ich würde auch empfehlen fraktioniert zu sieben.
Also z.B. eine Fraktion größer 100 mikrometer und eine Fraktion größer 30 mikrometer. Dann hat man schon mal viel von dem Dreck weggesiebt.
lg
Anne
Hallo Jan,
ich kann Deine Bilder sehen. (Windows, Firefox)
Wenn Du etwas mutiger bei dem Setzten des Scharzpunkts im Bild vorgehst, verschwinden zumindest einige, aber leider nicht alle der Unsauberkeiten.
Deck doch die halbfertigen Präparate mit einem Petrischalendeckel ab, da fällt zumindest in den unvermeidlichen Arbeitspausen kein Staub mehr auf dar Präparat.
Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg!
Rainer
Hallo Jan,
ich sehe sehr schön deine Legepräparate! Auch ich bin an Pelose sehr interessiert und erwarte schon länger eine Lieferung von 1,5 kg von dem Zeug. Ich werde vor allem mit dem 35% Wasserstoffperoxid die Reinigung versuchen. Da mich bei den Diatomeen vor allem die Artenzusammensetzung interessiert gehe ich mit höherer Apertur an das Thema und verwende 40x und 60x Objektive und arbeite mit schiefer Beleuchtung. Deine Dunkelfeld-Aufnahmen sind vor allem farblich eine visuelle Freude. Ich erwarte weitere Ergebnisse von dir.
Mikrogrüße
Peter
Hallo,
leider wird die Anzeige der Bilder verweigert. :-\
Firefox und Edge.
Gruß
Peter
Hallo,
ich habe jetzt noch einmal geschaut. Mit Firefox scheint es zu gehen, mit Edge werden die Bilder warum auch immer nicht angezeigt, obwohl ich sie sehe, wenn ich die Adresse des Bilds im Browser direkt eingebe... Hat das schon einmal jemand gehabt?
@Anne
Genau, ich habe Schellack verwendet. Das mit dem Klebgrund ist ein guter Tipp. Ich werde mal schauen ob die Pünktchen bei frisch beschichteten Deckgläsern ebenfalls auftreten... Zur Filtration: Womit filtrierst du so fein? Gaze?
@Rainer
Das habe ich tatsächlich bereits gemacht. Allerdings ist während des Arbeitens immer noch Staub auf das Deckglas gefallen...
Ggf. sind die kleinen Punkte, die mich am meisten stören aber auch gar kein Staub, wenn Anne recht hat... Ich werde mal etwas abgestandeneren Schellack ausprobieren. Den groben Staub kann ich sonst manuell wieder entfernen...
@Peter
35% H2O2 habe ich tatsächlich auch verwendet, das hat schon einiges gebracht, aber ich war nicht 100% zufrieden. Ggf. ist wirklich Sieben die Lösung..
@Rainer
Viele Grüße
Jan
Hallo,
ich habe die Bilder jetzt noch einmal verkleinert und auf den Forums-Webspace hochgeladen. Ich hatte bisher Bilder immer auf meinem eigenen Server, aber wenn es so zuverlässiger funktioniert nun also auf diese Weise...
Viele Grüße
Jan
Hallo Jan,
das Präparat ist klasse geworden!
Zu den Pünktchen: Schellack ist ja ein Naturprodukt, es könnte sein, dass das noch Originaldreck aus Indien oder wo auch immer ist. In der üblichen hohen Verdünnung läuft er gut durch einen Papierfilter.
Und Schellack wird ja üblicherweise in Ethanol gelöst und der ist kräftig hygroskopisch. Ist zuviel Wasser drin, wird die Klebegrund-Schicht ungleichmäßig.
Dein Präparat und die Bilder sind trotzdem klasse, man soll ja nicht immer auf das gucken, was nicht perfekt ist.
Viele Grüße,
Bob
Hallo Jan,
danke, jetzt sehe ich Deine Bilder.
Da hast Du Dir ja wahnsinnig viel Arbeit gemacht, Chapeau!
Herzliche Grüße
Herbert
Hallo Jan,
wie ich sehe warst Du fleißig :D. Schönes Ergebnis, weiter so!
Hallo Jan,
da die Pünktchen so regelmäßig sind, gibt es 2 Hauptverdächtige:
Dreck im Klebegrund oder Kristalle im Naphrax.
lg
Anne
Hallo Jan,
ja der Staub ist immer ein leidiges Problem. Ich habe mir für mein Stereomikroskop, unter dem ich Dauerpräparate baue, einen Glaskasten gebaut (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=40166). Zum Arbeiten wird die vordere senkrechte Scheibe entfernt, die nur von 4 Neodymmagneten gehalten wird. Das ist natürlich kein Reinraum, aber das macht schon sehr viel aus. Vorher habe ich mit großen Kunststofftüten gearbeitet, aber zum einen kann man die nach kurzer Zeit wegwerfen, weil die den Staub anziehen und sich nicht wirklich gut reinigen lassen und zum anderen bewegt man die ständig, wenn man darunter herumfummelt, was auch staubtechnisch nicht optimal ist. Wenn ich jetzt so eine Arbeit anfange, wird vorher alles nochmal feucht abgewischt, bevor es losgeht. Hilft schon sehr, aber eben nicht zu 100%.
Was im Winter sehr zur Straubreduktion beiträgt, ist das Abstellen der Heizung etwa eine halbe Stunde vor Beginn der Arbeit und über die Zeit der Arbeit, denn die wälzt viel Luft und damit Staub durch das Zimmer. Das gild natürlich nur für klassische Heizkörper, nicht für Fußbodenheizungen.
