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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: hinrich husemann in Dezember 15, 2009, 22:17:09 NACHMITTAGS

Titel: Konoskopische Kleinigkeiten
Beitrag von: hinrich husemann in Dezember 15, 2009, 22:17:09 NACHMITTAGS
Hallo Konoskopiker,
Kleine Ursache, erkennbare Wirkung: Links konoskopische Achsenbilder von Natriumnitrat-Kristallen NaNO3, rechts (bzw. jeweils drunter) von Kaliumnitrat-Kristallen KNO3. NaNO3 ist einachsig. Trotz größter chemischer Ähnlichkeit KNO3 aber zweiachsig, wenn auch der Achsenwikel noch recht klein ist. Das Kalium-Ion K^+ ist eben merklich "dicker" als das Natrium-Ion Na^+.

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Konoskopische Mikrogrüsse
H. Husemann
Titel: Re: Konoskopische Kleinigkeiten
Beitrag von: Oliver S. in Dezember 16, 2009, 12:29:15 NACHMITTAGS
Sehr interessant,
hat denn jedes Salz ein für es typisches konoskopisches Bild?
Gruss,
Oliver

(ps: du kannst in chemischen Formeln mit den "sup"  und "sub" Schaltflächen auch Zahlen hoch- oder  tiefstellen. Bsp KNO3)
Titel: Re: Konoskopische Kleinigkeiten
Beitrag von: TPL in Dezember 16, 2009, 14:59:06 NACHMITTAGS
Zitat von: Oliver S. in Dezember 16, 2009, 12:29:15 NACHMITTAGShat denn jedes Salz ein für es typisches konoskopisches Bild?

Hallo Oliver,
ich grätsche hier mal herein: Außer den apparativen Parametern (numerische Apertur, Sehfeld und Tubuslänge) werden die konoskopischen (Achsen-) Bilder nur von den kristallografischen Eigenschaften der durchstrahlten Substanzen bestimmt (und nicht unmittelbar von chemischen Eigenschaften, obwohl die beiden vielfach eng zusammenhängen).

Sofern also die Salze (oder andere Kristalle) sich in ihrer Symmetrie, ihren Achsenwinkeln und Brechungsindices unterscheiden, haben sie auch ein charakteristisches konoskopisches Bild. Diese Eigenschaft wird in der Petrografie zur Identifizierung der Glieder in Mischkristall-Reihen verwendet (z.B. bei den Feldspäten, Olivinen, Amphibolen). Die Voraussetzungen zur quantitativen Bestimmung sind allerdings heftig: die präzise Einstellung einer geeigneten Schnittlage (mit dem Spindeltisch oder Universaldrehtisch), der Tubuslänge (mit variablem Achsenbildertubus) und monochromatisches Licht.

Eines der geläufigsten Salze hat übrigens ein total unspektakuläres Bild im konoskopischen Strahlengang: Steinsalz (Halit) ist isotrop und müsste deshalb ein konzentrisches Streifenmuster zeigen - stimmt's, Herr Husemann?
Titel: Re: Konoskopische Kleinigkeiten
Beitrag von: hinrich husemann in Dezember 16, 2009, 16:05:36 NACHMITTAGS
Hallo Konoskopiker,
Steinsalz - Natriumchlorid NaCl - kristallisiert kubisch flächenzentiert, also in der höchsten Symmetrieklasse. Es ist deshalb nicht doppelbrechend und hat deshalb auch keine entsprechenden Achsen; infolgedessen meines Wissens auch kein strukturiertes Achsenbild (unterscheidet sich in dieser Beziehung also nicht von Glas). Freundliche Mikrogrüsse
H. Husemann