Ach, ja, und eine Mundnase-Bedeckung bekommt hier auch noch mal einen höheren Sinn, weil man sonst viel Luft in der unmittelbaren Umgebeung des Präparierplatzes bewegt.
Beste Grüße
Gerd
Hallo,
ich kann mir kaum vorstellen, dass das Staub ist! Vielleicht kannst Du mal eine Aufnahme bei gekreuzten Polfiltern zeigen?
Herzliche Grüße
Peter
Hallo zusammen,
"mein" Staub setzt sich eigenlich immer aus Partikeln unterschiedlicher Größe zusammen, darunter auch immer Fasern, teilweise recht lang. Das würde im Präparat dann anders aussehen.
Viele Grüße,
Bob
Hallo,
ja, auch für mich sieht das, was da im Präparat zu sehen ist, nicht von oben hinein gekommen ist. Staub tritt überwiegend als "Fusseln" auf.
Beste Grüße
Gerd
Hallo,
mein Staub besteht tatsächlich auch zu großen Teilen aus Fasern. Ich habe nur die groben wieder mit der Legeborste manuell entfernt... Also würde ich Staub als Ursache zumindest nicht völlig ausschließen.
Aber ihr habt recht, die Verteilung ist schon ziemlich regelmäßig und die Idee mit dem Dreck aus dem Schellack erscheint mir auch am wahrscheinlichsten. Ich habe deshalb vorhin meine Schellack-Lösung filtriert und einige neue Deckgläser beschichtet.
Ich werde dann die nächsten Tage mal ein neues Präparat herstellen und berichten.
Danke auch für das Lob zum Präparat. Ich war tatsächlich überrascht wie gut das nach ein wenig probieren ging... Die Hauptvorraussetzung sind starke Nerven beim Platzieren der Diatomeen und bei den Handbewegungen in der Nähe des Präparats... Ich hatte noch eines mit 4x4 Diatomeen hergestellt und dann leider beim Fixieren des Klebegrunds fallengelassen...
@Peter Gekreuzte Polfilter habe ich leider nicht, aber das wäre natürlich eine gute Möglichkeit um festzustellen ob es sich um Kristalle handelt...
Viele Grüße
Jan
Hallo Jan,
gekreuzte Polfilter hast Du nicht! wenn man solche Präparate herstellt, dann solltest Du aber auch die entsprechenden Polfilter haben.
Was hast Du für ein Mikroskop?
Herzliche Grüße
Herbert
Recht vielen Dank für diese Bilder! Ich sehe mir ja auch die Pelose an und erkenne vieles wieder. ich sehe aber auch Formen, die ich bislang noch nicht unterm Objektiv hatte.
Hallo Herbert,
tatsächlich habe ich einige Mikroskope, habe aber aufgrund der Insektenfotografie, die bisher mein Haupt-Fokus war, sehr wenig bzw. keine Durchlicht-Technik. Ich habe ein Olympus BHM (Auflicht), ein Zeiss Standard-RA, sowie mehrere Stereomikroskope. Das RA war früher mit Lucigen-Beleuchtung ausgestattet und hat dementsprechend weder Kondensor noch klassische Durchlicht-Beleuchtung. Dementsprechend habe ich bisher tatsächlich kein Mikroskop an dem man vernünftig köhlern und "normale" Durchlicht-Fotos machen kann. Das soll sich aber demnächst definitiv ändern, da ich von Diatomeen (und auch Pflanzenschnitten) zunehmend begeistert bin.
Die Bilder sind am Olympus mit Auflicht-DF entstanden.
Viele Grüße
Jan
Hallo Jan,
ich verwende zum reinigen von Pelose die "kalte Mehode" aus dem Dokument "diatomeen_gesamt.pdf"
der Naturwissenschaftlichen Vereinigung Hagen e.V. Ich verdünne den Schlamm
erstmal mit Wasser, das ganze durch ein 190µ Sieb gegeben um den groben Dreck
loszuwerden und dann habe ich die kalte Methode aus dem Dokument benutzt.
Wirklich aufpassen das nicht zuviel Kaliumpermanganat genommen wird.
Ich habe Präparate die sich hinterher dadurch teilweise verfärbt haben.
Mit H²O² 30% habe ich experimentiert, auch mit Natriumhypochlorid.
Damit hatte ich keine befriedigenden Ergebnisse bei Pelose.
LG Rene
Hallo Rene,
einen eventuellen Überschuß an Kaliumpermanganat kann man mit Oxalsäure, in Form einer gesättigten wässrigen Lösung, beseitigen. Die Oxalsäure wird durch das restliche Kaliumpermanganat zu Kohlendixyd oxydiert. Es sprudelt etwas. Alle Verunreinugungen werden anschließend durch mehrmaliges Waschen mit destilliertem Wasser entfernt. Bitte die Oxalsäurelösung ausreichend lang einwirken lassen. Am Ende sollte eine schneeweiße Diatomeensuspension vorliegen.
Viele Grüße
Rainer
Hallo Rainer,
die Oxalsäure ist ja Bestandteil der Prozedur.
mein Problem ist die Rot-Grün Schwäche der Augen,
ich kann die Farbe der Suspension bei der Zugabe von Kaliumpermanganat
nicht richtig erkennen(der Übergang von braun nach violett).
Mittlerweile hab ich aber ein passendes Maß gefunden.
LG Rene